Archiv für März 2011

Meinungskampf auf Kölner Straßen spitzt sich zu

Für Journalisten des Kölner Express ist die BILD-Zeitung seit jeher nicht nur wirtschaftlicher Konkurrent, sondern auch Gegner im Kampf um die Meinungshoheit im Rheinland. In dieser mit Schlagzeilen geführten Auseinandersetzung verstand sich der Express als die liberalere Zeitung. Mancher schwärmte in früheren Zeiten sogar von einem linken Boulevardjournalismus. Noch heute, in den unübersichtlicher gewordenen Zeiten offenbart sich dieser Gegensatz, wie gestern wieder auf dem Titelblatt zu sehen war.

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Impressionen aus dem Wochenend-MSV-Museum

Mir gehen ein paar Gedanken zu einem festen Ort für ein MSV-Museum durch den Kopf, weil sich beim Nachdenken über die Verwirklichung eines solchen Projekts sofort die widersprüchlichen Grundlagen dieses Unterhaltungsbetriebes Fußball offenbaren. Dazu fehlt mir heute die Zeit. Ich hoffe, ich komme später dazu.

Fürs erste möchte ich schnell ein paar Impressionen teilen. Das MSV-Museumswochenende war vor allem eine Möglichkeit, ein wenig in die Vergangenheit zu reisen. Menschen wollen Anstöße zum Erinnern und suchen Orte auf, wo das geschehen kann. So waren die Räume im Buchholzer Gemeindezentrum gestern voll und das anscheinend nicht nur am  Sonntagnachmittag, als ich kurz dort war. Im Artikel von Der Westen erzählen die Organisatoren Klaus Dings, Wolfgang Berndsen und Randolf Wiederer, was sie auch mir sagen konnten. Der Zuschauerstrom begann am Samstag zur Eröffnung und brach nicht ab. Es war außerdem schön zu hören, dass der MSV Duisburg der Gegenwart die Organisatoren unterstützt hat. Wer dem Modellbauer Holger Tribian schließlich erlaubt, das geschützte Logo des MSV Duisburg für seinen Arena-Nachbau zu nutzen, scheint gute Unterscheidungskategorien dafür zu entwickeln, wann statt des unternehmerischen Denkens im Zeichen des sofortigen Gewinns investierende Arbeit für die Zukunft gefragt ist. Wer das Modellbau-Projekt weiter verfolgen will, findet auf der Webseite von Holger Tribian die aktuellen Informationen.

Sonderlich gezielt bin ich beim Fotografieren nicht vorgegangen. Das entsprach meinem zufälligen Verweilen bei den Erinnerungsstücken.

Joachim Hopp wird zur Arbeit am Image eingeladen

Kurzer Lesehinweis: Für 11 Freunde hat Alex Raack  mit Joachim Hopp gesprochen und möchte die alten Geschichten von ihm wissen. Wir Älteren kennen die Essenz des Interviews natürlich. Für die Jüngeren sind die Hoppschen Geschichten aber vielleicht neu, und alte Lieblingspostkarten nimmt man ja auch immer wieder gerne in die Hand, um vielleicht doch noch ein kleines übersehenes Detail zu entdecken.

Zum Glück war Wacker nicht der Spielverein – Teil 2

Hans F.  (* 1939)

Einmal sind wir nach Schalke gefahren, und dann kommen wir da an … wir hatten ja keine Karten, du musstest ja immer da die Karten kaufen. Ja, und dann hieß es, ihr kommt nicht rein, das Stadion ist voll. Da standen wir dann da an so einem Nebentor. Das hatten die zugemacht, und die Fans, die haben geglaubt, die wollten uns nur nicht reinlassen. Da standen zwei Ordner, die haben gesagt: „Das geht nicht“, …. es hatte vorher geregnet … „dahinter ist ´ne Riesenpfütze“. Und die Fans haben das nicht geglaubt. Ich schätze mal, das waren so hundert, hundertfünfzig Leute. Die haben sich dann alle gesagt: „Wir gehen hier rein“. Dann haben die mit Gewalt das Tor aufgedrückt. Da war dann wirklich eine Pfütze … bestimmt dreißig Meter im Durchmesser …Wahnsinn … und da kannst du dir vorstellen, die ersten …da lagen bestimmt zwanzig, dreißig Mann in der Matsche da. Das sah aus. Aber das hat die nicht gestört. Da sind die durch und rein. Hauptsache, die waren im Stadion.

