Milde Freude beim Sieg über einen schwachen Gegner

Erst vierzehn Minuten nach Anpfiff betrat ich gestern das Stadion, und wer war schuld? Auf jeden Fall niemand vom MSV Duisburg. Was schon mal eine gute Nachricht ist. Mein Zug war in Düsseldorf am Hauptbahnhof über eine halbe Stunde stehen geblieben, weil sich „Personen in den Gleisanlagen zwischen Düsseldorf und Duisburg“ befanden. Ich vermute deshalb der Einfachheit halber, Fans aus Koblenz waren schuld; Fans, die am Bahnhof Schlenk ihren Sonderzug nicht über den Bahnsteig verlassen haben oder den Bahnsteig nicht durch den Ausgang an dessen Ende oder wie auch immer. Wer meine Anfahrt aber derart behindert, dessen Verein wird mit einer Niederlage nicht unter 4:1-Toren nach Hause geschickt.

So kann der MSV Duisburg also die Saison zu Ende spielen. Wir freuen uns dann milde über einen höchstens fünf Minuten umkämpften Sieg gegen einen Gegner, der mit der bislang schlechtesten Saisonleistung einer Gastmannschaft in der MSV-Arena aufwartete. Vielleicht war die Laufbereitschaft der Duisburger Spieler aber dieses Mal auch hoch genug, so dass sie die Koblenzer Spieler stets unter Druck setzen konnten, sobald diese in Ballbesitz waren. Andererseits ließen die Koblenzer durch ihr langsames Spiel dem MSV auch die Zeit, den Druck aufzubauen. Außerdem sah ich Versuche der Koblenzer Spieler, den Ball unter Kontrolle zu bringen oder zu spielen, die mit Bolzen noch geschönt beschrieben sind. Zum Bolzen gehört in meinem Verständnis nämlich, dass der Ball im Spielfeld bleibt.

Von der ersten recht frühen, großen Chance für den MSV Duisburg durch Olcay Sahan musste ich mir noch erzählen lassen. Das Führungstor habe ich dann selbst gesehen. Christian Tiffert spielte auf den rechten Flügel in den Lauf von Olcay Sahan und dem gelang jenes Abspiel, das er zuvor bereits einige Male zu ungenau versucht hatte. Srdjan Baljak vollendete zum Tor. Solche Spielzüge wurden auch später immer wieder versucht. Allerdings kannten wir das auch: Oft haperte es dabei am letzten Pass. Stärkere Gegner entwickeln aus dem abgefangen Ball ihre Konter. So etwas war von der TuS Koblenz nicht zu befürchten.

Der Torjubel der Spieler nach dem 1:0 galt vor allem Olcay Sahan, der selbst in den knapp fünfzehn Minuten, die ich bis dahin nur gesehen hatte, durch seine unermüdlichen Versuche auffiel, die Angriffe spielerisch zu entwickeln. Das ist um so mehr hervorzuheben, weil ihm die letzte Aktion am Ball nicht durchweg gelingt. Da gehen dann Flanken ins Nichts oder er prallt im Dribbling am Verteidiger ab und geht zu Boden, aber er übernahm Verantwortung. Deshalb war er oft am Ball und riskierte, ein Ziel möglicher Kritik am Spiel zu werden. Dass er zudem durch einen nicht allzu starken und von Rasenunebenheiten zum Aufsetzer werdenden Schuss das zweite Tor kurz nach dem Wiederanpfiff erzielte, war deshalb eher eine Art Vorschuss für seine sich wieder stabilisierende und in Zukunft noch besser werdende Leistung. Denn abschlussstark ist er ganz sicher ebenfalls noch nicht.

Für etwa fünf Minuten geriet das Spiel für den MSV Duisburg nach dem sofortigen Anschlusstor der Koblenzer etwas aus den Fugen und kurz stand die Frage im Stadion, hat Koblenz das Spiel des MSV gegen Ahlen eingehend studiert und die TuS beginnt die Chance auf den Ausgleich nur viel früher wahrzunehmen? Doch sogar ohne drittes Tor gewann der MSV die Spielkontrolle zurück. Aus dieser Spielphase muss ich noch ein technisches Kabinettstückchen von Srjdan Baljak erwähnen. Nach steilem Zuspiel fand er mit schnellen Zweischritt und zwischen den Füßen tanzendem Ball die Lücke zwischen zwei eng stehenden Gegenspielern. Anschließend schoss er gefühlvoll aus halblinker Position am Torwart vorbei aufs lange Eck. Der Ball ging leider nur an den Pfosten, doch was für ein Überblick; und welche Kunst am Ball da aufblitzte. Beeindruckend.

Das 3:1 unterstrich dann auch vom Ergebnis her, was sich auf dem Spielfeld abgezeichnet hatte. Der Sieg war ungefährdet. In so einem Spiel gelingt dieses Tor dann sogar nach einem Eckstoß, wenn auch im Nachschuss von Frank Fahrenhorst. Mit der Torgefahr nach Eckstößen und dem MSV Duisburg verhält es sich ja schon seit einigen Spielzeiten fast so wie mit der Meisterschaft und dem FC Schalke 04.  Das 4:1 war auch wegen der anschließenden Freude von Caiuby über sein Tor bemerkenswert. Als ich ihn und die auf ihn zueilenden Mitspieler sah, schien es mir für einen Moment so unwirklich, was in der letzten Woche über die Stimmung im Verein zu hören und zu lesen war.

Auch wenn dieser Sieg keine großen Gefühle bei uns Zuschauern weckt, es geht in diesen letzten Spielen der Saison um etwas Wichtiges, und das ist nicht nur der mögliche vierte Platz. Egal, wie die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen wird, das Auftreten dieser Mannschaft jetzt und die daraus sich ergebende Stimmung im Verein und im Umfeld werden eine Grundlage für diese kommende Saison bilden. Darum sind diese Siege vor allem wichtig.

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