Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.

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