Ein Punkt und kein Trost für Bruno Soares

Wie oft stimmen die Beschreibungen der Wirklichkeit durch  Süddeutsche Zeitung und BILD wohl so überein? Und wie oft liegen beide Zeitungen mit dieser Beschreibung gleichermaßen völlig daneben? Gut, wir reden von den Online-Auftritten, aber ein „Kleiner Dämpfer“ ist das Unentschieden des MSV Duisburg gegen Alemannia Aachen nun keineswegs gewesen. Aber so ist das, wenn dieselbe dpa-Meldung übernommen wird. Da bleibt dann nichts übrig von der vielfältigen deutschen Presselandschaft, ganz zu schweigen von einer Wertung, die etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Gab es irgendjemanden auf Duisburger Seite, der vor dem Spiel davon ausgegangen ist, in Aachen ganz sicher gewinnen zu können? Auf einen Sieg haben wir Fans natürlich trotzdem gehofft, denn auf mehr hoffen dürfen gerade wir immer. Doch das Unentschieden war genau das Ergebnis, das vor dem Spiel den Realisten in mir zufrieden stimmte. Nach Aachen bin ich dann doch nicht gekommen, und die zweite Halbzeit mit Marco Röhling am PC hat mich wieder ins Nachdenken gebracht, ob ich nicht allmählich Abschied nehmen muss von meinen eigentlich so geliebten Radioreportagen. Hielt sich mein Puls schon konstant, aber aushaltbar deutlich über dem Normalwert allein durch die Abfolge des siebenminütigen Geschehens von der Führung der Aachener, über das Elfmetertor durch Goran Sukalo, die rote Karte für Bruno Soares und der Führung des MSV Duisburg durch Srdjan Baljak, so brachte mich Marco Röhlings Gefahren heraufbeschwörende Stimmlage kurz vor dem Ausgleich der Aachener an meine Grenzen.

Der MSV Duisburg geriet ja nach der Führung nicht nur in Gefahr den Ausgleich hinzunehmen, darüber hinaus war ja auch der Schiedsrichter Dr. Felix Brych unberechenbar geworden. Immer wieder befürchtete Marco Röhling einen weiteren Pfiff, der das Unglück des MSV Duisburg hätte vergrößern können.  „Der MSV spielt heute gegen zwölf Mann“, rief Marco Röhling und meine leicht esoterischen Gedanken waren wahrscheinlich als Ablenkung vom Spielgeschehen reiner Selbstschutz. Hätte ich es doch mal lieber nicht ausgesprochen und den Dauerregen als Verstärkung des MSV Duisburg prognostiziert. Dann wäre dieser versuchte Ausgleich der Kräfte durch Menschenhand vielleicht unterblieben. Vielleicht waltete Dr. Felix Brych nur als Instrument einer von uns einfachen Fußballzuschauern nicht zu erkennenden höheren Gerechtigkeit?

Wenn ich allerdings heute die Spielszene mit Olcay Sahan vor dem Elfmeterpfiff im Bewegtbild sehe, denke ich, auch diese höhere Gerechtigkeit war ein wenig ins Schleudern geraten. Klare Elfmeter sehen deutlich anders aus. Klare rote Karten natürlich sowieso. Ich hatte den Eindruck, die eigene Orientierungslosigkeit nach dem Elfmeterpfiff ließ Felix Brych in großer Sorge um die Fairness des Spiels zurück. Weil er die eigentlich notwendige Verwarnung gegenüber einem Aachener Spieler nicht ausgesprochen hatte, befürchtete er wahrscheinlich, die Spieler des MSV Duisburg könnten nun das Recht in die eigene Hand nehmen. Er sah die Gefahr von Selbstjustiz. Und Selbstjustiz gehört bestraft. Es schien mir, er war der Überzeugung, nicht er sondern das Spiel sei aus den Bahnen geraten und nur wenn er entschieden durchgriff, könnte er das sich abzeichnende Gemetzel unter den Spielern verhindern.

Bruno Soares ist das Opfer eines vorverurteilenden Sicherheitsdenkens von Felix Brych geworden, der in einem erhobenen Arm schon die beginnende Tätlichkeit sah. Wenn schon Milan Sasic Bruno Soares nicht hat trösten können, wird auch dieser Gedanke ihm nicht helfen. Ich kann nur hoffen, dass er mit einem Spiel Sperre davonkommt. Schier unvorstellbar ist mir ein Freispruch. Dieser Freispruch würde nämlich das Eingeständnis bedeuten, dass das hohe Gut der Sicherheit, in diesem Fall das Verhindern eines zu aggressiven Spiels, manchmal einen zu hohen Preis hat.

Denken wir bis zur Entscheidung des DFB-Schiedsgerichts aber immer wieder an das Zaubertor von Srdjan Baljak. Das hebt die Stimmung.

Nachtrag: Es kam das Urteil des DFB-Sportgerichts auf Bruno Soares nieder, wie es anzunehmen war. Er erhält eine Sperre für einen Spieltag.

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