Archiv für Juni 2010

Meine drei Momente für die deutsche Fußballewigkeit

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem gelungenen Geburtstagsfest meiner Frau beitragen kann, weiß sie, was sich gehört und tut alles, um nach der fröhlichen und beschwingten Stimmung im Garten auch das Erleben von begeisterter Freude möglich zu machen.

Darin ist sich Fußball-Deutschland einig, dieser Sieg der deutschen gegen die englische Nationalmannschaft trägt alle Züge jener Spiele, nach denen man in Jahrzehnten noch das Google entsprechende Informations-Orientierungssystem  befragt: Ein erspielter, deutlicher Sieg, der für einige Zeit gefährdet schien. Er war aber auch nur in dem Maß gefährdet, dass es einen angenehm schauerte. Es gab mit dem nicht gegebenen Tor eine für England tragische, falsche Schiedsrichterentscheidung, die sich auch noch an die Geschichte des Wembley-Tores der 66er WM-Begegnung anschließen lässt. Und last but not least, die Mannschaften sind sehr fair miteinander umgegangen.

Für mich besitzt dieses Spiel auf hohem Niveau drei magische Momente, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Das ist als erstes dieser präzise, weite Abschlag von Manuel Neuer zu Miroslav Klose, der diesen Abschlag perfekt aufnimmt, der sich durchsetzt und dann zum 1:0 einschießt. Das war nicht nur das idealtypische Zusammenspiel von Torwart und Stürmer, auch die jeweilige Einzelleistung verdient das Prädikat.

Mein zweiter Moment ist jene Szene im deutschen Strafraum, als Arne Friedrich in einer bedrohlichen Angriffssituation halb grätschend klärt und im Wiederaufrichten den Ball kontrolliert, um ihn danach mit technisch brillanter Ballbehandlung dribblend aus dem Strafraum herauszuspielen. Das geschieht alles in einer einzigen fließenden Bewegung, vom Grätschen bis zum Herausspielen. Großartig oder in den Worten Günter Netzers, brasilianisch!

Und als dritten Moment sehe ich die Ballannahme Mesut Özils in der Nähe der Mittellinie vor dem vierten Tor, als Özil und sein Gegenspieler auf nahezu gleicher Höhe beim gepassten Ball ankommen. Im nächsten Moment hat Özil durch seine präzise Ballaufnahme im Sprint fast zwei Meter Vorsprung.

Ein Bild sagt etwas anderes als zwei Worte – Die Dauerkarten-Mailingaktion

Wo ich mir gestern ohnehin über die Veränderungen auf der Verwaltungsebene beim MSV Duisburg ein paar Gedanken gemacht habe, kann ich heute noch einen Hinweis anschließen, weil die Dauerkartenbesitzer Post erhalten haben. Da fische ich also ein Werbebrieflein aus dem Briefkasten und denke kurz, was tun denn „echte Zebras“ so in Irland?

Beim Umdrehen des Umschlags sehe  ich, der Fußballverein meines Vertrauens denkt an mich als Kunden. Diese Zebras sind also gemeint. Also öffnen, und sie tun es dann anscheinend doch nicht alle, denn da werden „echte Zebras“ aufgefordert: „Lasst uns Gras fressen!“.

Wir Fans sollen also mit diesem Aufruf bei einer unserer tiefsten Sehnsüchte gepackt werden. Aber warum sollen auch wir Fans Gras fressen? Als Zeichen unserer tiefen Verbundenheit mit dem Verein? Unsinn. Selbst damals im Wedaustadion wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Pionierpflanzen auf den Steintreppen herauszukratzen, um sie in den Mund zu nehmen. Im Beton der Arena-Stufen gibt es solche Pflanzen nicht mal mehr. Um das Gras fressen, darum können sich nur die Spieler kümmern, und wenn ich die Aufbauarbeit des Kaders beobachte, werden es die Spieler demnächst hoffentlich auch wieder tun.

Sicher, es wird keine Dauerkarte weniger verkauft wegen solcher Lappalien. Dieser Brief ist aber ein Symptom für die Qualität der Marketingarbeit des Vereins. Die Grundidee des Briefs hält nicht einmal für einen kurzen Moment dem Nachdenken stand. Sämtliche beabsichtigten Botschaften zur Identität des MSV Duisburg fallen in sich zusammen.

Denn der verpatzte Appell wird durch die bildhafte Aufnahme des Motivs „Gras fressen“ geradezu in sein Gegenteil verkehrt. Gras fressen. Etwa so friedlich und ungestört, wie es ein einzelnes (!) Zebra normalerweise tut.  Soll ich nochmals schreiben? In Irland? Aber vielleicht erkennt ihr ja auch andere Landstriche. Eins ist aber sicher, keine Fressfeinde sind vor Ort. Da lebt es sich ganz angenehm als Zebra in Irland. Ist vielleicht ein bisschen einsam und düster bei so einem heran ziehenden Dauerregen, aber dafür gibt es dann ja auch immer saftig-grünes Gras. Eine Wellnesserfahrung scheint dieses Gras Fressen für so ein Zebra zu sein.

Wahrscheinlich gibt es dafür sogar irgendein Marketing-Fachbegriff, wenn Bildaussagen Wortbedeutungen unterlaufen. „Gras fressen“ als fußballspezifischer, bildhafter Ausdruck für „sich anstrengen“ passt eben nicht zu einem realen Gras fressenden Zebra. Da müsste sich einer schon mal Gedanken über eine Pointe für das Zebrabild bei aufgeklapptem Umschlag gemacht haben.

Solche Verwirrung entsteht gerne, wenn man zu viele bildhafte Ausdrücke miteinander kombiniert. Wenn es nur um Sprache ginge, würden wir jetzt über Stilblüten und unfreiwillige Komik reden. Also, nicht, dass Sie diese Baustelle vergessen, Herr Kentsch, solche Marketing-Aktionen, meist in der Verantwortung von eigens beauftragten Agenturen, brauchen mehr fußballspezifische Kompetenz, so ist mein Eindruck. Schließlich ist mit den Aktionen rund um den Dauerkarten-Verkauf der richtige Weg bereits eingeschlagen.

Davon ab, ich kaufe mir natürlich eine Dauerkarte. Trotz der Mailingaktion.

Erfahren neben jung und hungrig auf allen Ebenen

Anhängern anderer Vereine muss das komisch vorkommen, wenn die Verpflichtung eines Pressesprechers mich hinsichtlich der sportlichen Perspektiven des MSV Duisburg zuversichtlich stimmt. So ein Pressesprecher schießt schließlich weder Tore noch verhindert er welche. Ich will das kurz erklären. Seitdem Roland Kentsch als Geschäftsführer beim MSV Duisburg tätig ist, gibt es Anzeichen für eine veränderte Vorstellung von der Verwaltungsarbeit beim MSV Duisburg. Wir Manager sagen ja zu Vorstellung wie die WM-Kahns gerne auch Philosophie. Diese Philosophie hieß bislang, wir haben immer große Ziele und geben dafür Gas. Bei Mitarbeiterverpflichtungen ist nun eine fußballspezifische Perspektive des Berufslebens als Antriebsstoff für das Gasgeben erkennbar, die wahrscheinlich den Kontakten von Roland Kentsch zu verdanken ist. Alleine durch die Ausrichtung auf den Fußball als Geschäft verändert sich die Grundlage für das Arbeiten im gesamten Verein.

Mit Martin Haltermann kommt nun der langjährige Pressesprecher des 1. FC Nürnberg zum MSV Duisburg und bringt seine Erfahrung mit nach Duisburg. Bei seinem Abschied in Nürberg werden Martin Haltermann lobende Abschiedsworte des Geschäftsführers und Vizepräsidenten des 1. FC Nürnberg Ralf Woy hinterhergerufen. Wenn ich in der Nürnberger Zeitung also lese, Martin Haltermann habe den FC Nürnberg „mit seiner Arbeit hervorragend begleitet“, dann freut es mich, so einen Mann in den Reihen meines Vereins zu wissen. Wenn ich mir zudem noch den Online-Auftritt vom 1. FC Nürnberg ansehe, erkenne ich, da hat jemand bis vor kurzem etwas mitverantwortet, was einen deutlich größeren Klassenunterschied aufweist als die eine Liga, die den 1. FC Nürnberg vom MSV Duisburg im sportlichen Bereich trennt.

Ich kenne natürlich die Beharrungskraft des Bestehenden, aber mit Martin Haltermann wird ein Pressesprecher in den Verein geholt, der genügend berufliches Selbstbewusstsein entwickelt haben müsste, eigene Vorstellungen seiner Arbeit in die bestehenden MSV-Machtverhältnisse der Verwaltung einbringen zu können und so die Außendarstellung des MSV Duisburg damit wettbewerbstauglich zu machen.  Als Stellvertreterin wird Ina Bräutigam ihren Dienst antreten, die einen BA-Studienabschluss in Public Relations vorweist und den MSV Duisburg durch ein Praktikum kennt. Diese Personalkonstellation in der Presseabteilung erinnert mit der Kombination von Erfahrung und Jugend an die Mannschaft des MSV Duisburg der nächsten Saison.

Es kommt also ein Pressesprecher mit Renomée aus einem Verein mit einem vergleichbaren Niveau in sportlicher Hinsicht aber mit einem besseren Umfeld. Deshalb berührt in meinen Augen diese Personalfrage auch die sportliche Zukunft des MSV Duisburg. Es zeichnet sich ein höhere Anspruch an die Kompetenzen der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich ab. Man kann das als Versuch deuten, den Verein auf der Verwaltungsebene für den Wettbewerb zu stärken. So eine Stärkung auf Verwaltungsebene bleibt aber sinnlos, wenn die sportliche Perspektive nicht stimmt. Deshalb wirken solche Personalfragen auf der Verwaltungsebene auch auf meine Hoffnung, wenn ich an die sportlichen Möglichkeiten der Zukunft denke. Womöglich kristallisiert sich bei allen sonstigen Beweggründen für den Personalwechsel mit solchen Personalentscheidungen der Ehrgeiz von Roland Kentsch heraus. Mir gefiele das.

Doch nicht nur auf Verwaltungsebene geht der Personalwechsel weiter. Auch in Reihen der sportlich Verantwortlichen kommt mit Oliver Reck ein neuer Mann und ersetzt Torwart-Trainer Manfred Gloger. Interessant wäre die Antwort auf die Frage, ob Roland Kentsch mit dieser Entscheidung mehr zu tun hatte, als die finanziellen Modalitäten abzusichern. Das werden wir nicht erfahren, das gäbe aber einen Hinweis darauf, wie die Zusammenarbeit der Führungsebene funktioniert.

Ob Oliver Reck bessere Arbeit leisten wird, als es Manfred Gloger bislang gemacht hat, weiß ich nicht zu beurteilen. Dennoch lässt sich auch diese Personalie mit dem Anspruch auf mittelfristigen Erfolg verbinden. Eins ist nämlich gewiss, Oliver Reck hat einen größeren Namen in diesem Geschäft als Manfred Gloger. Er kennt andere Personen und hat deshalb andere Möglichkeiten zu agieren.

Wenn wir demnächst allerdings hören, einer der erfahrensten Gefahrguttransporter-Fahrer Deutschlands werde den MSV-Bus in der nächsten Saison fahren, werden ich zu zweifeln beginnen. Vielleicht steht eigentlich Milan Sasic hinter sämtlichen Personalentscheidungen dieses Vereins? Träfe das zu, bewiese Milan Sasic einen langen Atem und zeigte sich beim Bohren dicker Konfliktbretter als sehr hartnäckig. Was mich andererseits trotz meines Bedauerns über diese Art Konfliktlösung ebenfalls zuversichtlich stimmen würde. Das könnte heißen, stimmen erst einmal alle Bedingungen für Milan Sasic, und das wären nach Entwicklung der Dinge vor allem die zu seiner Persönlichkeit passenden Menschen, dann könnte er sich auf die sportlichen Ziele konzentrieren und nichts würde seine Energie mehr ablenken. Das Leben ist schon ganz schön kompliziert, nicht nur wenn es ans Hoffen geht.

