Archiv für Januar 2010

Besser als der Eindruck

„Die Abwehr – wie ein Hühnerhaufen“, ruft der WDR-Reporter in das Mikro. Durch den nächsten herrlichen Konter fällt das dritte Tor. In der achtzehnten Minute. Jetzt sagt ihr, Moment, es sind doch nur zwei Tore gefallen. Richtig. Das war auch gestern. Wir haben aber Samstagnachmittag, ich komme spät zum Schreiben, und ich höre „Sport und Musik“.  In Mönchengladbach erleben die Zuschauer gerade das, was wir gestern auch gesehen haben. Mit dem Unterschied, dort kontert die Heimmannschaft und die Gäste versuchen sich am Spielaufbau.

Relativieren die Bremer Erfahrungen die erste Halbzeit des gestrigen Spiels vom MSV Duisburg gegen den FC St. Pauli schon etwas? Manchmal ist es ein Vorteil, wenn ein wenig Zeit verstreicht, ehe ein Urteil gefällt und Enttäuschung in Worte gefasst wird. Was soll ich all das wiederholen, was fast überall schon geschrieben wurde? Natürlich offenbarte sich ein Klassenunterschied in der ersten Halbzeit. Natürlich hätte es fünf oder sechs Tore für St. Pauli geben können – gerade steht es in Mönchengladbach übrigens 4:1. Und natürlich hielt Tom Starke überragend. Für seine Stärken war das Spiel perfekt geeignet. Natürlich wirkt eine Abwehr bei solchen Kontern überfordert. Wie das Mittelfeld, das beim Spielaufbau jene Fehler machte, die der Abwehr erst das Unmögliche abverlangte. Mal abgesehen vom ersten Tor, bei dem die Abwehrspieler die Stürmer St. Paulis zur freien Kombination einluden. Soll ich also auch schreiben, dass man mit der zweiten Halbzeit halbwegs zufrieden sein konnte? All das ist allerorten schon geschrieben worden.

Wäre es da nicht zumindest unterhaltsamer, provokativ zu sagen, der MSV Duisburg hätte das Spiel gewinnen können. Den Klassenunterschied hat es nur deshalb gegeben, weil der Verein aller Vereine mit seiner für eine Heimmannschaft typischen Spielweise die Stärken des FC St. Pauli nur besonders zur Geltung gebracht hat. Soll ich provokant fragen, ob das Heimpublikum es ausgehalten hätte, einen nach dem frühen Gegentor abwartenden MSV Duisburg zu sehen, eine Heimmannschaft, die sich erst einmal zurück zieht, um sich zu besinnen und aus der verstärkten Abwehr heraus zunächst nicht mehr als das Unentschieden zu wollen? Es waren noch 83 Minuten zu spielen. Im Fußball gibt es solch einen Wechsel der Taktik mitten im Spiel kaum. Es fehlen die Auszeiten, um die Mannschaft kollektiv während einer Ruhephase in eine andere Richtung zu schicken. Dennoch sollte man dieses Gedankenspiel einmal vornehmen. Dann lässt sich die Leistung des FC St. Pauli in der zweiten Halbzeit auch noch einmal gesondert bewerten. Denn bei einem ruhigen Spielaufbau gelingt dieser Mannschaft auch nicht allzu viel.

Das schreibe ich auch deshalb, weil in Duisburg das zu-Tode-betrübt-Sein ein Lieblingsgefühl des Publikums ist. Mich haben die Pfiffe zum Abpfiff der ersten Halbzeit auf dieselbe Weise geärgert wie die vergebenen Torchancen in der zweiten Spielhälfte. Da kann man dieses Mal die von den Ultras motivierten Fans kaum zu wenig loben, die dieses idiotische Pfeifen übertönen wollten. Was soll dieses Pfeifen? Hat diese Mannschaft in der ersten Halbzeit etwa nichts versucht? Das Können dieser Mannschaft reichte nicht aus, um diesen so früh und perfekt agierende Defensivverband St. Paulis zu überspielen. Prügelt ihr auf eure Kinder ein, wenn sie partout nicht aus dem Stand heraus partielle Differentialgleichungen lösen können? Was soll das: „Schlicke raus“? Darf man während des Spiels trotz aller Enttäuschung nicht auch einen Funken Verstand erwarten? Wer sitzt denn da zurzeit auf der Bank als Ersatz? Frank Fahrenhorst. Von ihm lese ich natürlich wegen seiner so überragenden Spielweise immer wieder als „Gefahrenhorst“.

