Der bald zulässige Magath-Vergleich?

Ich habe die letzte Nacht unruhig geschlafen. Immer wieder wurde ich wach und musste daran denken, ob ich im heutigen Spiel des MSV Duisburg gegen den TuS Koblenz als Zuschauer fehlerlos bliebe. Schlaffes Stehplatz-Stehen gibt es bei mir zwar nicht, ich drücke das Kreuz immer durch und stütze mich nie auf einen Wellenbrecher, aber weiß ich, was Milan Sasic noch einfällt, wie professionelles Stehplatz-Stehen auszusehen hat? Ich mag es nicht, angeraunzt zu werden. Wenn mir jemand sagt, dass ich was falsch mache, soll er das im vernünftigen Ton sagen. Gestern Abend dachte ich wegen der Stimmung im Verein sogar kurz an ein Probestehen beim FC, hier in Köln, und habe mich nach dem Zähneputzen vorsichtig in ein paar Soldo-Raus-Rufen versucht.

Seit ich nun gerade den Clip von der gestrigen Pressekonferenz des MSV Duisburg gesehen habe, bin ich sehr erleichtert. Unbeschwert und motiviert gehe ich in das Spiel heute Abend, weil ich ein erstes Zeichen für die konstruktive Aufarbeitung der letzten Woche gesehen habe. „Der neue Sasic beim MSV“ titelt Der Westen. Auf der Pressekonferenz hat sich Milan Sasic ganz deutlich und ohne Vorbehalte dazu bekannt, Fehler gemacht zu haben. Zwar erklärte er an einem Beispiel, wie es zu seinen verärgerten Anrauzern kommt, aber er hat das fehlerhafte Verhalten eines Mitarbeiters nicht als Entschuldigung benutzt. Darauf kommt es an. Deshalb können wir seinen Worten glauben, er wolle dieses Verhalten abstellen. Das wird nicht einfach sein. Er wird Rat brauchen und Strategien, um seine gewohnten Wege zu verlassen. Wir wissen alle, wie schwierig so etwas ist, das rechte Maß, die passenden Worte und den richtigen Augenblick für Kritik zu finden.

Hört man sich seine Erklärung bei dem Einzelfall an, fallen mir sofort verschiedene Möglichkeiten auf, daraus zu lernen. Er schildert ein klassisches Beispiel für sich anhäufenden Ärger und einer vom Verursacher dann nicht nachvollziehbaren Überreaktion in dem Moment, wenn sich der Ärger entlädt. Hinzu kommt, nicht jede der Grundregeln im Fußballgeschäft scheinen alle Mitarbeiter zu kennen. In dieser Weise müssten solche Situationen von den Konfliktbeteiligten analysiert werden. Auch das ist schwierig, nicht umsonst gibt es im Bereich der Unternehmensberatung eine große Unterabteilung Konfliktmanagement.  Bruno Hübner ist da gefordert. Das dazu notwendige Vertrauensverhältnis zu Milan Sasic scheint mir gegeben. Die Pressekonferenz machte jedenfalls diesen Eindruck.

Oft wurde Milan Sasic in den letzten Tagen zur Verteidigung seiner Persönlichkeit und seines Verhaltens mit Felix Magath verglichen. Bislang war dieser Vergleich unzulässig. Im von den Medien tranportierten Bild erweist sich Felix Magath vielleicht so autoritär wie Milan Sasic, sein Verhalten aber sowohl Fußballern gegenüber als auch den anderen Vereinsangestellten wirkt rationaler und kalkulierter. Zudem konnte er seine Vorstellungen von Professionalität viel strategischer durchsetzen als es Milan Sasic beim MSV Duisburg je möglich sein wird. Milan Sasic kann nicht die Strukturen beim MSV Duisburg von jetzt auf gleich verändern, wie es Felix Magath sowohl zu Beginn seiner Zeit beim VfL Wolfsburg als auch beim FC Schalke 04 gemacht hat. In Duisburg fehlt dazu das Geld. Milan Sasic muss seine Vorstellung von professionellerem Arbeiten mit den vorhandenen Mitarbeitern verwirklichen.

Das geht nicht von jetzt auf gleich und man muss diese Mitarbeiter bei der Veränderung mitnehmen, sonst torpedieren sie die Anstrengungen. Das kennen Unternehmensberater aus ihrem Berufsalltag und machen daraus amüsante Kurzvorträge, die manchmal sehr an das Geschehen beim MSV Duisburg erinnern.

Nach dem Spiel gegen Hansa Rostock war von Anfang an klar, allein aufgrund der finanziellen Lage wird der MSV Duisburg mit Milan Sasic in die nächste Saison gehen. Für mich war die alles entscheidende Frage für die zukünftige Stimmung im Verein, wie sehr würde Milan Sasic seine starke Position im Verein gegen die entstehende öffentliche Stimmung ausspielen. Er ist einer möglichen Versuchung nicht erlegen, vielleicht hat es sie gar nicht gegeben. Im Gegenteil seine Worte tragen zur Verbesserung der Stimmung bei. Sie lassen hoffen, dass der Vergleich mit Felix Magath in der Zukunft einmal stimmen könnte. Dass ich dabei auch an den möglichen Erfolg denke, versteht sich von selbst.

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