Denken Sie jetzt nicht an einen weißen Bären

Meiner laienhaften Vermutung nach gibt es in der Psychologie doch seit langem Fachwissen zu unerwünschten Gedanken. Deshalb überraschte es mich, dass erst 1994 Daniel Wegner sich in psychologischen Experimenten  mit der Gedankenunterdrückung beschäftigte und dem Phänomen eine theoretische Grundlage gab. Ironische Prozesse nannte er dann den im Alltagswissen allzu bekannten Tatbestand, dass sich jene Gedanken in den Vordergrund drängen, an die man gerade nicht denken will. Weiße Bären waren in den Köpfen seiner Versuchspersonen immer dann besonders lebendig vorhanden, wenn er sie aufforderte, an weiße Bären gerade nicht zu denken.

Weil diese Zweitligasaison für den MSV Duisburg recht erfolgreich angefangen hat, versuchen sich die sportlich Verantwortlichen beim Verein gerade daran, die experimentellen Daten von Daniel Wegner zu bestätigen. Ihr weißer Bär heißt Aufstieg. Milan Sasic hat im Rahmen einer allgemeinen Stimmungsbeschreibung nach dem Spiel gegen den 1. FC Union Berlin gesagt: „Mit 5,3 Millionen kann man nicht aufsteigen.“ Er meinte den derzeitigen Etat des Vereins und bekräftigte, noch niemals sei ein Verein mit solch einem Etat aufgestiegen. Gestern legte Bruno Hübner in einem schönen Interview bei Der Westen nach, indem er der Meinung von Milan Sasic ausdrücklich zustimmte.

Wahrscheinlich muss weniger die Erwartung von uns Zuschauern beeinflusst als der Druck für die Mannschaft reguliert werden. Gleichzeitig wird damit aber der Gedanke Aufstieg lebendig gehalten. Aus dieser Paradoxie kommt niemand heraus. Das geht nicht, es sich vorzunehmen, den Gedanken nicht haben zu wollen.  Da muss einiges andere gemacht werden. Ablenkendes Training etwa für die Spieler, die unendliche Geschichte um die Nachfolge von Walter Hellmich verfolgen für uns Zuschauer, und natürlich bietet die Wirklichkeit des nächsten Spieltags eine Chance, den Gedanken an den Aufstieg zum Verschwinden zu bringen. An diese Möglichkeit will ich aber jetzt nicht denken und spreche ein Wort dazu gar nicht erst aus.

Ihr wisst, was im Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen nicht geschehen soll. Da denke ich doch viel lieber an so was wie Aufstieg, aber auch nur weil Milan Sasic und Bruno Hübner das Wort in den Mund genommen haben. Ich mache das heute nur noch einmal und dann für die nächste Zeit nie wieder. Dann werde ich nämlich nicht an Aufstieg denken, sondern ich werde nicht an weiße Bären denken, wahlweise auch nicht an Elefanten, ob weiß, blau, rosa oder lila, allesamt Beispiele aus Ratgebern für das bessere Menschwerden. Ich habe gelernt, es ist nicht so einfach mit dem gedanklichen Begleiten einer Fußballsaison. Leichter wird es mit Sicherheit, wenn die  Mannschaft des MSV Duisburg das nächste Spiel einfach gewinnt. Im Stadion beim Sieg denke ich nämlich nie an den Aufstieg, es sei denn, er ist plötzlich da.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: