Wellness-Therapie zum Rückrundenauftakt

Den angestrengten Arbeitsalltag überwinden manche Zeitgenossen ja gerne auch mit dem Besuch von sich selbst so nennenden Wellness-Oasen, -Paradiesen und dergleichen. Bei Ayuverda-Massage und japanischer Kräuter-Sauna braucht es dann nur noch die entsprechend hohen Eintrittspreise und schon fühlt man sich unweigerlich so richtig well.

Die Spieler des MSV Duisburg versuchten es nach ihrem harten Trainingsalltag gestern einmal mit dem Wellness-Tempel MSV-Arena und ein wenig sportlicher Betätigung. Diese Spieler fühlten sich irgendwann so wohl, dass es ansteckend wirkte. Die Zuschauer des Spiels waren ja von vornherein gerne bereit, die Hochstimmung zu teilen. Aber dass auch ein Linienrichter gegen Ende des Spiels so guter Dinge war, dass er Bonus-Geschenke verteilte, erstaunt doch sehr. Schön für ihn und für Christian Tiffert, der nun auf die Reporterfrage nach dem kuriosesten Tor seiner Karriere endlich eine originelle Antwort besitzt: Jener Lattentreffer mit anschließendem Abprallen des Balles ein bis zwei Meter vor die Linie zum 5:0 des MSV Duisburg gegen den FSV  Frankfurt.

Schon die Aufstellung deutete an, das Spiel könnte ein Versuch des Trainergespanns sein, stimmungsaufhellend wirken zu wollen.  Caiuby stand von der ersten Minute an auf dem Platz, und vielleicht konnte ja dieses überraschende Vertrauen seine von irgendwem einmal wahrgenommenen Qualitäten wieder beleben. So richtig gut ist es für ihn trotz seiner Flanke zum 1:0 und einiger erkämpfter Bälle nicht geworden, aber so richtig schlecht, wie wir es von ihm gewohnt sind, war es auch nicht. Einen Stammplatz erspielen sieht aber anders aus.

Da sollte er sich Srdjan Baljak zum Vorbild nehmen. Was für ein starkes erstes Spiel für den MSV Duisburg! Nicht nur, weil er mit einem technisch anspruchsvollen Schuss nach einer glänzenden, ebenso anspruchsvollen Ballannahme das 1:0 erzielt hat. Er strahlt Gefahr aus, weil sein Spiel nicht leicht ausrechenbar ist. Er hat einen schnellen Antritt, ist dribbelstark und sieht dennoch die Abspielmöglichkeiten. Die Abstimmung mit den Mitspielern war natürlich noch nicht immer vorhanden, aber diese Zahl von Pässen ins Nichts gab es im Spiel des MSV auch schon mal in einer längst eingespielten Mannschaft. Bleibt also festzuhalten, mit Baljaks Verpflichtung hat Bruno Hübner doch sehr wahrscheinlich alles richtig gemacht.

Der MSV begann das Spiel gegen den FSV Frankfurt stark, druckvoll und ich war mir sicher, der Führungstreffer würde schnell fallen. Er fiel dann in der 13. Minute so früh, dass der Mannschaft genügend Zeit in der ersten Halbzeit blieb, die Zuschauer allmählich zu beunruhigen. Der MSV ließ in seinem Zug zum gegnerischen Tor nach und trotz der begrenzten spielerischen Möglichkeiten kam der FSV Frankfurt immer öfter in die Nähe des Tores von Tom Starke. Vielleicht aber wollte der Rest der Mannschaft  Tom Starke auch nur einmal das Gefühl gönnen, sich wohl zu fühlen, wenn er eine große Chance der Frankfurter verhindert. Die gab es, als nach einem steilen Pass der Frankfurter Sebastian Göbig alleine auf Starke zulief. Der Starke-Klassiker „Fußbabwehr auf der Linie“ verbreitet im Übrigen auch bei den Zuschauern besonders dann großes Wohlgefühl, wenn das mögliche Unheil für einige Zeit bei seiner Entwicklung beobachtet werden kann.

