Archiv für November 2009

… das Wort ward nicht gebrochen

Einige Zeit ist es schon her, als das Studium der Soziologie einen Erstsemester während der Einführung in die Methodik der Sozialforschung auf direktem Weg zu gesellschaftspolitischen Debatten leitete. Damals, das war Anfang der 80er Jahre, begegnete man an den Universitäten immer mal wieder noch Frontverläufen aus der Zeit der Studentenbewegung. Dann ging es in Seminarräumen plötzlich darum, ob statistische Erhebungen nicht Machtinteressen dienten und ob uns die Erzählung vom Einzelfall im Gegensatz zur Statistik nicht sehr viel mehr über Probleme der Gesellschaft sagt.

Als Fußballzuschauer wissen wir natürlich schon immer, was in der Soziologie erst später wieder zur allgemeinen Lehre wurde, die eine Betrachtung der Wirklichkeit schließt die andere nicht aus. Die Zahlen der Tabelle spiegeln Wahrheit wider, und durch ein 2:2-Unentschieden erhält der MSV Duisburg den immer gleichen einzigen Punkt. Vor 14 Tagen war das so gegen RW Ahlen, an diesem Wochenende war es erneut so gegen den FC Augsburg. Die Qualität des 2:2-Unentschiedens spiegelt sich in den Zahlen aber nicht wieder. Diese Qualität lässt sich nur durch das Erzählen vom Spiel selbst ermitteln.

War das 2:2-Unentschieden vor 14 Tagen eine gefühlte Niederlage, so war das Spiel am Samstag ein gefühlter Sieg. In den ersten zehn Minuten war noch zu merken, wie auf dem Spielfeld um die grundsätzliche Ausrichtung des Spiels gerungen wurde. Die Augsburger wollten ins Spiel kommen, der MSV Duisburg ließ sie aber nicht. Entschlossen und früh wurde verteidigt. Es gelang, schnell auf den Angriff umzuschalten. Die Augsburger waren gezwungen, sich immer weiter in ihre Hälfte zurück zu ziehen. Allerdings stand die Augsburger Abwehr innerhalb des Strafraums ebenfalls recht sicher – bis auf den Patzer  von Uwe Möhrle, der zur Großchance mit dem Lattentreffer von Änis Ben-Hatira führte.

Auch wenn sich diese große Torchance von Änis Ben-Hatira nach einem Ballvortrag auf dem linken Flügel ergab, gefährlich wurde es immer wieder vor allem auf der rechten Seite. Zunächst zeigte Olcay Sahan dort ein großes Spiel, bis er nach der Auswechslung von Caiuby ab der 60. Minute auf dem linken Flügel damit weiter machte. Er war sicher im Dribbling, fand fast immer den rechten Moment, um abzuspielen und kam alleine oder im schnellen Passspiel immer wieder an den Rand des Augsburger Strafraums. Für die dauerhafte Torgefahr fehlte dann aber einer der verletzten Stürmer.

Selbst die 1:0-Führung der Augsburger durch ihre erste Chance per Sonntagsschuss brachte den MSV nicht aus dem Tritt. Sogar nach dem 2:0 in der 64. Minute war nur kurz die Enttäuschung bemerkbar. Die Mannschaft wollte nicht aufgeben. Trotz des ersten Elfmetertores konnte ich noch nicht an den guten Ausgang des Spiels glauben, weil es zu wenig wirklich gefährliche Chancen gab. Da kam der zweite Elfmeter natürlich zupass. Als Christian Tiffert antrat, konnte ich erst nicht hinsehen. Nur aus dem Augenwinkel sah ich den Schuss und war sofort erleichtert, weil der Ball eine halbhohe Flugbahn nahm. So sehen sicher verwandelte Elfmeter aus, das habe ich in Worten natürlich nicht gedacht, aber gefühlt. Der Ausgleich war so gerecht, so sehr hatte die Mannschaft das Spiel bestimmt, so viel hatten sie für das Spiel gegeben.

Die beiden Energiequellen des Spiels zeigten sich für mich im unterschiedlichen Jubel von Sahan und Tiffert. Da gab es den Überschwang der Freude bei Sahan und die konzentriertere, stillere Freude bei Tiffert, in der eher Bestätigung zum Ausdruck kam. Konzentrierte Arbeit bei gleichzeitiger Spielfreude waren die Schlüssel für diesen noch gelingenden Ausgleich.

Als Stichworte zu einzelnen Spielern fällt mir noch ein: Olivier Veigneau knüpft an seine starke letzte Saison an. Ivica Grlic wirkt als unverzichtbarer Ruhepol in dieser Mannschaft. Für Caiubys so häufig kraftlos wirkende Spielweise gelingt ihm zu wenig. In einer so engagiert wirkenden Mannschaft kann er von seinen Mitspielern nur mitgetragen werden, wenn er bei dieser Spielweise punktuell wirkungsvoll ist und das heißt Vorlagen geben oder Tore erzielen.  Überhaupt nicht nachvollziehbar ist für mich die  Bewertung von Kristoffer Andersen im RevierSport. Meiner Meinung nach gehörte er zu den besten Spielern des Spiels. Hinten war er als Außenverteidiger schnell und sicher am Mann, nach vorne machte er das ganze Spiel über immer wieder Druck über die rechte Seite, wenn er entweder im Direktpassspiel mit Sahan bis an die Grundlinie ging oder im Eins-gegen-Eins-Dribbling gerade zum Ende des Spiels hin alleine zwei, manchmal drei Gegner ausspielte und ihm dann noch eine vernünftige Anschlussaktion gelang.

Das Geschehen nach dem Spiel auf den Stehplätzen wird angesichts der Mannschaftsleistung zur Randnotiz.  Eins nur scheint mir so offensichtlich zu sein –  der Rest dessen, was mir zum Thema Fans durch den Kopf geht, wird einmal mehr auf einen eigenen Beitrag verschoben –  also, Konflikte entwickeln häufig eine eigene Dynamik, die die Konfliktpartner dann immer ähnlicher werden lassen. Der eigentliche Anstoß des Konflikts gerät dabei allmählich in Vergessenheit. Es ist interessant, dass das selbst in Fußballstadien bei der Auseinandersetzung zwischen einer Fangruppierung und den Vereinsverantwortlichen so ist. Die im Konflikt angewendeten Mittel dienen dann nur noch der Aufrechterhaltung des Konflikts, und der Konflikt selbst wird zum Sinn des Daseins. Auch bei Tina ist zu lesen – gerade in den Kommentaren – andere Fans haben für diese Art Auseinandersetzung mit dem Verein wenig Verständnis. Diese Fans sind nach dem Spiel zufrieden gewesen, so wie es Milan Sasic versprochen hatte.  Sein Wort ward nicht gebrochen. Es brauchte dazu nur ein Spiel Anlauf.


Der kleine Erziehungsratgeber

Als pädagogische Maßnahme schwächt Liebesentzug auf Dauer das Selbstbewusstsein. Nicht von ungefähr hat sich bei Wikipedia noch niemand gefunden, der dieses Stichwort mit Inhalt füllen wollte. Darüber sollten sich Fans im Klaren sein. Mit Wachrütteln von Spielern ist da aus psychologischer Sicht bei offensichtlicher Missachtung der eigenen Spieler nicht viel zu holen. In so einem Fall, wie ihn die „Kohorte“ unlängst öffentlich gemacht hat, müssen auch Fans ehrlich mit sich selbst sein und akzeptieren, dass sie mit dieser Missachtung nur eigene Gefühle zum Ausdruck bringen. Was sie ohne Zweifel dürfen. Nur über die Wirkung müssen sie sich eben sehr bewusst sein.

Allerdings handelt es sich beim Verhältnis zwischen Fußballfans und Fußballspielern ja nicht in erster Linie um ein pädagogisches Verhältnis, und so gibt es auch andere Einflüsse, die Fans berücksichtigen sollten, wenn sie sich Gedanken machen über ihre Haltung zum Spiel des MSV Duisburg. Und da sehe ich eine Bewegung auf Seiten des Vereins, wie es sie seit Jahren nicht mehr beim MSV Duisburg gegeben hat. Motor dieses sich ändernden Verhältnisses zu den Fans scheint vor allem Bruno Hübner zu sein. Womöglich gibt es dafür ganz konkrete wirtschaftliche Gründe, wie es Tina vermutet, wenn sie einen Zusammenhang zwischen Verlängerung des Sponsorenvertrages mit Schauinsland und der Beziehung des Vereins zu den Fans herstellt. Wichtig sind diese Gründe nicht. Wichtig ist das Ergebnis, und das lässt sich seit der Verpflichtung von Milan Sasic als Trainer sehen.

Außerdem fällt seitdem bei Berichten über Trainer und Mannschaft um so mehr auf, wie sehr sich Peter Neururer immer auch selbst in den Medien zum Thema gemacht hat, wenn eigentlich über den MSV Duisburg berichtet wurde. Es ist wohltuend zu bemerken, wie sehr es seit der Verpflichtung von Milan Sasic weniger um Personen sondern um die Sache selbst geht. Ich wünsche mir sehr, dass die Zuschauer vor dem Spiel gegen den FC Augsburg daran denken. Ärgerlich könnte man dann immer noch werden. Und natürlich hoffe ich, dass das angesichts der dann gezeigten Leistung überhaupt nicht nötig ist.

Sie wollen nur das Beste für das Kind

Im niederrheinischen Kapellen versuchen Eltern zurzeit Fußball als Einzelsportart im Spielbetrieb des SC Kapellen zu etablieren. Nicht ganz deutlich wird allerdings, ob die Eltern ihren Sohn für so überaus gut oder für viel zu schlecht in dieser Einzelsportart halten. Förderung heißt die Devise in jedem Fall. Und was wir aus den Schulen wissen, bestätigt sich auf dem Fußballplatz, Deutschland ist eine Förderwüste. Gut, dass Kinder Eltern haben, die für sie eintreten. Denn auf jeden Fall wollen Eltern nur das Beste für das Kind.

Der Sieg wird eine Familie zusammenführen

Erst verbreitet sich ungläubiges Staunen über die Gesichter, dann ist ein unbändiges Rufen der Freude zu vernehmen, fünf Menschen fallen sich in die Arme und über sämtlich vorhandene Wangen rinnen die Tränen des Glücks. So toll ist es gestern hier noch nicht zugegangen, aber eine Geschichte voll von solchen emotionalen Momenten könnte ich vielleicht erfinden und damit passend zur Vorweihnachtszeit dem MSV Duisburg einen herzenserwärmenden  Auftritt in den menschelnden Ressorts der deutschen Medienlandschaft schenken, eine Geschichte, die diesen Verein in ganz Deutschland in strahlend hellem Licht erscheinen lässt.

Gestern ist nämlich die Entscheidung gefallen. Nach diesem Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth werde ich mir das Auswärtsspiel in Paderborn ansehen. Dort werde ich Schwager und Schwägerin nebst Kindern treffen, die ich zuletzt im Sommer gesehen habe. Was ich aber für die medienwirksame Geschichte tunlichst verschweige. Stattdessen werde ich erzählen, wie uns vor Jahren ein entsetztlicher Stau auf der A2 bei der Rückfahrt von einem Familientreffen in Wolfenbüttel getrennt hat. Das letzte, was ich von dieser Familie damals sah, war das verzweifelte Winken kleiner Kinderhände aus den hinteren Fenstern des Autos, als ich von der A2 abfuhr, um die Umleitungsstrecke zu nehmen, während meine Schwägerin, auf der Mittelspur, abgeschottet von zwei langsam rollenden Lkws neben ihr, nicht mehr die Spur wecheln konnte.

