So kann man sich täuschen

Das sind meine Worte von gestern:

„Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum.

So kann man sich täuschen. Bei Der Westen lese ich also, Manfred Gloger wurde abgemahnt. Nun kann ich also von einem Bild dieser heftigen Differenzen erzählen, das ich gestern beim Schreiben ständig im Kopf hatte. Gestern schien es mir nur unpassend, dieses Bild öffentlich zu machen. Dieses Bild schien mir wie ein billiger Gag auf Kosten von Manfred Gloger, ein Gag, der nur der Unterhaltung der Leser diente und nicht einem Erkenntnis fördernden Interesse. Das glich mir viel zu sehr jener personenkonzentrierten, stimmungsmachenden und faktenlosen  Berichterstattung des Sportjournalismus, die mir überhaupt nicht gefällt.

Ich sah also gestern beim Stichwort „heftig“, Manfred Gloger mit wüstestem Schimpfen einen Ball in Richtung Milan Sasic schießen. Manchmal kommen solche Gags also der Wirklichkeit nahe. Zunächst aber dachte ich, Uwe Speidel müsse als Co-Trainer mit den größeren Kompetenzen unter den verbliebenen zwei Trainern derjenige sein, der sich am ehesten mit den offensichtlich unterschiedlichen Vorstellungen der neuen Trainer auseinandersetzt. Doch dann kam mir ständig jener Manfred Gloger aus der 10. Folge von „Mitten in Meiderich“ in die Quere. Ihn konnte man dort als einen Menschen erleben, der eine deutliche und, vorsichtig formuliert, rustikale Sprache spricht. Man konnte vermuten, so eine Sprache bringt einen Menschen in Schwierigkeiten, wenn er sie in Konflikten benutzt. Nirgendwo sonst gab es eine Person beim MSV Duisburg, die ich eigentlich mit dieser Sprachformel des Journalismus für ein grundsätzliches Zerwürfnis, den „heftige Differenzen“, in Verbindung bringen konnte.

Ob es nun für diese heftigen Differenzen Meinungsunterschiede inhaltlicher Art gibt, wissen wir noch immer nicht. Bislang wirkt das Ganze eher so, als ob Milan Sasic seit seinem Engagement in Kaiserslautern seine sozialen Fertigkeiten nicht viel verändert hat. Was zu lesen ist, gleicht jenen Streitgeschichten, die die Fans dort in ihrem Forum erzählten. Was mir Sorge bereitet, ist aber außerdem folgende Formulierung im NRZ-Artikel, die die eigentliche Nachricht einleitet: „Wie die Redaktion aus informierten Kreisen des Vereins erfuhr“.

Mit diesem Satz wird wieder deutlich, zum einen gibt es innerhalb des Vereins nicht nur informierte Kreise sondern auch interessierte Kreise und zwar mit einem Interesse, das nicht ganz auf der gegenwärtigen vorgegebenen Linie liegt. Damit zusammen hängt der erneute Eindruck, die Verantwortlichen im Verein ergreifen nicht sämtliche notwendigen Maßnahmen, um eine Einheit im Verein selbst herzustellen und eine Einheit mit allen am Verein interessierten Menschen. So eine Einheit, und zwar nicht nur die der Mannschaft, ist erfolgsfördernd! Ich mag naiv sein, aber dennoch sei gesagt, eine Einheit, die dauerhaft sein soll und nicht von jedem kleinen Rückschlag wieder in Frage gestellt wird, so eine Einheit ist nur durch Kommunikation herstellbar. Intern und nach außen! So eine disziplinarische Maßnahme darf nicht als informelle Mitteilung durch irgendwelche nicht genannten Quellen der Redaktion zugespielt werden. So etwas muss von Vereinsseite offensiv vertreten und erklärt werden. Erst dann kann Einheit stehen. In jedem anderem Fall hilft nur dauerhafter Erfolg.

Nachtrag: Gerade erst komme ich zum Lesen dieses Artikels im RevierSport, in dem Bruno Hübner versucht, dem Geschehen die Dramatik zu nehmen. Was er erzählt, klingt tatsächlich weniger spektakulär als die NRZ-Geschichte. So eine Stellungnahme erhoffe ich mir demnächst früher, dann kommt es gar nicht erst zum Wirken von „informierten Kreisen“.

0 Responses to “So kann man sich täuschen”



  1. Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: