Archiv für Februar 2011

Beziehungsgespräche von Sportjournalisten – Mit irgendwas muss ich die Zeit ja rumkriegen

Ob Sportjournalisten zu Hause abschalten können?

Da war die Pressekonferenz des Heimatvereins am Morgen. Ein großes Spiel steht bevor, das größte  Spiel seit Jahren. Ab in die Redaktion, Artikel schreiben und dann endlich Feierabend machen. Hoffentlich ist die Liebste schon zu Hause.
„Hallo“, ruft er beim Reinkommen, „jemand da?“
Strahlend kommt sie und umarmt ihn zärtlich.
„Bald ist ein besonderer Tag. Liebst du mich deshalb mehr als sonst?“, fragt er.
„Ja“, haucht sie, „so sehr. Mit ganzem Herzen.“
„Eine Hochzeit erlebt man nicht alle Tage. So was ist schon sehr besonders, oder?“
„Natürlich, unsere Hochzeit ist etwas besonderes, das wissen alle. Wenn ich nur daran denke, brenne ich schon vor Leidenschaft. “
„Du liebst mich nicht nur voll und ganz, es könnte auch ein hundertzehnprozentiges Gefühl sein?“
„Jeder weiß, wie wichtig so ein Tag ist. Da werde ich alles geben, das kannst du mir glauben. Ich will durch das Portal die Kirche betreten.“
„Manchmal denke ich, viele Paare erzählen ja von dieser besonderen Atmosphäre in der Kirche. Meinst du, das wird deine Liebe noch größer machen?“
„Ich liebe dich so sehr. Und doch, ja, meine Liebe wächst und wächst. Sie wird an dem Tag noch größer sein. Ich werde alles für diese Liebe geben. Das verspreche ich.“
„Falls die Hochzeit gelingt, wäre das eine unerwartete Bestätigung von unserem Zusammenkommen. Ist das nicht sogar eine zusätzliche Motivation für deine Liebe?“
„Selbstverständlich, mein Schatz, meist gibt es nur einmal die Chance so eine Hochzeit zu erleben. Da gebe ich wirklich alles für. Das kannst du mir glauben.“
„Denkst du auch schon an all die romantischen Urlaube danach?“
„Vielleicht, ein wenig. Aber lass uns erst einmal auf die Hochzeit konzentrieren.“
„Du hast recht, es ist eine besondere Feier. Sie dauert wahrscheinlich länger als 90 Minuten. Da brauchen wir alle Kräfte und nur mit allergrößter Liebe und Leidenschaft können wir den Tag zu einem glücklichen Ende bringen.“   „Schatz, ich bin bereit, auch zweihundert Minuten zu feiern. Das ist kein Problem. Wenn nur du an meiner Seite bist.“

Die Pressekonferenz des MSV Duisburg, auf der unser Sportjournalist gewesen ist, findet sich übrigens hier in einem ersten Teil und hier in einem zweiten.

Den 1. FC Energie Cottbus in Sicherheit wiegen

Es hat nicht geregnet, und ich habe keinen Tinitus, weil ich nicht in der Nähe von einem der Schwachköpfe stand, die meinten, Böller explodieren lassen zu müssen. So schlecht war also der Abend gestern im Niederrrheinstadion überhaupt nicht. Sicher,  der MSV Duisburg erspielte sich bei  Rot-Weiß Oberhausen nur ein torloses Unentschieden, und es war eines dieser torlosen Spiele, nach denen man jeden verstehen kann, der Fußball für eine der unattraktivsten Publikumsveranstaltungen der Welt hält. Aber es hat nicht geregnet, und außerdem hat die Mannschaft des MSV Duisburg sich dieses Unentschieden auf eine Weise erspielt, die dem 1. FC Energie Cottbus vor dem Pokalhalbfinale am nächsten Dienstag einige Rätsel aufgibt.

Betrachtet man mit den Augen von Claus-Dieter Wollitz die letzten Spiele des MSV Duisburg, so dürfte die taktische Ausrichtung seiner Mannschaft eigentlich keine Frage mehr sein. Diese Taktik müsste das genaue Gegenteil der sonstigen Cottbusser Spielweise bedeuten. Cottbus dürfte in der ersten halben Stunde des Spiels auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Mannschaft könne einen Angriff sicher vortragen und das Tor des MSV Duisburg in Gefahr bringen. In dieser Zeit wird der MSV Duisburg mehr oder weniger druckvoll versuchen, ein Tor zu erzielen. Erfolgreich werden sie in dieser Spielphase wahrscheinlich nicht sein. Um die 35. Minute herum wird die Mannschaft des MSV Duisburg einen ersten torgefährlichen Angriff zulassen. Selbst wenn in dem Moment der Ball nicht ins Tor geht, wird das Angriffspiel des MSV Duisburg danach erlahmen und immer ideenloser.

Wenn ich die Stimmen vom MSV Duisburg nach dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen im Reviersport lese, verstehe ich das mit Blick auf das Halbfinale des DFB-Pokals am  nächsten Dienstag als ein Bemühen, die Stimmung in der Mannschaft nicht allzu sehr zu beeinträchtigen. Manchmal benötigen wir Scheuklappen, um anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen. Ich hoffe nur, nachdem dieses Halbfinale gespielt ist, werden sportliche Leitung und Mannschaft sich noch einmal etwas gründlicher mit dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen beschäftigen und dabei auch wieder an das Spiel gegen den 1. FC Union Berlin denken.

Ein variable Spielkultur besitzt der MSV Duisburg im Moment allenfalls zu Beginn des Spiels. Schon im Verlauf der ersten Halbzeit beginnt sich die Mannschaft dann auf eine einzige Möglichkeit des Ballvortrags zu konzentrieren. Angriff um Angriff wird der Ball hoch nach vorne geschlagen, und während  ich das schreibe, merke ich, was ich gestern gesehen habe, bräuchte ein anderes Wort als Angriff. Dieses Wort weckt den Eindruck von möglichem Erfolg. Doch nach der ersten Torchance von Rot-Weiß Oberhausen in der 35. Minute konnten wir uns mit dem Gefühl begnügen, ein Tor des MSV Duisburg fiele nur durch einen Zufall. Es mangelte an Spielideen. Druck auf die Abwehr von Rot-Weiß Oberhausen entstand nicht. Aber es hat wenigstens nicht geregnet, und die Verteidigung spielte so stabil wie in den meisten Spielen dieser Saison.

Die Leistung von Rot-Weiß Oberhausen blieb ebenfalls bescheiden, und man braucht schon eine rot-weiß gefärbte Vereinsbrille, um in so einem Spiel die Spielkontrolle einer Mannschaft zu erkennen. Verbuchen wir so eine Meinung  unter Ruhrgebiets-Folklore. Ein Hoch auf die eigene Stadt, was sich auch in den Lokalsportredaktionen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zeigen darf. Neutral und die Wirklichkeit treffend liest sich die Berichterstattung im Kicker.

Noch gibt es keine Nachricht, wie schwer Julian Koch verletzt ist. Dass er im Spiel gegen den 1. FC Energie Cottbus nicht dabei sein wird, war selbst von der Kanal-Kurve aus an seiner Reaktion nach dem Zusammenprall mit dem Oberhausener Verteidiger sofort zu erkennen. Die Wucht seines Schussversuchs, der ungünstige Winkel, die Drehung des Körpers, das lässt schlechte Nachrichten erwarten. Für Dienstag gilt, es gab auch schon Siege ohne ihn. Wie lange er voraussichtlich fehlen wird, werden wir am Montag sicher erfahren. Nicht allzuviel länger wird es vermutlich dauern, bis wir wissen, welche Strafe der MSV Duisburg für die Pyro-Aktionen erhält. Da habe ich eine deutliche Meinung. Im besten Fall sind solche Aktionen wie das Abbrennen einzelner bengalischer Feuer Abenteuerspielchen auf Kosten des Vereins, im schlechteren Fall wie beim Böllerwerfen ist das zumindest der Versuch der Körperverletzung.

Cotthausen zieht die letzte Karte! Alles ist möglich

Was für ein Tollhaus herrscht im Moment beim nächsten Gegner vom MSV Duisburg. Vorgestern verkündete der Vorstand von Rot-Weiß Energie Cotthausen, die Doppelspitze auf der Trainersposition sei gescheitert. Während der eine Head-Coach des Vereins Hans-Günter Bruns nach der Niederlage gegen den VfL Osnabrück noch sagte, alles sei möglich in dieser Saison, die Mannschaft bräuchte nur eine Serie von drei, vier Siegen, wurde sein Head-Coach-Partner Claus-Dieter Wollitz, „Pele“ genannt, mit der Begründung entlassen, man hätte einfach die letzte Karte ziehen müssen, um der Mannschaft einen zusätzlichen Schub für das anstehende DFB-Pokal-Halbfinale zu geben. Den Aufstieg hätte die Vereinsführung trotz der acht Punkte Rückstand auf den zweiten Platz auch noch nicht aus den Augen verloren.

Wegen der Ereignisse im westlichen Ruhrgebiet haben die lokalen Medien Urlaubssperren erlassen. Allen voran berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung seit zwei Tagen in einem Ausmaß über Rot-Weiß Energie Cotthausen, wie es in der Sportberichterstattung des WAZ-Konzerns noch nicht zu sehen gewesen ist.  Ein Medium, das sich als Hauszeitung der Region versteht, muss einfach alle Kräfte bündeln, wenn noch einmal eine hoffnungsfrohe Stimme, ein Zeichen für den immer wieder neu zu leistenden Aufbruch im Revier setzt.  Außerdem betrachtet man auch wirklich fassungslos das Handeln eines Vereins, der sich seit drei, vier Jahren als der bodenständige und sympathische Ruhrpott-Underdog im Haifischbecken Fußball-Business präsentierte.

Auch die meisten Fans von Rot-Weiß Energie Cotthausen zeigen wenig Verständnis für die Entlassung des Mannes, der den Verein nach langer Zeit im Amateurfußball wieder nach oben gebracht hat. Die Fans kommentieren mit deutlichen Worten, die zahlreichen Artikel des WAZ-Konzerns oder nehmen ausführlich und sehr nachvollziehbar auf eigenen Seiten im Netz Stellung, indem sie das Fußballgeschäft als Bedingung für die Möglichkeiten des Vereins Rot-Weiß Energie Cotthausen miteinbeziehen.

Im Windschatten der allgemeinen Aufregung versucht der MSV Duisburg seine Spielvorbereitung auf das nächste Spiel gegen Rot-Weiß Energie Cotthausen wie gewohnt zu absolvieren. In Duisburg kommt es zum ersten Mal zu einem Fußballspiel, das sich über fünf Tage erstreckt. Es wird in vier Vierteln ausgetragen und der Spielort wechselt in der drei Tage andauernden Halbzeitpause vom Niederrheinstadion in die Schauinsland-Reisen-Arena, unter Freunden auch Wedaustadion genannt. Die Vereine hatten sich darauf geeinigt, auch Teileintrittskarten des Spiels in den Verkauf zu bringen.  Allerdings ist die zweite Hälfte des Spiels schon seit einiger Zeit ausverkauft. Die unterschiedlichen Verkaufszahlen der Eintrittskarten ließen bei vielen Zuschauern den Eindruck entstehen, es handele sich bei diesem besonderen Spiel des MSV Duisburg eigentlich um zwei gewöhnliche Fußballspiele von normaler Spieldauer. Die sportliche Leitung des MSV Duisburg ist sich der Bedeutung dieses besonderen Spiels bewusst und möchte alle Viertel des Spiels gewinnen. Dann könnte der MSV Duisburg auch am Ende dieses besonderen Spiels gegen Rot-Weiß Energie Cotthausen ohne Zweifel als Sieger vom Platz gehen.

Spielen wie die Brasilianer

Für alle, die noch ein wenig Trost nach dem Spieltag am Wochenende brauchen, empfehle ich Köbes Underground in der Stunksitzung dieser Session mit ihrem Kommentar zur Spielkultur beim 1. FC Köln.

Ehrenecke in der 90. Minute

Das Gedächtnis ist eine wunderbare Sache. Verläuft das Leben einigermaßen normal, rücken die unangenehmen Erfahrungen der Vergangenheit ins aushaltbare Halbdunkel. Gut ausgeleuchtet bleibt nur all das, was mit guten Gefühlen verbunden war. Erst bei erneuter Begegnung mit solch einer unangenehmen Erfahrung, ist es so, als schalte jemand mal eben das Licht an in diesem Halbdunkel.

Nicht nur eine 7-Watt-Sparbirne leuchtete in der ersten Halbzeit beim  Heimspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin recht früh schon auf. Nach und nach wurden eine Menge Lampen und Scheinwerfer herbeigeholt, damit ich mir Enttäuschung und Unzufriedenheit der vergangenen Jahre in jedem Detail mal wieder etwas näher ansehen konnte. Sechs bis sieben Minuten lang schien es nach Anpfiff so, als könne die Mannschaft des MSV Duisburg jeden Zweifel beseitigen, wer dieses Spiel gewinnen wird. In diesen sechs bis sieben Minuten strahlte die Mannschaft Entschlossenheit und Aggressivität aus. In diesen sechs bis sieben Minuten gab es einen von Julian Koch schnell vorgetragenen Angriff. Nach seinem Pass in den Strafraum kam Srdjan Baljak aber nur zu einem wenig gefährlichen Schuss. Im Rückblick war dieser Schuss von Srdjan Baljak ein erstes Zeichen für die beginnende Unsicherheit im Spiel nach vorne. Denn obwohl der Lauf von Julian Koch zunächst auf Gefahr für das Tor von Union hoffen ließ, wirkte der Angriff im Strafraum selbst harmloser.

Der MSV Duisburg musste gegen eine tief stehende Berliner Mannschaft spielen, die nicht einmal sehr interessiert am Konterspiel war. Wenn sich so viele Spieler in einer Hälfte aufhalten, braucht die angreifende Mannschaft eine große Ballsicherheit, damit die Verteidiger nicht jeden Angriff zerstören können. Diese Ballsicherheit gab es beim MSV Duisburg am Samstagmittag nicht. Beim Spiel über die Mitte versprangen Srdjan Baljak und Stefan Maierhofer die Bälle. Die von Stefan Maierhofer abgelegten Bälle kamen oft zu kurz oder zu lang. Das Spiel über die Flügel war mangels Platz so gut wie nicht vorhanden. Der 1. FC Union Berlin wartete ab, was dem MSV Duisburg einfiel. Doch die spielerische Qualität reichte an diesem Tag nicht aus, um in den Strafraum von Union zu gelangen. Die Spieler wirkten immer unsicherer und hilfloser.

