Warum Ioannis Amanatidis keine Verstärkung gewesen wäre

Warum kurz vor Ende der Transferzeit, das Gerücht aufkam, der MSV Duisburg könne den Stürmer Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt ausleihen, habe ich nicht genau verfolgt. Am letzten Wochenende musste ich aber noch einmal an dieses Gerücht denken. In der Süddeutschen Zeitung ging es um die in Deutschland übliche Zurückhaltung über das eigene Einkommen zu reden. Der Verfasser des Artikels brachte diese Zurückhaltung in Zusammenhang mit der Leistungsbereitschaft der Gehaltsempfänger und kam zu dem Schluss, das Schweigen zu Gehältern kommt dem Betriebsklima sehr zugute. Die meisten Menschen beginnen schließlich ganz schnell über Gerechtigkeit nachzudenken, wenn es um sie selbst geht. Der Maßstab für die Zufriedenheit eines Arbeitnehmers ist nämlich nicht die absolute Höhe des Gehalts sondern die relative Höhe im Vergleich zum Kollegen.

Soll dieselbe Arbeit für weniger Geld erledigt werden, trägt das nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben. In schlechter Stimmung wird aber weniger geleistet. Mancheiner macht das dann sogar bewusst als Trotzreaktion. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey interessiert sich für eine sehr lebensnahe wirtschaftswissenschaftliche Forschung und hat solche Effekte der Ungleichbehandlung bei der Entlohnung untersucht. Der Erfolg von Fußballmannschaften als Ausweis der Leistungsbereitschaft ihrer Gehaltsempfänger, der Fußballspieler, war für ihn sowie Sascha L. Schmidt und Benno Torgler die Ausgangsüberlegung der Untersuchung. Zur Fußball-WM 2006 wurden erste Ergebnisse, aufbereitet für die Zeitungsleser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, veröffentlicht. Der abschließende wissenschaftliche Aufsatz mit entsprechendem Statistikteil erschien zwei Jahre später.

Behalten wir das Gefühl des Neids im Blick, können wir also als Nachtrag zur letzten Transfer-Periode feststellen: Selbst wenn der MSV Duisburg das Geld zur Ausleihe von Ioannis Amanatidis gehabt hätte, das Risiko ihn zu verpflichten wäre groß gewesen und zwar nicht, weil er selbst vielleicht nicht die Verstärkung gewesen wäre, die man sich von ihm erhofft hätte, sondern weil seine Anwesenheit andere Spieler schlechter hätte machen können. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken.

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