Bruno Hübner – Sportdirektor

Das war letzte Woche in der Nachberichterstattung über den Heimsieg des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf die große Randgeschichte: Bruno Hübner wird vor dem Spiel zum Interview mit Pfiffen empfangen und wenige Minuten später mit Beifall überhäuft. Die Pfiffe galten wahrscheinlich vor allem dem Verkauf von Dorge Kouemaha und der Beifall den beiden Ausleih-Verpflichtungen Sören Larsen und Änis Ben-Hatira. Hat diese Reaktion des Publikums irgendeine Aussagekraft zum Wert von Bruno Hübners Arbeit, die über den Moment hinausgeht? Das gehört also auch zur Qualifikation eines Sportdirektors im Profifußball, emotionale Stabilität gegenüber dem Wankelmut eines Massenpublikums.

Es waren und sind keine einfachen Aufgaben, die Bruno Hübner da zu lösen hat für den MSV Duisburg, seitdem er im Januar 2008 seine Arbeit aufnahm. Aber wie sieht diese Arbeit eigentlich Tag für Tag aus? Ich meine, darüber etwas zu wissen, ist doch die Grundvoraussetzung, um den Wert dieser Arbeit gerecht zu bemessen. So ein Sportdirektor ist doch für Spielerverpflichtungen zuständig, könnte dann salopp gesagt werden. Stimmt schon, aber das scheint von Verein zu Verein auch ganz unterschiedlich in der Verantwortung gehandhabt zu werden. Vielleicht werde ich demnächst mal ein längeres Interview mit Bruno Hübner machen, um diesen Arbeitsalltag ein wenig genauer bestimmen zu können.

Gerade Ben-Hatiras Verpflichtung etwa wirkt auf mich wie ein Meisterstück in Sachen Verhandlungsführung. Aber es ist eine zweite Frage, ob dieser Spieler angesichts des vorher schon gut besetzten offensiven Mittelfelds den Kader tatsächlich verstärkt. Geschieht das nicht, ist das dann auch die Verantwortung von Bruno Hübner? Schließlich hängt das wiederum sehr von der Arbeit des Trainers ab.  Letzte Saison hieß es, Spieler werden nur nach einstimmiger Befürwortung durch die Troika Hellmich, Neururer und Hübner verpflichtet. Wie kann dann öffentlich Verantwortung zugemessen werden, wenn der individuelle Anteil verschwindet. Ganz davon zu schweigen, dass wir überhaupt nichts darüber wissen, wie der Vertrag mit Sören Larsen zustande kam. Das muss doch einen Vorlauf gehabt haben. Waren Kontakte vorhanden und wurden Gespräche geführt? War dafür Bruno Hübner alleine verantwortlich? Ist das sein Erfolg? So wird es jetzt gesehen. Und sind nun solche Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit grundsätzlich besser als jene mit Strihavkas Verein, über die schon in den Medien berichtet wurde. In der Sommerpause wollen Fans Namen hören. Strihavka ist dann doch nicht gekommen, und das ist für manchen Fan die Schuld Bruno Hübners.

Man erkennt, wie schmal der Grat ist, auf dem ein Sportdirektor wie Bruno Hübner sich bei Vertragsverhandlungen bewegt. Da gibt es eine Öffentlichkeit, die gerade zwischen den Spielzeiten über die Zusammensetzung des zukünftigen Kaders informiert werden will. Dieses öffentliche Interessse erschwert aber fast immer Verhandlungen. So etwas gehört zum Tagesgeschäft. Komplizierter wird es außerdem auch deshalb, weil sich die Arbeitsbereiche der Vereinsführung überlappen – notwendiger Weise, weil Arbeitsteilung im Fußball nicht vollständig sein kann. Ohne entsprechende Finanzplanung gibt es keine Spielerverpflichtungen und ebenso gilt es, dass die Vorstellungen des Trainers vom Spiel der Mannschaft berücksichtigt werden müssen.

Vielleicht ist aber gerade diese Abhängigkeit der Arbeit Bruno Hübners der Grund für meinen Eindruck, erst seitdem Peter Neururer als Trainer beim MSV Duisburg begonnen hat, erhält die Arbeit von Bruno Hübner Konturen. Vielleicht fehlte ein starker Gegenpol zu Walter Hellmich? Vielleicht gilt aber auch für einen Sportdirektor beim MSV Duisburg, erst nach einer Zeit der Einarbeitung erreicht man die gewünschte Produktivität. In der Rückrunde der letzten Saison wurde für mich jedenfalls deutlich, Bruno Hübner kann die realistischen Ziele seiner Arbeit immer auch ins Hoffnungsvolle dehnen. Um diese Ziele zu erreichen, besitzt er zudem Strategien und Kontakte. Und gerade im Zusammenspiel mit Peter Neururer kommen seine Qualitäten deutlicher zur Entfaltung als es mit Rudi Bommer je gewesen ist.

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