Man kann das Spiel auch von der Psychologie her deuten. Die Mannschaft des MSV Duisburg spielt immer dann gut, wenn ihr kämpferischer Einsatz vom Gegner angenommen wird. Der 1. FC Union Berlin ließ diesen kämpferischen Einsatz in die Leere laufen. Diesen kämpferischen Einsatz hatte es nämlich in diesen ersten Spielminuten sehr wohl gegeben. Die Mannschaft des MSV Duisburg kam aber in die Verlegenheit aus ruhigen Spielsituationen ihre Angriffe zu entwickeln. In dieser Ruhe schien es oft so, als hätten die Spieler zu viel Zeit, Entscheidungen zu treffen. Im letzten Moment wurde der schon im Ansatz zu sehende Pass doch nicht gespielt. Als Konsequenz sahen wir verhungernde Pässe oder verzogene Schüsse. Die Alternative zum Fehlpass war der hohe Ball auf Stefan Maierhofer. Wir kennen das aus anderen Spielen dieser Saison. Wenn die Mannschaft sich keine andere Möglichkeit erspielt als die hohen Bälle auf Stefan Maierhofer, ist der Erfolg ein reines Glücksspiel. Gewonnen hat der MSV Duisburg nur dann, wenn die Mannschaft variabel gespielt hat. Ein Tor wie das vom 1. FC Union Berlin kann immer fallen. Da rutscht in der Mitte Bruno Soares aus, und die Berliner kommen zu einem Schuss, der normalerweise abgeblockt worden wäre. Es entsteht ein Durcheinander und irgendjemand stochert oder köpft in diesem Fall den Ball rein. Entscheidend war die Körpersprache der Mannschaft des MSV Duisburg nach diesem Tor. Da drückte sich zu viel Enttäuschung aus und zu wenig Selbstsicherheit. Die Hilflosigkeit bei den Angriffen des MSV Duisburg hatte sich als Grundgefühl in den Köpfen der Spieler anscheinend schon ausgebreitet.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel des MSV Duisburg etwas besser. Manches Zusammenspiel klappte nun, doch gefahrvoll in die Nähe des Strafraums kam die Mannschaft immer noch kaum. Was blieb war die Ehrenecke in der 90. Minute. Mehr braucht man eigentlich nicht über das Spiel zu wissen, um zu verstehen, warum der MSV Duisburg nicht gewonnen hat.

Die Spieler wissen, dass sie schlecht gespielt haben. Das lag meiner Meinung nach aber nicht am Einsatz. Wenn Milan Sasic in der ersten Halbzeit „Leidenschaft, Herzblut und Begeisterung“ vermisst hat, so greift das als Grund für die Niederlage zu kurz. Dieser Mangel war nur das Symptom der Hilflosigkeit. Diese Hilflosigkeit ergab sich für mich vor allem aus der schlechten Tagesform einzelner Spieler. Es fehlte der Spieler im Angriff, der den Ball auf engem Raum behauptet. Wir werden nun bei unserem Hoffen auf das Unaussprechliche warten müssen, wie stabil der VfL Bochum, die SpVgg Greuther Fürth und der FC Augsburg die Saison weiterspielen.

Frauenfußball ist doch ganz anders

Lasst mich heute morgen mal frohen Mutes das verminte Gelände des Frauenbildes unserer Gesellschaft betreten. Das traue ich mich, weil ich mir schon Ende der 70er Jahre, zu Zeiten der Erfolge des Kaßlerfelder BC, hin und wieder Spiele des Frauenfußballs gern angesehen habe. Wenn Frauen auf hohem sportlichen Niveau Fußball spielen, betreiben sie einen anderen Sport als Männer auf gleich hohem Niveau. Kraft und Technik stehen in einem anderen Verhältnis, was natürlich Auswirkung auf die Spielanlage der Mannschaften hat. Erfolgreich spielende Frauenmannschaften müssen  präziser in der Spielanlage sein. Die geringere Grundschnelligkeit der Frauen bietet ihnen auf der Weite des Spielfelds weniger Gelegenheiten alleine durch Kraft Druck auf den Gegner auszuüben.

Heute nun erhalte ich einen Hinweis, dass Frauenfußballerinnen auch eine andere Psyche besitzen als ihre männlichen Fußballkollegen. Bei Trainerentlassungen im Männerfußball heißt es ja häufig, mit der Maßnahme habe man der Mannschaft jegliche Ausrede für schlechte Leistungen nehmen wollen. So eine Trainerentlassung im Männerfußball nimmt die Spieler mehr in die Pflicht. Wenn Druck Thema wäre, müsste es heißen, wir wollen die Mannschaft mehr unter Druck setzen.

