Archiv für Oktober 2009

Die Grenzen des Coachings austesten

Als Jürgen Klinsmann einst den Hockey-Trainer Bernhard Peters als technischen Direktor zum DFB holen wollte, ging ein Raunen durch Fußballdeutschland. Beim DFB hat das dann ja nicht geklappt. Doch in Hoffenheim leistet der Mann inzwischen gute Arbeit und so ist Fußballdeutschland vielleicht an Quereinsteiger so gewöhnt, dass der MSV Duisburg bei der Suche nach einem neuen Trainer der Blick nach Österreich und zum Frauenhandball zu empfehlen ist. Gunnar Prokop, Trainer der Frauenhandballmannschaft von Hypo Niederösterreich, ergriff im Champions-League-Spiel seiner Mannschaft gegen HB Metz in der letzten Spielminute ungewöhnliche Coaching-Methoden wie hier zu sehen ist bei 0:12 Minuten.

Hätte Peter Neururer dieser Mann schon zur Seite gestanden, vielleicht könnte er immer noch Trainer des MSV Duisburg sein. Schließlich leistet er  vor den Mikros sämtlicher Journalisten der Sportmedien bedingungslosen Einsatz schon lange. Jemand hätte ihn nur auf die Idee bringen müssen, nach dem Verschießen seiner „letzten Patrone“ sich auch im rustikalen Waffenlager umzusehen. Da wäre am Spielfeldrand noch das ein oder andere drin gewesen. Und wir hätten dann sogar von einer Tradition des aggressiven Coachings in Duisburg sprechen können. Eine Schule, die, wie wir wissen,  Norbert Meier begründet hat.

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Angler spielen kein Golf und reden wenig

Ob Klaus Augenthaler sich für den MSV Duisburg interessiert, wenn der MSV Duisburg sich für ihn interessiert, wird man abwarten müssen. Beim 1. FC Nürnberg in der Ära des Michael A. Roth hat er ja seine Erfahrungen mit einem Unternehmertyp wie Walter Hellmich gemacht. Augenthaler klingt für mich jedenfalls als krasses Gegenprogramm zu Peter Neururer nicht schlecht. Nicht nur weil er zurzeit statt Golf zu spielen fischen geht und Tennis bevorzugt, sondern auch weil er in diesem Interview mit der AZ ein paar Gedanken über den gegenwärtigen Fußball äußert, die ich nachvollziehen kann. Darüber hinaus besitzt er Stil, wenn man sich hier die legendäre Pressekonferenz beim Vfl Wolfsburg ansieht:

Kommt meinen Sätzen von heute morgen etwas in die Quere, aber vielleicht ist er heute ja auch etwas gelassener geworden. Wegen Frank Pagelsdorf mache ich mir allerdings keinen Gedanken, der morgen schon wieder hinfällig sein könnte.

Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.

Das muss sein: Recherche, Recherche, Recherche

Wenn du eine Idee zu einer Geschichte hast und dir zu deiner Geschichte zu wenig Szenen einfallen, hast du einfach nicht genügend recherchiert. So was sagen amerikanische Drehbuchautoren zu handwerklichen Grundlagen des Schreibens. Dieser Rat lässt sich zweifellos auch auf journalistisch inspiriertes Schreiben ausweiten. Denn in zwei Zeitungsmeldungen von gestern steckt eindeutig eine Geschichte über den MSV Duisburg. Doch in mir sträubt sich alles gegen erste Sätze. Dazu müsste ich erst zu recherchieren beginnen, um die Geschichte mit Fakten zu füllen und Spekulationen möglichst klein zu halten.

Nach meinem Empfinden gibt es inzwischen nämlich genügend Spekulationen – vor allem zur Zukunft von Peter Neururer. Für Peter Neururer werde die Luft dünner, heißt es in der einen Meldung, in der sich Tatsachenbehauptungen und Spekulationen schon derart vermischen, dass je nach Stimmungslage des Lesers er eine Entlassung als bereits beschlossen verstehen kann. In dem Zusammenhang bleibt aber diese zweite Meldung nicht ohne Bedeutung: Andreas Peters, der vor allem von Fan-Gruppierungen in den Aufsichtsrat gewählt wurde, tritt als Aufsichtsratmitglied zurück. Er beklagt den Verlust des Vertrauens zu anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums und macht sich „erhebliche Sorgen“ um die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg. Im msvportal werden diese Sorgen schon länger thematisiert, zunächst geschah das in jenem Thread und seit einiger Zeit vor allem in diesem.

Eine mögliche Entlassung Peter Neururers und die wirtschaftliche Situation des MSV Duisburg stehen also vielleicht in einem Zusammenhang. Deshalb wären weitere Recherchen notwendig. Kann sich der MSV Duisburg überhaupt einen neuen Trainer leisten? Denn an Rücktritt scheint Peter Neururer ja nun nicht mehr zu denken. Wenn er sich den neuen Trainer leistet, wie kann dieser Verein wirtschaftlich überleben? Wo kommt das Geld für Abfindungen her? Schließlich wurde nach Beginn der Saison ein wichtiger Spieler verkauft, um DFL-Auflagen zu erfüllen und anschließend wurde  eingenommenes Geld – zum Teil? – in Gehälter investiert.

Fußballvereine seien keine normalen Wirtschaftsunternehmen, las ich neulich als Kommentar eines Finanzfachmanns zur finanziellen Situation vom FC Schalke 04. Da könne immer mal jemand überraschend kommen,  der aus der Klemme hilft. In diesem Zusammenhang mit dem FC Schalke 04 fiel mir sogleich die Systemrelevanz ein. Ob der MSV Duisburg systemrelevant ist oder nur einer der vielen mittelständischen Betriebe, die leider nur für die Region wichtig sind und deshalb diese überraschenden Hilfen – wenn nötig – nicht erhalten, scheint mir eine offene Frage zu sein. Ich sagte ja, ohne Recherche ist das eigentlich keine Geschichte, und dafür dass das noch gar keine richtige Geschichte ist, sind doch schon einige Sätze zusammengekommen.

Das Pokalspiel als Farce

Ihr kennt das geflügelte Wort von den weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich immer ein zweites Mal ereignen? Karl Marx hatte dem hinzugefügt, das erste Mal als Tragödie das zweite Mal als Farce. Zwar war es keine Tragödie, die ich im letzten Jahr erlebt habe, als ich das Ausscheiden des MSV Duisburg im DFB-Pokal gegen den TSV 1860 München beim Bier nach dem Basketball mitbekam, gestern aber war es mit Sicherheit eine Farce. Für den MSV Duisburg, aber auch für mich.

Sämtliche Pläne des gestrigen Tages in Sachen DFB-Pokal zerschlugen sich. Für den MSV Duisburg und für mich. Zum Spiel selbst erübrigt sich jedes Wort. Wenn schon Peter Neururer nichts dazu einfällt, dem Mann, der noch jede Niederlage bislang in eine erzählenswerte Geschichte für die Journalisten verwandeln konnte. Da bleibt uns nur zu schimpfen oder die Farce zu erzählen, die man selbst erlebt hat. Denn der Plan war doch gewesen, meine 2:1-Sieg-Vorhersage nach dem eigenen Meisterschaftsspiel in der Kneipe am Deutzer Rheinufer bestätigt zu sehen. Auf dem Weg von der Sporthalle Richtung Deutzer Brücke blitzten dann die Erinnerungen an das letzte Jahr auf. Ich sah mich auf den Flachbildschirm starren, hatte schon das Grün des Rasens vor Augen, sah das Gestochere und die kläglichen Angriffsbemühungen gegen München und mich überkam so ein komisches Gefühl der Scham, weil ich so naiv den Sieg gegen Augsburg mit minutiöser Torfolge-Angabe verkündet hatte. Ich kam mir auf einmal so lächerlich vor, riss mich dann aber zusammen und dachte, das wird schon gut gehen. Selbst wenn die Niederlage kommen sollte, das Kölsch wird schmecken, deine Mitspieler werden frotzeln und du wirst bei allem möglichen Ärger einigermaßen zufrieden nach Hause fahren.

Wir kommen am Rheinufer an, schließen unsere Fahrräder ab und im selben Moment wird es auf der Promenade stockduster. Stromausfall? Nein! Die Kneipe war zu. Nur ein Bewegungsmelder hatte für Licht bei unserer Ankunft gesorgt. Es gab kein Kölsch, dafür aber den Mitspieler, der im Auto gefahren war und nicht nur vom 3:0-Sieg des FC wusste, sondern auch den 3:0-Rückstand des MSV verkündete. Was für eine Wiederholung der Enttäuschung im letzten Jahr. Ich stehe im Dunkeln, nirgendwo erinnert irgendetwas an ein Fußballspiel, nur in mir gibt es dieses bohrende Gefühl, da ist doch was gewesen. Ein 3:0-Rückstand, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Haben wir das in dieser Saison eigentlich schon mal gesagt? Man kann verlieren, aber doch nicht so. Haben wir das schon mal gesagt? Ich frage ja nur, weil mir das so bekannt vorkommt. Man kennt den MSV Duisburg allmählich auch als „Aber-Team“. Den Begriff schütze ich als Marke. Da soll mir keiner zuvorkommen.