Ich werde Anfang Dezember erzählen, wie dieses Wiedersehen nur deshalb geschah, weil zwei Wochen zuvor, der MSV Duisburg ein Spiel zeigte, wie es in dieser Form nicht zu erwarten gewesen war. So viele Verletzte hatte es gegeben, und ich werde im Nachhinein noch einmal diesem „letzten Aufgebot“ dankbar sein. Ich werde erzählen, dass ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, auch wenn ich natürlich auf einen Sieg getippt hatte, um die Götter zum Beistand zu zwingen.

Ich werde erzählen, wie meine Fahrt nach Paderborn am seidenen Faden gehangen hat, als ich fassungslos hören musste, dass ein Elfmeter für Fürth gepfiffen wurde – zehn Minuten vor Spielende. Dann dieser erleicherte, freudige Ausruf von Marco Röhling. Über das Tor geschossen! Ja! Und ebenso könnte ich erzählen, wieder einmal schafft es der MSV Duisburg nicht bei all seinen Kontern ein zweites, beruhigendes Tor zu erzielen. Im Gegenteil, eine letzte Fürther Großchance bahnte sich an, so deutlich war es an Marco Röhlings immer hektischerem Sprechen erkennbar. Doch auch dabei erwies sich der Fürther Spieler als Chancentod.

Nach dem Schlusspfiff schließlich wusste ich, dieser Weg nach Paderborn ist mir nicht zu weit. Ich könnte dann von meiner Hoffnung erzählen, neben dem nächsten Auswärtssieg vielleicht auch noch Hinweise auf den Verbleib der so lange vermissten Familienmitglieder zu finden. Was für eine rührende Geschichte! Flankierende Maßnahme wird so etwas  in den Sprachformeln der Politik gerne genannt. Denn Bruno Hübner möchte tatsächlich sehr intensiv an der Außendarstellung des Vereins aller Vereine arbeiten. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen SpVgg Greuther Fürth fand er grundsätzliche Worte zum Umgang des Vereins mit den Medien und den Fans. Es bestätigt sich mein Eindruck, der Mann weiß um die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit. Er braucht Unterstützung!

Vier

Ein komisches Gefühl beschlich mich, als ich vorhin in den Dreiuhr-Nachrichten im Radio von vier manipulierten Zweitligaspielen der letzten Saison gehört habe. Der Gedanke, der MSV Duisburg könne betroffen sein, bedroht ja nicht nur meine Haltung zum Spiel sondern auch mein Schreiben. Während es vorhin im Radio hieß, aus ermittlungstaktischen Gründen nenne man noch keine Vereine, berichtet SPIEGEL ONLINE mit Bezug auf die Neue Osnabrücker Zeitung bereits von zwei manipulierten Auswärtsspielen des Vfl Osnabrück. Es bleiben  noch zwei weitere Spiele.

Weiterbildung Arbeitsrecht

Wie soll das Kind denn nun heißen? Bruno Hübner sagte gestern im RevierSport, es sei definitiv keine Abmahnung gewesen, die Manfred Gloger da erhalten habe. Heute in der NRZ wird die „Abmahnung“ wieder aus der Wörterkiste hervorgeholt, allerdings ist sie keine im „arbeitsrechtlichen Sinn“, und es wird nicht ganz deutlich, ob Walter Hellmich da salopp mit dem Begriff hantiert oder die Journalisten noch einmal etwas so nennen wollen, was sie schon einmal ganz exklusiv so genannt haben und deshalb nicht Abstand davon nehmen können. Die indirekte Rede lässt da Interpretationsspielraum: „Hellmich stellte dabei heraus, dass es sich bei der Abmahnung gegen Torwarttrainer Manfred Gloger nicht um eine Maßnahme im arbeitsrechtlichen Sinne gehandelt habe“.

