Archiv für Dezember 2010

Wer ist der Schreck vom Niederrhein? Nur der MSV!

Berlin? Berlin? Fahren wir nach Berlin? Welch guten Fußball spielt der MSV Duisburg, wenn es der Mannschaft gelingt, tatsächlich nur an das eine Spiel zu denken. Drei, vier Wochen war die Leichtigkeit des Spiels verloren gegangen. Drei, vier Wochen waren die Blicke vielleicht zu sehr auf die Zukunft gerichtet? Drei, vier Wochen hatte die Aussicht auf ein Saisonende mit einem überraschenden Erfolg vielleicht die Mannschaft gehemmt? Gestern Abend war die Leichtigkeit wieder da. Gestern Abend sahen wir, warum der MSV Duisburg in der Zweitliga-Tabelle mit 30 Punkten auf dem fünften Platz steht. Die Mannschaft war sich ihres schnellen Kombinationsspiels wieder sicher. Die Spielanlage war wieder variabel. Und schon hob Stefan Maierhofer nicht mehr viel zu oft den Arm für das gewünschte Anspiel.

Natürlich muss man auch sagen, dass der 1. FC Köln bei weitem nicht so gut gespielt hat wie am letzten Freitag der VfL Bochum. Diese Mannschaft des 1. FC Köln wirkt in allen Teilen verunsichert. Gestern besaß sie eine Verteidigung, in der immer wieder unglaubliche Fehler passierten. Ich kann den Ärger der Kölner Zuschauer verstehen. Wenn es denn wenigstens Fehler in der Bedrängnis wären. Aber die Ecke, die zum Tor von Stefan Maierhofer in der 3. Minute führte, war ein Geschenk des 1. FC Köln. Das soll jetzt aber nicht heißen, der Sieg des MSV Duisburg sei alleine durch die schlechte Leistung der Kölner ermöglicht worden. Nein, das gute Spiel des  MSV Duisburg hat selbstverständlich auch den 1. FC Köln so schlecht aussehen lassen.

Der Warnhinweis für auswärtige Zuschaer im Block N14 war im Übrigen   keineswegs übertrieben. In dem Block lebt die Hooligan-Tradition der 90er munter weiter. Was uns bewog, in der Halbzeitpause per Schalausweis die Grenzkontrolle zum Nachbarblock zu überwinden und dort im Schutz der Zebraherde erst wirklich auf das zweite Tor des MSV Duisburg zum Sieg zu hoffen. In der ersten Halbzeit war ich  jedenfalls angesichts der weiteren Chancen des MSV Duisburg in große Gewissenskonflikte gekommen. Ob der Sicherheitsdienst so schnell bei uns gewesen wäre, um uns bei einem weiteren Treffer gegen den FC zu schützen, schien mir eine offene Frage zu sein. Schon der frühe Führungstreffer durch Stefan Maierhofer in der 3. Minute war für die Reihe vor uns nicht nur ein Ärgernis sondern eine Provokation, die wir mit verursachten. Dabei konnten wir uns gar nicht mal übermäßig freuen, weil wir eben erst unseren Platz eingenommen hatten. Die Anreise aus dem rechtsrheinischen Köln war gestern ein Glücksspiel, weil sich „Personen in den Gleisanlagen“ der Hohenzollernbrücke aufgehalten hatten und der S-Bahn-Verkehr Richtung Deutz über vierzig Minuten eingestellt war.

Der Anpfiff mit zehnminütiger Verspätung kam uns also zugute. Die Aggression im Stadion war allerdings nicht nur in unserem Erste-Halbzeit-Block spürbar. Es schien so, als wollten Anhänger des FC nahezu überall ihre sehr schlechte Laune mal so richtig rauslassen. Für viele dieser Menschen war es geradezu ein segensreiches Geschenk, dass so viele Duisburger Zuschauer ins Stadion gekommen waren. Da hatten sie wenigstens ein weiteres Feindbild. Unter den Kölner Zuschauern war aber so viel Hass in der Luft, dass er nicht mal an Duisburger Zuschauern und durch Spielerbeschimpfung abgearbeitet werden konnte. Ununterbrochen wurden auch Feinde in den eigenen Reihen entdeckt, und weil es kostenaufwändig ist, Plexiglaswände um jeden Einzelplatz der Kölner zu ziehen, kam es immer mal wieder zu irgendwelchen Rangeleien. Die Arbeit beim Ordnungsdienst des Kölner Stadions scheint mir im Moment keine einfache zu sein.

Natürlich kenne ich in Duisburg Zuschauer ähnlichen Zuschnitts, doch habe ich den Eindruck, es gibt im Kölner Stadion mehr Menschen, die große Lust am sichtbaren Ausleben ihrer Aggression verspüren. Da ist nichts mehr vom gemütlichen Kölner-Sein vorhanden. Da lässt sich eine dunkle Seite der Stadt erkennen, über die sonst wenig Worte verloren wird.

Zurück zum Spiel. Dass es ab der 75. Minute noch einmal spannend wurde, lag einmal mehr an der Chancenverwertung des MSV Duisburg. Welch große Chancen erspielte sich diese Mannschaft. Doch Srdjan Baljak fehlt im Moment jegliche Sicherheit beim Abschluss, und Olcay Sahans Torgefährlichkeit ist nun auch keine beständige. Beim Pfostentreffer gelingt ihm der Schuss noch gut, wenige Minute später war so ein Schuss mal wieder mehr eine Rückgabe zum Torwart. Aber ich habe gelernt damit zu leben, schließlich spielte er gestern wieder ansonsten sehr gut. Julian Kochs Tor zum 2:0 hat für mich alle Zutaten einer für ihn typischen Spielaktionen. Dieser dynamische Antritt, das Vorantreiben des Balls und das sofortige Nachgehen, wenn dieser Ball für den ersten Moment verloren scheint. Großartig! Einmal mehr.

Ab der 75. Minute war der Mannschaft anzumerken, wie anstrengend das Spiel bis dahin gewesen ist. So viele Konter schnell zu laufen kostet Kraft, und deshalb ist es doch auf mittlere Frist sehr sinnvoll, noch ein Tor mehr aus so vielen Chancen zu machen. In dieser Spielphase drohte die Ordung in der Defensive immer wieder verloren zu gehen, zumal der ein und andere Fehler von Bruno Soares für Unruhe sorgte. Er soll den Ball nicht wegschlagen, sicher, aber manchmal kommen dann so Aussetzer und dann gibt er ihn einfach wieder weg. Das hat mich schon sehr nervös gemacht. Wahrscheinlich habe ich deshalb auch für etwa eine Minute gedacht, der von Lukas Podolski im Strafraum geschossene Freistoß sei ins Tor gegangen. Ich sah ein Netz sich ausbeulen, guckte auf den Boden und mir ging durch den Kopf, ob noch genug Kraft vorhanden sei, sich gegen den Ausgleich zu stemmen. Dann sah ich wieder nach oben und wunderte mich nur kurz, wieso David Yelldell den Ball schon wieder abschlug. So schnell war der Anstoß ausgeführt worden? Und der wurde in die eigene Hälfte zurückgespielt? Erst nach dem Abstoß fiel mein Blick auf die Anzeigetafel und die weiterhin bestehende 2:0-Führung. Anscheinend braucht nicht nur die Mannschaft die Winterpause, auch ich muss meine Kräfte erneuern, um mir im neuen Jahr mit der Konzentration des Saisonanfangs die Spiele anzusehen.

Als das Anschlusstor dann wirklich fiel, war ich deshalb gar nicht mehr beunruhigt. Ich bangte nicht um den Sieg. Ein irrationaler Moment. Mit Wahrscheinlichkeit hatte das alles nichts zu tun, sondern nur mit der Hoffnung, dass alles gut ausgeht und dem Gefühl, die Kölner Mannschaft war zu planlos. Allenfalls hätte sich ein zufälliger Ausgleich noch ergeben können. Großer Jubel beim Schlusspfiff, und genügend Plexiglasscheiben zwischen mir und den hasserfüllten Idioten, um ausgiebig in der Zebraherde die Mannschaft und uns selbst zu feiern. Heute nun schwinge ich immer noch ein wenig in der Stimmung bei allen letzten Weihnachtsvorbereitungen und bedauere den 1. FC Kaiserslautern. Ein unglückliches Viertelffinal-Los für die Mannschaft. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird beim Nachholspiel im Januar nun nämlich TuS Koblenz weiterkommen. Im anderen Fall gäbe es ja für den MSV Duisburg in der nächsten Runde des DFB-Pokals ein Heimspiel, und wir kennen alle das eine der neueren Pokalgesetze. Auf dem Rasen des Duisburger Stadions herrscht striktes Pokalspielverbot, das andere heißt ja, zwei Zweitligavereine kommen in dieser Saison ins Finale.

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Alles muss raus, und einer nur muss rein!

Heute Morgen bin ich Marktschreier, der vom Lkw runter Themen und Worte unter die Leute bringt. Es hat sich einiges angesammelt, und alles soll vor dem Pokalspiel des MSV Duisburg in Köln noch raus. Schnell, kurz und weg damit. Für den einen Klick gibt es nicht nur Worte über Walter Hellmich, nein, heute packe ich auch noch Afrobeat dazu. Und Dirk Lottner! Und aus der anderen Ecke des Lagers noch was zu Zuschauerzahlen beim MSV Duisburg und die Pokalsieg-Hoffnung kriegt ihr auch noch mit dabei.

„Retter geht als Buhmann„, hieß es in der Süddeutschen Zeitung, als der Rücktritt von Walter Hellmich verkündet war. Im April schon hatte er diesen Schritt auf der Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg angekündigt, und dass es bis zum Vollzug so lange gedauert hat, ist ein weiteres Kapitel in der Verwandlungsgeschichte der öffentlichen Meinung. Eigentlich sind genügend Worte zu Walter Hellmich geschrieben worden und nach seiner Verabschiedung beim Spiel gegen den VfL Bochum sind nun vor allem kritische Fans froh, endlich nur noch nach vorne sehen zu dürfen. Davon ab, im Verein selbst wird sicher auch Erleichterung darüber bestehen, sich nun ganz der Zukunft widmen zu können. Mir geht es aber noch um einen Gedanken, den ich neulich schon anlässlich des Bochumers Interesse am MSV andeutete. Nicht oft erleben wir öffentlich in dieser Deutlichkeit, wie dieselben Eigenschaften, die einem Menschen zum Erfolg verhelfen, verhindern, dass er diesen Erfolg stabilisiert. Mir geht es also nicht um die Bewertung, ob er bei seiner Arbeit für den MSV Duisburg mehr an den eigenen wirtschaftlichen Erfolg als an den des Vereins gedacht hat. Bei Der Westen können wir lesen, dass die Bezeichnung „Patriarch“ Walter Hellmich  sauer aufgestoßen sei. Er wird mit den Worten zitiert: „Patriarch? Einer muss halt den Kopf hinhalten, das habe ich getan. Was wir aufgebaut haben, das haben wir gemeinschaftlich getan.“ Selbst in diesen wenigen Worten klingt der altbekannte Widerspruch seiner gesamten Amtszeit an.

Etwas gemeinschaftlich erschaffen, für das einer gerade steht und seinen Schutz bietet. Wenn das nicht patriarchalische Züge hat, was dann? Dass so ein Verhältnis auf die Arbeit der vielen zurückwirkt, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Das Patriarchalische ist aber gar nicht das Problem, sondern zu wenig Einsicht in die eigenen Stärken und Schwächen. Die Persönlichkeit Walter Hellmichs wurde erst dann strittig, als der Erfolg sich nicht bestätigte. Erst dann boten diese patriarchalischen Züge Reibungsfläche in der Öffentlichkeit.

Seit der Entlassung von Zvonimir Soldo beim 1. FC Köln steht Dirk Lottner als Co-Trainer von Frank Schaefer wieder mehr im Blick der Öffentlichkeit. Dieses Interview im Kölner Stadt-Anzeiger mit Dirk Lottner liegt nun schon über zwei Wochen zurück. Mir haben Dirk Lottners Worte sehr gefallen. Er wirkt so, als wisse er noch genau, wo seine Wurzeln sind. Ihm gelingt anscheinend dieser Spagat zwischen der Glitzer-Fußballwelt und dem Aschenplatz seiner Kindheit und Jugend. Seine Worte erinnern zum einen daran, dass Berufsfußballer wie jeder Arbeitnehmer ein besonderes Arbeitsklima als Grundlage für die eigene Leistung zu schätzen weiß. Zum anderen gibt es auch für Berufsfußballer Lieblingsarbeitsplätze.

Würden Sie rückblickend sagen, dass Sie ein paar Erstligajahre haben liegen lassen?

LOTTNER: Das kann schon sein. Ich habe aber dann auch in Leverkusen bemerkt, dass die Identifikation mit dem Verein für mich sehr wichtig war. Neunzig Prozent waren da nicht genug. Ich musste ja schon ziemlich viel dafür tun, um zumindest relativ fit zu sein. Und wenn du dann nicht hundert Prozent dahinterstehst, wird es doppelt schwierig.

Relativ fit?

LOTTNER: Ich will es ja jetzt nicht zu negativ ausdrücken.

Sie meinen, Sie waren körperlich eher schlecht veranlagt?

LOTTNER: Ich musste immer viel dafür tun, um meine körperliche Fitness, von der dann trotzdem immer noch viele sagten, dass sie nicht ausreichte, zu erhalten. Und wenn ich dann Vereine hatte, in denen ich nicht spielte, war es noch schwieriger als bei einem Verein, für den man sich mehr begeistert.

Zur Einstimmung auf den Pokalabend hier kurz der Hinweis auf Femi Kuti and the Positive Force. Diese Musik ist pure Energie. Vorletzten Donnerstag habe ich Femi Kuti und seine Band bei einem Konzert in Köln etwas über zwei Stunden live erlebt, und dieser Mann lebt auf der Bühne für Afrika. Seine Musik und er selbst ist durchdrungen von dem Wunsch, das Leben auf dem Kontinent seines Herkunftslands Nigeria besser zu machen. Diese immense Kraft seines Wunsches ist in den treibenden Rhythmen, den peitschenden Sätzen und seinem eindringlichen Gesang jederzeit zu hören. Der Mann kam auf die Bühne und zwei Minuten später wogte der Saal. Einen wirklich vernünftigen Clip habe ich nicht gefunden, deshalb als Vorgeschmack das hier.

Wenn der MSV Duisburg mit solcher Energie heute Abend in Müngersdorf auf dem Platz steht, wird er seine Außenseiterchance nutzen. Auch wenn es vom Verstand her natürlich richtig ist, ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass die Mannschaft dort heute als Außenseiter auftreten wird. Andererseits lassen die erwarteten zehntausend Anhänger des MSV Duisburg dennoch das Wort Außenseiter aufscheinen. So viele Zuschauer kommen natürlich auch deshalb, weil sie eine berechtigte Chance sehen, große Gefühle zu erleben. Der Außenseiter schlägt die Erstliga-Mannschaft. Hilft das weiter bei den Überlegungen zu den Zuschauerzahlen beim MSV Duisburg. Es gibt ein sehr treues Stammpublikum, das ist wohl deutlich. Der Plan für die großen Gefühle: kein Tor gegen David Yelldell und ein Baljak-Schuss muss auf der anderen Seite rein als nachträgliches Abschiedsgeschenk für Faryd  Mondragón.

Das Foto für das lachende Stadion: Podolskis Härtetest

Vielleicht teilt ja einer von euch da draußen meinen Humor. Dieses Foto von Lukas Podolski und Frank Schaefer im Express mitsamt der erklärenden Bildunterschrift finde ich doch sehr komisch. Da werde ich bestimmt noch morgen Abend im Stadion drüber lachen.

Eine Übung in komplexem Denken

Im Moment fällt es mir schwer, Geschichten zu erzählen. Auch kurze Texte hier sind Geschichten mit Anfang und Ende. Wir machen aus unseren Erfahrungen immerfort Geschichten. Wir meinen Fakten zu erzählen und wollen doch nur deuten. Diese Geschichten halten uns am Leben, sie geben uns Sinn. Manchmal passt wenig zusammen, da bleiben Gedanken vereinzelt, selbst wenn Anfang und Ende der Geschichte wie bei einem Fußballspiel vorgegeben sind.

Ich versuche es trotzdem mal: Der MSV Duisburg hat das letzte Heimspiel gegen den VfL Bochum mit 0:1 verloren, und mir ist nicht ganz klar, welche Schlüsse wir und damit auch die sportlich Verantwortlichen aus  dieser Niederlage ziehen können. Eins ist sicher: Ich bin nicht unzufrieden mit der Entwicklung beim MSV Duisburg. Durch den Verlauf der Hinrunde stellt sich dieses Gefühl aber nicht unmittelbar ein, sondern ich muss es hervorrufen. Zu dieser Zufriedenheit braucht es im Nachgefühl der Niederlage ein wenig den Entschluss. Vor der Saison hatten viele von uns die vorhandenen 30 Punkte und den jetzigen Tabellenstand des MSV Duisburg nicht erwartet.

Wir müssen damit umgehen, dass das Spiel nicht schön anzusehen war.  Die Mannschaft des MSV Duisburg hat im Moment ihren Rhythmus verloren und die Vielfalt ihrer spielerischen Möglichkeiten. Dieses Spiel besteht nicht mehr aus Angriffsversuchen, die sich allmählich aufbauen und im steten Fluss bleiben. Dieses Spiel wirkt stoßweise, egal ob es die wenigen Angriffsversuche über die Flügel sind oder die vielen langen Bälle auf Stefan Maierhofer. Es scheint so, als ob die Mannschaft die Winterpause braucht. Sie muss sich regenerieren. Neue Ideen für das Spiel des MSV Duisburg sind vielleicht nötig.

Die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit des Bemühens ist der Mannschaft abhanden gekommen. So gibt es kaum mehr ein schnelles Kurzpassspiel, weil das Risiko des sofortigen Abspiels vermieden wird. Es ist eine paradoxe Angelegenheit: Anscheinend verhindert die Sorge, dass der Ball nicht ankommt, den notwendigen schnellen Pass. Erst wird der Ball noch ein, zwei Meter zur Sicherheit am Fuß geführt, dann wird abgespielt und in der Zeit sind die ohnehin schon engen Räume für den Pass längst so eng geworden, dass ein Verteidiger mühelos den Ball aufnehmen kann.

Diese Mannschaft besitzt im Moment also nicht mehr die Möglichkeiten aus der Zeit bis vor vier Wochen. Ist dann der so häufig gespielte lange Ball auf Stefan Maierhofer Notlösung oder taktische Vorgabe?  Für mich ist der bei Angriffen inzwischen so häufig erhobene Arm von Stefan Maierhofer ein Symptom der Niederlagen. Ich schreibe es jetzt schon zum dritten Mal. Stefan Maierhofer erhält den Ball ohnehin. Er braucht nichts zu signalisieren. Die Gefahr von Missstimmungen ist einfach zu groß, wenn jemand derart offensichtlich den Ball will und ihn dann nicht bekommt. Da gerät zu schnell etwas aus dem Gleichgewicht.

Dennoch wurden Torchancen mit genau dieser nicht sehr schön anzusehenden Spielweise erspielt. Ins Tor getroffen wurde aber nicht. Welcher Schluss  kann daraus gezogen werden. Ist die Spielweise vom Freitag angesichts des momentanten Leistungsvermögen eine notwendige Taktik? Oder gibt es erfolgreichere taktische Möglichkeiten? Auch Sefa Yilmaz kann sich über den Flügel nicht immer durchsetzen. Wenn er sich am Freitag aber durchsetzte, wurde es sofort im Strafraum gefährlich.  Braucht eine Mannschaft wie der MSV Duisburg den Spielfluss, um die Torchancen auch zu verwerten? Trifft Srdjan Baljak leichter ins Tor, wenn seine Chancen sich aus einer gleichmäßigen Spielbewegung heraus entwickeln und sie nicht aus wuchtigen Einzelangriffen entstehen? Das frühe Attackieren des Gegners brachte stets den Erfolg. Fehlt im Moment dazu die Kraft?

Wenn man erst einmal ins Nachdenken kommt, wird es ganz schnell sehr kompliziert. Im Fußball ist es nämlich wie im richtigen Leben, selbst richtige Entscheidungen führen nicht immer zum Erfolg. Deshalb überlasse ich das mit dem Erkenntnisgewinn jetzt wieder denen, die beim MSV Duisburg in der sportlichen Verantwortung stehen. Sie waren in der Hinrunde mit ihren Entscheidungen erfolgreicher, als es viele erwartet hatten.  Auch ich richte nun meinen Blick auf Mittwoch und suche schon mal die Grundlage für die nächste Geschichte. Der Warnhinweis beim Kartenkauf ist dafür schon mal kein schlechter Anfang. Ich kann also durch die Ordner des Blocks N14 verwiesen werden, wenn ich mich zum MSV bekenne. Mein dreimaliger Jubel mitten im FC-Anhang beim MSV-Auswärtssieg zum Daum-Debut lässt mich solche Warnhinweise aber gelassen lesen. Damals fühlte sich kein Ordner zuständig, und bei diesem Pokalspiel am Mittwoch werde ich außerdem mit Sicherheit nicht der einzige Anhänger des MSV Duisburg im Block N 14 sein.

Kees Jaratz antwortet auf Fragen aus der VfL-Welt

Anfang der Woche fragte Luis Reichert, der im Blog 1848 Einwürfe über den VfL Bochum schreibt, ob wir so was wie einen gemeinsamen Interview-Vorbericht über das Spiel vom MSV Duisburg gegen den VfL Bochum machen sollten. Schnell merkte ich, für das dazu notwendige Gespräch hatte ich meinen Kopf zu voll. Ich hätte wahrscheinlich den Eindruck eines Standard-Talkgasts abgegeben, der sich nicht wirklich für seinen Gesprächspartner interessiert und immer nur die eigenen Statements raushaut. Die Folge: So einem Typen stellt man am besten Fragen und so was nennt sich Interview. Einen Vorbericht zum Spiel aus VfL-Sicht hat Luis schon gestern geschrieben – auch im Blog 18:48 gibt es übrigens kurz und knackig VfL-gefärbte Fakten.

Für die Klickfaulen folgen meine Worte in der Rolle als Fremdenführer und MSV-Welt-Deuter schon auf dieser Seite. Lasst euch aber nicht abhalten, gegebenenfalls dann doch zu seinem Kommentarfeld zu surfen, wo diese Worte nach anderer Meinung und Wissen ergänzt werden können.

Luis Reichert: Wenn der MSV und der VfL am Freitag aufeinander treffen, dann kann man mit etwas gutem Willen von einem Revier-Derby sprechen. Ist dies auch für Dich ein besonderes Spiel?

Kees Jaratz: Zunächst muss ich mich zu einer Befindlichkeit bekennen, die sicherlich viele Fußballfans für eine Art Mangel halten. Ich kenne keine Derby-Gefühle. Für mich geht es immer mit der gleichen Intensität um die drei Punkte, egal woher der Gegner kommt. Letzte Saison habe ich mich sogar mit einem Text geoutet, als mir an einem Spieltag die Medienhysterie zum Thema Derby zu viel wurde. Trotzdem sehe ich natürlich mit den Augen des Beobachters, dass manche Begegnungen eine besondere Tradition haben. Wenn der MSV Duisburg und der VfL Bochum gegeneinander spielen, kann ich das aber nicht erkennen. Komischerweise. Denn eigentlich sind das ja die beiden Vereine, die von der Struktur her im Ruhrgebiet am ähnlichsten sind. Aber anscheinend führt das nicht zu der Rivalität, wie wir sie aus der Etage drüber kennen. Ich glaube, da ist der Ruhri einfach zu sehr an sein lokales Erleben gebunden. Da liegen in Duisburg etwa Rot-Weiß Oberhausen und Fortuna Düsseldorf viel näher, um bei jemandem so etwas wie ein Derby-Gefühl zu entfachen. Bochum und Duisburg bieten einander einfach zu wenig Reibungsfläche – trotz geteilter Ruhrpottidentität. Wenn ich was aus Bochum mitbekomme, scheint es mir dort im umgekehrten Verhältnis zum MSV genauso zu sein.

L.R.: Hast Du besondere Erinnerungen an ein Spiel des MSV gegen den VfL?

K.J.: Doch, solch eine Erinnerung gibt es, aber die hat nichts mit dem Fußball selbst zu tun sondern mit einer unangenehmen Begegnung nach einem Spiel mit VfL-Fans. In den 70ern war das Risiko bei Auswärtsspielen für jeden mitreisenden Fan in Fan-Klamotten größer als heute. So waren wir als Jugendliche immer vorsichtig, in welcher Gegend man seinen Fanschal offen trug und wo nicht. Im blau-weißen Bochum schien das kein Problem zu sein, doch wurde gerade dort das einzige Mal einem von uns gemeinsam fahrenden Fans der MSV-Schal geklaut. Von Muttern selbst gestrickt war der. Ohne die heute vorhandenen, hineingewebten Vereinsnamen natürlich. Doch der Freund war nach dem Spiel zu schnell beim Auto seines älteren Bruders, und das Kennzeichen verriet die Herkunft. Dann kam der Griff aus einem Pulk heraus an den Hals und schon war der Schal weg. Ich weiß nicht mal mehr, wie das Spiel ausgegangen ist.

L.R.: Der VfL hat ein überaus enttäuschendes Jahr hinter sich. Hinzu kamen Querelen im Umfeld. Wie beurteilst Du als MSV-Fan die Situation in Bochum?

K.J.: Eigentlich habe ich die Interna beim VfL zu wenig verfolgt, um mir ein Urteil zu erlauben. An der Oberfläche sieht es für mich jedenfalls so aus, als hätten der VfL Bochum und der MSV Duisburg vor ähnlichen Problemen gestanden. Die Entfremdung zwischen Vereinsführung und Fans hatte immer weiter zugenommen, weil die Patriarchen in der Vereinsführung zu selbstgewiss waren. Da fehlte Demut gegenüber allem, was diesen Fußball auch als Kultur ausmacht. So etwas wird nur durch sportlichen Erfolg verdeckt. Wenn der dann nicht vorhanden ist, wird grelles Licht auf diese Haltung geworfen. Natürlich gibt es darüber hinaus große Unterschiede, Walter Hellmich war ja nicht eine solch lange Zeit in verantwortlicher Position wie Werner Altegoer. Walter Hellmichs persönliche Interessen bei allem seinem Einsatz waren auch deutlich erkennbar.

L.R.: In einer großen überregionalen Zeitung hieß es kürzlich sinngemäß, dass der MSV-Präsident Hellmich als Messias gekommen sei und nun als Buhmann gehe. Was ist da bei Euch passiert?

K.J.: Diese Entwicklung hat vielfältige Gründe, Kern des Ganzen ist meiner Meinung nach der Versuch Walter Hellmichs, sein Erfolgsmodell als Unternehmer eins zu eins in den Fußball zu transportieren. Die Grundlage dieses Erfolgsmodells scheint mir zu sein: persönliche Verlässlichkeit, der Aufbau von Beziehungen und die grundsätzliche Einbindung des Chefs in wichtige Entscheidungen. Das führte im Moment der Krise des MSV Duisburg kurz nach 2000 tatsächlich zum Erfolg. In Krisen braucht es solche Eigenschaften, Gespräche führen, Menschen begeistern, zupacken und machen. Da wird dann ein Stadion gebaut, über das zwanzig Jahre nur geredet wurde. Sobald das Tagesgeschäft aber in ruhigem Fahrwassern war, wurden andere Dinge notwendig. Da hätte vor allem sportliche Kompetenz in den Verein geholt werden müssen. Das unterblieb. Es entstand sogar der Eindruck, Walter Hellmich selbst mischt bei Verpflichtungen kräftig mit. Hinzu kam, dass Walter Hellmich die eigenen Interessen in dieser Zeit natürlich nicht vergaß und auf diese Weise wirtschaftliche Entscheidungen im Verein immer aus zwei Perspektiven beurteilt werden können. Oft erhält der Verdacht Nahrung, eine Entscheidung hätte ohne die Berücksichtigung der Interessen von Walter Hellmich günstiger für den MSV Duisburg sein können. Schlecht beraten war er auch darin, der lauter werdenden Kritik nicht argumentativ zu begegnen, sondern sie als anmaßend darzustellen. Das wirkte arrogant, und spätestens dann ist man nach einiger Zeit der Buhmann.

L.R.: Der MSV spielt jetzt schon das dritte Jahr im Unterhaus. Wie sehr leidest Du, insbesondere als Dauerkarteninhaber, unter grenzwertigen Anstoßzeiten und überschaubarer Spielkultur?

K.J.: Die Anstoßzeiten samstags und sonntags sind tatsächlich das, was mich am meisten in der 2. Liga ärgert. Die Anstoßzeiten passen nicht zu meinem sonstigen Tagesablauf. Alles was ich vorher machen muss, geschieht in Hetze. Montagsspiele kommen immer zu spät. Sie wirken auf mich wie so ein Nachklapp zum Eigentlichen. Wenn überhaupt, kann ich mich mit dem frühen Freitagstermin anfreunden. An der Spielkultur habe ich in dieser Saison gar nicht so viel auszusetzen, nachdem es gerade beim MSV in den letzten beiden Jahren eher mäßig war. Aber ich meine sogar eine Entwicklung auch bei den anderen Vereinen zu sehen. Das Fußballspiel in fast allen Vereinen der zweiten Liga hat sich in den letzten zwei Jahren erheblich verbessert.

L.R.: Der MSV hat vor allem zu Hause überzeugt. Trotzdem halten sich die Zuschauerzahlen in Grenzen. Woran liegt das?

K.J.: Eine schwierige Frage, die auch unter den MSV-Fans heiß diskutiert wird. Zum einen hat der Verein selbst lange Zeit nicht gerade viel dafür getan, Zuschauer an sich zu binden. Zum anderen kommen Zuschauer in Duisburg schon seit den 70er Jahren weniger wegen des Vereins als wegen des Erfolgs. Gegenüber dem VfL zum Beispiel gibt es über die Jahre hinweg ein geringeres Stammpublikum. Ich denke, da spielen dann auch innerstädtische Fragen eine Rolle, Dinge, die nicht direkt mit dem Fußball zu tun haben.