Schwer zu ertragende Niederlagen

Wie Niederlagen zustande kommen, bestimmt die Gefühle nach dem Spiel. Am schwersten sind Niederlagen für mich hinzunehmen, wenn sie meinem Eindruck nach auf wenige, klar erkennbare Entscheidungen im Spiel zurück zu führen sind. Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern gegen Serbien ist so eine Niederlage für mich. Natürlich lässt sich trefflich beim Schimpfen über den Schiedsrichter des Spiels der Gefühlshaushalt in Ordnung bringen, doch Alberto Undiano Mallenco hat seine kleinliche Spielführung von Anfang an gezeigt, um nicht zu sagen in Szene gesetzt. Aus seiner Auslegung der Regeln hat er nie ein Hehl gemacht, und Miroslav Klose hätte den mit dem Ball davon sprintenden Serben erst attackieren dürfen, wenn er mit ihm auf gleicher Höhe gewesen wäre. Die erste falsche Entscheidung.

Dem folgte Lukas Podolski in Absprache mit Bastian Schweinsteiger. Von Joachim Löw haben wir jedenfalls inzwischen erfahren, die zwei bestimmen untereinander, wer einen gegebenen Elfmeter schießt. Podolski hat in kurzer Folge vor dem Elfmeter mit mehreren deutlich neben das Tor platzierten Fehlschüssen gezeigt, dass ihm an den Tag nicht alles gelingt. Dieses Abhaken und Vergessen des Versagens mag ihm meist möglich sein. So eine Eigenschaft gehört ja zur Grundausstatttung des Berufssportlers. Unsere Psyche lässt sich aber nicht mit völliger Sicherheit so kontrollieren, wie wir  Menschen es zur Bewältigung unseres Lebens gerne hätten. Und je bedeutungsvoller das Geschehen, desto schwieriger wird das Ausblenden des Zusammenhangs einer Handlung. Auch dieses Risiko war also abzusehen. Das geringere Risiko wäre ein Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger gewesen. Denn Schweinsteiger hatte bis dahin ein souveränes Spiel gezeigt. Sein Selbstbewusstsein war so stark, dass ihn selbst zwei, drei Gegner beim Dribbling nur unwesentlich in Bedrängnis brachten und er solche Spielsituationen kontrolliert auflöste. Er hätte den Elfmeter schießen müssen.

Klinsmann für Klose und Bajic für Fahrenhorst

„Klinsmann für Klose“ las ich heute morgen als Überschrift einer kurzen Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger. Seufzend bedauerte ich Mario Gomez, und dachte, nun wird es noch mehr Ärger mit den Engländern geben. Wenn Jürgen Klinsmann statt Miroslav Klose gegen Serbien stürmt, muss die FIFA dem DFB die Sondererlaubnis gegeben haben, einen Spieler nachzunominieren. Dieser gute Draht des DFB zur FIFA gibt den Engländern zwar einen ganzen Stall voll Sündenböcke für ihr Ausscheiden, aber Mario Gomez wird auf seinem Zimmer heimlich fluchen, wenn Jürgen Joachim Löw ihm so einen Michael Schumacher des Fußballs vorzieht. Was haben wir überlegt, wieviel der so herrlich anzusehende und überlegen erspielte Sieg gegen Australien Wert ist. Nach der Meldung von Klinsmanns Aufstellung wissen wir es immer noch ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, warum Miroslav Klose nicht spielen kann. Im ersten Moment erschreckt man vielleicht, wenn Löws Kumpel aus alten Sommermärchen-Tagen der Mannschaft weiterhelfen soll. Aber vielleicht ist es genau andersrum, die Mannschaft spielt so gut, dass sie als eine Art Jungbrunnen dem Kumpel aus alten Tagen durch seine Schaffenskrise als Trainer bringen wird. Im Fußball ist es Gott sei Dank häufig entweder so oder doch ganz anders, wahrscheinlich nur deshalb, damit wir immer was zu reden haben.

