Die wichtige Nachricht ist nicht die vom Sieg gegen Fortuna Düsseldorf

Was ist der Unterschied zwischen dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf und den letzten vier Spielen gegen den 1. FC Union Berlin, gegen Rot-Weiß Oberhausen, gegen Arminia Bielefeld und gegen den Karlsruher SC? Der Unterschied zu torlosen Unentschieden und Niederlagen ist nicht der Sieg mit 1:0. Der entscheidende Unterschied ist, dass ich gestern Abend selbst bei einem Unentschieden oder einer Niederlage zufrieden nach Hause gegangen wäre. Denn der MSV Duisburg hat versucht, das Spiel variabel zu gestalten. Erfolgreich war die Mannschaft in der ersten Halbzeit damit nicht. Die Ansätze des Offensivspiels vom MSV wurden von Fortuna Düsseldorf meist im Keim erstickt. Doch in der zweiten Halbzeit platzte der Knoten. Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang nun der Wechsel zwischen schnellem Kombinationsspiel, den Angriffen im eins gegen eins über die Flügel oder auch den längeren und hohen Bällen, die aber nicht nur Stefan Maierhofer zum Ziel hatten.

Im Spielbericht vom Kicker stimmt ein Satz über die erste Halbzeit nicht, und es ist ein sehr entscheidender Satz: „Die Hausherren probierten es meist mit langen Bällen auf Maierhofer, kamen dabei aber kaum zu Torraumszenen.“ Sie probierten es in der ersten Halbzeit eben nicht nur mit diesen langen Bällen. Die Versuche der Mannschaft auf andere Weise nach vorne zu spielen waren nur nicht erfolgreich. Es gab aber die anderen Angriffsversuche dennoch, und es ist bei allem anfänglichen Misslingen lobend hervorzuheben, dass es sie gab. Die Spieler vom MSV Duisburg waren vorsichtig. Sie wollten kontrolliert spielen und keine Fehler begehen. Sie versuchten ein Flachpassspiel im Mittelfeld aufzuziehen. Das gute Defensivverhalten der Düsseldorfer ließ dazu aber nur wenig Raum. Dennoch war das Flachpassspiel fast immer die erste Wahl für den Angriffsversuch, und nur dazwischen erinnerte ein langer Ball manchmal an die letzten Spiele. Noch einmal: Diese langen Bälle wurden vom MSV Duisburg auch in der ersten Halbzeit keineswegs ununterbrochen geschlagen. Das ist die bedeutsame Nachricht vom gestrigen Abend.

Dieser Hinweis fehlt in den Spielberichten der Print-Kollegen, ob im RevierSport, bei der Der Westen oder eben im Kicker. Dort wird bei der grundsätzlichen Wertung das Augenmerk nur auf das Ergebnis gelegt und darüber lässt sich wenig streiten.  Fortuna Düsseldorf wirkte in der ersten Halbzeit überlegen. Wichtig ist aber der Hinweis auf die Konsequenz, mit der der MSV Duisburg seine Angriffe auf spielerische Weise versuchte. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil er auf die wiedergewonnene psychische Stabilität der Mannschaft deutet. Diese Mannschaft hat in der ersten Halbzeit bei aller Vorsicht sehr viele Fehler gemacht. Zögerlichkeit war immer wieder zu merken und bei einigen Spielern drohte Frustration. Anspannung und Konzentration zerfielen oft den einen Spielmoment zu früh. In der Defensive sorgte das für Gefahr, wenn gegnerische Spieler einen Meter zu wenig begleitet wurden. Daniel Reiche und Goran Sukalo etwa luden da gemeinsam und einvernehmlich kurz vor der Pause Fortunas Stürmer zum Schuss ein. Oder Branimir Bajic passte zu Beginn des Spiels den Ball freundlich zum Gegner, Olivier Veigneau nahm dazu den Umweg über das Seitenaus. Auch in der Offensive wirkte es oft so, als würde zu früh abgeschaltet. Düsseldorfs Spieler waren nicht fehlerlos, doch wenn Duisburger Spieler den Blick vom Ball schon im ersten Moment nach der scheinbar misslungenen MSV-Spielaktion abwenden, haben diese Fehler niemals Folgen.

Die erste Halbzeit gehörte also Fortuna Düsseldorf, die zweite Halbzeit aber dem MSV Duisburg. Wobei die Überlegenheit des MSV meiner Meinung nach in der zweiten Halbzeit größer war als die der Fortuna in der ersten. In dieser ersten Halbzeit spielte Fortuna Düsseldorf zunächst das bessere Pressing, stand sicherer in der Abwehr, kombinierte erfolgreicher und erarbeitete sich dadurch die größeren Chancen. Sie brauchten allerdings zu wirklichen Chancen die starke Unterstützung der MSV-Defensive.

In der zweiten Halbzeit war es genau umgekehrt, obgleich die Spielanlage des MSV Duisburg keine andere wurde. Ein wenig wirkte es so, als wäre Fortuna Düsseldorf nach der Halbzeitpause von der Entschlossenheit des MSV Duisburg überrumpelt worden. Die Fortunen schienen nicht darauf eingerichtet zu sein, sehr viel aggressiver als in der ersten Halbzeit attackiert zu werden. Als zudem die Kombinationen des MSV Duisburg sogleich nach dem Wiederanpfiff gelangen, stellte sich die lang vermisste Sicherheit der Mannschaft wieder ein. Abschläge des Düsseldorfer Torhüters Michael Ratajczak wurden abgefangen und sofort zurück Richtung Düsseldorfer Strafraum gespielt. Der Spielaufbau des MSV Duisburg wurde schneller und schneller, die kurzen Pässe kamen an und wenn ein Ball denoch verloren wurde, ward er augenblicklich wieder zurück erobert.

Auch das Tor durch Stefan Maierhofer wirkte erneut wie ein Sinnbild für die Spielweise des MSV Duisburg, die endlich wieder an die Mannschaft der Hinrunde erinnerte. Ja, da kam ein Ball aus dem Mittelfeld mit einem halbhohen Pass geschlagen, doch zuvor hatte es schnelle Kombinationen über die Flügel gegeben. Und nun wurde der Ball hoch ins Zentrum, zehn, fünfzehn Meter vor den  Strafraum gespielt. Doch er wurde auf einen sich bewegenden Spieler geschlagen und nicht auf einen stehenden, zudem war es Sefa Yilmaz und nicht Stefan Maierhofer, der per Kopfball in den Lauf von eben diesem Stefan Maierhofer weiterleitete. Dieser ganze Spielzug entwickelte Gefahr, weil die Spieler in Bewegung waren und nicht aus dem Stand heraus, den Ball erobern mussten. Schon zuvor hatte Stefan Maierhofer angedeutet, dass er sich an dem Tag seiner Schussqualität sicher. Er suchte den Abschluss aus der Distanz, und in dem Fall traf er den Ball perfekt, so dass er nicht nur mit sehr viel Wucht aufs Tor flog, sondern zudem noch einmal im Strafraum aufsetzte.

Wenn die Mannschaft im Finale des DFB-Pokals eine Chance gegen den FC Schalke 04 haben will, muss sie sich, egal mit welcher Taktik sie dieses Finale bestreitet, ihrer variablen Spielweise wieder sicher werden. Diese Mannschaft muss fühlen und erleben, dass jeder der Spieler gegen alle Widrigkeiten gut genug ist, um spielerisch zu bestehen und Fehler im eigenen Spiel hinnehmen zu können. Diese Fehler werden passieren. Sie dürfen aber nicht zu Ärger oder Frustration führen, wie es vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf manchmal der Fall gewesen zu sein schien. Am Anfang des Spiels war auch deutlich zu sehen, Daniel Reiche braucht Spielpraxis – mit Blick auf das Finale sogar dann, wenn es gegenüber Bruno Soares ungerecht wäre.  Daniel Reiche muss sich an die Intensität des Wettkampfs erst wieder gewöhnen. So konkurrenzbetont ein Vereinstraining auch sein mag, das Spiel gegen den Gegner ist  immer noch etwas intensiver.

Zu einem kleinen Vorbericht bin ich gestern nicht mehr gekommen, deshalb sei hier auch noch eine Einschätzung zum Verhältnis von Fortuna Düsseldorf zum MSV Duisburg aus dem Blog Fortuna Düsseldorf nachgereicht – ein Text, in dem auch einige Sympathie für die Duisburger Finalteilnahme anklingt.

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