Dem Spiel des MSV Duisburg war deutlich die strenge taktische Anweisung anzumerken, den Ball kontrolliert aus der eigenen Hälfte nach vorne zu bringen. Das führte zu Kurzpassspiel auf Höhe des Elfmeterraums, was leicht gewöhnungsbedürftig ist in Duisburg, weil sich das Vertrauen in dieses kontrollierte Spiel erst entwickeln muss. Ich glaube außerdem, ich muss Björn Schlicke mal ein wenig zur Seite springen, der von vielen Fans ob seiner Leistungen angefeindet wird. Nun war er auch gestern nicht der sicherste Innenverteidiger, und dennoch gilt es festzustellen, dass er für den Erfolg der Mannschaft das spielerische Terrain zu verlassen versucht, auf dem er sich sicher fühlt.

Wir wissen, dass er in Bedrängnis sehr viel lieber den Ball wegschlagen würde und wir sahen aber auch, wie er dieses Mal immer wieder diesen befreienden Schlag vermieden hat. Das wirkte holprig und er schien manchmal überfordert, dennoch ist es ihm anzurechnen, dass er etwas versucht, was seinem ureigenen Spiel erst einmal nicht entspricht. Darüber hinaus war er nicht alleine mit diesen Schwierigkeiten. Der FSV Frankfurt war deshalb ein guter Übungspartner, um das kontrollierte Spiel zu verbessern. Es wurde nicht allzu gefährlich, wenn der Ball durch die Frankfurter schnell wieder dorthin zurück kam, wo er sich drei  kontrollierte Pässe vorher gerade noch befunden hatte.

Björn Schlicke hatte übrigens großes Glück kurz vor der Pause nicht zumindest mit gelb-rot bedacht worden zu sein. Als der Schiedsrichter nach Schlickes zweitem Foul vor der Auswechselbank der Frankfurter dorthin eilte, war dessen Hand, so meine ich,  schon bei der Karte und dann erst erkannte er, dass da jener Spieler des MSV lag, dem er bereits gelb gezeigt hatte. Daraufhin beließ er es beim Freistoß.

Und dann ist da noch ein Ivo Grlic, dem ich die Ovationen nach seiner Auswechslung so sehr gönne. Er öffnete nicht nur immer wieder durch kluge Pässe das Spiel, sondern erneut schoss er zu einem wichtigen Zeitpunkt ein Tor. Dieses 2:0 kurz vor der Pause war der Sieg. Selbst wenn es die rote Karte gegen den Frankfurter Lagerblom nicht gegeben hätte, die Frankfurter waren nach dem Wiederanpfiff zu harmlos und nicht entschlossen genug. Da wurde in der zweiten Halbzeit nicht für einen Moment die Erinnerung an das Spiel gegen RW Ahlen geweckt.

Dem Klima des Wohlbefindens war es auch zuträglich, dass Olcay Sahan der Torschütze zum 3:0 wurde. Es war die Belohnung für eine immer besser werdende Leistung. Technisch beschlagen ist er ja ohnehin, doch seine Durchsetzungsfähigkeit hat sich sehr verbessert. Er braucht nicht mehr unbedingt viel Raum für sein Spiel. Auch wenn es eng wird, behauptet er den Ball in größter Bedrängnis – manchmal gegen drei Gegenspieler.

Außerdem war auch Nicky Adler eingewechselt worden, und er erhielt die Gelegenheit sein Karlsruher Torschusstrauma durch klassische Gegenkonditionierung zu verarbeiten. Wiederholte sich doch da eine Spielsituation, als er halbrechts den Ball im schnellen Lauf erhielt und ihn sich, so sah es fast aus, zu weit vorlegte und er daraufhin in eine etwas ungünstigere Schussposition leicht nach außen getragen wurde. Dieses Mal traff sein Schuss aber zum 4:0 ins Tor. So gehört es sich in einem Klima des Wohlbefindens auch.

Ich könnte mich mit der MSV-Arena als meinem persönlichen Wellness-Tempel gut anfreunden. Allerdings habe ich keine Illusionen darüber, dass es sich dabei um ein Wandergewerbe handelt. Auch wenn die Mannschaft gegen einen wirklich starken Gegner da weitermacht, wo sie gestern noch ein bisschen üben durfte, wird es solch entspannende Wohlfühlmomente in Duisburg-Wedau nicht allzu oft geben.

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3 Responses to “Wellness-Therapie zum Rückrundenauftakt”


  1. 1 nedfuller 18. Januar 2010 um 15:32

    Man stelle sich mal vor, genau dieses Tor (also die um ein Tor bessere Tordifferenz) entscheidet über den Aufstieg…

    Gefällt mir


  1. 1 Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 3. Türchen | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 3. Dezember 2018 um 07:30

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