Zweifellos aber erweisen sich Walter Hellmich und die NRZ-Journalisten Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann im kongenialen Zusammenspiel sprachschöpferisch und schlagen einen Pfad in den bislang noch für mich völlig unerschlossenen Bedeutungsraum des Wortes Abmahnung abseits der Rechtssprache. Um diesen Bedeutungsraum dauerhaft zu gewinnnen, müsste aber konkretisiert werden, welches Verhalten mit so einer bislang noch unbekannten Abmahnung verbunden ist. Verständlicher wird man für seine Umwelt durch solche Bedeutungsvarianten nicht, aber individueller, künstlerischer. Bis dieses mit der Begriffserweiterung verbundene Verhalten von den NRZ-Journalisten und Walter Hellmich geklärt ist, betreiben wir hier ein wenig Weiterbildung in Sachen Abmahnung im Allgemeinen und Abmahnung im Arbeitsrecht im Speziellen.

Bruno Hübner hatte  die Situation übrigens souverän geklärt.  Nicht nur gegenüber der RevierSport sondern auch, wie im MSVPortal zu lesen ist, am Mittwochabend vor den Fans. Da hätte Walter Hellmich gar nicht erst in Süddeutschland ausfindig gemacht werden müssen. Wenn Bruno Hübner nun noch in Zukunft dabei nicht mehr Einzelkämpfer des Vereins bleibt, könnte was daraus werden aus der von mir so erhofften Kommunikation nach außen.

So kann man sich täuschen

Das sind meine Worte von gestern:

„Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum.

So kann man sich täuschen. Bei Der Westen lese ich also, Manfred Gloger wurde abgemahnt. Nun kann ich also von einem Bild dieser heftigen Differenzen erzählen, das ich gestern beim Schreiben ständig im Kopf hatte. Gestern schien es mir nur unpassend, dieses Bild öffentlich zu machen. Dieses Bild schien mir wie ein billiger Gag auf Kosten von Manfred Gloger, ein Gag, der nur der Unterhaltung der Leser diente und nicht einem Erkenntnis fördernden Interesse. Das glich mir viel zu sehr jener personenkonzentrierten, stimmungsmachenden und faktenlosen  Berichterstattung des Sportjournalismus, die mir überhaupt nicht gefällt.

Ich sah also gestern beim Stichwort „heftig“, Manfred Gloger mit wüstestem Schimpfen einen Ball in Richtung Milan Sasic schießen. Manchmal kommen solche Gags also der Wirklichkeit nahe. Zunächst aber dachte ich, Uwe Speidel müsse als Co-Trainer mit den größeren Kompetenzen unter den verbliebenen zwei Trainern derjenige sein, der sich am ehesten mit den offensichtlich unterschiedlichen Vorstellungen der neuen Trainer auseinandersetzt. Doch dann kam mir ständig jener Manfred Gloger aus der 10. Folge von „Mitten in Meiderich“ in die Quere. Ihn konnte man dort als einen Menschen erleben, der eine deutliche und, vorsichtig formuliert, rustikale Sprache spricht. Man konnte vermuten, so eine Sprache bringt einen Menschen in Schwierigkeiten, wenn er sie in Konflikten benutzt. Nirgendwo sonst gab es eine Person beim MSV Duisburg, die ich eigentlich mit dieser Sprachformel des Journalismus für ein grundsätzliches Zerwürfnis, den „heftige Differenzen“, in Verbindung bringen konnte.

Ob es nun für diese heftigen Differenzen Meinungsunterschiede inhaltlicher Art gibt, wissen wir noch immer nicht. Bislang wirkt das Ganze eher so, als ob Milan Sasic seit seinem Engagement in Kaiserslautern seine sozialen Fertigkeiten nicht viel verändert hat. Was zu lesen ist, gleicht jenen Streitgeschichten, die die Fans dort in ihrem Forum erzählten. Was mir Sorge bereitet, ist aber außerdem folgende Formulierung im NRZ-Artikel, die die eigentliche Nachricht einleitet: „Wie die Redaktion aus informierten Kreisen des Vereins erfuhr“.

Mit diesem Satz wird wieder deutlich, zum einen gibt es innerhalb des Vereins nicht nur informierte Kreise sondern auch interessierte Kreise und zwar mit einem Interesse, das nicht ganz auf der gegenwärtigen vorgegebenen Linie liegt. Damit zusammen hängt der erneute Eindruck, die Verantwortlichen im Verein ergreifen nicht sämtliche notwendigen Maßnahmen, um eine Einheit im Verein selbst herzustellen und eine Einheit mit allen am Verein interessierten Menschen. So eine Einheit, und zwar nicht nur die der Mannschaft, ist erfolgsfördernd! Ich mag naiv sein, aber dennoch sei gesagt, eine Einheit, die dauerhaft sein soll und nicht von jedem kleinen Rückschlag wieder in Frage gestellt wird, so eine Einheit ist nur durch Kommunikation herstellbar. Intern und nach außen! So eine disziplinarische Maßnahme darf nicht als informelle Mitteilung durch irgendwelche nicht genannten Quellen der Redaktion zugespielt werden. So etwas muss von Vereinsseite offensiv vertreten und erklärt werden. Erst dann kann Einheit stehen. In jedem anderem Fall hilft nur dauerhafter Erfolg.

Nachtrag: Gerade erst komme ich zum Lesen dieses Artikels im RevierSport, in dem Bruno Hübner versucht, dem Geschehen die Dramatik zu nehmen. Was er erzählt, klingt tatsächlich weniger spektakulär als die NRZ-Geschichte. So eine Stellungnahme erhoffe ich mir demnächst früher, dann kommt es gar nicht erst zum Wirken von „informierten Kreisen“.

Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ bereits aufgelöst?

Sollte es tatsächlich das Bündnis der Duisburger Sportjournalisten „Zukunft durch Vertrauen“ gegeben haben, hat es sich mit dem heutigen Tag bereits wieder aufgelöst. Heute lese ich bei  Der Westen ein paar Sätze zur Vorbereitung der Mannschaft des MSV Duisburg auf das Spiel gegen Fürth und habe schließlich das altbekannte Gefühl, so richtig rund läuft es beim Verein aller Vereine nicht.

Anscheinend wohnen zwei Seelen in Dirk Retzlaffs Brust. Noch immer möchte er Normalität beschreiben, wenn er darauf hinweist, „dass sich alle Beteiligten naturgemäß erst noch mit den neuen Begebenheiten arrangieren müssen.“ Doch schon im nächsten Satz ziehen ein paar dunkle Wolken auf: “ So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne.“ Dem können wir uns noch anschließen und denken an sachliche Auseinandersetzungen über jenes Training, das der Mannschaft in den nächsten Wochen zum Erfolg verhelfen soll. Doch der letzte Satz des Artikels entlässt uns einmal mehr in die ohnmächtige Ratlosigkeit: „Dem Vernehmen nach soll es innerhalb des nunmehr neu formierten Trainerteams bereits heftige Differenzen gegeben haben.“

Das klingt beunruhigend.  „Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum. Nach so einem Satz ist die Presseabteilung des MSV Duisburg sofort gefragt. Solche Worte dürfen nicht nachhallend im Raum stehen bleiben. Das sind Sätze, die gute Stimmungen töten. Solche Differenzen müssen erklärt werden und zwar mit Fakten über die „Differenzen“ und  nicht mit ausweichenden Beschwichtigungen nach dem Motto, wir haben uns in Wirklichkeit alle lieb und es ist überhaupt nicht so schlimm gewesen.

Zukunft durch Vertrauen

Fast könnte man vermuten, die Duisburger Sportjournalisten hätten sich zu einem Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ zusammen geschlossen. Liest man die Berichterstattung nach den ersten Eindrücken vom Training des MSV Duisburg unter Milan Sasic, so bemerke ich in den Artikeln über den Verein aller Vereine eine sehr grundsätzliche Bereitschaft, sich auf die Arbeit dieses Trainers zu verlassen.