Ja, und dann hier noch Oberhausen … nach Rot-Weiß Oberhausen … da sind wir ja immer zu Fuß gelaufen … am Kanal entlang. Aber Oberhausen war nicht gut. Da musste man immer aufpassen  Das war immer mit Schlägerei verbunden. Das war damals auch schon so mit der Rivalität. In Oberhausen war es schlimm. In Aachen bin ich nicht gewesen. Das war mir zu weit. Aber in Aachen war es auch immer sehr schlimm mit den Schlägereien. Das waren ja immer die Kartoffelkäfer … mit den gelben Trikots. Auch hier nach Bottrop sind wir gefahren und nach Essen …selbstverständlich auch ins Duisburger Stadion …der DSV war ja damals auch in der Oberliga. Das war ja nicht nur der MSV. Da war ja auch noch Hamborn 07, Duisburger Spielverein … das waren ja schon alleine drei Vereine hier in Duisburg.

Die Atmosphäre damals im Stadion an der Westender Straße … das war schön. Das war kleiner als heute. Gut, da waren ja auch fünfzehn-, zwanzigtausend Zuschauer. Aber … ich weiß nicht … das war alles … wie wollen wir mal sagen … wie so eine Familie. Das war so richtig angenehm. Da freute man sich so richtig drauf. Nachher als das mit der Bundesliga losging … die Spiele gegen Frankfurt und Hamburg und die ich da noch gesehen habe … das war ja zu voll alles. Das Stadion war zu voll. Obwohl … wenn hier auch Dortmund kam, damals noch in der Oberliga zur Westender Straße oder auch Rot-Weiß Essen, das Stadion war auch voll.

Schon die Straßen in Meiderich zum Stadion, die waren dann proppevoll. Da fuhr ja bloß so eine kleine Bimmelbahn zum Stadion. Da gingen ja vielleicht dreißig, vierzig Mann rein. Das waren Massen, die dahinströmten. Da war gegenüber von dem MSV-Platz noch alles frei. Da parkten die ganzen Autos. Hinten, Richtung Ratingsee war auch noch ein Platz für die Autos. Es war schon sehr beengt. Da ging nichts mehr, wenn die Zuschauer da so im Trupp kamen. Die Straßen waren ja nicht so breit wie heute. Das war alles eng. Das war ja was … 15.000 zum Meidericher Spielverein.

Wenn ich mich jetzt an was besonderes erinnern soll, da denke ich an Helmut Rahn. Da war der noch bei Rot-Weiß Essen. Und die haben dann in Meiderich gespielt und Helmut Rahn hat einen Strafstoß geschossen. Das war ein Wahnsinn. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob das der Faust war oder der Pajonk Der hatte die Hand zwischen Latte und Ball und hat sich vor Schmerzen die Hand fest gehalten. Der Rahn hatte ja einen Gewaltschuss.

Bei den Meiderichern fällt mir Burger Hetzel ein. Den habe ich zwar nicht mehr viel gesehen, aber das war ein guter Spieler. Da haben wir uns gewundert, dass der nicht in die Nationalmannschaft kam. Aber der Herberger mochte den nicht. Warum weiß ich nicht, ich nehme mal an, der Hetzel hat sich nichts gefallen lassen. Dann haben die so ein Auswahlspiel gemacht … Nationalmannschaft gegen den MSV. Da hat der Burger Hetzel der Auswahlmannschaft drei Tore reingemacht. Und seitdem war´s ganz aus. Nee, der Herberger mochte den nicht. Der hielt sich immer an Ottmar und Fritz Walter fest. Da hatte der Hetzel keine Chance. Gut, der Fritz und der Ottmar, die waren einiges jünger. Da konnte man sagen, dass die Zeit von Hetzel schon vorbei war. Die haben ja damals zu der Zeit, als ich noch auf den Platz ging, mit vier-, fünfunddreißig nicht mehr gespielt. Wenn die mal bis achtundzwanzig, dreißig gespielt haben, war das lang.

