Und wenn das mit dem Fußball nicht mehr geht, mach ich was mit Musik

Dann wollen wir mal. Willkommen zurück, Alltag! Und ein frohes neues Jahr natürlich! Gegen Ende der Woche wird auch das dann überall durch sein, und Chinedu Ede hat sich bis dahin wieder in Berlin eingelebt. Schließlich ist er dort aufgewachsen. Manchmal ist es komisch, mit welchen uns selbst nicht allzu bewussten Vorurteilen wir durch die Welt gehen. Aber als ich heute morgen die Nachricht vom Wechsel Chinedu Edes zu Union Berlin las, war mein erster Gedanke, das passt perfekt. Anscheinend trage ich sowohl von Union Berlin als auch von Chinedu Ede diffuse Vorstellungen in mir, die im vorbewussten Denken zueinander fanden. Ich könnte jetzt versuchen, eine Begründung für diesen spontanen Gedanken zu finden. Das wäre ein tastendes Suchen und Überlegen, um einem intuitiven Eindruck den rationalen Anstrich zu verpassen. Wir treffen ja häufiger auf diese Weise Entscheidungen, was anscheinend immer mehr interessiert, lese ich in letzter Zeit doch manchmal von empirischen Studien zu menschlichem Entscheidungsverhalten. Die Wirtschaftswissenschaften haben da ja großen Aufholbedarf.

Aber lassen wir das, ich wollte eigentlich ganz woanders hin und noch über Weihnachtsgeschenke schreiben, und nun lasse ich mich schon wieder von Stichwort zu Stichwort treiben. Das eine Weihnachtsgeschenk: Unserem Sohn wollten wir zu Weihnachten spanischsprachige Popmusik schenken. Was macht unsereins dann heutzutage? Als erstes habe ich mich natürlich im Internet umgesehen und bin schon bald vom zielgerichteten Weihnachtseinkauf etwas abgehalten worden. Denn schon bald steckte ich mitten in der Recherche zu der kleinen Geschichte über spanische Fußballprofis, die in Musik machten, als das mit dem Fußballspielen nicht mehr so möglich war. Pignoise nennen sich die drei Musiker, die Post-Punk-Gute-Laune-Musik spielen. Ihre letzte CD läuft zurzeit als Soundtrack auf ihrer Webseite. Bei Youtube findet sich natürlich das ein und andere Video. Der Song Estoy Enfermo geht mir schon sehr ins Ohr.

Vielleicht kenne ich die Popmusikgeschichte deutscher Fußballprofis nicht gut genug, jedenfalls klingt das anders als alles, was ich bislang von deutschen Fußballmusikern zu hören bekam. Allerdings ist mir auch kein ehemaliger deutscher Fußballprofi bekannt, der ernsthaft versucht oder versucht hat als Popmusiker sein Geld zu verdienen. Ich erinnere mich nur an die deutschen Fußballprofis, die Popmusik oder früher den Schlager als ein klassisches Merchandisingprodukt betrachteten, dessen komische Wirkung gerade mit einigem zeitlichen Abstand nicht zu verachten ist. Sollte da jemand mal Anregungen brauchen, um ein paar Hörbeispiele zusammenzubekommen, auf der Webseite FC 45 findet sich da einiges.

Ist eigentlich allen jüngeren Lesern hier klar, dass die Zahl „45“ auf die Umdrehungsgeschwindigkeit des Schallplattenspielers anspielt, die man brauchte, um Singles abzuspielen? Vielleicht weiß das aber auch inzwischen wieder jeder, was ich wiederum nicht weiß, weil ich noch immer nur meinen alten Plattenspieler am Laufen habe. Seit einiger Zeit gibt es ja wieder eine recht große Auswahl an Plattenspielern, die ich mir noch nie habe angesehen. Vielleicht sind die ja inzwischen stufenlos regelbar und haben gleichzeitig alte Umdrehungsgeschwindigkeiten als Voreinstellung. Wenn man erstmal darüber nachdenkt, welches Alltagswissen heutzutage innerhalb kürzester Zeit wieder versinkt und welches Alltagswissen gerade notwendig wird, kommt man gar nicht mehr nach mit dem Erklären in so einem Text. Neulich fragte mich der Freund unseres vierzehnjährigen Sohnes, was denn eine Floppy-Disk sei.

Worüber will ich eigentlich schreiben? Über Weihnachtsgeschenke. Seitdem ich mich im Internet bewege, kommt mir das Leben insgesamt manchmal so vor, als ob ich ständig den Querverweisen in einem Lexikon nachblättere oder zeitgemäßer auf irgendwelche vielversprechenden Links klicke. Unseren Sohn nervt das inzwischen sehr, wenn ich bei der einfachen Frage, wann der nächste Bus fährt, mit einem Erinnerungsfetzen aus der Kulturgeschichte der Zeitmessung aufwarte oder über das Wetter zu spekulieren beginne, weil dessen Einfluss auf die Pünktlichkeit des Busses im Winter nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Deshalb sind von großem Nutzen in der Gegenwart die Leitmotive –  im wirklichen Leben wie in Texten. Heute waren das ja die Weihnachtsgeschenke. Zu Pignoise, also, haben sich die zwei Ex-Fußballprofis Álvaro Benito und Hector Polo während ihrer Reha-Zeit zusammen gefunden. Ein dritter Musiker ohne den Fußballhintergrund fand sich danach außerhalb der Reha-Räume. Schwere Verletzungen von zwei Fußballern standen also am Anfang von Musikerkarrieren, die Pignoise 2008 den MTV European Music Award in der Katagorie „best spanish act“ einbrachte. Welchen Wert diese Auszeichnung hat, vermag ich mit meinem Querverweis-Wissen nicht zu beurteilen. Kenne ich doch nur die MTV-Bemühungen um Reputation in Deutschland, als die Verleihung plötzlich in Berlin stattfand. Vielleicht wird das in der Popmusikszene selbst ja ganz anders wahrgenommen.

Das mit dem Verfolgen von Querverweisen und dem Weiterklicken findet ja auch keine inhaltliche Grenze. Irgendwann ermattet die Neugierde und der letzte Querverweis bleibt irgendwie in der Luft hängen. So ähnlich fühle ich mich jetzt. Das mag mit dem Beginn des Jahres zusammen hängen. Da fehlt noch die Konzentration aufs Wesentliche. Es mangelt noch am Fokus. Und so ebbt es hier heute einfach so aus. Die Worte verklingen und ich werde mich nun daran machen, ein Weihnachtsgeschenk neben meinem Schreibtisch an die Wand zu hängen. Ein Weihnachtsgeschenk meiner Frau, gleichsam eine Nebenwirkung des Blogschreibens, weil das Schreiben in Familiengesprächen über dieses Schreiben ins Leben zurück wirkt und den Fußball und den MSV Duisburg in unserem Alltag lebendiger hält, als es früher der Fall war. Da liegt nun diese Uhr bereit, um bald an der Wand zu hängen als Inspiration und als Hinweis darauf, wie viel Zeit mit dem Schreiben wieder vergangen ist.

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