In Duisburg bietet dazu eine Spielerverpflichtung die Gelegenheit. Branimir Bajic scheint so eine Art Frank Fahrenhorst von Milan Sasic zu sein, auch wenn er ihn in Koblenz nicht mehr trainiert hat. Da verlasse ich mich mal auf die statistischen Daten bei fussballdaten.de. Wir wissen aber, in der Region seines ehemaligen Arbeitgebers kennt sich Milan Sasic noch immer bestens aus. Wie viel besser muss es also früher gewesen sein, als er die meiste Zeit seines Tages noch im direkten Einzugsgebiet verbracht hat. So wirkt diese Spielerverpflichtung wie eine Maßnahme zur Basissicherung. Grundnahrungsmittel müssen eben auch im Haus sein. Wenn man am Supermarkt mit der einen Buttermarke nicht mehr vorbeikommt, geht man zu dem anderen, der nun auf dem Weg liegt und greift zur anderen Buttermarke.

Die Planungen für die Abwehr sind nach der RevierSport-Kürzestmeldung jedenfalls abgeschlossen, bleibt die offene Frage, wie lange noch sich Fahrenhorst und Schlicke demnächst auf Meidericher Nebenplätzen fit halten werden. Überraschend wäre die Entwicklung nur noch dann, wenn wenigstens einer von beiden plötzlich doch wieder im regulären Vereinsbetrieb auftauchen würde. Bis dahin unterhalten wir uns über die Perspektiven von Bruno Soares.

Liga-Alltag während der WM für Mainz, Ben-Hatira und Walter Hellmich

Am Morgen trainieren und ab dem Mittag die WM-Spiele zur Weiterbildung? Die neue Saison hat für den FSV Mainz 05 mit dem ersten Training gestern bereits begonnen. Allerdings gab es in Mainz während der letzten Saison doch eine recht stabile Defensive, so weit ich das mitbekommen habe. Und vor allem die Anschauung von unterschiedlich qualifizierten Defensivverbänden ist bei der WM ja bislang zu holen. Doch das soll nicht unser Problem sein, schließlich interessiert in Duisburg am Trainingsauftakt in Mainz vor allem der erfolgreiche Verlauf einer Hüftoperation. Lokal und überregional wird vermeldet, Änis Ben-Hatira will bei dem Training wieder finden und werbend zeigen, was ihm in Duisburg spätestens Anfang des Jahres offensichtlich verloren ging. Was war er verunsichert bei diesem einen Kurzeinsatz für etwas mehr als zehn Minuten im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Vielleicht kommt er ja tatsächlich bei einem anderen Verein als „HSV-Juwel“ zur Geltung. In Duisburg habe ich an solche Schmuckgrundlage beim Namen Ben-Hatira nie gedacht. „Strass“ passte da schon besser. Selbst so ein Strass-Ben-Hatira aber hätte dem MSV Duisburg weiter geholfen, wenn er dauerhaft geglitzert und gefunkelt hätte. Und jetzt soll hinter dem blind gewordenen Glas also irgendwo wieder der richtige Edelstein herausgearbeitet werden. Viel Glück dabei!

Im Moment gleite ich an der Oberfläche allen Fußballgeschehens entlang. Vielleicht ist das eine Immunreaktion auf diese Übererregtheit im Land durch die Fußballweltmeisterschaft oder ich habe einfach zu viel im Kopf, was ich noch erledigen muss vor dem Ende der Gruppenphase. Möglichst viele Spiele der WM will ich mir ansehen.  Doch nur beim Private- Public-Viewing des deutschen Spiels habe ich eines die gesamten 90 Minuten sehen können. Bei allen restlichen Spielen war ich mindestens halbzeitweise mit allerlei anderen Dingen beschäftigt von Geburtstagfeier über Arbeit bis hin zu unaufschiebbaren Vorbereitungen für kommende Geburtstagsfeiern. Vielleicht leidet darunter die innere Konzentration auf den Fußball.