Im Grunde haben wir es vorher gewusst. Es gibt die Schwächen dieser Mannschaft, und manchmal ist der Gegner dazu in der Lage, diese Schwächen auszunutzen. Diese  Schwächen werden in dieser Saison dauerhaft nicht abzustellen sein. Dennoch kann die Mannschaft um den Aufstieg weiter mitspielen. Eine Niederlage gegen einen starken Gegner hat es gegeben. Das nächste Spiel ist auswärts, normaler Weise liegt dem MSV das mehr. Im übrigen nicht nur dem MSV wie die große Zahl der Heimniederlagen in der Bundesliga während dieser Saison zeigt.

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Alles zur Ablenkung – samt Appell an Fans

Dann wollen wir mal die Wettervorhersagen ignorieren und uns sofort den wichtigen Dingen des Tages zuwenden. Der FC St. Pauli kommt nach Duisburg, und mit meiner leichten Unruhe schon am gestrigen Abend bin ich wahrscheinlich nicht alleine. Ein untrügliches Zeichen! Das Spiel ist wichtig. Das wissen wir alle, und wir wissen auch, danach kommen drei weitere, nicht weniger wichtige Spiele. So wird das Spiel heute Abend noch wichtiger. Ein Polster für einen möglichen und nicht unwahrscheinlichen Punktverlust in den nächsten drei Wochen zu schaffen, wäre schon nicht schlecht.

Aber wir wollen einmal gemeinsam mit den Spielern unseres Vereins aller Vereine auf die Worte sämtlicher Fußballtrainer dieser Welt hören und nur von Spiel zu Spiel denken. Denn nur das nächste Spiel ist – nämlich was? – natürlich  das schwerste. Die leichte Unruhe spüre ich aber auch, wenn ich an dieses Spiel alleine denke. Denn in beiden siegreichen Spielen des MSV Duisburg nach der Winterpause gab es auch jene schwachen Momente, die bessere Mannschaften als der FSV Frankfurt oder der FC Energie Cottbus vielleicht ausnutzen.

Nun gibt es im Fußball ein kompliziertes Zusammenspiel vieler Einflüsse, das die Leistung einer Mannschaft letztlich bestimmt. Und zu diesen Einflüssen gehört nun auch einmal der Gegner. Aber auch der Blick zum FC  St. Pauli gibt uns nicht viel mehr Sicherheit. Ob die Mannschaft zurzeit so ein besserer Gegner ist, lässt sich nach dem schwachen Spiel der Hamburger gegen Aachen nicht sagen. Und selbst wenn der FC St. Pauli dieser bessere Gegner wäre, könnte sich gerade deshalb eine fehlerlose Leistung des MSV Duisburg ergeben. Alle selbst beim Spiel gegen Frankfurt in der ersten Halbzeit sichtbaren Schwächen im Spielaufbau könnten dann verschwinden.

Im Grunde sind alle diese Gedanken also nicht viel mehr als ein wenig Ablenkung von der leichten Unruhe. Solche Ablenkung fördert dann die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe um 18 Uhr und ist nur zu begrüßen. Deshalb gehört auch die Nachricht des Vereinswechsels von Sascha Mölders in die Spielvorbereitung von uns Fans. Da ist er gestern mal eben zum Dorge Kouemaha von Rot-Weiß Essen geworden. Dem MSV Duisburg soll´s recht sein. Meinetwegen soll er sogar noch Torschützenkönig der 2. Liga werden. Der FSV Frankfurt spielt noch gegen alle unsere Konkurrenten um den Aufstieg.

Wer sich während der Woche für den FC St. Pauli interessierte, richtete seine Aufmerksamkeit ja übrigens keineswegs auf das nächste Spiel. Da musste noch das Spiel gegen Alemannia Aachen weiter aufgearbeitet werden, weil der Trainer Holger Stanislawski mit Unmutsäußerungen von Teilen des Publikums überhaupt nicht zufrieden war und das auch meinungstark verkündete. Was macht man bei aufkommenden Konflikten nun am besten? Man redet miteinander. Was Holger Stanislawski hier über Wirkung und Notwendigkeit von Fan-Unterstützung sagt, hört sich sehr überzeugend an. Seine Worte kann sich das Fußballpublikum eines jeden Vereins zu Herzen nehmen. Geben wir also unserer Mannschaft Rückhalt. Sie hat sich das redlich verdient, und manchmal sind die spielerischen Unterschiede so gering, dass die Einheit von Publikum und Mannschaft den entscheidenden Vorteil bringen kann. Ich hoffe auf den 3:2-Sieg.

