Football against the enemy – Simon Kuper

In künstlich aufgeregten Zeiten wie diesen, bin ich es schnell leid, mich mit so etwas Unbedeutenden wie der Zukunft von Peter Neururer zu beschäftigen. Jeder weitere Gedanke daran scheint mir verschwendete Lebenszeit, und zwar nicht weil mir das Schicksal des MSV Duisburg egal wäre, sondern weil ich nicht das Gefühl habe, Peter Neururer spielt mit offenen Karten. In solchen künstlich aufgeregten Zeiten halte ich es immer für eine gute Idee, sich dem Zeitlosen zu widmen, nämlich dem sehr interessanten, überaus klugen und unterhaltsam geschriebenen, kurzum dem äußerst gelungenen Fußballbuch von Simon Kuper „Football against the enemy“.

Simon Kuper ist ein 1969  geborener Sportjournalist mit britischer Staatsangehörigkeit, dessen Biografie ihn genau genommen zu einem Vorzeige-Europäer macht. In Uganda wurde er als Sohn südafrikanischer Eltern geboren. Die Familie scheint holländische Vorfahren gehabt zu haben, so wuchs Simon Kuper ab dem siebten Lebensjahr in den Niederlanden auf und lebt nunmehr in Frankreich. Das nenne ich multikulturell und weltoffen.

Das mag mit ein Grund dafür sein, dass Simon Kupers Interesse für den Fußball sich auf keine Region beschränkt. Fußball wird überall auf der Welt gespielt und überall sind interessante Geschichten rund um den Fußball zu finden. Kuper war knapp über 20, als er Anfang der 90er Jahre neun Monate durch die Welt reiste und dabei 22 Länder besuchte, einzig mit dem Interesse mehr über den Fußball der jeweiligen Region herauszufinden. Da ging es dann um den Fußball in einer Stadt ebenso wie um den Fußball einer Nation. Als Sportjournalist war er damals noch unerfahren und seine Unsicherheiten dieser Zeit fließen manchmal als humorige Randnotiz in diese spezielle Textmischung aus Essay und Reportage mit ein.

Die Texte dieser Zeit sind keineswegs überholt, sondern zeitlos, weil sie in immer neuen Perspektiven das Funktionärswort Lügen strafen, beim Fußball ginge es immer nur um den Sport. Fußball kann ein Projekt sein, mit der eine Gesellschaft versucht sich zu finden wie in Südafrika oder zu stabilisieren wie in Argentinien. Im Fußball können Politik und Kriminalität zueinander finden dank hoher Verdienstmöglichkeiten mittels Menschenhandel vulgo Vereinswechsel mit Ablösesumme wie in der Ukraine Anfang der 90er. Im Fußball können religiöse Konflikte ihre Fortsetzung finden wie bei Celtic und den Rangers in Glasgow. Kuper erzählt aber auch von einem Fan-Dasein, das die DDR als staatsgefährdend bewertete oder er findet weitere Mosaiksteinchen in der langen Kulturgeschichte der Fußballfeindschaft zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Kupers Texte sind auch deshalb zeitlos, weil er die einzelnen Anstöße für seine Geschichten rund um den Fußball immer mit kulturgeschichtlichen und historischen Hintergründen erhellt. Zudem besitzt er einen scharfen Blick für typische Momente des Fußballs.  Was er erzählt, kann an einem anderen Ort in dieser Welt ähnlich geschehen, natürlich regional eingefärbt.  Kuper vergisst nie, dass es im Fußball immer auch um das Gewinnen geht, um das Mitfiebern der Zuschauer und um das, was den Fan am Fußball bewegt. Doch eines erfährt man durch ihn auf unterhaltsame Weise auch, Fußball ist immer mehr als nur dieser Sport. Manchmal verdeckt, manchmal ganz offensichtlich.

Simon Kuper: Football against the enemy. Oder: Wie ich lernte, Deutschland zu lieben. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009. Aus dem Englischen von Markus Montz. 379 Seiten. € 16,90 (Original: Football against the enemy, Orion Publishing Group, London)

3 Antworten to “Football against the enemy – Simon Kuper”


  1. 1 Trainer Baade 1. Oktober 2009 um 11:58

    Da wollte ich doch glatt auf einen Link verweisen, der sich der holländisch-deutschen Fußball-Rivalität „etwas anders“ nähert als von Dir hier bezüglich Kuper dargestellt, da merk ich in letzter Sekunde: Der Link zitiert nur aus einem Werk von einem gewissen – Simon Kuper. Pf.

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  2. 2 Kees Jaratz 1. Oktober 2009 um 12:24

    Hast du wegen „Feindschaft“ gedacht, sind ohnehin die alten Geschichten? Für mich findet er was Neues, weil er den Blick auf die Spieler mit surinamesischen Wurzeln lenkt und deren anderes Verhältnis zu Deutschland als jener Teil der holländischen Bevölkerung, für die die Deutschen die Besatzer waren. Obwohl sie da keine besondere Abneigung hegten, konnten sie sich den Emotionen nicht entziehen.

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  1. 1 links for 2009-09-30 | Du Gehst Niemals Allein Trackback zu 30. September 2009 um 13:05

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