Schwer zu ertragende Niederlagen

Wie Niederlagen zustande kommen, bestimmt die Gefühle nach dem Spiel. Am schwersten sind Niederlagen für mich hinzunehmen, wenn sie meinem Eindruck nach auf wenige, klar erkennbare Entscheidungen im Spiel zurück zu führen sind. Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern gegen Serbien ist so eine Niederlage für mich. Natürlich lässt sich trefflich beim Schimpfen über den Schiedsrichter des Spiels der Gefühlshaushalt in Ordnung bringen, doch Alberto Undiano Mallenco hat seine kleinliche Spielführung von Anfang an gezeigt, um nicht zu sagen in Szene gesetzt. Aus seiner Auslegung der Regeln hat er nie ein Hehl gemacht, und Miroslav Klose hätte den mit dem Ball davon sprintenden Serben erst attackieren dürfen, wenn er mit ihm auf gleicher Höhe gewesen wäre. Die erste falsche Entscheidung.

Dem folgte Lukas Podolski in Absprache mit Bastian Schweinsteiger. Von Joachim Löw haben wir jedenfalls inzwischen erfahren, die zwei bestimmen untereinander, wer einen gegebenen Elfmeter schießt. Podolski hat in kurzer Folge vor dem Elfmeter mit mehreren deutlich neben das Tor platzierten Fehlschüssen gezeigt, dass ihm an den Tag nicht alles gelingt. Dieses Abhaken und Vergessen des Versagens mag ihm meist möglich sein. So eine Eigenschaft gehört ja zur Grundausstatttung des Berufssportlers. Unsere Psyche lässt sich aber nicht mit völliger Sicherheit so kontrollieren, wie wir  Menschen es zur Bewältigung unseres Lebens gerne hätten. Und je bedeutungsvoller das Geschehen, desto schwieriger wird das Ausblenden des Zusammenhangs einer Handlung. Auch dieses Risiko war also abzusehen. Das geringere Risiko wäre ein Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger gewesen. Denn Schweinsteiger hatte bis dahin ein souveränes Spiel gezeigt. Sein Selbstbewusstsein war so stark, dass ihn selbst zwei, drei Gegner beim Dribbling nur unwesentlich in Bedrängnis brachten und er solche Spielsituationen kontrolliert auflöste. Er hätte den Elfmeter schießen müssen.

2 Antworten to “Schwer zu ertragende Niederlagen”


  1. 1 Phil [Turnhallengeruch] 20. Juni 2010 um 09:50

    Und dann hätte er drüber geschossen. Oder so geschossen, wie die drei Elfer gegen Bosnien. Ein anständiger Torwart hält auch mal solche.
    Ich Nachhinein lässt sich sowas immer leicht sagen, die Crux: Man weiß es eben doch nicht.
    Der Einzige, der schon vor/während seiner Aktion wissen musste, dass das schiefgehen könnte war Klose. Wie man so blind für einen Spielverlauf sein kann, und das bei seiner dritten Weltmeisterschaft, macht mich immernoch sprachlos…

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  2. 2 Kees Jaratz 20. Juni 2010 um 19:55

    Stimmt, Phil, er hätte auch versagen können. Aber ich glaube, ein bisschen weniger wahrscheinlich. 😉
    Ich erinnere mich jetzt an keinen Titel eines solchen Films mehr, – „Lola rennt“, meine ich jetzt nicht – aber in diesen Fällen muss ich mich immer an Traumsequenzen der Hauptfiguren erinnern, in denen exakt die gleiche Situtation sich auf unterschiedliche Weise auflöst und wir als Zuschauer uns die liebste aussuchen können. Die Hauptfigur allerdings kann das nicht. Die steckt fest in dieser scheiternden Wirklichkeit.

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