Trotz 60-minütiger Bewegung noch T69

T69, dieses Kürzel steht in der „Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ für „Sonstige Schäden durch niedrige Temperaturen“. Der Mannschaftsarzt des FC Energie Cottbus musste nach dem Spiel des FC Energie gegen den MSV Duisburg für die körperlichen Beschwerden des in der 60. Minute ausgewechselten Stanislav Angelov dieses Kürzel verwenden. Es war verdammt kalt in Cottbus am Montagabend. Hoffentlich nicht zu kalt für alle, die sich auf den Zuschauerrängen nur sehr viel weniger bewegen konnten. T33-35 ist selbst ein Auswärtssieg nicht Wert.

Wärmer als in Cottbus ist noch kalt genug

Die Siegesserie reißt nicht. Bereits drei von drei Auswärtsspielen gewann der MSV Duisburg, wenn ich mir den Verein aller Vereine  zusammen mit dem befreundeten Schalke-Fan vor einem Fernseher in Köln-Nippes angesehen habe. Mein unmittelbarer Kontakt mit der Schalke-Aura wird nicht jedem gefallen, doch wie ich uns Menschen kennen gelernt habe, können sorgsam gepflegte Feindschaften Grenzen überwindende Freundschaften normaler Weise gut vertragen.

Dieser 1:0-Sieg in letzter Minute gehört in die Klasse jener Spiele, um deren Bewertung im Nachhinein noch etwas gerungen wird. Nicht, weil das Tor so spät fiel, sondern weil beide Mannschaften ihre Chancen hatten und keine von beiden der anderen deutlich überlegen war. So können sich die Cottbusser ihren Ärger wegen des späten Tores von der Seele reden und sich dem tröstenden Glauben hingeben, sie hätten eigentlich mit drei oder vier Toren führen müssen. Aus so einer Perspektive ist der Sieg des MSV Duisburg natürlich glücklich gewesen.

Vergessen werden dabei nicht nur die zwei Großchancen des MSV durch Srdjan Baljak in der ersten Halbzeit und Anfang der zweiten Halbzeit sondern auch die gesamten letzten zehn Minuten. So etwas lindert natürlich unangenehme Gefühle. Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt man so aber nicht. Abspaltung nennen das Psychotherapeuten. Wenn „Pele“ Wollitz da nicht aufpasst, verfestigt sich so etwas, und man wird für seine Umwelt ganz wunderlich.

Deshalb wehren sich zurecht gegen diese eindeutige Wertung sowohl Milan Sasic, „Das war kein Glück, sondern Können“, als auch Ivica Grlic im Interview mit Marco Röhling, „von unverdient oder glücklich zu reden? Nö, muss nicht sein.“ Doch warum spricht Tom Starke dann vom „Quentchen Glück“, das der MSV gehabt hatte? Natürlich richtet er als Torwart seinen Fokus mehr auf die Chancen des Gegners als Ivo. Doch noch etwas anderes spielt da hinein, und das gibt mir Gelegenheit auf zwei Bedeutungsdimensionen des Wortes Glück hinzuweisen.

Wir sprechen nun einmal nicht allzu oft von denselben Dingen, wenn wir dieselben Worte in den Mund nehmen. Sich verstehen grenzt oft entweder an ein Wunder oder ist ohnehin nichts weiter als ein Missverständnis. Es gibt dieses Glück, von dem die Cottbusser reden und das Milan Sasic und Ivo Grlic mit Recht bestreiten. Dieses Glück ist der Zufall, jener Lottogewinn, der über einen kommt, ohne dass man mehr dazu getan hat als den Schein abzugeben. Dann gibt es aber auch dieses Glück von dem Tom Starke spricht. Das ist weniger ein Ereignis als ein andauernder Zustand. Es ist die Gunst der Götter, eine unsichtbare Macht, die es gut mit einem meint. Dieses Glück ist die schützende  Energie, die die alltägliche Anstrengung eines jeden mal mehr mal weniger unterstützt. Dieses Glück muss man sich erarbeiten. In diesem Sinne nur war der Sieg des MSV Duisburg glücklich.

Und verdient war er deshalb auch. Denn die Mannschaft hat bis zur letzten Minute versucht, das Tor zu erzielen. Wobei mir auffiel, wie sehr der Druck zunahm, nachdem Nicky Adler eingewechselt wurde. Zugegeben, wieder vergab er eine Großchance, doch seine Leistung stabilisiert sich. Eine Aktion wie seinen Übersteiger im Strafraum mit torgefährlichem Abschluss habe ich noch vor wenigen Wochen von ihm nicht für möglich gehalten. Da war er der unermüdliche Sprinter, der notfalls auch durch den Gegner hindurchlaufen wollte und den Ball dabei immer wieder auch mal vergaß. Da hat sich was getan, keine Frage.

