Archiv für Mai 2011

Das besondere Sportfoto: Peter Langenhahn

Ein paar von euch kennen als Eltern wahrscheinlich Bilderbücher, in denen Vorschulkindern das Funktionieren unseres Alltags gezeigt werden soll. Die Bilderbuchillustratoren müssen in solchen Büchern immer das Problem lösen, mit einem ereignishaften Moment dieses Alltags möglichst viele Handlungen eines Geschehens auf einem einzigen Bild darzustellen. Deshalb wirken solche Bilder oft so, als seien unsere Städte zwar übervölkert, aber dennoch mit Vollbeschäftigung beglückt.

Mich erinnern die Sportfotos von Peter Langenhahn an solche Kinderbücher. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung wurde ich am Freitag auf den Fotografen aufmerksam. Für ein Foto fügt er etwa 300 digitale Bilder zusammen und schafft so eine faszinierende Gleichzeitigkeit von eigentlich nacheinander stattfindenden Ereignissen. Den Fußball hat er mit dem Relegationsspiel der vorletzten Saison 2009/2010 zwischen dem Zweitligisten FC Augsburg und dem Bundesligisten 1. FC Nürnberg vor die Kamera genommen. Das Foulspiel ist Grundmotiv dieses Fotos. Die Kopien der Fotos auf seiner eigenen Webseite sind noch etwas größer und lassen mehr Details erkennen, was unbedingt nötig ist, wenn er ein ganzes Sportgeschehen auf einem einzigen Foto anordnet. Am besten wäre es wahrscheinlich, sich die Fotos als Abzug ab August auf der Internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste in Dresden anzusehen.

 

 

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Bruno Hübner kümmert sich um die Arbeitsbedingungen

Wer so plötzlich den Arbeitgeber wechselt wie Bruno Hübner, kann am neuen Arbeitsplatz nicht lange Ausschau halten, was alles zu tun ist. Da geht es gleich in die Vollen: Interview hier und Stellungnahme dort. Die gute Stimmung muss geschaffen werden. Denn Bruno Hübner gilt in Teilen des Umfelds von Eintracht Frankfurt angesichts der im Vorfeld gemutmaßten möglichen Besetzungen des Sportdirektors wohl als eine schwächere Lösung.

Für die gute Stimmung braucht es große Worte. Wir sind noch immer empfindlich in Duisburg. Deshalb versetzt seine „Herzensangelegenheit“ Eintracht uns noch einen kleinen Stich, auch wenn das nur auf der Internet-Seite von Eintracht Frankfurt steht. Wo, wenn nicht dort, ist der Raum für solche bekannten und ewig gleichen Sätze. Ich liebe dich, das will ein Mensch auch in der fünften Ehe noch hören.

Die gute Stimmung im Umfeld lässt sich auch durch Interviews verbessern, gerade wenn sich in diesem Interview klare Gedanken zu Eigenheiten und Qualitäten des Fußballs in der 2. Liga finden. Für uns fallen bei Bruno Hübners Interview mit der Frankfurter Rundschau aber auch noch ein paar Seitenblicke auf seine Arbeit beim MSV Duisburg ab. Wir müssen natürlich ein paar Abstriche bei seinen Aussagen vornehmen. Jeder Arbeitnehmer schönt an einem neuen Arbeitsplatz die Vergangenheit ein wenig. Jüngste Erfolge erhellen dann auch die durchwachsene Zeit der Anfänge mit. Bruno Hübner etwa kann sich heute kein Kompetenzgerangel mehr mit Heribert Bruchhagen vorstellen, schließlich habe er sich auch „gegen Walter Hellmich in Duisburg durchsetzen“ müssen, und Walter Hellmich sei „einer, der meint, alles besser zu wissen.“ Das ist uns aufmerksamen Beobachtern des MSV Duisburg wahrlich nicht verborgen geblieben. Bruno Hübner wird für sein Vorstellungsgespräch per Interview deshalb weder an die Personalie Markus Brzenska gedacht haben noch an die im Verantwortungsdreieck mit Walter Hellmich und Peter Neururer entschiedenen Spielerverpflichtungen, die mit dem damals öffentlich verbreiteten Konzept für den MSV Duisburg so gar nicht zusammenpassten. Man behält eben vor allem die schönen Momente der Vergangenheit in Erinnerung.

Echt und überraschend als Gebot der Stunde für die Unterhaltungsbranche

Vor dem Pokalfinale ist dieses kurze Feuilletonstück von Jens-Christian Rabe aus der Süddeutschen Zeitung auf dem Schreibtisch liegengeblieben. Anlässlich des Eurovision Song Contest hatte er sich ein paar Gedanken zum Erfolg im Unterhaltungsbetrieb der Gegenwart gemacht. Solche Feuilletonstückchen sollen nicht so sehr das intensive Drübernachdenken bezwecken.  Sie können aber das Denken anstoßen, und erst die Unschärfen der benutzten Begriffe lassen die Gedanken tanzen.

Jens-Christian Rabe sieht Lenas Naivität als Bedingung ihres Erfolges. Lena nehme im Gegensatz zu den Entertainern der Vergangenheit keine Rolle auf der Bühne an, und es sei das große Kunststück ihres Auftritts im zweiten Jahr sich noch einmal auf der Bühne selbst überraschen zu können. Das Publikum der Gegenwart suche in seinem Bedürfnis sich zu unterhalten nämlich vor allem dieseen Moment der authentischen Überraschung. Wo findet das Unterhaltungspublikum diesen Moment aber besonders? Im Fußball:

Als das Unterhaltungsspektakel, auf das sich alle einigen können, hat sich dagegen inzwischen fast auf der ganzen Welt der Fußball etabliert. Aus gutem Grund. Nirgends gibt es einen besseren, also erfahrungsgemäß zuverlässigeren Rahmen dafür, dass sich die Protagonisten selbst überraschen können: Ein riesiges Spielfeld ist taghell erleuchtet, in eindrucksvollen Stadien sitzen hunderttausend gespannte Menschen drumherum, aber die Spielregeln sind so konzipiert, dass sogar Lionel Messi, der derzeit mit Abstand beste Spieler Welt, es so schwer hat, seine Brillanz zu beweisen, dass sein haltloser Jubel nach einem großen Tor oder Sieg unzweifelhaft echt ist.

Denkt also weiter, wie Überraschung, Echtheit und Publikumserfolg zusammenhängen; ob Fußball irgendwann der Popmusik die Marktanteile in der Unterhaltungsindustrie völlig abnehmen kann und ob Überraschungen im Fußball nicht manchmal auch jegliche Zufriedenheit verhindern. Jens-Christian Rabe hat jedenfalls einen perspektivisch sehr konzentrierten Blick auf die Überraschung im Fußball. Als ob wir nur des besonders ausdruckstarken Torjubels der Spieler wegen im Stadion sind. Und wie sich die Echtheit zum inszenierten Torjubel verhält, muss ich auch noch überlegen. Ich werde mich zur Unterhaltung von mir selbst überraschen lassen.

Dann müssen wir also mal ganz schnell b-planen

Wie oft gibt uns der Fußball die Gelegenheit zu großen Gefühlen. Wie schnell wechseln sie sich für uns Zuschauer ab. Wem es wann immer auch gelingt, dieses gesamte Spektrum der Gefühle von grenzenloser Begeisterung zu abgrundtiefer Enttäuschung stets fließend ausklingen zu lassen, ist ein begnadenswerter Mensch. Erlebt er doch in einem Spielfeld seines Lebens zutiefst wahre Gefühle, ohne im eigentlichen Leben dauerhaft Schaden zu nehmen. Gestern aber fürchtete ich beim Lesen der Pressemeldung vom MSV Duisburg, dass da bei mir in der nächsten Zeit erst einmal nichts ausklingen würde. Dabei ging es nicht einmal um ein Spiel. Mein Gefühl der Enttäuschung blieb so ernst, dass ich im ersten Augenblick nichts anderes hier habe reinstellen wollen als den Clip mit der jüngsten Hymne der Enttäuschten. Es ist nicht die Hymne meiner Generation, aber schon vor fünf Jahren konnte ich mich bei jüngeren Freunden in ihr wiedererkennen. Und gestern dachte ich in einem ersten trotzigen Aufwallen bei allem, was ich über Bruno Hübner und sein Verhältnis zum MSV Duisburg in den nächsten Wochen las, irgendsowas ähnliches wie Scheiß auf Freunde bleiben.

Natürlich verstehe ich sofort die Gründe, warum es Bruno Hübner zu Eintracht Frankfurt zieht. Die Nähe zur Heimat, die besseren finanziellen Möglichkeiten für die Arbeit, die lokale Marktführerschaft der Eintracht, was weiß ich, alles spricht für den zukünftigen Konkurrenten des MSV Duisburg in der 2. Liga. Ich glaube auch gerne, dass ihm der Entschluss schwer gefallen ist. Dennoch verschwindet nicht das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Ich weiß selbst, so ein Gefühl wirkt angesichts dieses Geschehens im Unterhaltungsbetrieb Fußball  etwas lächerlich. Ich kann nichts dagegen tun.

Wenn ich lese, dass in der Zeit vor dem Pokalfinale die Verhandlungen zwischen Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner geführt wurden, komme ich mir vor, als habe meine Freundin im Nebenzimmer mit nem Typen rumgemacht, während ich noch vom nächsten Sommerurlaub schwärme. Vielleicht ist das ungerecht, und normalerweise habe ich keine Schwierigkeiten damit, den Fußball als Wirtschaftszweig mit sehr eigenen Vertragsverhältnissen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern anzuerkennen. Doch wegen des Zeitpunkts und der Umstände der Kündigung von Bruno Hübner beim MSV Duisburg brauche ich noch etwas Zeit, meinen Sinn für Realismus wiederzufinden.

Nun muss sich der MSV Duisburg um einen Plan B kümmern, an den dort, laut Geschäftsführer Roland Kentsch, niemand gedacht hat. Mit unerwarteten Ereignissen rational umzugehen, das gehört zum Tagesgeschäft der MSV-Führung.  Dafür wird sie bezahlt. Einmal mehr vertraue ich auf die Kontakte von Roland Kentsch. Es wird sich ein Sportdirektor finden. Dieser Sportdirektor wird andere, aber hoffentlich genauso gute Kontakte wie Bruno Hübner haben. In der Enttäuschung von so vielen am MSV Duisburg Interessierten drückt sich auch gar nicht die Sorge aus, Bruno Hübner liesse sich nicht ersetzen. In dieser Enttäuschung zeigt sich das Wissen, für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg ist mehr nötig als das Abarbeiten von Aufgaben auf sportlicher Ebene.

Für den Erfolg eines Vereins wie dem MSV Duisburg braucht es einen Geist des Zusammenhalts, der von Menschen im Verein gelebt und nach außen getragen wird. Diese Menschen müssen in realistischer Weise voranweisende Gedanken in die Öffentlichkeit bringen. Bruno Hübner hat für mich diesen Realismus und den Plan für die Zukunft verkörpert. Diesen Wert für den Verein hat er ungeachtet seiner Spielerverpflichtungen bewiesen. Bislang haben sich weder Dieter Steffen noch David Karpathy in der Öffentlichkeit als Stimme des MSV Duisburg sonderlich stark positioniert. Der MSV Duisburg braucht aber eine Stimme, die dem Unternehmen MSV Duisburg ein Bild seiner selbst vermittelt.

Der Zusammenhalt scheint nun auch wieder gefährdet. Es wird spekuliert, welche weitere Geschichte hinter der Geschichte der Kündigung steht. Bruno Hübner selbst deutet Schwierigkeiten zwischen „Verein und Gmbh“ an. Die Kräfte im MSV Duisburg scheinen sich zunächst einmal wieder nicht zu bündeln. Wenigstens beruhigt mich an der Situation der schon fortgeschrittene Aufbau des Spielerkaders für die neue Saison. Für den Erfolg des MSV Duisburg ist das gegenseitige Vertrauen der sportlich Verantwortlichen aber genauso wichtig. Ich hoffe sehr, wenn Milan Sasic den zukünftige Sportdirektor kennenlernt, wird die Phase mit dem „Freunde bleiben“ schnell vergessen sein. Das kennen wir doch alle, wenn die Chemie stimmt, verblasst die Vergangenheit.  Dann können wir endgültig den Frankfurtern die Überlegung überlassen, ob sie nicht in Wahrheit Iggy Pop als Sportdirektor verpflichtet haben. Und ob der sich im deutschen Fußball gut auskennt?

Fußball gab es im DFB-Pokalfinale auch noch

War da noch was, weswegen wir als Zuschauer in Berlin beim DFB-Pokalfinale gewesen sind? Das Fußballspiel selbst erhält in der Berichterstattung nach dem Samstag nicht nur in Duisburg keine große Aufmerksamkeit. Es lässt sich eben keine originelle Geschichte über dieses Spiel erzählen. Nichts Unvorhersehbares im Spielgeschehen hat den FC Schalke 04 dabei behindert, die vorhandene spielerische Qualität zu entfalten. Diese Mannschaft kam ins Rollen, und diese Mannschaft wollte beweisen, all die schlechten Leistungen der letzten Wochen:  Das waren eigentlich gar nicht wir. Diese Mannschaft wollte sich von ihrem schlechten Wir befreien. Das ist ihr für diesen Tag gelungen.

Ich finde es normal, dass eine Mannschaft wie der FC Schalke 04 einen Zweitligisten wie den MSV Duisburg hoch schlagen kann. Daraus lässt sich kein besonderes Selbstbewusstsein ableiten. Auf der anderen Seite des MSV Duisburg muss das aber auch zu keiner besonders lang anhaltenden Enttäuschung führen. Bleibt mal alle auf dem Boden, in Gelsenkirchen und in Duisburg. Wer sich in Duisburg über die Leistung einzelner Spieler ärgert, hat die Voraussetzungen dieses Spiels völlig aus den Augen verloren. Schweigt stille, und denkt an alle Spieler beim MSV Duisburg, die verletzt gefehlt haben.  Und denkt zudem an den so immens großen Wertunterschied in Euros der beiden Spielerkader als Maßstab für den vom Markt angenommenen  Qualitätsunterschied, den der MSV Duisburg hätte schleifen müssen.

Doch dieser grundsätzliche Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften ließ sich am Samstag nicht aufheben. Er zeigte sich fast durchweg beim Tempo der Ballverarbeitung. Die Mannschaft des MSV Duisburg agierte am Samstag entweder langsamer oder beim Versuch schnell zu sein, unpräziser als der FC Schalke 04. Die Spieler des MSV Duisburg beherrschten den Ball erst nach zwei- oder dreimaliger Berührung, während auf Seiten der Schalker fast immer beim ersten Kontakt dieser Ball genau das machte, was der Spieler beabsichtigte. Auch deshalb kamen die Spieler des MSV Duisburg gar nicht erst in den Kampf hinein, der für die Verwirklichung der Pokalträume notwendig gewesen wäre. Der Ball war bis auf die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Tor der Schalker meist  schon woanders, sobald der verteidigende Spieler des MSV Duisburg irgendwo ankam. Bei Angriffen der Duisburger hatten die Schalker in der Defensive deshalb fast durchweg ausreichend Zeit, den Verbund der Abwehr zu organisieren.

Ich habe den Verdacht, es wäre besser gewesen, der FC Schalke 04 hätte vor dem DFB-Pokalfinale eine eindrucksvolle Siegesserie gezeigt. Dann hätte die Mannschaft des MSV Duisburg tatsächlich jene Chance gehabt, die wir doch alle mehr oder weniger insgeheim vor dem Finale gesehen sahen. Frei nach dem Motto, wir haben keine Chance und wollen sie nutzen, wäre die Mannschaft des MSV Duisburg wahrscheinlich sehr viel unbelasteter gewesen, als sie in Berlin aufgetreten ist. All das Reden vor dem Finale über den Druck des FC Schalke 04 gewinnen zu müssen, löste anscheinend eine nachteilige psychische Bewegung in Duisburg aus. Gefühle gehen manche komplizierte Wege, und deshalb schien nicht die Mannschaft des FC Schalke 04 nervös auf den Platz gehen sondern die des MSV Duisburg.

Vielleicht beeindruckte ein wenig auch die Kulisse, aber ich glaube, vor allem schien diese Mannschaft eine Chance auf den Sieg zu sehen und ängstigte sich, diese Chance zu verspielen. Die meisten Spieler der Zebras wirkten nicht so, als befänden sie sich nur im Augenblick des Spiels. In diesen Augenblicken schwang der Ausgang des Spiels  mit. Sie hatten Angst diese für sie wahrscheinlich nicht allzu oft vorkommende Chance ihrer Karriere auf einen großen Erfolg zu verspielen. Für mich zeigen das die Minuten nach dem zweiten Tor der Schalker. Dieses Tor war nicht das endgültige Aus für die Mannschaft des MSV Duisburg. Im Gegenteil. Von dem Moment an spielte der MSV Duisburg befreit auf. Von dem Moment an war die Last des großen Erfolges von den Schultern der Spieler gefallen. Jetzt erst ging es noch darum, den einzelnen Angriff gut vorzutragen und nicht darum, den so nahe scheinenden Pokal-Triumph möglich zu machen.  Erst jetzt ging es darum, den gegnerischen Angriff erst einmal zu stoppen und nicht darum, das Tor zu vermeiden, das den Traum zerstören wird.

In diesen Minuten des Spiels hatte sich die Mannschaft gefangen, spielte guten Fußball, und es mangelte, wie wir es alle wussten und es schon oft erlebt hatten, am Abschluss. Erst das dritte Tor kurz vor der Halbzeitpause entschied das Spiel endgültig. In der zweiten Halbzeit ging es dann nur noch darum, nicht unterzugehen. Wir haben am Samstagnacht auf der Sonntagstraße in Friedrichshain beim Bier den Tag ausklingen lassen. An den Kneipentischen auf der Straße wurde es etwas kühl. Doch das hielten wir aus. Denn das junge partyhungrige Friedrichshain machte uns zu Pokalsiegern der Herzen. „Kopf hoch“, hörten wir immer wieder. Und: „Ich hätte es euch so gegönnt“.  Ein Pärchen, in Zebra-Trikots, mittleres Alter, kam ebenfalls an uns vorbei. Ein kurzer Gruß, getragene Stimmung. Doch dann verlangsamte er den Schritt etwas und meinte: „Stellt euch bloß vor, wir hätten heute ’ne Klatsche bekommen.“ Wir grinsten. Samstagabende in Berlin können wunderbar sein.

Legendär werdend: Die zehn Minuten in Berlin

Bilder von der Fankurve des MSV Duisburg in den  letzten zehn Minuten vom DFB-Pokalfinale in Berlin werden schon seit dem Sonntag  gesucht. Die Erzählung von diesen letzten zehn Minuten hatte sich schnell verbreitet. Immer mehr Menschen schickt Google nun auf der Suche nach Bildern von diesen Momenten hierher. Diese Bilder gibt es. Zwei Clips möchte ich hier noch einstellen – dank Matze, der für seinen youtube-Kanal ZebraMoviez die Kamera hält.

Mit der Hymne fing es etwa in der 80. Minute an:

Von den folgenden Minuten hat Matze dann einen Clip zusammen gestellt.

Wer immer noch nicht genug hat: Von der Stimmung vorher und vom Anfang des Spiels gibt es noch einen Clip von ihm. Und morgen schaffe ich es dann, auch endlich was zum eigentlichen Anlass dieses Spektakels zu schreiben: dem Fußballspiel.

Das ist kein Trost! Dafür stehen wir „hier“ – und manchmal auch in Berlin

Bei der Wiederöffnung dieser Räume hier komme ich vor lauter Eindrücke Ordnen erstmal nicht zu vielen Sätzen. Ich bin noch zu nah dran an der Aufregung vor dem Spiel, an dem Zuspruch für den MSV, wo immer wir gingen oder saßen. Ich bin zu nah dran an dem Anblick dieser blau-weißen Kurve und dem knallenden EM-ES-VAU beim Zebratwist vor dem DFB-Pokalfinale. Vielleicht könnte ich sogar schon ein paar Sätze zum Spiel selbst schreiben, aber darum geht es dieses Mal eben nicht nur. Es geht um mehr als um dieses Fußballspiel. Es geht um all die Energie, die am Samstag mit und für den MSV Duisburg gelebt wurde. Es geht um Identität. Es geht um Werte. Es geht um Zusammengehörigkeit. Es geht um die letzten zehn Minuten des Spiels, die bei jedem noch so kurzen Erinnern bei mir zu Gänsehaut führt. „Wir sind Zebras, weiß blau„. So fing es an, und wenn da vielleicht auch ein Impuls des Trotzes dabei gewesen ist, dieses „nun erst recht“, es war etwas anderes. Dieser Fangesang war auch etwas anderes als Trost, den wir uns gegenseitig spendeten. Wer so singt, braucht keinen Trost. Das Anstimmen der der Hymne etwa zehn Minuten vor Spielende und das nicht enden wollende „Meidericher SV“ hieß einfach, wir fühlen uns mit uns selbst, der Mannschaft dort unten auf dem Feld und dem Verein MSV Duisburg richtig. Dieses Bewusstsein der Stärke kam aus uns selbst. Kein Gegner war notwendig, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. Es waren zehn Minuten, die von einer Utopie des Menschlichen berührt waren. Noch etwas anderes war in diesem Gesang zu spüren, handfester, alltagsnäher und genauso wahr: Das Spiel endete mit einer Niederlage, aber Niederlagen sind Momente, unser Leben mit diesem MSV Duisburg dauert an.

In diesen zehn Minuten bündelten sich noch einmal die zurück liegenden Tage all dieser Menschen in der Kurve. In dem Singen klang mit der nächtliche Zebratwist im Beach in the Box zwischen Disco-Fox und Clubdance-Sound. Da steckte der ausgelassene Tanz selbst drin, die zufällige Begegnung mit Bekannten, die schon Jahre nicht mehr gesehen waren. Darin lebte die ausgelassene Stimmung bei der Anreise in Gruppen per Zug oder Auto wieder auf. Dieser Gesang erinnerte an die Zebraherde unter und vor dem Brandenburger Tor, die nun auf Erinnerungsfotos  von Touristen in alle Welt mitgenommen wird.

Nach und nach werden bei youtube wahrscheinlich die Bilder dieses Wochenendes auftauchen. Ich werde das im Blick halten. Nach und nach werden aber auch mir weitere Sätze zu den Tagen in Berlin einfallen. Ich werde sie hier veröffentlichen. Doch jetzt erst einmal sagen dank der der Unterstützung von youtube und der emsigen Filmer hier Bild und Ton mehr als geschriebene Worte.


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