Ich bedauer alle, die den Weg nach Augsburg auf sich genommen haben oder wie Tina vor dem Fernseher saßen. Eine Farce! Für den MSV Duisburg etwas mehr als für mich. In Deutz gibt es wenigstens noch andere Kneipen. Eine andere Niederlage als diese gestern gibt es für den MSV Duisburg leider nicht.

Vor dem Pokalspiel gegen den FC Augsburg

Dienstagabend ist Basketballabend. Das wisst ihr allmählich, und eigentlich hatte ich vor, meine guten Erfahrungen beim Spiel gegen Mönchengladbach zu wiederholen. Ich wollte auf Basketball verzichten. Gerade weil es sich im Gegensatz zum letztjährigen Pokalspiel gegen den TSV 1860 München bereits um das Achtelfinale handelt, war ich bereit, den Abend nicht in der Sporthalle zu beginnen, sondern sofort in die Kneipe am Deutzer Rheinufer zu gehen. Dort wollte ich bei der Pokalübertragung vor dem Fernseher auf meine Mitspieler warten. Zu meinem Glück spielt ja der FC bereits um 19 Uhr, so dass ich zumindest die zweite Halbzeit recht ausführlich hätte zu sehen bekommen. Nun haben wir heute ein Meisterschaftspiel und erhebliche Verletzungssorgen. Nicht nur Bernd Korzynietz plagen zurzeit Hüftbeschwerden, auch bei uns ist von grippalem Infekt über Kapselverletzungen an Fingern der rechten Hand bis hin zu Entzündungen der Sehnen an verschiedenen Körperteilen alles an Gründen vorhanden, dass Spieler nicht auflaufen können. Das MSV-Fieber ist da noch am leichtesten zu behandeln, deshalb muss ich in den sauren Apfel beißen und komme erneut erst zum Ende der zweiten Halbzeit vor den Fernseher.

Ich hoffe, zu dem Zeitpunkt steht es bereits 2:0 nach Toren von Larsen in der 51. Minute und Ben-Hatira in der 66. Wir werden noch einen Gegentreffer in der 74. Minute bekommen, damit sich für mich die letzten Minuten vor dem Fernseher auch lohnen. Es wird aber bei dem Ergebnis bleiben. Diese Voraussage an der Stelle hier stellt einen Versuch dar, weil meine Vorhersagekraft vor Auswärtsspielen gegenüber Einzelpersonen bislang nicht weiter wirkte. Vor wichtigen Spielen müssen auch einmal ungewöhnliche Wege gegangen werden.

Wer sich bis zum Abend noch ein wenig die Zeit vertreiben möchte, findet hier eine von der Augsburger Allgemeinen veröffentlichte Zeitungsbeilage anlässlich der Eröffnung des neuen Augsburger Stadions zu Beginn der Saison. Überfliegt man dort die Seiten, werden Erinnerungen wach. So ein Stadionneubau weckt Hoffnungen und beflügelt die Fantasie. Wir, in Duisburg, sind da mit unserem Stadion schon ein wenig in die Jahre gekommen. Bei uns in Duisburg ist ein erwachsenes Gefühl an die Stelle von jugendlichem Optimismus und naivem Ehrgeiz getreten. Ich weiß nicht genau, ob ich dieses erwachsene Gefühl Realismus oder Resignation nennen soll.  So ein neues Stadion schießt auf Dauer auch nicht mehr Tore als die gegnerische Mannschaft. So ein neues Stadion ist nämlich auch nur ein Bauwerk, das vor allem Fußballspieler mit Leben füllen müssen. Wir Zuschauer machen das ohnehin. Der Umgang mit Menschen ist aber nicht so leicht berechenbar wie der Umgang mit Baumaterial. Walter Hellmich kennt sich mit diesem Unterschied inzwischen bestens aus. Wie man bei dieser Pressekonferenz übrigens hören kann, hält Jos Luhukay viel vom MSV Duisburg. Im zweiten Clip antwortet er bei Minute 11:58 auf die Frage, „was macht Duisburg richtig gut?“ Wir hören „Erfahrung“ und „Torgefahr in allen Mannschaftsteilen“. Dann wollen wir mal hoffen, dass sich seine Einschätzung bewahrheitet.