Vor seiner Einwechslung hatte ich jedenfalls nicht das Gefühl, der MSV könne noch einmal torgefährlich werden. Richtig zwingend wurde da nichts mehr nach den ersten Aktionen in der zweiten Halbzeit. Da fürchtete ich eher einen erneuten langen Pass auf Cottbussens Kweuke. Gleichzeitig war ich dennoch mit der Leistung in der Defensive  zufrieden. Beim Spiel nach vorne haperte es ein wenig, das war gestern nicht so präzise wie in den Spielen zuvor. Was aber an den eisigen Temperaturen gelegen haben mag.

Trotz des perfekten Zusammenspiels der beiden Winter-Neuzugänge bei dem Siegtor ist Dario Vidosic auf dem Platz längst nicht so präsent wie Srjdan Baljak. Allerdings kann ich mich auch an keinen neuen Spieler beim MSV Duisburg erinnern, der sich sofort derart gut in die Mannschaft eingefügt hat wie der Ex-Mainzer. Erneut waren sowohl seine Einzelaktionen als auch sein Zusammenspiel mit den Mitspielern auf einem Niveau, das die spielerische Leistung der Mannschaft mitträgt.

Als ich nach Hause fuhr, war es in Köln um die zehn Grad wärmer als in Cottbus. Bei aller guten Laune noch immer kalt genug. Doch der Gedanke an den Freitag hat da weiter geholfen. Da wurde mir sofort wärmer, wenn ich an die vier punktgleichen Mannschaften dachte und die Möglichkeit, dass auch die Kaiserslauterner und St. Pauli bald schon nicht mehr allzu weit von diesen vier Vereinen entfernt sein könnten. Das kann spannend werden. Wobei ich das nicht all zu lange brauche. Wärmer wird es in den nächsten Wochen ohnehin.

Das Montagsspiel

Das Montagsspiel der 2. Liga gefällt den meisten von uns Fußballfans ja überhaupt nicht. Es findet für den Rhythmus einer Woche einfach zur falschen Zeit statt. Ein Nachzügler-Spiel. So ein Montagsspiel wirkt wie ein Anhängsel des eigentlichen Ereignisses, dem Spieltag. Gibt es für den eigenen Verein so ein Spiel, bleibt das Wochenende davor unabgeschlossen und lappt in die nächste Woche hinein. So ein Wochenende wird bei allen privaten Bemühungen nicht rund. Der einzelne ist da abhängig von dem großen Ganzen. Da kann man die Woche nicht frisch und voller Tatendurst beginnen. Mit so einem unabgeschlossenen Wochenende ist man dann noch dienstags beschäftigt. Es ist ja bei weitem nicht so, dass sich alles nur um einen Tag verschiebt. Das Fußballleben am Wochenende findet an anderen Orten ganz normal statt und nimmt unsere Aufmerksamkeit ebenfalls in Anspruch.

Jemand sollte mal den volkswirtschaftlichen Schaden zusammenrechnen, der seit der Einführung des Montagsspiels entstanden ist. Es werden doch sonst auch alle möglichen Zahlen mahnend von den Medien in die Welt gebracht. Und wirtschaftlicher Schaden ist unschlagbar als Argument, um scheinbare Missstände ebenso zu verbessern wie die tatsächlichen. Immer wieder eine halbe Stunde unproduktiv im Stau stehen und für fallende Steuereinnahmen sorgen. So was wird angegangen. Neue Fahrspur her und schon läuft das wieder mit dem Verkehr und den Steuereinnahmen. Wird zumindest gehofft.

Und was ist mit den Folgen eines  Montagsspiels? Immer wieder vor so einem Spiel am Morgen statt zu arbeiten, die Gedanken abschweifen lassen zum eigenen Verein  und der Bedeutung des Spiels am Abend. Deshalb im Internet nach dem Vorbericht zum Spiel vom Samstag den zusätzlichen tagesaktuellen Vorbericht lesen. Dienstags dann sich um den Spielbericht kümmern. Vielleicht noch in irgendwelchen Foren was kommentieren. Mittwochs, mit ein wenig Abstand, über die Auswirkungen des Spielergebnisses für den weiteren Saisonverlauf nachdenken und wieder kommentieren. Und wenn dann ein Freitagsspiel ansteht, beginnt zudem schon wieder donnerstags die Vorbereitung auf den nächsten Spieltag. Nur mit den traditionellen Spieltagen bleibt am Mittwoch überhaupt die Chance sich guten Gewissens um seine eigentliche Arbeit zu kümmern. Solche volkswirtschaftlichen Rechnungen werden aber nicht angestellt. Wenn es um den Fortbestand des Montagsspiels geht, sehen die Verantwortlichen der Fußballwelt nur auf die fernsehgeldträchtigen eigenen Belange.