Aufgezeichnet von Kees Jaratz

Und ab ins „Fan-Gedächtnis“

Zu viel wollen und schon wieder an das eine denken

Wahrscheinlich hat Milan Sasic recht, als er nach dem Sieg gegen Fortuna Düsseldorf die paradoxe Bemerkung machte, der Erfolg sei der größte Gegner vom MSV Duisburg. Viele Sportler auf jeder Leistungsebene bis hinab zur Kreisklasse kennen wahrscheinlich diesen Moment. In einem Spiel oder einem Wettbewerb wird etwas möglich, was zu Beginn des Spiels oder des Wettbewerbs allenfalls eine insgeheime Hoffnung gewesen ist. Gewinnen wollen wir als Sportler am Anfang natürlich immer. In meinem Sport Basketball will ich das noch in der voraussichtlich aussichtslosesten Begegnung gegen Spieler, die unsere Kinder sein könnten und zudem allesamt einen Kopf größer sind als wir. Das sich selbst Überraschen mit dem eigenen Erfolg nehme ich in meinem Alter als amüsante Volte des Lebens, während ich häufig erlebe, wie junge Spieler nervös werden angesichts der Möglichkeit zum unerwarteten Sieg.

Dauerhaft gut zu sein, braucht auch Übung. Es ist leichter, immer mal wieder mit einer besonderen Leistung zu verblüffen als ein höheres Niveau stabil zu halten, selbst wenn sich das noch unter dieser einmaligen besonderen Leistung befindet. Vielleicht gibt es in der Mannschaft des MSV Duisburg tatsächlich zu viele Spieler, die von den Möglichkeiten dieser Saison für den großen Erfolg zu beeindruckt waren. Sie verloren in der Rückrunde ihre Unschuld gegenüber dem Erfolg. Wenn das stimmt, liegt es auf der Hand, dass auch das Weiterkommen im DFB-Pokal die Alltagsarbeit eher erschwert hat als das daraus sich ein stabiles Selbstbewusstsein entwickelt hat. Auch dieses Erreichen des Finales kann in den Spielern Ansprüche an sich selbst geweckt haben, an die sie noch nicht gewöhnt waren.

Für den MSV Duisburg, den Verein und sein Umfeld, ist dieses Finale am 21. Mai in Berlin ein außerordentlich bedeutsames Spiel. Der MSV Duisburg ist solche Spiele nicht gewöhnt. Wir Zuschauer mussten wie die Spieler des MSV Duisburg mussten erst einmal damit umgehen, unsere Gedanken wieder auf die Zweite Liga zu konzentrieren.  Auch bei  mir schiebt sich das baldige Spiel der Spiele immer wieder vor die Gegenwart. Selbst ich als Zuschauer brauchte unabhängig von der Leistung der Mannschaft einige Zeit im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, um mich wirklich über die Leistung der Manschaft während der ersten Halbzeit zu ärgern.

Nun sind wir allesamt hoffentlich wieder im Liga-Alltag angekommen, und ich kann ohne Gefahr von den den Gesprächen vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf erzählen. Denn auch in diesen Gesprächen war der Pokalwettbewerb immer wieder ein Thema. Zweimal habe ich dann um eine kurze Pause gebeten und das Aufnahmegerät rausgeholt. So bekam ich Lesestoff für das Fan-Gedächtnis des MSV Duisburg. Dort steht nun eine kurze Erinnerung an das Halbfinale 1974/75 gegen Borussia Dortmund neben der etwas längeren Erinnerung an den Tag des Finales 1998 im Vergleich zu dem von 1974. Doch nicht nur Pokalwettbewerbe prägen die Erinnerungen von MSV-Fans. Manchmal werden Fußballgötter zum Leidwesen von jungen Fans sehr menschlich, als das Reinlichkeitsverhalten Anfang der 70er Jahre von ganz nahem betrachtet werden konnte.

Die wichtige Nachricht ist nicht die vom Sieg gegen Fortuna Düsseldorf

Was ist der Unterschied zwischen dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf und den letzten vier Spielen gegen den 1. FC Union Berlin, gegen Rot-Weiß Oberhausen, gegen Arminia Bielefeld und gegen den Karlsruher SC? Der Unterschied zu torlosen Unentschieden und Niederlagen ist nicht der Sieg mit 1:0. Der entscheidende Unterschied ist, dass ich gestern Abend selbst bei einem Unentschieden oder einer Niederlage zufrieden nach Hause gegangen wäre. Denn der MSV Duisburg hat versucht, das Spiel variabel zu gestalten. Erfolgreich war die Mannschaft in der ersten Halbzeit damit nicht. Die Ansätze des Offensivspiels vom MSV wurden von Fortuna Düsseldorf meist im Keim erstickt. Doch in der zweiten Halbzeit platzte der Knoten. Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang nun der Wechsel zwischen schnellem Kombinationsspiel, den Angriffen im eins gegen eins über die Flügel oder auch den längeren und hohen Bällen, die aber nicht nur Stefan Maierhofer zum Ziel hatten.

