Aus zweimal „Schwein gehabt“ wird doch kein Schweinespiel

Glaubt nur nicht, dass ich die ganze Winterpause hindurch auf dem Sofa gelegen habe. Die nahezu täglichen Trainingseinheiten brachten nur nichts Lesenswertes hervor. Ich war unter anderem noch zu sehr mit der Aufarbeitung des Pokalspiels in Köln und der hasserfüllten Atmosphäre dort, direkt neben dem Gästeblock, beschäftigt; vielleicht gibt es dazu in dieser Woche noch ein paar Fragmente. Vor dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück habe ich am Samstag dann noch ein paar Fingerübungen zum Warmmachen unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert, und schon kann auch ich heute in die Rückrunde starten. Dabei hoffe ich, eine ebenso gute Leistung zeigen zu können, wie ich sie gestern von der Mannschaft des MSV Duisburg gesehen habe. Nicht das ganze Spiel über, das ist schon klar. Es redet niemand drum herum, dass der VfL Osnabrück ab etwa der 20. Minute bis zu den drei, vier Minuten kurz vor der Pause mindestens gleichwertig war und sich sogar Chancen erspielte, um in Führung zu gehen.

Dabei war der MSV Duisburg souverän gestartet. Wir sahen die Mannschaft kombinationssicher im Spiel nach vorne, dazu variabel auch immer wieder mit längeren Bällen den Erfolg suchend. Hinten geschah nicht viel, alleine Julian Koch war anzumerken, dass er sich erst wieder auf der rechten Außenverteider-Position einfinden musste. In den ersten 18 bis 20 Minuten sah es so aus, als ginge es nur um die Höhe Sieges. Schließlich schoss Filip Trojan bereits in der fünften Minute das Führungstor, nachdem er sich mit einer wunderbaren Einzelaktion auf der linken Seite von der Eckfahne aus in den Strafraum ziehend gegen zwei Osnabrücker Spieler durchgesetzt hatte. Doch mit einem Mal reihte sich Fehlpass an Fehlpass, und der Mannschaft gelang es nicht mehr, den Ball sicher über die Mittellinie zu bringen. Als dann auch der lange Ball auf Stefan Maierhofer die Osnabrücker Abwehr vor keine größeren Probleme mehr stellte, wurde das Spiel des VfL Osnabrück immer druckvoller.

Jeder Eckball der Osnabrücker schien Gefahr zu verheißen, und das Tor des VfL Osnabrück war dann nur die Bestätigung einer immer größer gewordenen Befürchtung. Danach hatte der MSV Duisburg noch einmal Glück, dass der Ball nach einer Parade von David Yelldell beim Aufspringen nicht mehr Effet erhielt. Der Ball flog nicht Richtung Tor, sondern Yelldell konnte ihn problemlos aufnehmen. Schwein gehabt, heißt das dann, was aus dem Spiel aber kein Schweinespiel machte, wie es Tobias Willi vor der Begegnung erwartet hatte.

Weder Glücks- noch Schweinespiel wurde die Begegnung deshalb, weil die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit sich ihrer spielerischen Möglichkeiten wieder sicherer wurde. Dazu trug das frühe Führungstor bei, das nach einem beeindruckenden Flankenlauf von Oliver Veigneau Stefan Maierhofer mit einem Kopfball erzielte. Man merkte, die Verunsicherung durch die Fehlpässe war wieder verschwunden. Das gehemmte Spiel der ersten Halbzeit war vergessen, der unbedingte Siegeswille war wieder da.

So lässt sich das dritte Tor des MSV Duisburg als eine Geschichte dieses unbedingten Willens erzählen. Julian Koch trieb den Ball mit bekannter unbändiger Kraft nach vorne und setzte sich in allerletztem Moment gegen den Versuch des Wegspitzelns durch, um den Ball ein klein wenig zu kurz zum rechts frei stehenden Stefan Maierhofer zu spielen. Doch Maierhofer rutschte mit großem Risiko in diesen Pass hinein, um ihn vor dem Osnabrücker Abwehrspieler in die Mitte zurückzuspitzeln. Dort kann Sefa Yilmaz aus dem Lauf heraus schießen. Sehr fest war der Schuss nicht, doch für den Torwart wurde er unerreichbar abgefälscht.

Mit der Erfahrung aus der ersten Halbzeit wollten wir uns aber dem Siegesgefühl noch nicht ganz anvertrauen. Bei einem vierten Tor erst waren wir bereit, uns zu entspannen. Für einen möglichen Anschlusstreffer war uns die Mannschaft des MSV Duisburg nicht souverän genug. Deshalb schreckte uns noch einmal ein Osnabrücker Eckball, der im Fünfmeterraum aufsprang und am gesamten Tor in einer Höhe vorbeiflog, bei der alle Spieler den Ball knapp verpassten. Bei solchen herrenlosen Bällen wirkt jeder Spieler egal, was er auch tut, unbeholfen. Für uns Zuschauer sehen solche Bälle einfach so aus, als müssten sie getroffen werden können. Noch einmal „Schwein gehabt“.

Kurz danach durften wir uns endgültig entspannen, weil Olcay Sahan das Tor machte, was er inzwischen recht sicher machen kann. Er dribbelt sich so nah wie möglich ans Tor heran und schließt aus etwa fünf Meter vor dem Tor ab. An so einer Spielaktion wird deutlich, wie sehr sich Olcay Sahan weiter entwickelt hat. Vor einem Jahr noch wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass er diese Chance vergeben hätte. Wenn er einmal ohne vorheriges Dribbling sicher treffen wird und zudem aus größerer Entfernung, muss der MSV Duisburg stabil in der ersten Liga spielen, um ihn halten zu können. Aber Leistungsvermögen des einzelnen und Tabellenstände bedingen sich ja gegenseitig. Deshalb sehe ich der Rückrunde erwartungsfroh entgegen. Ivica Banovic war nicht anzumerken, dass er sein erstes Spiel für den MSV Duisburg nach nur kurzer Eingewöhnungszeit absolvierte. Er passt hervorragend zu der Mannschaft, und wenn seine Schusstechnik auch einmal wieder eine geringere Streuweite seiner Torschüsse möglich macht, wird die Mannschaft immer unberechenbarer. Dann könnten fast alle Spieler der Mannschaft torgefährlich werden, wenn es nötig ist. Dieses erste Spiel der Rückrunde vom MSV Duisburg lässt mich sehr ungeduldig auf das nächste Spiel warten.

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