Archiv für April 2010

So ist das Geschäft

Tief durchatmen muss ich schon, wenn ich die Abgänge beim MSV Duisburg so deutlich vor Augen geführt bekomme wie in Tinas Liste. Beim Lesen des Fließtextes bei Der Westen beruhigt sich das Gemüt mit der Zeit, doch die reine Namensliste macht mich unruhig. Das hat weniger mit den Fakten selbst zu tun als mit Sentimentalität und noch nicht gefestigtem Vertrauen in die Arbeit beim MSV Duisburg. Meine Unsicherheit ergibt sich zwangsläufig, weil die sportlich Verantwortlichen zum ersten Mal die nun anstehende Aufgabe wirklich angehen. Der konzeptionellen Aufbauarbeit kamen bislang die Hoffnungen auf den Aufstieg immer wieder in die Quere.

Bislang glichen Spielerverpflichtungen dem Einzelmöbelkauf mit der vagen Idee, wir wollen es auf jeden Fall sehr wohnlich und sehr schön haben. Wir hatten schon ein paar Möbel, die uns gefielen. Dort gab es dann den günstigen Küchenstuhl dazu, ein Möbelhaus weiter den  Wohnzimmertisch und als wir schon an dem SB-Markt vorbeikamen, konnten wir die Lampe gleich auch mitnehmen. Das passende, uns gefallende Sofa konnten wir uns erstmal noch nicht leisten. Deshalb nahmen wir die zwei Sessel vom Nachbarn. Das hatte auch den Vorteil, sobald wir ausziehen müssten, könnten wir die wieder zurückgeben. Und wenn es ganz gut gekommen wäre,  hätten wir einen behalten und noch ein Sofa dazugenommen. Unser  Einrichtungsbevollmächtigter Bruno Hübner hat dabei meiner Meinung nach gute Arbeit geleistet, wenn ihm nicht gerade mal wieder jemand bei der Möbelauswahl reingeredet hat. So richtig wohl haben wir uns mit der Einrichtung aber doch nur bei der Aussicht auf baldigen Auszug in ein besseres Viertel gefühlt.

Nun wird das Ganze anders angegangen. Ersteinmal ist es klar, wir bleiben im Viertel, müssen uns aber mit einem Wohnungswechel verkleinern. Wahrscheinlich wohnen wir dort dann auch etwas länger. Deshalb können  wir viele Möbelstücke nicht mitnehmen. Vielleicht klappt es aber, nach und nach eine Einrichtung zu finden, die auf mittlere Frist und bei entsprechender Heimwerkertätigkeit zum Vorzeigestück in Schöner Wohnen wird. Wie gesagt, Bruno Hübner und Milan Sasic betreten Neuland. Wir können also nichts sicher erwarten, und wir können nur hoffen, dass wir uns bald wieder heimisch fühlen.

Zurzeit sieht die alte Wohnung sehr nach Umzug aus. Vor allem der bevor stehende Abschied von Nicky Adler macht mich jetzt schon etwas sentimental, auch wenn ich glaube, dass es im Kader für seine spielerischen Qualitäten Ersatz geben wird. Ich merke an dieser aufkommenden Abschiedswehmut, wie sehr es mir bei meinem Interesse für Fußball in meinem tiefsten Inneren nicht nur um Erfolg meines Vereins geht. In dieser Wehmut versteckt sich mein Bedürfnis nach Dauerhaftigkeit und emotionaler Verbindung. Spieler in der Mannschaft müssen mir für diese anderen Gefühle unabhängig vom Erfolg Gelegenheit geben. Auch wenn es im Reden über Fußball so wirkt, als seien die Vereine und ihre Geschichte die unzerstörbaren Kerne des Fußballs. Es ist nicht ausgemacht, dass das immer so bleibt. Irgendjemand im Verein muss diese ideelen Momente des Fußballs lebendig halten und zwar durch sein Handeln in der Gegenwart. Beschwörendes Reden hilft da ebenso wenig wie die Erinnerung an alte Zeiten.  Spieler wie Nicky Adler machen das. Sie sind keine überragenden Fußballer. Sie stehen aber für sämtliche Gefühle und Werte dieses Sports unabhängig vom Erfolg. Man konnte sich über vergebene Torchancen von Nicky Adler ärgern und über seine überhasteten Dribbelversuche schimpfen, dennoch begegnet man ihm bei seinem nächsten Spiel ohne Ablehnung. Sein Wert für den MSV Duisburg waren nicht die Tore sondern der Respekt gegenüber der Geschichte dieses Vereins, die sich in seiner Spielweise, bewusst und unbewusst, ausgedrückt hat. Auf alles das, was er als Spielertyp verkörpert, berufen wir Anhänger uns beim anekdotischen Erzählen über unser Fan-Dasein. Ohne Spieler wie Nicky Adler würde der emotionale Kern von Fußball nach und nach sterben. Deshalb beschleicht mich Wehmut, wenn ich an den Abschied von Nicky Adler denke.