Im Spielbericht vom Kicker stimmt ein Satz über die erste Halbzeit nicht, und es ist ein sehr entscheidender Satz: „Die Hausherren probierten es meist mit langen Bällen auf Maierhofer, kamen dabei aber kaum zu Torraumszenen.“ Sie probierten es in der ersten Halbzeit eben nicht nur mit diesen langen Bällen. Die Versuche der Mannschaft auf andere Weise nach vorne zu spielen waren nur nicht erfolgreich. Es gab aber die anderen Angriffsversuche dennoch, und es ist bei allem anfänglichen Misslingen lobend hervorzuheben, dass es sie gab. Die Spieler vom MSV Duisburg waren vorsichtig. Sie wollten kontrolliert spielen und keine Fehler begehen. Sie versuchten ein Flachpassspiel im Mittelfeld aufzuziehen. Das gute Defensivverhalten der Düsseldorfer ließ dazu aber nur wenig Raum. Dennoch war das Flachpassspiel fast immer die erste Wahl für den Angriffsversuch, und nur dazwischen erinnerte ein langer Ball manchmal an die letzten Spiele. Noch einmal: Diese langen Bälle wurden vom MSV Duisburg auch in der ersten Halbzeit keineswegs ununterbrochen geschlagen. Das ist die bedeutsame Nachricht vom gestrigen Abend.

Dieser Hinweis fehlt in den Spielberichten der Print-Kollegen, ob im RevierSport, bei der Der Westen oder eben im Kicker. Dort wird bei der grundsätzlichen Wertung das Augenmerk nur auf das Ergebnis gelegt und darüber lässt sich wenig streiten.  Fortuna Düsseldorf wirkte in der ersten Halbzeit überlegen. Wichtig ist aber der Hinweis auf die Konsequenz, mit der der MSV Duisburg seine Angriffe auf spielerische Weise versuchte. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil er auf die wiedergewonnene psychische Stabilität der Mannschaft deutet. Diese Mannschaft hat in der ersten Halbzeit bei aller Vorsicht sehr viele Fehler gemacht. Zögerlichkeit war immer wieder zu merken und bei einigen Spielern drohte Frustration. Anspannung und Konzentration zerfielen oft den einen Spielmoment zu früh. In der Defensive sorgte das für Gefahr, wenn gegnerische Spieler einen Meter zu wenig begleitet wurden. Daniel Reiche und Goran Sukalo etwa luden da gemeinsam und einvernehmlich kurz vor der Pause Fortunas Stürmer zum Schuss ein. Oder Branimir Bajic passte zu Beginn des Spiels den Ball freundlich zum Gegner, Olivier Veigneau nahm dazu den Umweg über das Seitenaus. Auch in der Offensive wirkte es oft so, als würde zu früh abgeschaltet. Düsseldorfs Spieler waren nicht fehlerlos, doch wenn Duisburger Spieler den Blick vom Ball schon im ersten Moment nach der scheinbar misslungenen MSV-Spielaktion abwenden, haben diese Fehler niemals Folgen.

Die erste Halbzeit gehörte also Fortuna Düsseldorf, die zweite Halbzeit aber dem MSV Duisburg. Wobei die Überlegenheit des MSV meiner Meinung nach in der zweiten Halbzeit größer war als die der Fortuna in der ersten. In dieser ersten Halbzeit spielte Fortuna Düsseldorf zunächst das bessere Pressing, stand sicherer in der Abwehr, kombinierte erfolgreicher und erarbeitete sich dadurch die größeren Chancen. Sie brauchten allerdings zu wirklichen Chancen die starke Unterstützung der MSV-Defensive.

In der zweiten Halbzeit war es genau umgekehrt, obgleich die Spielanlage des MSV Duisburg keine andere wurde. Ein wenig wirkte es so, als wäre Fortuna Düsseldorf nach der Halbzeitpause von der Entschlossenheit des MSV Duisburg überrumpelt worden. Die Fortunen schienen nicht darauf eingerichtet zu sein, sehr viel aggressiver als in der ersten Halbzeit attackiert zu werden. Als zudem die Kombinationen des MSV Duisburg sogleich nach dem Wiederanpfiff gelangen, stellte sich die lang vermisste Sicherheit der Mannschaft wieder ein. Abschläge des Düsseldorfer Torhüters Michael Ratajczak wurden abgefangen und sofort zurück Richtung Düsseldorfer Strafraum gespielt. Der Spielaufbau des MSV Duisburg wurde schneller und schneller, die kurzen Pässe kamen an und wenn ein Ball denoch verloren wurde, ward er augenblicklich wieder zurück erobert.

Auch das Tor durch Stefan Maierhofer wirkte erneut wie ein Sinnbild für die Spielweise des MSV Duisburg, die endlich wieder an die Mannschaft der Hinrunde erinnerte. Ja, da kam ein Ball aus dem Mittelfeld mit einem halbhohen Pass geschlagen, doch zuvor hatte es schnelle Kombinationen über die Flügel gegeben. Und nun wurde der Ball hoch ins Zentrum, zehn, fünfzehn Meter vor den  Strafraum gespielt. Doch er wurde auf einen sich bewegenden Spieler geschlagen und nicht auf einen stehenden, zudem war es Sefa Yilmaz und nicht Stefan Maierhofer, der per Kopfball in den Lauf von eben diesem Stefan Maierhofer weiterleitete. Dieser ganze Spielzug entwickelte Gefahr, weil die Spieler in Bewegung waren und nicht aus dem Stand heraus, den Ball erobern mussten. Schon zuvor hatte Stefan Maierhofer angedeutet, dass er sich an dem Tag seiner Schussqualität sicher. Er suchte den Abschluss aus der Distanz, und in dem Fall traf er den Ball perfekt, so dass er nicht nur mit sehr viel Wucht aufs Tor flog, sondern zudem noch einmal im Strafraum aufsetzte.

Wenn die Mannschaft im Finale des DFB-Pokals eine Chance gegen den FC Schalke 04 haben will, muss sie sich, egal mit welcher Taktik sie dieses Finale bestreitet, ihrer variablen Spielweise wieder sicher werden. Diese Mannschaft muss fühlen und erleben, dass jeder der Spieler gegen alle Widrigkeiten gut genug ist, um spielerisch zu bestehen und Fehler im eigenen Spiel hinnehmen zu können. Diese Fehler werden passieren. Sie dürfen aber nicht zu Ärger oder Frustration führen, wie es vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf manchmal der Fall gewesen zu sein schien. Am Anfang des Spiels war auch deutlich zu sehen, Daniel Reiche braucht Spielpraxis – mit Blick auf das Finale sogar dann, wenn es gegenüber Bruno Soares ungerecht wäre.  Daniel Reiche muss sich an die Intensität des Wettkampfs erst wieder gewöhnen. So konkurrenzbetont ein Vereinstraining auch sein mag, das Spiel gegen den Gegner ist  immer noch etwas intensiver.

Zu einem kleinen Vorbericht bin ich gestern nicht mehr gekommen, deshalb sei hier auch noch eine Einschätzung zum Verhältnis von Fortuna Düsseldorf zum MSV Duisburg aus dem Blog Fortuna Düsseldorf nachgereicht – ein Text, in dem auch einige Sympathie für die Duisburger Finalteilnahme anklingt.

Zum Glück ist Wacker nicht der Spielverein – Teil 1

Hans F. (* 1939)

Es muss 1954 gewesen sein, als ich das erste Mal beim MSV war. Da spielten die noch auf der Westender Straße. Da war noch das alte Stadion. Der MSV spielte in der Oberliga. Das war ja die höchste Liga, und da habe ich erstmal richtig Fußball gesehen … wie Fußball gespielt wurde. Da kamen ja auch die ganzen Vereine wie Rot-Weiß Essen, Westfalia Herne und alles und vor allen Dingen waren zu der Zeit schon diese vielen Zuschauer bei den Spielen. Ich glaube, in das Stadion gingen ja 20.000 Zuschauer rein. Das war schon enorm für mich. So was hatte ich ja noch nie gesehen. Ich kam ja … wie sagt man …sagen wir mal, von so einem Klüngelsverein. Da waren ja höchstens an die fünfzig, sechzig Zuschauer immer. Das war noch in Schleswig-Holstein, so ein Dorfverein.

Nach Duisburg waren wir ja gekommen, weil mein Bruder hier auf der Zeche Arbeit bekommen hatte. Die vom Bergbau sind damals durch die Gegend gefahren und haben Reklame gemacht. Die waren damals überall, in den Städten und so und auch in Schleswig-Holstein, und aufgrund dessen hat mein Bruder sich gemeldet. Und weil mein Bruder jetzt hier unten war, konnten wir auch umsiedeln. Wir waren ja sowieso noch drei Kinder, die noch Arbeit suchten und aufgrund dessen sind wir dann hier runter gezogen – in den Kohlenpott.