Da sind wir Fans ja ganz anders, wir schauen über den Tellerrand hinaus und erkennen, wie wichtig es ist, dass unser Verein das nächste Spiel gewinnt. Gerade der MSV Duisburg. Alle gleichplatzierten Konkurrenten haben am Wochenende mit Siegen vorgelegt. Auch das sollte einmal genauer untersucht werden: Welche Auswirkungen haben Spielergebnisse der Mitkonkurrenten auf den Erfolg einer Mannschaft, wenn die Spiele an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Steht die zuletzt spielende Mannschaft unter einem größeren psychischen Druck, wenn die Konkurrenten zuvor erfolgreich waren? Es wird schwierig heute Abend, auch wenn ich natürlich auf einen Sieg hoffe. Aber selbst ein Unentschieden würde meinen Glauben, oben in den nächsten Wochen weiter mitspielen zu können nicht mindern. Spätestens gegen 22 Uhr 15 wissen wir mehr.

Lyrikerhonorare bald auf Fußballprofiniveau?

Wird dieser außergerichtliche Vergleich zu einer Art Bosman-Entscheidung des Literaturbetriebs? Falls Fußballvereine ihre Aktivitäten auf die Hochkultur ausweiten, könnten sich die Verlage demnächst keine deutschsprachigen Lyriker mehr leisten, um mit ihrem Programm diesen wenig Gewinn bringenden Teil der Literatur lebendig zu halten. Werden sich dann aber deutschsprachige Lyriker endlich auf dem freien Markt der Wortanbieter ohne die üblichen, sonst notwendigen Subventionen der staatlichen Kulturförderung behaupten können? Ich werde die Entwicklung genau beobachten, entsprechende Kontakte schon mal knüpfen und gegebenenfalls kurzfristig reagieren. Eine Arbeitsprobe gefällig?

Was du getan hast für uns alle!
Eintausend Euro für vier Zeilen.
Da lohnt´s sich, Wörter glatt zu feilen.
Danke, danke, danke Kalle!

Schaue ich jetzt auf die Uhr und überschlage die vergangene Zeit, muss ich sagen, das Stundenhonorar läge deutlich über den marktüblichen Vergleichshonoraren anderer Textsorten mit weitaus mehr Wörtern. Auftraggeber Honorarnachzahler war allerdings auch Bayern München, bei Zweitligavereinen mit der Ambition aufzusteigen muss ich wahrscheinlich Abstriche machen.

Vertrauen erarbeitet

Ein wenig nachdenklich hat mich die gestern verkündete sofortige Doppelfunktion von Bruno Hübner als Sportdirektor und Geschäftsführer des MSV Duisburg schon gemacht. Nicht weil ich ihm die Kompetenzen eines Geschäftsführers abspreche. Ich vermag überhaupt nicht zu beurteilen, welche Qualifikation für diese Aufgabe beim MSV Duisburg notwendig ist. Mir ging alleine die begrenzte Arbeitszeit eines Menschen durch den Kopf.

So weit man das von außen gesehen beurteilen kann, war der Arbeitstag eines Sportdirektors Bruno Hübner schon sehr ausgefüllt. Die Ergebnisse seiner Arbeit der letzten Monate können sich meiner Meinung nach wirklich sehen lassen. Wie, so überlegte ich, wird er dieser Aufgabe weiterhin gerecht, wenn noch allerlei andere Dinge hinzukommen? Schließlich war Björn Bremer kein Frühstücksdirektor. Nun lese ich aber heute von einem weiteren noch zu fndenden Mitarbeiter für den kaufmännischen Bereich und bin fürs erste beruhigt. So kann das tatsächlich funktionieren.

Überraschend kommt die Ausleihe von Dario Vidosic. Er müsste also besser sein als Chinedu Ede, damit der MSV-Anteil an der Januar-Fußballer-Rotation in Deutschland eine sinnvolle Angelegenheit gewesen ist. Das wiederum kann ich ebenfalls nicht beurteilen. Eine Scouting-DVD liegt mir nämlich gerade nicht vor. Da vertraue ich also jetzt mal Bruno Hübner.


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