Auch die Spekulationen um die zukünftige Führung des MSV Duisburg ermüden mich augenblicklich. Ich lese, wer Vorstandsvorsitzender werden könnte und fühle mich bei der Hälfte des Satzes wie gelähmt. Wahrscheinlich bin ich nach dem langen Anlauf hin zum Wechsel gerade bei dem Thema ausgezehrt. Zu Walter Hellmich habe ich genug geschrieben und von der Notwendigkeit zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Nun wird bei der Suche eines Nachfolgers zwar von Vorstellungen der Suchenden berichtet, aber Vision kann man das nicht nennen und schon sehe ich eine Entwicklung der Dinge, in der die ersten, altbekannten Fehler im Umgang mit der Öffentlichkeit bereits wieder geschehen sind.

Schon beginnt das Ganze wie die Vorstandssuche eines Breitensportvereins zu wirken, wenn bei der flehentlichen Bitte um Führungspersonal alle betreten zur Seite schauen. Aber einer muss es ja tun. Und da Ennatz nun ein zweites Mal ins Gespräch gebracht wird, müsste sich im Verein allmählich jemand dazu äußern. Vielleicht spricht Walter Hellmich schon mit Bernard Dietz?  Wir wissen es nicht, und je länger Bernard Dietz ohne öffentliche Reaktion vom Verein, seine Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert, desto mehr entsteht der Eindruck von Dahinwurschtelei.

Jetzt haben sich doch noch ein paar Worte zur Situation ergeben, aber sie zu  Schreiben hat sich fast schon wie Arbeit angefühlt. Da läuft irgendwas schief. Bei mir wohlgemerkt, was genau, weiß ich nicht. Ob beim Spiel Brasilien Portugal gegen Elfenbeinküste alles anders wird? Es ist jedenfalls das zweite Spiel, das ich in gesamter Länge mir ansehen kann.

Ganz bald und vielleicht schon irgendwann

Wann ist eine Nachricht eine Nachricht? Die deutschen Nationalmannschaft hat ihr Auftaktspiel bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 gegen Australien 4:0 gewonnen: Mit Sicherheit eine Nachricht. Walter Hellmich tritt in naher Zukunft zurück: Ohne zusätzliche Information mit Sicherheit keine Nachricht. Und doch machen BILD- Zeitung und Der Westen daraus jeweils große Artikel. Die eine Zeitung sieht den Juli, die andere sogar schon das Monatsende als Termin. Es mag nun tatsächlich bald so weit sein. Aber bis ich Walter Hellmich auf einer Pressekonferenz diesen Rücktritt verkünden höre, interessiert mich dieses ungefähre Dahinreden nicht. Zu oft habe ich dieses Geraune vom baldigen Rücktritt während der letzten Wochen zu lesen bekommen. Einmal geht das, so ein Schreiben mit Anfangsverdacht, danach aber bitte nur noch den Vollzug melden.

Wir wissen nämlich seit der Jahreshauptversammlung im April, dass Walter Hellmich nicht unbedingt bis zur planmäßigen Wahl im kommenden Jahr in seinem Amt bleiben will. Wenn über den Rücktritt von Walter Hellmich zurzeit berichtet wird, müsste deshalb nicht die Frage nach dem Zeitpunkt zentrales Thema der Berichterstattung sein, sondern die herum schwirrenden Informationen zu den Folgen dieses Rücktritts. Zumindest Der Westen deutet davon etwas an, nämlich die geplante Entflechtung der Verwaltungsstruktur: „Das Amt des Vorstandsvorsitzenden des MSV Duisburg und des Aufsichtsratschefs der Kommanditgesellschaft auf Aktien soll künftig nicht mehr dieselbe Person wahrnehmen.“

Noch interessanter wäre jetzt der nächste Schritt: darüber nachdenken und schreiben, was so eine Entflechtung für den Alltag im Verein bedeutet. Ich habe dazu keine Zeit. Ich muss Fußballweltmeisterschaft gucken, und noch immer dieses Vorwort zu einer Textsammlung schreiben, damit diese Textsammlung endlich in Druck gehen kann. Das ist nämlich auch eine Nachricht: Erscheinungstermin steht wohl fest! Wahrscheinlich Ende Juni erscheint eine Sammlung von Texten, die Förderschüler im Duisburger Norden im Rahmen einer Schreibwerkstatt verfasst haben. Ungewöhnlich offen und voller naiver Poesie gewähren Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren einen Blick in ihre Lebenswirklichkeit. In einer der nächsten Wochen werden das Jugendzentrum Zitrone, der Förderverein Lemonhaus e.V. und die Städtische Förderschule Kopernikusstraße durch gemeinsame Pressearbeit, den Nachrichtenwert dieser Meldung unterstreichen.

Feindliche Brüder

An der Geschichte arbeiten wir Menschen schon etwas länger. Kain und Abel, Eteokles und Polyneikes, Romulus und Remus, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein am Mittelrhein oder Friedlich Schillers Brüderpaar Franz und Karl Moor aus seinem Drama Die Räuber. Seitdem ich diese Meldung gelesen habe, bechäftigt mich die Frage, ob der Fußball vor dem Boateng-Zerwürfnis bereits einmal Anschluss an diesen grundlegenden Menschheitskonflikt gefunden hatte und ob im deutschen Sprachraum die Feindschaft zwischen Puma und Adidas Rudolf Dassler und Adolf Dassler dabei vorbildhaft wirken konnte? Wer weiß mehr?

Wenn der MSV Duisburg mal einen Pokal gewinnt

Seit Sonntag warte ich auf diese Meldung zum Danone Nations Cup 2010. Am Sonntag hatte ich nämlich mit einer Freundin telefoniert, die mir von den gerade gehörten Sorgen einer ihrer Freundinnen erzählte, die ich nicht kenne. Der Anlass für diese Sorgen ist eigentlich ein Grund der Freude. Es ist der Pokalgewinn einer Mannschaft des MSV Duisburg. Die U 12 des Vereins hat am Wochenende in Frankfurt den „Danone Nations Cup“ gewonnen, und der Sohn der mir unbekannten Freundin der Freundin war dabei. Er spielt allerdings erst seit kurzem beim MSV Duisburg.

Mit so einer rasanten Abnabelung muss eine Mutter aus einer anderen Ruhrgebietsstadt erstmal klar kommen. Zunächst gewöhnt sie sich daran, dass ihr Sohn wegen der weiteren Fahrt zum Trainingsgelände länger als sonst aus dem Haus ist. Dann fährt er mal eben für ein Wochenende nach Frankfurt, gewinnt mit seiner Mannschaft das Turnier und schon steht Südafrika auf dem Reiseplan. Zwar fliegt er noch nicht zur Fußballweltmeisterschaft. Da wurde auf besorgte Eltern Rücksicht genommen. Die Freundin hat noch bis Oktober Zeit, sich an den Gedanken der Fernreise ihres Sohnes zu gewöhnen.

Wir Anhänger wollen nicht hartherzig erscheinen, aber neben den Gefühlen von Eltern ist eine andere Bemerkung zu dem Gewinn des Turniers mindestens ebenso interessant. Wir erhalten einen Hinweis auf erfolgreiche Jugendarbeit des MSV Duisburg. Die Jahrgänge der jetzigen U 12 sind zwar noch etwas zu jung und sicher auch oft zu hungrig, um bei der Zusammenstellung des jetzigen Profi-Kaders eine tragende Rolle zu spielen, aber das ist ja das Wunderbare am Leben. Altern geschieht ganz von alleine. Da braucht man nur zu warten.

Wer es sachlicher und genauer haben will, kann die Nachricht vom Erfolg beim Turnier auch hier in der Pressemeldung vom MSV Duisburg nachlesen:

32 Teams der Jahrgänge 98/99 aus ganz Deutschland trafen sich auf dem tollen Sportgelände der Commerzbank-Arena in Frankfurt und spielten um das begehrte Ticket zum Weltfinale nach Südafrika!! In einem spannenden Finale zwischen dem Team des Lichterfelder FC Berlin (Siegerverein des letztjährigen Turniers) und dem MSV Duisburg setzte sich bei fast tropischen Temperaturen das Team aus Duisburg mit 2:0 durch und ist somit der deutsche Vertreter beim großen Internationalen Finale mit 40 Teams in Johannesburg. Herzlichen Glückwunsch!!!

In 25 Vorrundenturnieren wurden in ganz Deutschland aus fast 10.000 Jugendfußballern die Teilnehmer für das Deutschlandfinale ermittelt. Die Zebras standen im Wettbewerb einer starken Konkurrenz gegenüber. So konnten sich weder das DNC-Allstar-Team noch die favorisierten Teams wie z.B. von Hertha BSC, 1. FC Nürnberg oder der TSG 1899 Hoffenheim   durchsetzen.

Für die U 12-Mannschaft von MSV-Trainer Manuel Schamke geht ein Traum in Erfüllung – gemeinsam mit Fußball-Kids aus aller Welt das Land der Fußball WM 2010 besuchen, Freundschaften schließen und vom „Welttitel“ träumen. Anfang Oktober heißt es nun Koffer packen für die große Reise. In Johannesburg wird unter den Augen des Weltfußballers und Schirmherrn Zinedine Zidane zwischen den Teams aus 40 Nationen und fünf Kontinenten der inoffizielle Danone „Jugendweltmeister“ ermittelt.

(Bildquelle: Danone)

Die Schiedsrichter – Ein großartiger Film

Gestern Abend habe ich nur zehn Minuten dieses Films mir im WDR ansehen können. Sie waren so beeindruckend, dass ich heute morgen früher aufgestanden bin. „Die Schiedsrichter“, ein Film von Yves Hinant und Jean Libon, hat der WDR ins Netz gestellt.

Die Filmemacher haben während der Fußballeuropameisterschaft 2008 fünf Schiedsricher mit ihrer Kamera begleitet. Gezeigt wird das Schiedsrichterwesen als Sport im Sport. In dem Film voller Emotionen wird ein erhellender Blick hinter die Kulissen gewährt und es wird erkennbar, auch im Schiedsrichtermilieu geht es um die Freude am gelungenen Spiel und die Enttäuschung nach schlechten Spielen. Nur die Blicke der Schiedsrichter und all derer, die mit ihnen verbunden sind, gehen in einem Fußballspiel oft woanders hin, um das Spiel zu bewerten.

Es ist eigentlich selbstverständlich, doch wenn wir es tatsächlich sehen, wirkt es verblüffend und irritierend. Spannung und Freude der Offiziellen in der Schiedsrichterkommission, der Familienangehörigen von Schiedsrichtern und natürlich der Schiedsrichter selbst gelten dem richtigen Pfiff. Die Nähe der Kamera zu der Welt der Schiedsrichter unterstreicht sicher die Fremdheit dieser Erfahrung in dem uns doch so vertrauten Fußballspiel.

Was die meisten von uns zu kennen meinen, ist die Hektik auf dem Spielfeld. Doch sie ist noch viel größer, als wir sie uns vorstellen. Sie erleben wir, wenn die Bilder der Europameisterschaftsspiele unterlegt werden mit den stammelnden Headset-Gesprächen zwischen Schiedsrichter, seinen Assistenten und dem viertem Offiziellen. Die ungeheure Belastung und der psychische Druck für die Schiedsrichter wird auf überwältigende Weise spürbar. Nach dem Spiel, in der Kabine, geht es um die Freude über das perfekt geführte Spiel oder es geht um die Enttäuschung, wenn ein nicht gepfiffenes Abseits wie im im Spiel der Österreicher gegen die Polen zu einem Tor führte.

Die Kamera ist in Umkleidekabinen, in den Hotelzimmern oder in den Heimatstädten bei den zu Hause gebliebenen Familien nah dabei. Einen Kommentar gibt es nicht. Der Film steckt voller kleiner Beobachtungen. Da werden Ehrfurcht und Respekt der Schiedsrichter vor UEFA-Präsident Michel Platini ebenso gezeigt wie die quasitherapeutische Bearbeitung der Gefühle nach begangenen Fehlern.

„Die Schiedsrichter“ ist ein großartiger Film. Wer ihn gestern nicht sehen konnte,  sollte sich schnell ein wenig Zeit nehmen, ihn sich auf der Seite des WDR anzusehen. Denn genau weiß ich nicht, ob diese Wochenfrist für ins Netz gestellte Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch für Autorenfilme der Sender gilt.


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