Ich komme ja eigentlich aus Schlesien und nach Schleswig-Holstein sind wir nach dem Krieg gekommen. Wir mussten ja unsere Heimat verlassen. Da kam an einem Tag die SS, und da hieß es, sofort hier weg, nur das Nötigste mitnehmen, in sechs Wochen seid ihr wieder zu Hause. Aber drei Monate später waren wir in Schleswig-Holstein. Da sind wir dann für neun Jahre gelandet. Als kleines Kind hatte ich in der Nähe von der Schneekoppe gelebt. Nachdem wir da weg mussten, haben die uns in den ersten zwei Tagen auf diesen großen Lkws durch die Gegend gefahren und dann war auf einmal Schluss. Da waren die Russen vor uns. Die ganzen Soldaten haben reißaus genommen, und dann ging´s zu Fuß weiter – bis zu so einem Aufnahmelager. Da wurden wir dann entlaust, und von da aus wurden wir verteilt. Wir mussten nach Schleswig-Holstein. Da habe ich mit meiner Mutter und meinen drei Brüdern neun Jahre auf einem Bauernhof gelebt, und da bin auch zur Schule gegangen.

Und dann erst kam Meiderich wegen meinem Bruder. In Meiderich musste ich noch ein Jahr zur Schule gehen, weil ich in Schleswig zu spät eingeschult wurde. Als wir in Meiderich ankamen, wollte ich auch sofort den Meidericher Spielverein sehen. Weil ich vorher immer schon die Zeitung gelesen hatte mit den ganzen Tabellen vom Fußball, deshalb kannte ich den Meidericher Spielverein. Da bin ich dann los und hab einen auf der Straße gefragt, wo spielt der Meidericher Spielverein? Ja, und da hat der mich nach Meiderich-Berg geschickt. Zu Wacker Meiderich! Ich weiß noch, da bin ich von Mittelmeiderich aus durch den Tunnel durch. Der hatte gesagt, wenn du da durchkommst, direkt links, hinter dem Berg, da ist der Platz. Ooh, was war ich erschrocken. Da hatten wir ja da oben in dem Dorf einen besseren Sportplatz. Das Spiel habe ich mir angeguckt. Und auch das Spiel, das war genauso wie da oben auf dem Dorf. Ich bin wieder nach Hause, und auf dem Weg nach Hause da traf ich einen Schulkollegen, und den habe ich gefragt: „Hör mal, das ist doch nicht der Meidericher Spielverein?“ „Ne!“, hat der gesagt, „Wart mal Sonntag, dann gehen wir beide auf den Platz.“ Ja, und dann hat er mich dann zur Westender Straße mitgenommen.

Bei dem ersten Mal haben wir dann Eintritt bezahlt, aber später sind wir auch viel über den Zaun geklettert. Auf einer Seite waren ja nur Gärten, und da sind wir dann rüber gekrochen und haben uns da reingemogelt. Und ich hatte nachher das große Glück, dass bei mir in der Klasse der Peter Danzberg war und der spielte ja in der A-Jugend beim MSV. Wir waren gut befreundet, und der hat mich immer mitgenommen. Da bin ich auch zu den Spielen mit, wo die gespielt haben, sagen wir mal nach Hamborn. Da bin ich dann überall mitgefahren – immer mit der Straßenbahn.

So bin ich beim MSV geblieben. Da wollte ich auch mal zur Leichtathletik rein. Aber da war so ein blöder Trainer. Der hat Sprüche losgelassen … das fand ich nicht in Ordnung. Wenn du neu bist, und wenn sich dann einer so ausdrückt … ich will die Wörter gar nicht wiederholen, die der alle zu mir gesagt hat. Da habe ich gesagt, der kann mich mal. Tschüss, und weg war ich. Dann bin ich zu diesem Turnverein in Meiderich, wie hieß der noch, ich komm jetzt nicht auf den Namen, und von da bin ich zum Ruhrorter Turnverein. Aber zum Fußballgucken bin ich immer noch zum MSV gegangen. Da bin ich noch lange hingegangen. Dann habe ich anfangs auch noch Bundesligaspiele gesehen … danach aber irgendwann nicht mehr … nicht im Stadion.

Aufgezeichnet von Kees Jaratz
Und ab ins Fan-Gedächtnis …


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