Das Pokalspiel als Farce

Ihr kennt das geflügelte Wort von den weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich immer ein zweites Mal ereignen? Karl Marx hatte dem hinzugefügt, das erste Mal als Tragödie das zweite Mal als Farce. Zwar war es keine Tragödie, die ich im letzten Jahr erlebt habe, als ich das Ausscheiden des MSV Duisburg im DFB-Pokal gegen den TSV 1860 München beim Bier nach dem Basketball mitbekam, gestern aber war es mit Sicherheit eine Farce. Für den MSV Duisburg, aber auch für mich.

Sämtliche Pläne des gestrigen Tages in Sachen DFB-Pokal zerschlugen sich. Für den MSV Duisburg und für mich. Zum Spiel selbst erübrigt sich jedes Wort. Wenn schon Peter Neururer nichts dazu einfällt, dem Mann, der noch jede Niederlage bislang in eine erzählenswerte Geschichte für die Journalisten verwandeln konnte. Da bleibt uns nur zu schimpfen oder die Farce zu erzählen, die man selbst erlebt hat. Denn der Plan war doch gewesen, meine 2:1-Sieg-Vorhersage nach dem eigenen Meisterschaftsspiel in der Kneipe am Deutzer Rheinufer bestätigt zu sehen. Auf dem Weg von der Sporthalle Richtung Deutzer Brücke blitzten dann die Erinnerungen an das letzte Jahr auf. Ich sah mich auf den Flachbildschirm starren, hatte schon das Grün des Rasens vor Augen, sah das Gestochere und die kläglichen Angriffsbemühungen gegen München und mich überkam so ein komisches Gefühl der Scham, weil ich so naiv den Sieg gegen Augsburg mit minutiöser Torfolge-Angabe verkündet hatte. Ich kam mir auf einmal so lächerlich vor, riss mich dann aber zusammen und dachte, das wird schon gut gehen. Selbst wenn die Niederlage kommen sollte, das Kölsch wird schmecken, deine Mitspieler werden frotzeln und du wirst bei allem möglichen Ärger einigermaßen zufrieden nach Hause fahren.

Wir kommen am Rheinufer an, schließen unsere Fahrräder ab und im selben Moment wird es auf der Promenade stockduster. Stromausfall? Nein! Die Kneipe war zu. Nur ein Bewegungsmelder hatte für Licht bei unserer Ankunft gesorgt. Es gab kein Kölsch, dafür aber den Mitspieler, der im Auto gefahren war und nicht nur vom 3:0-Sieg des FC wusste, sondern auch den 3:0-Rückstand des MSV verkündete. Was für eine Wiederholung der Enttäuschung im letzten Jahr. Ich stehe im Dunkeln, nirgendwo erinnert irgendetwas an ein Fußballspiel, nur in mir gibt es dieses bohrende Gefühl, da ist doch was gewesen. Ein 3:0-Rückstand, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Haben wir das in dieser Saison eigentlich schon mal gesagt? Man kann verlieren, aber doch nicht so. Haben wir das schon mal gesagt? Ich frage ja nur, weil mir das so bekannt vorkommt. Man kennt den MSV Duisburg allmählich auch als „Aber-Team“. Den Begriff schütze ich als Marke. Da soll mir keiner zuvorkommen.

Ich bedauer alle, die den Weg nach Augsburg auf sich genommen haben oder wie Tina vor dem Fernseher saßen. Eine Farce! Für den MSV Duisburg etwas mehr als für mich. In Deutz gibt es wenigstens noch andere Kneipen. Eine andere Niederlage als diese gestern gibt es für den MSV Duisburg leider nicht.

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