Vom Himmel fiel ein Ball zum Torerfolg – Der Heimsieg gegen Hansa Rostock

Wenn ich derart, nämlich mit präzisen Ergebnisvoraussagen gegenüber Dritten, dazu beitragen kann, den Erfolg des MSV Duisburg zu ermöglichen, bin ich gerne bereit, daran mitzuarbeiten, wovon wir seit letzter Woche bis zur Winterpause nicht mehr sprechen. Dieses Mal kündigte ich den 3:1-Sieg der Bloggerkollegin Tina an, gegen Berlin war es die Tipprunde. An den Auswärtssiegen muss ich allerdings noch was arbeiten, da scheint sich meine wirklichkeitsbestimmende Macht nicht zu entfalten. Vielleicht hat einer der Spieler des Vereins aller Veine eine Idee, woran das liegen kann. Ich bin da ganz offen für Vorhersagebedingungsumstellungen. Peter Neururer sah sich ja vor dem Spiel gegen Hansa Rostock ebenfalls gezwungen, Veränderungen bei der Mannschaftsaufstellung vorzunehmen. Ein anderes taktisches System sollte den Erfolg ermöglichen.

Ob dieser Sieg aber tatsächlich der veränderten Taktik zu verdanken war, lässt sich keineswegs so sicher sagen wie der Sieg für alle aussieht, die nur das Ergebnis kennen. Das war mal wieder ein typisches MSV-Erlebnis gestern im Stadion. Diese Mannschaft gewinnt mit 3:1, doch richtig zufrieden gehen die wenigsten nach Hause. Was war das für ein Gegrummel beim Rausgehen. Grundsätzlich fühlen sich Siege ja besser an als Niederlagen oder Unentschieden, doch um das Stadion herum schwirrten diese unzähligen „aber“  durch die Luft. Ich habe dazu beigetragen. Natürlich ist es in Ordnung, in der zweiten Halbzeit erst einmal abzuwarten, was der Gegner noch macht, wenn man mit drei Toren Vorsprung führt. Dienstag arbeiten wir ja weiter am Projekt „Berlin“. Wenn Rostock nun nur mit gebremsten Schwung aus der Kabine kommt, gibt es eben nicht viel zu sehen. Warum aber habe ich nach dem einen Tor der Rostocker in der 70. Minute bis zwei Minuten vor Spielende die Sorge, der Verein aller Vereine könnte den Sieg noch verspielen? Ich befürchte, das hat dann doch mit der nicht allzu stabilen spielerischen Qualität der Mannschaft zu tun. Andererseits besitze ich ja einen unerschütterbaren Grundoptimismus und sehe, wie diese Zweitligamannschaften, bislang mit Ausnahme von Bielefeld und Kaiserslautern (?), nicht allzu konstant ihre Leistungen zeigen können. Um noch einmal meine stets so lang wie möglich bestehende Hoffnung anzudeuten, von der wir bis auf weiteres schweigen.

Gleichzeitig wird aber auch die Erinnerung an die erste Halbzeit wieder wach, einer Halbzeit, in der wir zwei überaus vorsichtige Mannschaften gesehen haben, die partout keine Fehler machen wollten und natürlich Fehler über Fehler machten. Doch man sah auch eine Mannschaft des MSV Duisburg, die diese Fehler entschiedener ausbügelten als die Rostocker. Spielfluss kam da nicht groß auf. Die Tore ergaben sich ja keineswegs aus dem kontinuierlichen Aufbau von immer mehr Chancen. Mir kommt im Rückblick die erste Halbzeit vor wie der lange Spielzusammenschnitt einer Sportsendung. Zu sehen waren mal längere, mal kürzere Einheiten des Spiels, die aber keinen Rhythmus entwickelten. Alle drei Tore stehen als einzelne Momente des Spiels für sich und fügen sich für mich nicht als Höhepunkte in eine Einheit. Gerade das erste Tor von Frank Fahrenhorst wirkte so,  als ob da ein Ball kurz vor dem Rostocker Strafraum aus dem Himmel gefallen kam. So ein göttliches Zeichen kann dann natürlich zu jenem bewegungslosen Staunen führen, das die Rostocker Verteidigung überfiel. Sie schienen den Angriff des MSV Duisburg für abgeschlossen zu halten, als sie beobachteten, wie Adam Bodzek nach der ersten Klärung des für Rostock wenig gefahrvollen Angriffs zum Volleyschuss ansetzte. Dass er damit nur die kunstvolle Variante eines Passes auf den vor dem Tor völlig frei stehenden Frank Fahrenhorst versuchte, konnten sie natürlich nicht ahnen. Kühl hat Fahrenhorst die Chance verwandelt, und da ich meine Sicht auf die Wirklichkeit den billigen Pointen vorziehe, ist die Torgefahr in beide Richtungen hier völlig fehl am Platz. Denn hinten war Fahrenhorst nicht besser oder schlechter als seine Mitstreiter. Allesamt waren immer mal wieder für ein wenig Ballgeflipper gut, allesamt hatten immer mal wieder kurze Orientierungsprobleme bei der Bestimmung, wie nah der gegnerische Stürmer schon dem Tor gekommen war. Allesamt aber waren immer wieder auch bemüht um kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive heraus.

Chavdar Yankov zeigte, wie wichtig er für diesen kontrollierten Spielaufbau ist. Nicht nur wegen seines beeindruckenden Tores war er für mich der beste Mann auf dem Platz. Wenn nach vorne gar nichts ging, konnte ihm der Ball überlassen werden. Raumgewinn brachte das nicht unbedingt, doch die sichere Ballkontrolle war ungeachtet der Zahl der Gegenspieler gewiss. Wie wichtig er für das Spiel des MSV Duisburg ist, wird auch deshalb so deutlich, weil Adam Bodzek zurzeit nur defensiv überzeugt. Unser Sportlehrer hatte sich einmal ein kurioses  Fußballspiel überlegt, bei dem zwei Spieler einer Mannschaft ein Band in der Hand halten mussten und so sich paarweise bewegend einen einzigen Spieler der Mannschaft bildeten. Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken, so einen zweiten Spieler direkt bei sich könnte Adam Bodzek gut gebrauchen. Der übernähme dann den Spielaufbau und Adam Bodzek müsste sich seine gute Defensivleistung nicht immer wieder durch katastrophale Fehler im Spiel nach vorne kaputt machen. Gestern machte er mich immer wieder nervös, sobald er sich den Ball erobert hatte. Dieses Tal der Teilleistung Offensvispiel ist hoffentlich bald durchschritten.

Dass Sören Larsen arbeitet und ackert war von Anfang zu sehen. Inzwischen ist er in der Mannschaft angekommen. Nicht nur wie er sich vor dem zweiten Tor den Ball erobert hat, sondern auch das anschließende, technisch saubere Ausspielen des Torwarts war so sehenswert wie die Reingabe erfolgreich. Ich hätte zudem gerne Änis Ben-Hatira im innigen Jubel mit Larsen gesehen. Schließlich war es hauptsächlich das Tor von Larsen. Zwar gab es den dankenden Fingerzeig, doch auch an Ben-Hatiras  Jubel ist wieder zu erkennen, da gibt es weiter Arbeit bei der Persönlichkeitsbildung. Meiner Meinung nach braucht er während der Woche ununterbrochen jemanden, der ihm sagt, ohne die Mannschaft kannst du nicht glänzen. Sein Spiel war gestern schon mannschaftsdienlicher als in den Wochen zuvor, einiges mehr ist da aber noch möglich. Außerdem darf Christian Tiffert nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur, dass seine spielerische Leistung weiter stabil bleibt und über ihn ein schnelles Passspiel immer möglich ist, darüber hinaus zeigt er eine Ausstrahlung und Präsenz auf dem Spielfeld, die andere Spieler mitreißen kann.

War das nun ein Sieg, weil Rostock zu schwach war? Was war die eigene Stärke, um die sich bietende Chance zum Sieg zu nutzen? Verdeckt der Sieg den klaren Blick auf Schwächen? Wie wir die Dinge sehen, bestimmt unsere Gefühle. Weil es keine eindeutigen Antworten auf die gestellten Fragen gibt, gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Was wir vom MSV dieser Saison nach so einem Spiel weiter erwarten können, ist wenig vorhersehbar. Was mich nicht hindert, auch in Zukunft meinen Teil zum erhofften Erfolg beizutragen.


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