Anscheinend vertraue ich noch nicht genug

Wenn ich nach dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC die Berichterstattung lese, komme ich ins Grübeln. Ob im Kicker, ob im Reviersport oder im Text des sid-Journalisten, den Der Westen und die Rheinische Post aufgreifen, nirgendwo finden sich Worte, in denen ich meine zeitweilige Unsicherheit über den Ausgang des Spiels gestern wiedererkenne. Vertraue ich der Mannschaft einfach noch nicht genug? Habe ich über die letzten Jahre verlernt, ruhig agierende Duisburger Spieler als souverän wahrzunehmen? Kann ich nur noch in der andauernden Auseinandersetzung mit vielen Zweikämpfen Leistung erkennen?

Es war ein recht emotionsloses Spiel gestern und bei dieser Art Spiel hoch zu gewinnen ist wahrscheinlich die eigentliche Leistung dieser Mannschaft. Das weist darauf hin, dass die Mannschaft den Gegner nicht braucht, um die eigene gute Leistung abzurufen. Die Spieler müssen sich weder in ein Spiel hinein kämpfen noch benötigen sie einen großen Gegner, um wach und konzentriert zu sein. Die Haltung zum Spiel ist von Anfang an vorhanden. Da zeigt sich allmählich anscheinend ein  Selbstbewusstsein, das das eigene spielerische Können kennt. Diese Mannschaft geht auf den Platz und weiß um die Chancen, die sie erspielen kann. Sie hat Geduld. Im MSVportal wird sich über die mangelnde Stimmung im Stadion beklagt. Das Spiel rief diese Stimmung aber auch nicht hervor, weil die Karlsruher nur in der zweiten Halbzeit einmal wirklich gefährlich waren, und der MSV Duisburg das Spiel sehr kontrolliert gestaltete.

Da in der Defensive beide Mannschaften gut agierten, brauchte nahezu jeder Angriff eine Art Vorspiel in der eigenen Hälfte. Gerade die Duisburger Mannschaft musste versuchen, einzelne Karlsruher Spieler aus ihrer kollektiven Defensivbewegung herauszulocken. Während der 1:0-Führung taten die Karlsruher Spieler dem MSV diesen Gefallen aber nicht. Deshalb wurde der MSV Duisburg vor allem dann gefährlich, wenn sie den schon verlorenen Ball durch intensives Laufspiel in der Karlsruher Hälfte sofort wieder eroberten. Bei diesem frühen Attackieren waren Stefan Maierhofer und Srdjan Baljak wieder überaus erfolgreich.

Beim Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus tat sich besonders Olcay Sahan hervor, dessen Ballsicherheit auf engstem Raum wir ja kennen, dem die Anschlussaktionen an sein Dribbling aber sonst nicht so oft gelingen wie gestern. Oft zog er zwei, manchmal sogar drei Gegenspieler auf sich und schaffte dann noch den dem KSC Gefahr bringenden Pass. Der frühe Ausfall von Ivica Grlic ab etwa der 30. Minute wurde durch das Vorziehen von Julian Koch ins Mittelfeld und die Einwechselung von Benjamin Kern auf Kochs Position gut kompensiert. Allmählich beginnen wir alle uns zu wiederholen, wenn wir die Leistung von Julian Koch rühmen. Es beeindruckt, wie sein Stellungsspiel gegnerische Angriffsbemühungen erstickt und mit welcher Dynamik er den Ball nach vorne treibt. Der Jubel über Tore des MSV Duisburg wird noch schöner, wenn Julian Koch sie erzielt und ich seine Begeisterung über diese Kopfballtor sehe. Und wenn dann Sefa Yilmaz auf seiner Seite zwar dieses Mal nicht ganz so durchsetzungsstark ist, aber dennoch mit einem fulminanten Schuss das 3:0 erzielt, was will man mehr?

Ein wenig Gedanken mache  ich mir über den eingewechselten Filip Trojan. Es wirkt nicht so, als sei er mit seiner derzeitigen Rolle glücklich und wolle sich nach der Einwechslung beweisen. Da muss Milan Sasic etwas im Auge behalten, um die Stimmung bei allen Spielern des Kaders auszubalancieren.

Ich werde also weiter Vertrauen fassen und das Kombinationsspiel des Gegners um die Mittellinie herum nicht weiter beunruhigend finden. Das sieht vielleicht gefällig aus, je näher sie aber dem Strafraum kamen, desto ergebnisloser wurde ihr Zusammenspiel. Ob das nun Olivier Veigneau, Bruno Soares  Branimir Bajic neben Julian Koch oder Benjamin Kern sind oder Goran Sukalo in der Linie davor, die Spieler des MSV Duisburg ließen wenig zu. Ich glaube, ich muss mich tatsächlich erst wieder an so einen selbstverständlich herausgespielten Sieg gewöhnen. Ich muss das Vertrauen gewinnen, dass in den letzten zwanzig Minuten der ersten Halbzeit keineswegs dem Karlsruher SC das Spiel überlassen, sondern sich des eigenen Könnens gewiss, auf das zweite Tor hingearbeitet wurde.

Ich muss auch weiter daran denken, nicht auszusprechen, was Hertha BSC zurzeit als einziger Verein der Zweiten Liga unbedingt anstrebt. Alle anderen Vereine nehmen erst einmal Abstand vom Unaussprechlichen. Die Vereine, die es wollten, denken erst einmal nicht mehr daran, weil sie unten stehen und die die im Moment oben stehen, haben es nicht im Blick gehabt. Wenn es also keiner so richtig will das Unaussprechliche, dann kann es eigentlich fürs erste ruhig so weiter gehen, bis es zur Überraschung aller dann doch jemanden trifft. Denn neben Hertha BSC muss ein Verein der Zweiten Liga auf jeden Fall das Unaussprechliche wirklich werden lassen. Schließlich berechtigt neben dem ersten Platz noch ein zweiter Platz auf direktem Weg zum Unaussprechlichen. Welcher Platz war das nochmal?

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3 Antworten to “Anscheinend vertraue ich noch nicht genug”


  1. 1 tina 25. Oktober 2010 um 15:31

    Ich finde, Du machst das nicht richtig, Kees. Natürlich kann (und wird?) es jederzeit wieder runtergehen auf der Achterbahn. Aber gerade deswegen sollte die Devise lauten: Jeden Sieg feiern, als ob es der letzte wäre! Und keine philosophoschen Fragen nach Vertrauen und so stellen. 🙂

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  2. 2 Kees Jaratz 25. Oktober 2010 um 16:07

    Ich feier die Siege schon und freue mich. Wenn ich mein Vertrauen anspreche, geht es mir nur um eine Erklärung für meine gegenüber der Berichterstattung so unterschiedliche Wahrnehmung des Spielverlaufs. Erst nach dem dritten Tor habe ich endgültig an den Sieg geglaubt. Im Gegensatz zu den Sportjournalisten hatte ich bis dahin nämlich nicht den Eindruck, dass da ungefährdet bis zum Schlusspfiff gespielt wurde. Bis dahin hatte ich den Eindruck, dass immer mal wieder auch eine zweite Großchance der Karlsruher möglich sei und dann zumindest noch ein Unentschieden für den KSC möglich gewesen wäre. Wenn ich mich umhöre, war ich nicht ganz alleine mit dem Gefühl. Deshalb wollte ich für mich eine Erklärung für diese Unsicherheit und da kam ich auf das „mangelnde Vertrauen“. Kein philosophisches Problem sondern eine alltägliche Frage. 😉

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  1. 1 Zeitgefühl « Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 28. Oktober 2010 um 05:32

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