Werbeanzeigen

Radio Monte Carlo erklärt mit MSV-Torschützen-Rekord die Welt

An der deutsch-französischen Freundschaft ist nach dem Zweiten Weltkrieg so intensiv gearbeitet worden, dass manchem Kulturvermittler die Lage heute mit rückläufigen institutionellen Aktivitäten Sorgen bereitet. Ich halte das für ein gutes Zeichen. Wenn sich das gegenseitige Interesse von Franzosen und Deutschen am Nachbarland auf die normale Mischung von Urlaubsmöglichkeit, ereignisorientierter Aufgeregtheit und individueller Leidenschaft eingependelt hat, scheint mir das Verhältnis zwischen den Menschen beider Länder recht entspannt zu sein.

Am Tag nach der Niederlage von Olympique Lyon gegen Bayern München werden bei einigen der Fußballinteressierten unter den Franzosen zu dieser entspannten Grundstimmung Gefühle der Enttäuschung hinzukommen, ein grundsätzliches Interesse einiger Franzosen an der Bundesliga wird das sicher nicht gefährden.  Auf RMCsport, einer Webseite von Radio Monte Carlo, schrieb zum Beispiel „Monsieur“ Polo am Montag über den letzten Bundesligaspieltag. Für uns Anhänger des MSV Duisburg ist gerade das Ende des Textes besonders interessant, weil Polo an dieser Stelle seinen Lesern ein wenig deutsche Fußballhistorie mit auf den Weg gibt und dabei mit einem ehemaligen Spieler vom MSV Duisburg die Bedeutung des Fußballs für das wirkliche Leben erklärt. Der Einfachheit halber für euch versuche ich mich mal an der Übersetzung dieser Textstelle.

Wer ist der Spieler mit der besten Torquote der Bundesliga? Gerd Müller? Nein! Konietzka, Grafite, Toni, Hrubesch? Weder noch! Es ist der bewundernswerte und unbekannte Rüdiger Mielke mit dem Schnitt von 1. Ja! 15 Tore in 15 Spielen in der Bundesliga für den MSV Duisburg! Er, der lieber seine Lehre in einem deutschen Unternehmen beenden wollte, als eine Profi-Karriere voran zu treiben, bedauert er es nicht, den Fußball verlassen zu haben? „Auf keinen Fall, das runde Leder hat mir die Grundlage für meine berufliche Entwicklung gegeben.“ Voilà, es gibt nichts anderes als den Fußball im Leben.

Ein Übersetzer steht ja immer vor der Frage, wessen er mehr Bedeutung zumisst, der immer nur als Ideal vorzustellenden Wörtlichkeit oder der Anmutung des Textes und einer eingängigen Lesbarkeit. Um den Philologen unter euch die vergleichende Textkritik zu ermöglichen folgt hier auch noch der Ursprungstext.

Quel est le joueur qui a le meilleur pourcentage de buts en Bundesliga ? Gerd Müller ? Non ! Konietzka, Grafite, Toni, Hrubesch ? Que nenni ! C’est l’illustre inconnu Rüdiger Mielke avec la note de 1 oui ! 15 buts en 15 matchs en Bundesliga avec le MSV Duisburg ! Lui qui a décidé de continuer son apprentissage dans une entreprise allemande plutôt que de se lancer dans une carrière professionnelle ! Regrette t-il de ne pas avoir épousé le football ? „Aucunement, le ballon rond m’a juste donné les bases éducatives pour mon développement professionnel“. Voilà, il n’y a pas que le football dans la vie.

Als ich oben begann über Rüdiger Mielke zu schreiben, musste ich angesichts des Seitenbetreibers Radio Monte Carlo unablässig meine Erinnerungen an die „Fürstenfamilie“ der 60er Jahre beiseite schieben und an die schon mehrmals erwähnten Illustrierten bei den Großeltern. Rüdiger Mielke nahm ständig diese schnauzbärtige, etwas gedrungen wirkende und ordensbesetzte Uniformen tragende Gestalt von Fürst Rainier an. Und mir war es völlig verständlich, dass ein Mann mit einer so wunderbar aussehenden Frau wie Fürstin Gracia Patricia und einem Wohnzimmerblick über eine sonnenbeschienene Meeresbucht, keine Lust mehr hat, Fußball zu spielen. Und was sollte dieses Gerede von einer Lehre? Hatte das einer nötig, der eine Schauspielerin wie Grace Kelly so verwandeln kann, dass sie für einen Jungen im Grundschulalter unvorstellbar dieselbe Person war wie diese Fürstin. Diese Uniformen von Fürst Rainier, Rainer wie wir in Duisburg meist sagten, waren damals übrigens für mich eine sehr notwendige Hilfe zur Unterscheidung von dem anderen Paar ähnlicher Statur und gleichen deutschen Interesses, dem Anzugträger „Ari“ Onassis und seiner Frau Jackie Kennedy. Onassis hat Anfang der 70er mit einem Teil seines Geldes Panathinaikos Athen finanziert. Was uns wiederum zeigt, bekräftigt durch finanzielle und emotionale Verbindungen des „Fürstenhauses“ mit dem AS Monaco, Polo scheint recht zu haben: „Es gibt nichts anderes als den Fußball im Leben.“

Ruhr-Lit-Cup 2010 – Autorennationalmannschaft tritt an

Lesungen in Schulen am Morgen und eine Gala am Abend bilden in Unna den Auftakt zum Ruhr-Lit-Cup 2010, der Fußball-Europameisterschaft der Autoren. Der Sport wird dann das erste Mal in Vorrundenspielen am Freitag betrieben. Samstag finden ab 10 Uhr das Halbfinale und die Platzierungsspiele statt. Am Abend widmen sich einige der Autoren ihrer erweiterten Kernkompetenz und geben literarische Liebeserklärungen per Lesung zum besten. Virginia Jetzt spielen dazu auf, und die Queen of Poppolitics Claudia Roth probiert aus, ob Kulturhauptstadtstalkrundenleiterinnensessel ebenso bequem sind wie RTL-Showgästesofas und Plenarsaalstühle. Das Finale und Spiel um Platz 3 finden am Sonntag ab 10 Uhr statt. Wer also am vorletzten Liga-Wochenende sich im Ruhrgebiet schon von seinem Verein enttäuscht abgewendet hat, erhält Gelegenheit sich an der von Jörg Berger gecoachten deutschen Autorennationalmannschaft zu begeistern.  Wenn ich das nun überblicke, gibt es noch nicht viele Fußballanhänger im Ruhrgebiet, für die der Ruhr-Lit-Cup eine Fußball-Alternative wäre. Und der Weg von Duisburg nach Unna ist einer der längsten, den die Metropole Ruhr zu bieten hat. Da müsste man schon ein sehr großer Crossover-Fan der Popkultur sein, um angesichts der eigenen  Enttäuschung tief im Osten Trost zu finden.

Wieder Herr der eigenen Stimmung sein

Wenn eine Mannschaft drei Spieltage vor Ende der Saison im Rahmen ihrer bis dahin gesehenen spielerischen Möglichkeiten bleibt, muss uns eine Niederlage dieser Mannschaft nicht die Laune verderben. Gerade jetzt, wo es um nichts geht, haben wir Zuschauer es selbst ganz in der Hand, wie wir uns nach dem 3:2-Sieg des SC Paderborn beim MSV Duisburg fühlen. Die Begegnung zwischen dem MSV Duisburg und dem SC Paderborn entsprach eben dem Verlauf vieler Zweitligaspiele. Der MSV Duisburg hätte auch gewinnen können. Der SC Paderborn wollte in der ersten halben Stunde nicht unbedingt mitspielen. Die Mannschaft wollte Tore verhindern. Das gelang. Und ebenso kann in der Zweiten Liga jede Mannschaft aus dem Nichts heraus ein Tor erzielen. Auch das gelang. Wenn in der zweiten Halbzeit bei größerem, vergeblichen Druck des MSV Duisburg ein Konter die erneute Führung des SC Paderborn brachte, so kennen wir das aus dieser Saison ebenfalls oft genug. Fällt trotz größeren Drucks kein Tor, wächst minütlich die Gefahr zu verlieren.

Versuchen wir uns deshalb in Lebenskunst und halten uns an alte Sinnsprüche in der Art, nicht die Fakten bestimmen unser Fühlen sondern deren Bewertung. Das heißt keineswegs, schlechte Gefühle dürfen nicht sein. Ich habe mich im Spiel geärgert – über die Tore des SC Paderborn und hohe Langfeldpässe auf zu kleine Mitspieler. Ich fand es zudem unerträglich, wie sich Paderborns Spieler in die Tradition naturwissenschaftlicher Scharlanterie stellten und uns mit dem übernatürlichen Phänomen des Magnetismus zwischen gestürzten Menschen und Rasenflächen verblüffen wollten. Ich freute mich aber auch mit den Freunden am doppelten Sahan. Auf den ersten Blick sehen sich Burakcan Kunt und Olcay Sahan sehr ähnlich. Ich muss sie mir mal beim Training von nahem ansehen, vielleicht hat das ja Verwirrungspotential beim Gegner. Denn auch wenn zudem manche ihrer Bewegungen im Spiel ähnlich wirken, so sucht Burakcan Kunt häufiger den Körperkontakt als Sahan. Sein Ehrgeiz und Durchsetzungswille brachte ihn sogar in die Gefahr, eine gelb-rote Karte zu erhalten. So etwas wird sich hoffentlich nach ein paar Zweitliga-Spielen gelegt haben. Es erinnert aber auch daran, jung und hungrig ist ebenfalls erst einmal ein Versprechen. Wer allerdings in jungen Jahren schon zum Idol eines Fanclubs wird, lässt mich sofort hoffen, dass es nicht nur bei Versprechungen bleibt. Wir Menschen sind schon lustige Wesen, die alleine deshalb zuversichtlicher sein können, weil auch andere Menschen an etwas glauben. Darüber hinaus bin ich natürlich neugierig, was da wohl hintersteht, hinter so einem Fanclub.

Maurice Exslager ist schon dabei, einen Teil des Versprechens einzulösen. Zur Halbzeit eingewechselt nimmt er fünf Minuten später einen steilen Pass ins Sturmzentrum wunderbar auf, spielt noch einen Gegenspieler aus und behält alleine auf den Torwart zulaufend die Ruhe, den Ball sicher ins linke untere Eck zu schieben. Begeisterter als über das Tor war ich über seine Freude. Dafür hat sich dieser Stadionbesuch gelohnt. Wir können uns durch solch eine ungebrochene Freude an das Beste in uns erinnern lassen. Er ließ uns Teil haben an seinem reinen Glück. In dieser Freude, und ich schreibe bewusst nicht „in diesem Jubel“, zeigt sich natürlich sein Alter, viel mehr aber steckt darin noch die Distanz zum Unterhaltungsbetrieb Fußball. In seiner Freude schwangen, wenn überhaupt, nur wenige Gedanke an Zuschauer mit. Irgendwo in der Ecke, links von der KöPi-Tribüne saßen Familie, Verwandte, Bekannte wer auch immer. Mit ihnen wollte er seine Freude über das Erreichen eigener Ziele teilen. Dorthin, in die Ecke folgte ihm die Mannschaft zur Gratulation. Für einen Moment war Maurice Exslager in dieser Fußball-Arena selbstvergessen. Solche Momente sind selten geworden im Fußball der Gegenwart.

Lohnen sich weitere, detailliertere Worte über das Spiel? Zwei Tage danach? Wen interessiert es noch, ob Caiuby zum Ende des Spiels kaum mehr einen Ball sofort unter Kontrolle brachte. Wen interessiert, dass die Verteidigung immer dumm aussieht, wenn der Ball im Mittelfeld bei der Vorwärtsbewegung verloren wird? Wenn interessiert, ob Dario Vidosic seine Aussichten auf die Teilnahme an der Fußball-WM verbessert hat. Durch ein einziges Tor? Das Ende der Saison ist dringend nötig. Der Mannschaft des MSV Duisburg geht es wie den meisten Menschen zum Ende eines Jahres hin. Da wird nichts Neues mehr angepackt. Was ansteht, wird zwar erledigt, doch mit den Gedanken sind alle schon bei den Feiertagen. Mit neuem Schwung im neuen Jahr. Milan Sasic fasst das für den MSV Duisburg in ein bekanntes, an alte Zeiten erinnerndes Bild: „Wir brauchen frisches Blut„. Ich bin gespannt, wo die Blutkonserven nun gefunden werden. Bis dahin werde ich mich auch nächste Woche darin üben, nach dem Stadionbesuch mir meine gute Laune nicht beeinträchtigen zu lassen. Denn das hier ist doch nur eine dauerhafte Möglichkeit, wenn wir Figuren in einer deutschen Komödie der 60er Jahre wären:

In Gerüchteküchen wird allmählich gearbeitet – Tobias Kempe

Das wäre mal einen Versuch wert: Die DFL legt eine Obergrenze für die Zahl der möglichen Familiennamen von Berufsfußballern fest. Das könnte natürlich zu Geld- und Machtkonzentration bei vom Auswahlglück begünstigten Familien führen. Was aber ja nur die sozialen Gegebenheiten des wirklichen Lebens wiederspiegelte. Wir Zuschauer bräuchten dann bei den neuen Spielern zu Beginn einer Saison nur noch die Namen vergangener Zeiten  wieder hervorkramen. Kempe wäre für uns in Duisburg so ein Name. Thomas Kempe kam 1979 als Neunzehnjähriger aus Voerde zum MSV und erspielte sich sofort einen Stammplatz. Er blieb drei Jahre bis zum ersten Bundesligaabstieg des MSV Duisburg und wechselte danach für drei Jahre zum VfB Stuttgart, um schließlich für acht Jahre beim VfL Bochum zu spielen. Thomas Kempes 1989 geborener Sohn Tobias spielt bei Werder Bremen in  der zweiten Mannschaft. Er soll laut worum.org einen Profivertrag bis 2012 erhalten und denkt allerdings daran vielleicht in Liga 2 sich weiter zu entwickeln. Entsprechende Angebote lägen vor.  Der einzige Zweitligaverein der im gut informierten Blog genannt wird, ist jener, der schon vor kurzem mit guten Verbindungen nach Bremen aufwarten konnte, der MSV Duisburg. In der Gerüchteküche soll wohl ein einziger kurzer Satz in einem sehr langen Text über viele Spieler von Werder Bremen reichen, um ein wenig Neue-Kader-Suppe ans Kochen zu bringen.

Idole als Heilsbringer für Fußballvereine

„Das Idol würde dem MSV helfen“, heißt es nun auch bei Der Westen. Nicht zum ersten Mal richten sich in düster werdenden Zeiten Hoffnungen zur Besserung der Lage beim MSV Duisburg auf Bernard Dietz. In der Artikel-Überschrift drückt sich nicht nur die Bereitschaft von Bernard Dietz zur Mitarbeit beim MSV aus, sondern gleichermaßen die Meinung der lokalen NRZ-Sportredaktion und die von vielen Fans. Liest man allerdings weiter, stellt man wieder einmal fest, das Leben ist viel zu kompliziert und unübersichtlich, als dass das Heil mit einer einfachen Frage von MSV-Seite zu erhalten wäre.

Bernard Dietz kennt sich selbst nun einmal besser als wir Fans ihn, und er sieht seine Möglichkeiten im „sportlichen Sektor“. Dass er auf dem Gebiet als Trainer und Förderer von Talenten Erfolg hatte, wissen wir. Dummerweise gilt es beim MSV Duisburg gerade ganz dringlich zunächst einmal eine andere Position zu besetzen. Ein Nachfolger von Walter Hellmich wird gesucht. Und selbst wenn ich mir Bernard Dietz für den sportlichen Sektor beim MSV Duisburg verantwortlich vorstelle, verringerte sich meiner Meinung nach die von ihm erhoffte Integrationskraft als einer von mehreren gleichwertig agierenden Verwaltungsverantwortlichen des Vereins.

Gerade diese Integrationskraft und das Symbolhafte seiner Person weckt aber doch die Sehnsucht, den als MSV-Spieler so legendär gewordenen Bernard Dietz endlich in diesem Verein beheimatet zu sehen. Es ist die Sehnsucht, jemand mit tadellosem Ruf spräche für den Verein. Es ist die Sehnsucht, einem Menschen und damit dessen Handeln bedingungsloses Vertrauen entgegen bringen zu können.

Wie Bernard Dietz nun ins Gespräch gebracht wird und die Gedankenspiele  in dem oben verlinkten Artikel über eine mögliche Position als Sportdirektor, das stiftet mehr Unruhe, als dass es im Moment konstruktiv weiterhilft. Vorrangig bleibt die Position dessen zu besetzen, der eine Vorstellung davon nach außen trägt, wohin es mit dem MSV Duisburg gehen soll. Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit für Bernard Dietz Visionen vom zukünftigen MSV Duisburg zu formulieren, vielleicht entspricht es nicht seiner Persönlichkeit. Dennoch wünsche ich es mir, er könne sich und seine Vorstellung vom Engagement beim MSV Duisburg noch dahin entwickeln.

Doch selbst dann würde das Heil nicht automatisch kommen, weil Bernard Dietz im Umfeld des MSV Duisburg so populär ist. Beim Hamburger SV trat Uwe Seeler im Oktober 1995 seine Amtszeit als Präsident an. Er blieb es bis Juni 1998. So weit ich mich erinnere, waren die Erwartungen an ihn hoch. Er sollte für Solidität im Verein sorgen. Das klappte nicht besonders gut. Warum genau und mit welchen Folgen für Uwe Seeler müsste ich nachschlagen. Beim 1. FC Köln dagegen ist Wolfgang Overath erfolgreicher bei der Vereinsführung. Zum Warum zwei spontane Gedanken: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat er mögliche Gegenspieler im Verein entmachtet und mit Jürgen Glowacz einen langjährigen Freund und Geschäftspartner zur Unterstützung ins Präsidium geholt. Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, seine Karriere als Unternehmer ist ihm bei der Ausübung seines Amtes sehr von Nutzen.

Hätte ich mehr Zeit, fände ich es interessant, einmal genau nachzuprüfen, welche Bedingungen dazu führen, dass Idole eines Fußballvereins als Funktionäre des Vereins erfolgreich sein können. Den Sonderfall FC Bayern München lassen wir mal außen vor. Wo gibt es diese Konstellation überhaupt sonst noch? Dieter Müller fällt mir ein als Präsident von Kickers Offenbach. Allerdings kenne ich keine Urteile über seine Arbeit. Vielleicht kriegen wir eine flüchtige Untersuchung zusammen. So eine Untersuchung könnte ein helfendes Fahrtenbuch sein für Bernard Dietz, um das in nächster Zeit wichtigste Amt beim MSV Duisburg zu bewältigen, das des Vorsitzenden, der glaubwürdig und integer den Weg des MSV Duisburg entwickelt.

Attraktiv in Müngersdorf – DFB-Pokal der Frauen

Als der DFB den Austragungsort für das Pokalendspiel im Frauenfußball gesucht hat, war Köln meiner Meinung nach der einzig mögliche Endspielort. Denn das eigenständige Pokalendspiel der Frauen ist ein Experiment vom DFB, dessen Ausgang, nämlich die Zuschauerzahl, sehr viel offener ist als das Spielergebnis zwischen dem Favoriten FCR 2001 Duisburg und dem Außenseiter FF USV Jena. Ob Frauenfußball als familientaugliches Unterhaltungsereignis unabhängig von lokaler Gebundenheit funktioniert, weiß bislang niemand.

Sehr viel habe ich in Köln noch nicht von dem Ereignis mitbekommen. Womöglich liegt es daran, dass die Kölner Verantwortlichen für das Finale ihre PR-Arbeit im Vorfeld zu sehr mit dem DFB absprechen mussten und deshalb die wesentlichen Dinge dieses Frauenfußballnachmittags aus Kölner Sicht nicht deutlich genug gemacht werden können. Die Einsicht tut den Anhängern des Frauenfußballs vielleicht weh, aber sie ermöglichte ein volleres Stadion. Schnauzbärte, die es prima finden, immer dabei zu sein, sind ungleich wichtiger an diesem Nachmittag als das Frauenfußballspiel.

Hätte man Organisatoren und Vermarkter des kölschen Lebensgefühls mit ins Boot geholt, könnte man, so behaupte ich, mit bis zu 30. 000 Zuschauern rechnen. So aber meldet der Kölner Stadt-Anzeiger heute,  knapp über 8.000 Eintrittskarten seien erst verkauft, und der Newsletter der Kölner Sportstätten Gmbh des Monats April benutzt das für Kölner farblose Wort „Familienfest“, damit das Grundbedürfnis der Kölner nach „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“ wenigstens etwas Aufmerksamkeit erhält. „Um möglichst viele Menschen ins Stadion zu locken, veranstalten der DFB und die Stadt zusammen am 15. Mai ein „Familienfest“, so Roters, rund um das Stadion – inklusive Fanmeile, Mädchen-Fußballspielen im Vorfeld und einem attraktiven Bühnenprogramm, unter anderem mit den “Höhnern”. Der Ansatz ist schon richtig, und die Absicht wird nicht verhehlt. Die Einbindung  des Endspiels in die kölsche Brauchtumspflege muss aber offensiver betrieben werden.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Werbeanzeigen

%d Bloggern gefällt das: