Gefühlter Heimspielverzicht vom MSV Duisburg bei veränderter Taktik?

Ihr kennt noch eine der Anfangsszenen aus „Das Wunder von Bern„? Mattes, der Sohn des Kriegsgefangenen Richard, schickt zusammen mit seinen Freunden eine Brieftaube los, um das Ergebnis eines Fußballspiels zu übermitteln. So eine Brieftaube im Anflug hätte mich gestern sehr gefreut. Bei einer Geburtstagsfeier war ich nämlich abgetrennt von jeglichen modernen Kommunikationsmitteln. Wie es zu dieser Selbsterfahrung kommen konnte, ist eine andere Geschichte. Aber trotz des intensiven Verdrängens aller Aufstiegsgedanken wurde ich ab 13 Uhr zunehmend nervös. Den Tischgesprächen konnte ich von da an nur noch unzulänglich folgen, geschweige denn dass ich selbst viel zu den Themen hätte beitragen können.

In so einem Fall hält man sich am besten an eine der Grundregeln gelingender Kommunikation: Störung zuerst. Wenn ich dann aber halb im Scherz seufzend mein Leid klagen wollte, blieb mir für Sätze über den MSV Duisburg nicht allzu viel Zeit. Wenn mein Tischnachbar neben dem geseufzten „Ergebnisse der Fußballspiele heute“ noch „Zweite Liga“ hörte, lauerte er bereits nur noch auf ein passendes Überleitungswort in meinem Reden zum eigenen Herzensthema des Wochenendes: die zwei Tore von Lukas Podolski. „Was für eine Befreiung beim ersten Tor“; und: „Hätte Podolski beim zweiten Mal doch nur nicht selbst geschossen und den Ball Freis überlassen. Der stand nicht im Abseits“. Wir lernen also daraus, Störung zuerst, schön und gut. Wenn ein Gespräch aber aus nichts mehr als Störung besteht, wird es ganz schön kompliziert.

Dann reden wir im besten Fall halbherzig über Dinge, die uns nur am Rande interessieren und freuen uns darauf, wieder zu Hause zu sein. Dort erfuhr ich es dann endlich. Auswärtssieg! Wieder! Ich kenne den 1:0-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin also nur aus zweiter Hand. Einstimmig wird von Presse und Fans Tom Starke als Garant für den Sieg gefeiert. Auch er selbst schätzt das im Interview nach dem Spiel mit Sky so ein (Der Spielbericht ist übrigens ab heute nur eine Woche online). Die Überraschung des Spiels war die Aufstellung von Björn Schlicke als rechtem Außenverteidiger. Dass er zudem das Siegtor schoss, hob seine Laune sicher noch mehr. Nicht nur als ich vorhin die Großchance von Srjdan Baljak in der ersten Halbzeit sah, war ich im Nachhinein froh diese Bilder nicht live gesehen zu haben. Auch die Chancen vom 1. FC Union Berlin zum Ende des Spiels hätten meine Nerven beim Zuschauen am Fernsehen oder PC-Bildschirm überfordert.

Wenn ich sämtliche Stimmen und die Bilder der Sky-Zusammenfassung resümiere, komme ich zum Schluss, die Auswärtssiege des MSV Duisburg gleichen sich sehr. Die kompakte Abwehr lässt wenig zu. Die Konter werden aber nicht genau genug ausgespielt, um das Spiel sicher zu gewinnen. Abschlussschwäche kommt hinzu. Deshalb braucht die Mannschaft für ihre Siege einen Torwart wie Tom Starke in der derzeitigen Form.

Ich denke nicht an Aufstieg. Zumal ich den Eindruck habe, dass bei allem Reden unter Fans über Platz 3 zwar alle die Ausscheidungsspiele gegen den Erstligisten irgendwie schon im Kopf haben, aber es längst noch nicht wirklich fühlen. Gewonnen ist auf Platz 3 noch nichts. Platz 3 ist nur das Andauern der Möglichkeit zum Aufstieg. Während ich nicht an den Aufstieg denke, mache ich mir natürlich über den Aufstieg dennoch Gedanken. So balanciere ich mühsam meine Gefühle aus. Denn ich gehöre nicht zu den Anhängern des MSV Duisburg, die die Mannschaft lieber in der 2. Liga sehen als chancenlos in der Bundesliga.

Eine Prüfung für den Aufstiegswillen der Fans könnte eine veränderte Heimspieltaktik sein. Milan Sasic deutet sie an. Wenn die Mannschaft zu Hause versucht, ähnlich kompakt wie bei Auswärtsspielen zu verteidigen und der Gegner ebenso defensiv spielt, wird das nicht sehr ansehlich werden. Dann müssen Fans sich geduldig zeigen. Dann muss so ein Heimspiel vielleicht von Seiten des Verein im Vorfeld erklärt werden. Ansonsten höre ich schon jetzt die lauter werdende Unzufriedenheit. Heimspielverzicht sehen die Statuten des DFB ja nicht vor. Was tun?

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