Der Unsinn vom Rückschlag

Manchmal überrasche ich mich doch selbst. Da befürchtete ich vor dem Spiel des MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München, nach dem Spiel wäre ich mit dem von mir erhofften Unentschieden dennoch unzufrieden. Stimmt aber gar nicht. Mir langt das 1:1 voll und ganz. Das mag daran liegen, dass ich das Spiel am PC gesehen habe und dabei das Unentschieden dank der Famillje in etwa nachspielen konnte. Beide Tore habe ich nämlich verpasst, weil in den jeweiligen Momenten Frau und Sohn dringender Hilfe bedurften. Das Auswärtsspiel als ausgesprochenes Heim-Spiel birgt manche Ablenkung.

Bis etwa zur 25. Minute war das Spiel ausgeglichen. Danach gelang dem MSV Duisburg kaum mehr etwas Konstruktives nach vorne. Immer öfter musste der lange Pass als Versuch eines Angriffs herhalten. Allerdings war mit der Streuweite selbst ein Kampfsprinter wie Stefan Maierhofer überfordert. Ein paar Steilpässe endeten im Nichts, und die Versuche eines Kurzpassspiels wurden knapp nach der Mittellinie vom TSV 1860 München unterbunden.

Deshalb wirkte der TSV 1860 München immer spielbestimmender,  zunächst noch ohne kontinuierlich Torgefahr auszustrahlen. Aber wenn nahezu jeder Pass in die gegnerische Hälfte fast augenblicklich wieder zurückgespielt wird, dann wissen wir, braucht die verteidigende Mannschaft selbst bei einer sehr guten Abwehrleistung auch viel Glück, um kein Tor hinnehmen zu müssen. Die Führung des TSV 1860 München war nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb nahm ich vor der Pause beim kurzzeitigen Verlassen meines Platzes das Gegentor in Gedanken schon einmal vorweg. Ich mag keine unangenehmen Überraschungen. Was ist das Schlimmste, was passieren kann?, frage ich mich. Und wenn ich mir das dann vorstelle und ich sehe, das Leben geht selbst dann in absehbarer Zeit einigermaßen normal weiter, wirkt so ein Rückstand vom MSV Duisburg schon sehr viel verträglicher.

In der zweiten Halbzeit nahm der MSV Duisburg zwar auch im Angriff wieder etwas mehr am Spiel teil. Richtig gefährlich wurde es aber nicht. Die größeren Torchancen hatten die Münchner. Nachdem in der 60. Minute Maurice Exslager, Sefa Yilmaz und wenig später noch Manuel Schäffler eingewechselt wurden, geriet das Spiel des MSV Duisburg noch einmal etwas kraftvoller, aber keineswegs torgefährlicher. Ich begann, mich mit einer Niederlage abzufinden und dann rief mich fünf Minuten vor Spielende mein Sohn. Ich war kurz weg, kam wieder und es stand Unentschieden. Großartig! In diesem Spiel einen Punkt zu gewinnen, das glich einem Sieg.

Auch deshalb ist es völliger Unsinn einen Spielbericht mit der Überschrift „Rückschlag für Duisburg im Aufstiegskampf“ zu betiteln. Diese Überschrift lässt die besonderen Begebenheiten dieses Spieltags außer Acht. Als ich diese Schlagzeile am Samstagabend las, dachte ich sofort auch, hat der Schlagzeilentexter hellseherische Fähigkeiten? Weiß er, wie die anderen Mannschaften spielen? Und siehe da, der FC Energie Cottbus verliert einen Tag später sein Auswärtsspiel beim Karlsruher SC, und wenn sich der FC Augsburg und der VfL Bochum heute Abend Unentschieden trennen sollten, hätte dieser Spieltag nur bei sehr großem Glück besser verlaufen können.

Wer die mitgereisten Fans die Mannschaft unterstützen hörte, erkennt, wie sehr sich dieser Verein MSV Duisburg und sein Umfeld innerhalb kurzer Zeit gewandelt haben. Diese so intensive Unterstützung trägt mit zur Identität des Vereins bei und wirkt auf ein noch zögerndes Fußballpublikum Duisburgs zurück. Zurzeit gehen alle am MSV Interessierten in eine Richtung. Dabei wird es immer schwieriger, das realistische Verhältnis zu den Verheißungen der Zukunft zu finden. Natürlich wird das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus kein Selbstläufer. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat sich in den letzten zwei Heimspielen gegen Cottbus schwer getan zu gewinnen. Verloren wurden die Spiele allerdings auch nicht. Wir sind uns einig, diese Auslosung ist die beste aller möglichen Spielpaarungen und ich wünsche mir sehr, Claus-Dieter Wollitz, „Pele“ genannt, ins Schwärmen zu bringen. Über das Spiel des MSV Duisburg und das Duisburger Publikum gleichermaßen.

1 Antwort to “Der Unsinn vom Rückschlag”



  1. 1 Ein Zebra in der Achterbahn Trackback zu 31. Januar 2011 um 15:29

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