Wann hat es das zuletzt gegeben, dass in einem Artikel über ein Training den Lesern das Gefühl vermittelt wurde, hier weiß ein Trainer ganz genau, was er tut? So zeigt dieser Artikel auf Der Westen einen Milan Sasic, der gewissenhaft und konzentriert mit der Mannschaft arbeitet. Er macht das aber eben nicht wie ein noch in der Überschrift des Artikels auftauchender „Feldherr“ per bellendem Befehl  sondern mit den Mitteln einer nachfragenden Pädagogik. Mit so einem Artikel nimmt das öffentliche Bild von Milan Sasic in Duisburg Konturen an. Nun kann ich auf dem Platz den gerechten Vater schon viel besser erkennen. Dieser Vater sieht genau, wo es bei seinen Schützlingen hapert.

Im RevierSport betont Milan Sasic zudem: „Ein Wir-Gefühl braucht Regeln„, und schon erleben wir neben dem belehrenden, gerechten Vater auch noch den Bewahrer des sozialen Zusammenhalts. Deutlicher an das Publikum richten sich die Artikel in der Rheinischen Post. Doch auch wenn es dort heißt:  „Der Trainer kann keine Wunder vollbringen“ und „Viel Arbeit bis zum Fürth-Spiel„, so klingen die Worte in den Artikeln selbst viel hoffnungsvoller als es die Überschriften vermuten lassen.

Auf diese Weise entstehen Grundstimmungen im Umfeld, die nicht durch jede Niederlage irritiert werden. An so einer Stelle müsste der MSV Duisburg seine Marketingarbeit verstärken – bei der öffentlichen Wahrnehmung der eigentlichen Arbeit im Verein, dem Fußballspiel und dem Training. Das als Tip für ein nächstes Mal, um nicht noch einmal Geld für beliebigen und wirkungslosen Aktionismus samt Werbersprachenklischees aus dem Fenster zu schmeißen.

Die Aktion „Zukunft durch Vertrauen“ kann auch auf meine Mithilfe zählen, und da ich bislang noch kein Training gesehen habe, muss ich es für heute bei einem ideellen Zeichen belassen und auf ein gutes Omen hinweisen, das bislang noch nicht recht gewürdigt wurde. Mit Fuat Kilic hat der MSV Duisburg  nämlich nun einen Co-Trainer in den eigenen Reihen, der bis zum Sommer letzten Jahres als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig war. Was mich sofort an die letzte große Zeit des MSV Duisburg während der 90er Jahre erinnerte. Diese Zeit ist für mich nicht nur mit dem Trainer Friedhelm Funkel verknüpft. Als sportlicher Leiter arbeitete seinerzeit Gerd Merheim beim MSV Duisburg. Gerd Merheim aber war ebenfalls zuvor als Lehrbeauftragter an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig. Wenn es seit Ende der 90er Jahre bereits einen dritten Mitarbeiter des MSV Duisburg mit vorherigem Lehrauftrag an der Deutschen Sporthochschule gegeben hat,  könnte dieser Lehrauftrag vielleicht doch kein vorausdeutendes Zeichen sein. Aber sonst …

Für mich begann jedenfalls nach dem Weggang von Gerd Merheim die unstete Arbeit der letzten Jahre. So weit ich mich erinnere, verließ Gerd Merheim den MSV Duisburg, weil der damalige Vereinspräsident Helmut Sandrock ihm keinen längerfristigen Vertrag anbot. Helmut Sandrock ist längst als Funktionär beim DFB  angekommen und erregt zurzeit bei Vertretern des Amateurfußballs einigen Unmut. Aber das ist eine andere Geschichte.

„Mitten in Meiderich“ beim DSF mit neuem Link

Weil Google immer mal wieder Menschen auf die Seite hier führt, die sich dann über meine Besprechungen von „Mitten in Meiderich“ zu den Clips weiterklicken wollen, habe ich mal einen der Links überprüft. Die alte Netznutzerweisheit bewahrheitet sich natürlich, nichts ist schneller verschwunden als der Link von gestern. Hier deshalb auf der DSF-Seite der gegenwärtige Link zu „Mitten in Meiderich“, jener Mini-Doku-Serie, bei der wir vielleicht den Beginn von Peter Neururers zukünftiger Karriere als Vanitas-Symbol des neuen deutschen Films haben erleben dürfen.


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