L.R.: Die schönste Szene der letzten Wochen war für mich der Jubel der MSV-Spieler in Berlin mit Milan Sasic, dessen Mutter zuvor verstorben war. Sasic heftet gleichzeitig das Image an, ein „harter Hund“ zu sein. Wie ist Deine Meinung zum Trainer?

K.J.: In der letzten Saison drohte dieses Image vom „harten Hund“ sich selbstständig zu machen. Anscheinend gab es Konflikte auf allen Vereinsebenen vom Platzwart bis hin zum Spieler. Dann gab es nach einem Vorfall zwischen Milan Sasic und dem Fahrer des Mannschaftsbusses eine Pressekonferenz, in der Milan Sasic versuchte, sich zu erklären und Fehler einräumte. Ich denke, das ist tatsächlich auch eine Wende für Sasic gewesen. Er wurde sich der Wirkung seiner Art bewusster und für die Menschen, die mit ihm zusammen arbeiten, war das ein Zeichen, dass sie bei aller Hierarchie ernst genommen werden.
Sasic ist ein Mann offener Worte und hat sehr klare Vorstellungen davon, was er für den Erfolg einer Mannschaft für notwendig hält. Gleichzeitig wirkt er sehr loyal gegenüber den Menschen, die ihm den Rahmen für seine Arbeit vorgeben. Der Aufbau einer Mannschaft gelingt ihm anscheinend gut, seine Persönlichkeit macht es ihm aber wahrscheinlich schwierig, in einem vorhandenen Gefüge alle Interessen ausgleichend zu moderieren. So hat er nun, mit der Vorgabe Neuaufbau, die Mannschaft  zu einer Einheit geformt. Im Moment zeigt sich ja ein kleines Tief der Mannschaft, und es muss sich noch erweisen, welchen Einfluss er nun auf die Spielanlage der Mannschaft nehmen kann.

L.R.: Welcher MSV-Spieler kann auf dem Platz den Unterschied machen bzw. hat das Potenzial für höhere Aufgaben?

K.J.: Da gibt es keinen Zweifel: Julian Koch, von Borussia Dortmund ausgeliehen, ist mit seinen 20 Jahren der Spieler mit dem größten Potenzial. Sowohl als rechter Außenverteidiger als auch im defensiven Mittelfeld einsetzbar, ist er technisch versiert, besitzt ein starkes Stellungsspiel und verleiht dem Spiel des MSV mit seinen Vorstößen immer sehr große Dynamik. Den Unterschied machen können aber auch andere Spieler, je nach Spiellage. Die großen Spieler Stefan Maierhofer etwa oder Goran Sukalo, immer für ein Kopfballtor aus dem Nichts gut.

L.R.: Wie geht das Spiel am Freitag aus?

K.J.: Ich hoffe auf einen Sieg mit zwei Toren Vorsprung, wenn das Spiel des MSV nicht mehr wie in Paderborn fast ausschließlich mit langen Bällen über Stefan Maierhofer versucht wird.

L.R.: Und wer steigt am Ende der Saison auf?

K.J.: Ich denke, Hertha BSC wird dann doch den Aufstieg genauso schaffen, wie Schalke nicht absteigt. Augsburg hat die Krise ja schon hinter sich, die
werden mit dabei sein. Und wenn ich an den MSV denke, bin ich sehr zufrieden, was die Perspektive angeht, aber dieses weitere entscheidende
Wort bleibt wie zu Saisonbeginn unaussprechlich. Da bin ich bislang ganz gut mit ausgekommen. Hoffen aufs Unaussprechliche werde ich dennoch. Den VfL sehe ich als den MSV der letzten Saison: immer mal wieder an den Aufstiegsplätzen schnuppern, aber die Bürde des misslungenen Saisonauftakts wird sich als zu groß erweisen, um den Sprung auf die Aufstiegsplätze noch zu schaffen.

Zerrüttete Beziehung

Manchmal kommen Menschen zusammen und sehen im jeweils anderen, das Versprechen auf gemeinsames zukünftiges Glück. Vielleicht erhoffen sie sich für dieses gemeinsame Glück vom anderen Ergänzung. Leider ist die eine Seite dabei manchmal hoffnungsfroher als die andere, die sich noch gut auch an die schönen Momente mit dem Menschen vorher erinnert. So eine Schieflage zu Beginn braucht sehr viele neue schöne Momente, damit die begonnene Gemeinsamkeit nicht bald wieder auseinander geht. Fehlen diese Momente, führen enttäuschte Gefühle irgendwann zu einem völligen Zerwürfnis:
„IchSo: Er So:“ heißt die Rubrik für Interviews beim Blog Die Erste.tv. Frank Fahrenhorst wird dort über seine Laufbahn befragt, und als der Wechsel zum MSV Duisburg zur Sprache kommt, lesen wir, er hält diesen Wechsel für eine „falsche Entscheidung“.  Ich erinnere mich noch gut, das schwierige Verhältnis zwischen Frank Fahrenhorst und dem MSV Duisburg war früh schon absehbar gewesen.

Verpassen und erreichen

Selbstverständlich ist das richtig: Nach dem torlosen Unentschieden im Auswärtsspiel des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn steht an der Spitze der Zweitliga-Tabelle nunmehr eine andere Mannschaft als der MSV. Aber bedeutet das gleichzeitig, dass die Mannschaft die Tabellenspitze verpasst hat? Im eigentlichen Wortsinn stimmt auch das, dennoch klingt diese nicht nur bei Der Westen benutzte Folge des Spiels als Überschrift zum Spielbericht für mich falsch. Das hat damit zu tun, dass ich bei dem Wort „verpassen“ immer sofort auch an „erreichen wollen“ denken muss. Ich bin aber sicher, es ging für den MSV Duisburg in Paderborn nicht darum, mit einem Sieg an die Tabellenspitze zu gelangen. Es ging nur um die Begegnung  selbst: So gut wie möglich spielen und versuchen, zu gewinnen.

Beides hat nicht geklappt. Es wurde nicht nur nicht gewonnen. Es wurde zudem schlecht gespielt. Da sind wir uns alle einig. Ich halte einzelne schlechte Leistungen im Verlauf der Saison aber auch für normal in der Zweiten Liga. Das bedeutet angesichts des erfolgreichen Verlaufs der Saison bisher nicht mehr, als herauszufinden, was die guten Spiele von den schlechten unterscheidet. So verteilt Milan Sasic auch „keine Komplimente.“ Er redet nichts schön und kritisiert, wie hier in der Bürgerzeitung vollständig zitiert, die Grundlage des Spiels seiner Mannschaft. Ich verstehe ihn so, die Mannschaft habe zu früh an das Siegen gedacht und sei deshalb zu spät in das Spiel gekommen. Zu wenig Kampf hat Milan Sasic gesehen, auch wenn sich das in der Statistik für seine Mannschaft nicht widerspiegelt. So bliebe als zweiter Schritt der Nachbetrachtung die Feinanalyse der Spielanlage. Die nimmt Milan Sasic dann hoffentlich intern vor.

Ich sehe etwas, was sich schon in den letzten beiden Spielen immer deutlicher abgezeichnet hat. Das Angriffsspiels der Mannschaft ist wenig variabel geworden. Es gibt zwar noch Versuche über die Flügel mit schnellen Vorstößen zu spielen oder per Kurzpassspiel Raum zu gewinnen, doch bevorzugt wird der lange, hohe Ball auf Stefan Maierhofer. Ich hoffe nicht, dass ein kontinuierlicher Rhythmus, das abwechselnde langsam und schnell, das Attackieren über die Mitte und über Außen für längere Zeit verloren gegangen ist. Auch wenn es zunächst kurzfristig einfacher scheint, den Ball in die gegnerische Hälfte zu spielen, wo ein großer Spieler auf die Ballsicherung hoffen lässt, Erfolg wird dadurch zufälliger.

Ein paar Sätze aus einem Interview vom Samstag mit Michael Skibbe wirken auf mich wie ein passender Kommentar für dieses Spiel des MSV Duisburg: „Mir ist am allerwichtigsten, dass meine Mannschaften sich trauen, von hinten heraus Fußball zu spielen. Daraus ergibt sich alles andere. Und je besser ein Gegner ist, desto mehr muss man es sich trauen. Wenn man als Eintracht meint, gegen richtig gute Klubs – zum Beispiel Wolfsburg, Hamburg oder Schalke – nur den Ball hinten rauszuhauen und vorne hilft dann schon einer, dann ist das auf Dauer kein gutes Mittel. Kann mal funktionieren, in der Regel tut es das nicht. Die Regel ist, dass man da nur mithalten kann, wenn man nicht nur läuferisch und kämpferisch dagegenhält, sondern auch fußballerisch überzeugt.“

Milan Sasics Aufgabe ist es im Moment anscheinend, seine Mannschaft immer wieder an ihre fußballerischen Möglichkeiten zu erinnern. Selbst ein Sieg hätte daran nichts geändert. Wäre Sefa Yilmaz Schuss an die Latte in der zweiten Halbzeit ins Tor gegangen, hätte dennoch über die Spielanlage geredet werden müssen und nicht nur darüber, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit nicht richtig ins Spiel gekommen ist. Ich habe nicht den Eindruck, dass gestiegene, eigene Erwartungen dieser Mannschaft im Wege stehen. Ich glaube eher, die Qualitätsunterschiede der meisten Mannschaften in der Zweite Liga sind so gering, dass diese Unterschiede nur dann zur Geltung kommen, wenn es dem MSV Duisburg gelingt, sich spielerisch zu entfalten. Sich in der Verteidigung gut gegen den Ball bewegen kann inzwischen fast jede Mannschaft. Deshalb ist es so wichtig an der Variabilität des Spiels festzuhalten. Das bedeutet aber auch, die Mannschaft und wir Anhäger dieser Mannschaft müssen Fehler in der Offensive hinnehmen. Und so schließt sich der Kreis hin zu Milan Sasics erster Anmerkung zum Spiel. Solchen im Angriffsspiel des MSV Duisburg auftauchenden Fehlern kann nur mit großer Laufbereitschaft begegnet werden. Gegen den VfL Bochum gibt es die nächste Möglichkeit, zum variablen Angriffsspiel zurückzukehren. Es ist risikoreicher als der lange, hohe Ball auf Stefan Maierhofer aber für einen Sieg wahrscheinlich notwendig.


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