Leser fragen – Kees Jaratz antwortet: Maurice Exslager und der Fangesang „Hooligan“

Die Menschen können ja so neugierig sein. Was die alles wissen wollen. Wenn ich das mitbekomme, wird oft mein von Utopien geprägtes Aufklärerherz gekitzelt, manchmal berührt das aber auch einfach die Pfadpfinderhilfsbereitschaft in mir. Wer Google um Antworten auf drängende Fragen bittet und hier landet, soll doch nicht vergeblich gekommen sein. Wenn ich helfen kann, mache ich das. Wer seine Fragen lieber genauer stellen möchte, als es die Google-Gepflogenheiten erlauben, kann natürlich auch direkt Kontakt mit mir aufnehmen.

Verschiedene anonyme Google-Nutzer (Alter unbekannt): Warum Exslager Hooligan?

Kees Jaratz: Liebe anonyme Google-Nutzer, sie alle haben mitbekommen, wie MSV-Fans den Nachwuchsstürmer des MSV Duisburg Maurice Exslager seit einiger Zeit mit einem sehr speziellen Ruf begrüßen. Manchmal scheint es dabei so, als erfreuten sie sich an ihrem eigenen Rufen mindestens genauso viel wie an Maurice Exslager selbst. „Exslag-er! Hoo-li-gan…Exslag-er! Hoo-li-gan…“, ist dann für kurze Zeit zu hören. Was hat es damit auf sich? So weit ich weiß, hat der zwanzigjährige Maurice Exslager weder eine bewegte Vergangenheit auf den Zuschauerrängen deutscher Fußballstadien verbracht, noch nahm er sich Schlägereien der Kollegen an unterschiedlichen Orten zum Vorbild. Im MSVPortal findet sich aber unter den Stimmen nach dem Auswärtsspiel gegen den TSV 1860 München ein Hinweis. Dort wird berichtet (auf der Seite nach unten scrollen), nach dem Spiel hätten sich Fans und der Tross des MSV Duisburg beim Rückflug das Flugzeug geteilt.  Es sollen „nette Lieder gesungen“ worden sein und ein Zitat von Seiten des MSV Duisburg auf Facebook wird hinterhergeschoben: „Mit im Flieger aus München zurück rund 80 Zebra-Anhänger. Besonders hat sich unser Team über eure „Exslager! Hooligan!“-Rufe in 10.000 Meter Höhe freut (sic!)“. Maurice Exslager war in den Blickpunkt der Fans gerückt, weil nach seiner Einwechslung das Offensivspiel des MSV Duisburg druckvoller wurde und ihm zudem jene Hereingabe in den Strafraum gelang, die Manuel Schäffler zum Ausgleich verwandeln konnte. Wer diesen Ruf „Exslager! Hooligan!“ hört, wird in der Art des Rufens die Differenz zum eigentlichen Wortgebrauch von Hooligan wahrnehmen. Ernst ist das nicht gemeint. Da wird der bekannte Versuch gemacht, eine im allgemeinen Sprachgebrauch negativ gemeinte Bezeichnung durch offensive Nutzung und Bedeutungsverschiebung ins Positive zu wenden. Wer Hooligan zusammen mit Exslager ruft, nimmt Bezug auf die Bereitschaft zu Kampf und Angriff, auf die Durchsetzungskraft und auf die körperliche Präsenz – all das aber in einem dann nicht mehr gewaltvollen Zusammenhang. Vielleicht ist der Nachname kalauernder Anstoß gewesen für den  Ruf. Schließlich kann „Exslager“ mit gutem Willen auch als ehemalige Eigenschaftsbeschreibung durchgehen. Wer Genaueres weiß, soll sich melden. Ich selbst rufe da übrigens trotz aller ironischen Distanzierungsversuche nicht mit, dazu ist mir tatsächliches Hooligan-Verhalten rund um den Fußball in zu lebendiger Erinnerung.

Nachtrag: Weil nicht immer auch jeder Kommentare liest, nehme ich den vorhin eingegangenen Kommentar von Block 10 schnell dazu und bekenne mich zu einem grundsätzlichen Irrtum:

Lieber Herr Jaratz, auch noch mal für sie: Es heisst nicht „Exslager Hooligan“, dies wurde von den Erfindern NIEMALS so gesungen, glauben sie mir, ich bin während der Spiele in unmittelbarer Nähe dieser Leute und kenne sie persönlich. Vielmehr heisst es „Exslager HooliganS“, was impliziert, dass sich dort eine Gruppe zusammengefunden hat, die Maurice bedingungslos unterstützt. Selbstverständlich ist auch hier das Wort „Hooligans“ nicht wörtlich zu nehmen, jedoch ist die Intention, die hinter diesem Ruf steht, eine grundsätzlich andere, als die, die der gleiche Ruf mit weggelassenem „s“ zu vermitteln scheint.

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4 Responses to “Leser fragen – Kees Jaratz antwortet: Maurice Exslager und der Fangesang „Hooligan“”


  1. 1 Block 10 15. März 2011 um 10:17

    Lieber Herr Jaratz, auch noch mal für sie:
    Es heisst nicht „Exslager Hooligan“, dies wurde von den Erfindern NIEMALS so gesungen, glauben sie mir, ich bin während der Spiele in unmittelbarer Nähe dieser Leute und kenne sie persönlich. Vielmehr heisst es „Exslager HooliganS“, was impliziert, dass sich dort eine Gruppe zusammengefunden hat, die Maurice bedingungslos unterstützt. Selbstverständlich ist auch hier das Wort „Hooligans“ nicht wörtlich zu nehmen, jedoch ist die Intantion, die hinter diesem Ruf steht, eine grundsätzlich andere, als die, die der gleiche Ruf mit weggelassenem „s“ zu vermitteln scheint.

    Blau weisse Grüße

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    • 2 Kees Jaratz 15. März 2011 um 10:36

      Da danke ich aber für die Aufklärung im Namen all derer, die hier seit München fast jeden zweiten Tag stranden. Betrachten wir also all die Worte oben als zeitvertreibendes Glasperlenspiel. 😉

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  1. 1 Ein verdammt gelungener Cliffhanger « Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 7. Mai 2012 um 09:32

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