Beim Frauenfußball-Bundesligisten FCR 2001 Duisburg wurde Martina Voss-Tecklenburg gestern nach einer Reihe von Misserfolgen überraschend entlassen. Die Begründung des Vereins funktioniert nun genau anders herum als im Männerfußball üblich: „Der Verein hofft, durch diesen Schritt Druck von der Mannschaft nehmen zu können, damit sie befreit an die noch ausstehenden Aufgaben herangehen kann. Hierzu zählt insbesondere das Erreichen des Halbfinales in der Champions League.“

In welcher Weise Frau Voss-Tecklenburg für zu viel Druck verantwortlich war, wird nicht näher erläutert. Das Stochern im Nebel bei der Ursachensuche für Misserfolg muss eine erzählende Formel erhalten, und wir befinden uns nun vielleicht am Anfang der Debatte, ob diese erzählende Formel die Geschlechterdifferenz ausdrücken wird oder nicht. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Noch hatte mit dem FCR-Vorstandsmitglied Guido Lutz ein Mann die Hoheit über die Sprachregelung.

Übermotivierte Vierte Offizielle

 

Übermotivierte Vierte Offizielle

In Liga Zwei, und nur der Vierte Offizielle!
Erinnert irgendwie an Dritter Stand.
Das ganze Spiel steht man fast nur an einer Stelle
und nachher bleibt dein Name unbekannt.

Ich will die Pfeife haben, wenigstens die Fahne halten.
Mir reicht kein Spielernummerntafelheben.
Auch wenn ich noch so helfe bei dem Spielverwalten,
Applaus …? Selbst Pfiffe wird´s für mich nicht geben.

Kein Sportreporter stellt mir eindringliche Fragen
zu einer höchst umstrittenen Entscheidung.
Dabei kann ich durchaus zu allem etwas sagen.
Im Straßeninterview zur Müllvermeidung

bewies ich schon vor Jahren O-Ton-Qualität.
Ich bringe alles mit für die Karriere:
das gute Auge und Autorität.
Mich brächte bei erhitzter Atmosphäre

nicht mal die Weltstar-Rudelbildung aus der Ruhe.
Du bist noch jung
. Ich kann es nicht mehr hören.
Verschwendet bin ich für das Spielfeldrandgetue
von Trainern, Managern, sogar Masseuren.

Die grüßen dich und haben dich sofort vergessen.
Als ob nur auf dem Platz entscheidend ist.
Ey! Mehr Respekt vor mir, das wäre angemessen.
Nur dann ertrage ich den ganzen Mist.

Wenn Trainer gleich die Spieler anschreien und dann denken,
ich merke nicht, sie meinen uns, die Referees.
So Psychospielchen mit mir können die sich schenken.
Da lasse ich nichts durchgehn. Da werde ich fies.

Drum lohnt es, Gestik vor dem Spiegel einzuüben.
Das Auf-Tribüne-Schicken sitzt perfekt.
Das Ganze ist nur Vorspiel für den Rasen drüben.
Ich gebe immer alles, damit man mich entdeckt.

Inspiriert wurde das Fußballgedicht durch diesen Teil der Pressekonferenz des MSV Duisburg vor dem Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue. Milan Sasic gewährt hier einen Blick hinter die Kulissen des Trainergeschäfts. Er erzählt von Widrigkeiten der alltäglichen Arbeit. Hervorgerufen werden solche Widrigkeiten oft alleine durch die Begegnung mit einem Menschen. Nicht nur er auch andere Fußballtrainer begegnen diesen Menschen anscheinend in letzter Zeit häufiger als Vierte Offizielle.

Mehr als Erfüllung einer Zielvorgabe

Nicht nur Milan Sasic musste vor dem Auswärtsspiel des MSV Duisburg beim FC Augsburg sehr schnell umplanen, als Ivo Grlic sich beim Aufwärmen das Knie verletzte. Auch in Duisburg wurden zu Beginn des Wintergrillens im städtischen Jugendzentrum die Pläne für die Live-Übertragung des Spiels über den Haufen geworfen, weil der Mann mit dem Beamer erkrankt war und nicht kommen konnte. Der Kader eines städtischen Jugendzentrums ist ebenso wenig breit aufgestellt wie der des MSV Duisburg. Der Ausfall eines einzigen Mannes kann das gesetzte Ziel leicht gefährden. Doch hier wie dort war man mit den übrig bleibenden Möglichkeiten nach dem Standhalten in ein paar kritischen  Momenten erfolgreich. Die Live-Übertragung  gab es etwa ab der 20. Minute über den 17-Zoll-Bildschirm eines PCs, obwohl die Verbindung des PCs zum Router zunächst sehr instabil war. Und die Mannschaft des MSV Duisburg erspielte sich das torlose Unentschieden in der zweiten Halbzeit souverän, nachdem die Augsburger Spieler zum Ende der ersten Halbzeit ihre letzten größeren Chancen nur unzulänglich nutzten.

Wenn man in einer Gruppe ein Fußballspiel auf einem kleinen PC-Bildschirm verfolgt, ist der Abstand zum Bildschirm doch beträchtlich und deshalb fallen detaillierte Urteile schwer. Ein Eindruck ergibt sich automatisch aus dem großen Ganzen und nicht aus der Bewertung einzelner Spieler. Vor allem fiel auf, wie entschlossen die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit antrat, um im Spiel zu bleiben und frei nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung, den einzig möglichen Schluss aus den letzten zwanzig Minuten der ersten Halbzeit zu ziehen. Gefahr strahlte der FC Augsburg in dieser zweiten Halbzeit kaum mehr aus. Deutlich wurde das Bemühen des MSV Duisburg, durch die offensivere Spielweise Druck auf den FC Augsburg aufzubauen. Ebenso deutlich wurde aber auch, dass in der gegnerischen Hälfte bei vielen Angriffen ein Spieler in der Mitte gesucht wurde und natürlich nicht gefunden ward. Da stand niemand, der die Flankenläufe hätte verwerten können. Wirkliche Torgefahr ergab sich deshalb nur einmal überraschend. Ivica Banovic nahm einen aus dem Strafraum geschlagenen Ball auf und traf mit einem Schuss aus der Distanz den Pfosten. Zwei, drei Dribblings erreichten den Strafraum zwar, verebbten aber dort. Schließlich konnte kurz vor Spielschluss Srdjan Baljak nach einem Steilpass ebenfalls in den Strafraum dringen und wurde fast sofort von Gibril Sankoh von den Beinen geholt. Das war ein Foul im Strafraum und damit den Regeln gemäß ein Elfmeter. In vielen Spielen gibt es für den eigentlich fällig Elfmeterpfiff aber neben dem Foul auch atmosphärische Bedingungen. Die standen allesamt gegen den Elfmeterpfiff. Baljak hatte noch keinen Zug zum Tor, sondern war weiter in der Vorwärtsbewegung parallel zur Außenlinie. Bis zu dem Zeitpunkt fehlten zudem ganz deutliche Torchancen innerhalb des Strafraums vom MSV Duisburg. Das Spiel befand sich kurz vor Schluss mit dem Unentschieden in einem Gleichgewicht, das dem Spielverlauf entsprach. All das entschuldigt natürlich nicht den ausbleibenden Pfiff, sondern versucht ihn nur zu erklären.

Was mich aufgeregt hat, war auch gar nicht der ausgebliebene Elfmeterpfiff sondern die Geste von  Gibril Sankoh nach seinem Foul. Was geht in so einem Spieler vor, der den Körperkontakt gespürt haben muss und der Srjdan Baljak dennoch beschimpft? War Sankoh tatsächlich der Ansicht, Baljak habe sich fallen gelassen und er habe regelgerecht gegrätscht? Oder gehört das zu bewusster Stimmungsmache und zu den Versuchen den Schiedsrichter zu beeinflussen?  Diese Geste war mehr als das übliche Unschuldsgegreine nach dem Foulpfiff, weil Sankoh das Opfer Baljak für das Opfer-Sein auch noch angreift. Sankohs Geste entspricht dem Reden eines Jugendlichen, der auf der Straße vor anderen Jugendlichen dicke Hose macht und sie mit den Worten,  „du Opfer“ beschimpft. Sankoh überschreitet mit seiner Geste gegenüber Srdjan Baljak eine Grenze. Er zerstört Standards des kollegialen Umgangs. Wenn Jos Luhukay im Interview nach dem Spiel den Elfmeterpfiff als möglich beschreibt, arbeitet er auch gegen dieses Benehmen von Sankoh an. Hoffentlich mit Erfolg.

Das Unentschieden des MSV Duisburg gegen den FC Augsburg ist mehr als die Erfüllung einer Zielvorgabe. Schon ohne den Ausfall von Ivo Grlic hätten wir zufrieden sein können mit dem Unentschieden. Diese Mannschaft bewies aber mehr. Diese Mannschaft ist so in sich gefestigt, dass trotz kurzfristiger Umstellung  der Mannschaft und ungewohnter Positionen von Spielern im Mannschaftsgefüge als Notlösung sie zu einem strukturierten Spiel findet. Das Unentschieden ist zudem entgegen der Meinung Uwe Möhrles nach dem Spiel keineswegs durch eine Spielverhinderung erreicht worden. Diese Mannschaft des MSV Duisburg hat in der zweiten Halbzeit sehr wohl Zug nach vorne gehabt. Das waren nicht einzelne Konter, um Tore zu erzielen. Das war ein kontinuierliches Versuchen in den Strafraum des FC Augsburg zu gelangen. Dieser Punkt in Augsburg ist sehr verdient, und er hat sich vorhin, kurz vor halb vier, als ein noch wertvollerer Gewinn erwiesen. In dem Moment erzielte Arminia Bielefeld kurz vor Spielende im Spiel gegen den VfL Bochum den Ausgleich. Der MSV Duisburg ist oben sehr nah dran – auch an Platz 2. Bleibt mir mal wieder nur, mich weiterhin eine Woche lang am sorgfältigen Ausbalancieren von Hoffnung auf und Erwartung des Unaussprechlichen zu üben.

Warum Ioannis Amanatidis keine Verstärkung gewesen wäre

Warum kurz vor Ende der Transferzeit, das Gerücht aufkam, der MSV Duisburg könne den Stürmer Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt ausleihen, habe ich nicht genau verfolgt. Am letzten Wochenende musste ich aber noch einmal an dieses Gerücht denken. In der Süddeutschen Zeitung ging es um die in Deutschland übliche Zurückhaltung über das eigene Einkommen zu reden. Der Verfasser des Artikels brachte diese Zurückhaltung in Zusammenhang mit der Leistungsbereitschaft der Gehaltsempfänger und kam zu dem Schluss, das Schweigen zu Gehältern kommt dem Betriebsklima sehr zugute. Die meisten Menschen beginnen schließlich ganz schnell über Gerechtigkeit nachzudenken, wenn es um sie selbst geht. Der Maßstab für die Zufriedenheit eines Arbeitnehmers ist nämlich nicht die absolute Höhe des Gehalts sondern die relative Höhe im Vergleich zum Kollegen.

Soll dieselbe Arbeit für weniger Geld erledigt werden, trägt das nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben. In schlechter Stimmung wird aber weniger geleistet. Mancheiner macht das dann sogar bewusst als Trotzreaktion. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey interessiert sich für eine sehr lebensnahe wirtschaftswissenschaftliche Forschung und hat solche Effekte der Ungleichbehandlung bei der Entlohnung untersucht. Der Erfolg von Fußballmannschaften als Ausweis der Leistungsbereitschaft ihrer Gehaltsempfänger, der Fußballspieler, war für ihn sowie Sascha L. Schmidt und Benno Torgler die Ausgangsüberlegung der Untersuchung. Zur Fußball-WM 2006 wurden erste Ergebnisse, aufbereitet für die Zeitungsleser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, veröffentlicht. Der abschließende wissenschaftliche Aufsatz mit entsprechendem Statistikteil erschien zwei Jahre später.

Behalten wir das Gefühl des Neids im Blick, können wir also als Nachtrag zur letzten Transfer-Periode feststellen: Selbst wenn der MSV Duisburg das Geld zur Ausleihe von Ioannis Amanatidis gehabt hätte, das Risiko ihn zu verpflichten wäre groß gewesen und zwar nicht, weil er selbst vielleicht nicht die Verstärkung gewesen wäre, die man sich von ihm erhofft hätte, sondern weil seine Anwesenheit andere Spieler schlechter hätte machen können. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken.

Begeistert über Alltagsarbeit

Wie sich  nach einem Fußballspiel  Siege anfühlen, verrät uns nicht nur viel über Qualität und Ambitionen einer Mannschaft sondern auch einiges über die Hoffnungen der Zuschauer. Das Gefühl nach dem 3:1-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue kenne ich schon Jahre nicht mehr nach einem Sieg des MSV Duisburg. Dieser Sieg erinnerte mich an die sorgfältige und zufriedenstellende Erledigung von Alltagsarbeit.

Die Last solcher Alltagsarbeit fällt normalerweise nicht weiter auf. Sie wiederholt sich, wie etwa das tägliche Essen kochen, und nur selten begeistert sich jemand am Ergebnis. Dennoch kostet Alltagsarbeit viel Kraft, und es ist immer eine offene Frage, wie gut sie erledigt wird und wie sehr man sich auch für diese Alltagsarbeit anstrengt. Ich schätze gut erledigte Alltagsarbeit sehr. Wer täglich frisch zubereitetes, leckeres Essen auf den Tisch bringt, wird an besonderen Tagen keine Probleme bei der Zubereitung eines Festessens haben. Umgekehrt ist es aber nicht immer so. Wer ein Festessen zubereiten kann, ist längst noch nicht für den Alltag gerüstet. Der MSV Duisburg hat sich gestern im Alltag bewährt. Wer den FC Erzgebirge Aue besiegt, weil die Mannschaft besiegt werden muss, besitzt die Qualität und Ambition, um das Unaussprechliche bis zum letzten Spieltag im Blick zu behalten.

Das Spiel machte es offensichtlich, warum der FC Erzgebirge Aue trotz der so wenigen erzielten Tore in der Tabelle oben steht. Diese Mannschaft besitzt eine Defensivreihe, die ich von der Statur her eher im australischen Rugby oder im Basketball vermutet hätte. Spieler von solcher Größe und Athletik strahlen zunächst einmal Unverwundbarkeit aus. Um so beeindruckender ist es, wenn Goran Sukalo sich zweimal gegen solche Spieler beim Kopfball durchsetzen kann, um Tore zu erzielen. Vor dieser Defensivreihe gibt es ein spielfreudiges und kombinationssicheres Mittelfeld, dem abschlussstarke Stürmer fehlen.  Es wirkte aber das Spiel über so, als sei es den Auer Spielern jederzeit möglich, durch schnelle Kombinationen überraschend in Strafraumnähe zu gelangen.

Dieses Mittelfeld sollte meist durch einen langen Pass erreicht werden. Ivica Banovic wurde im mittleren Teil des Spielfelds zu einem Garanten des Erfolgs für den MSV Duisburg, weil er immer wieder die kontrolllierte Annahme dieser längeren Pässe der Auer störte. Immer wieder war er zur Stelle, um den Ball zu erobern oder um zumindest das Tempo aus dem Angriffsspiel des FC Erzgebirge Aue zu nehmen. Der MSV Duisburg wirkte auch deshalb die meiste Zeit des Spiels überlegen, ohne das Kombinationsspiel der Auer endgültig unterbinden zu können.

Ich hätte auch keine Sorge um den Sieg des MSV Duisburg gehabt, wenn nicht die Entscheidungen des Schiedsrichters Tobias Stieler nach und nach eine immer deutlicher werdende Ungleichbehandlung der Mannschaften erkennen ließen. Sicher, Schiedsrichter treffen manchmal Fehlentscheidungen, die spielentscheidend sind, selten nur aber summieren sich viele kleine Fehlentscheidungen so, dass ein Spiel zu kippen droht. Das war dieses Mal der Fall. Fouls gegen den MSV Duisburg wurden gepfiffen, dieselbe Spielweise auf der anderen Seite nicht. Der Ball an der Schulter von Olcay Sahan wird als Handspiel gegen den MSV Duisburg gepfiffen, dieselbe Ballannahme eines Auer Spielers nicht. Für kurze Zeit kochte die Stimmung hoch, die Spieler des MSV Duisburg drohten aus ihrem Rhythmus zu geraten. Die gelben Karten gegen Goran Sukalo, Stefan Maierhofer und Olcay Sahan waren direkte Folge dieser Stimmung. Wobei mir das Fehlen von Sukalo mehr Gedanken macht als das von Stefan Maierhofer, dem gestern nicht viel gelang.

Was Mannschaft und Zuschauer in diesem Moment auszeichnete, macht mich sehr zuversichtlich für die Zukunft. In dieser Mannschaft stimmt die Mischung von Spielertypen. Wenn ein Heißsporn wie Stefan Maierhofer sich seine gelbe Karte mit Ansage abholt, bleibt nicht nur genügend Ruhe im Rest der Mannschaft für das Spiel, sondern diese Ruhe strahlt in die gesamte Mannschaft zurück und zeigt Wirkung. In so einer Spielphase sind Typen wie Filip Trojan und Benjamin Kern nötig, die wieder Konzentration einfordern und daran erinnern, nicht der Schiedsrichter ist Gegner sondern die Spieler aus Aue, nicht das Foul ist das Mittel zum Erfolg sondern kämpferische Härte. Das zweite Tor von Goran Sukalo habe ich deshalb auch als gerechten Ausgeich für die Ungleichbehandlung durch den Schiedsrichter empfunden. Und auch die Zuschauer spürten, dass der Ärger gegen den Schiedsrichter besser durch das Anfeuern der eigenen Mannschaft bewältigt werden konnte als durch Unmut und Pfeifen gegen den Schiedsrichter. Dass auch die Zuschauer auf den Geraden die Mannschaft nicht nur kurz anfeuerten, sondern sie für längere Zeit durch kritische Phasen tragen wollten, kenne ich aus Duisburg kaum. Da entsteht eine so breite Identifikation mit der Mannschaft, die es jahrelang nicht gegeben hat.

Das Anschlusstor durch Tobias Kempe hat es dann noch einmal für kurze Zeit spannend gemacht. Doch vielleicht ist so ein Satz eher der Vergangenheit geschuldet als der Gegenwart. Vielleicht war die Mannschaft nach dem Gegentor sehr viel stabiler, als wir es erkennen konnten. Vielleicht werde ich demnächst so einen Satz nur noch als reine Aussage schreiben, etwa so: In der 88. Minute fiel noch ein Gegentor durch Tobias Kempe, doch Manuel Schäffler stellte zwei Minuten später das Endergebnis sicher. So ein Satz könnte deshalb bald schon Wirklichkeit sein, weil zur Erledigung von Alltagsarbeit auch die Erwartung gehört, dass das Leben seinen normalen Gang geht. Wer weiß, dass in seiner Familie täglich gekocht wird, erwartet jeden Mittag das Essen auf dem Tisch. Die Mannschaft des  MSV Duisburg hat mich an das Mittagessen des Fußballs, den Sieg, allmählich gewöhnt. Darüber bin ich dann doch auch im Alltag sehr begeistert.


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