Selbstvertrauen durch guten Sommerfußball

Besser kann die Vorbereitungszeit auf ein wichtiges Spiel einer Saison nicht verlaufen. Unter Wettbewerbsbedinungen wird gegen die Gegner gesiegt. Die Mannschaft merkt, sie kann sehenswert Fußball spielen und festigt sich weiter als Einheit. Weil außerdem die Gegner nicht ganz ohne Ehrgeiz antreten, werden die Schwachstellen der Mannschaft offenbart und können im Training noch einmal gesondert angegangen werden. Während die Spieler der Mannschaft also Selbstvertrauen gewinnen, wird in der gleichen Zeit die Stimmung beim Gegner durch Niederlagen immer schlechter.  Das klingt wirklich gut. Rund um den FC Schalke 04 kitzeln Angst und Sorge die Seelen, während rund um den MSV Duisburg eine leistungssteigernde Atmosphäre aus Lampenfieber, Freude durch Erfolgserlebnisse und Zuspruch immer spürbarer wird.

Flow heißt das Zauberwort, das die Psychologie als den erstrebenswertesten Zustand bei einer Tätigkeit beschreibt, und so wie die Mannschaft im Moment spielt, scheint beim MSV Duisburg so etwas wie ein Gruppenflow vorhanden zu sein. Da gelingt die Konzentration auf die anstehende Aufgabe. Da stabilisiert sich das Gefühl, die Kontrolle über die eigenen Fähigkeiten zu besitzen. Und vor allem durchdringen sich Handlung und Bewusstsein während eines Spiel gegenseitig. Keinen Spieler hemmt sein Denken. Der MSV Duisburg befindet sich im Flow! Es deutet vieles darauf hin, dass dieser Flow bis ins Finale anhält. Was dort dann mit und dank dieses Flows passiert, werden wir sehen.

Wie  sehr kann nämlich das Denken zum falschen Zeitpunkt im Sport den Erfolg verhindern. Ich glaube, bei Manuel Schäffler zeigt sich das im Moment. Allerdings kommt die Spielanlage des MSV Duisburg ohne Stefan Maierhofer wahrscheinlich auch den spielerischen Qualitäten von Manuel Schäffler sehr entgegen. Er braucht anscheinend den Ball mit schnellem Kombinationsspiel, flach vorgetragen. Welche Selbstsicherheit hat er gestern gezeigt. Da läuft er in der zweiten Halbzeit nach einem Zuspiel auf ihn auf vier Gegenspieler zu, hat keine Abspielmöglichkeit und läuft in hohem Tempo einfach weiter. Irgendwie gelingt es ihm dann, diese vier Paderborner zu überspielen. Er zieht den Ball unter dem Fuß des Gegners durch, spielt zwischen die Beine des nächsten Verteidigers oder nimmt den Ball beim Vorbeigehen einfach mit. Am Abschlus nach so einer Aktion muss er noch arbeiten. Schon das Tor zum 2:0 ließ dieses Selbstbewusstsein erkennen. Elegant schiebt er den Ball rechts am Verteidiger vorbei, um selbst an dessen linker Seite vorbeizusprinten, um dann in fließender Bewegung von links neben dem Tor in die Mitte zu ziehen und souverän abzuschließen. Natürlich war es hilfreich, dass ein Verteidiger der Paderborner leicht ausrutschte, aber das schmälert die Leistung von Manuel Schäffler in keiner Weise. Das ist so wichtig in diesen Spielen. Es erzielen die richtigen Spieler der Mannschaft die Tore. Manuel Schäffler brauchte das Gefühl so sehr, dass er alles das kann, weshalb er vom MSV Duisburg ausgeliehen wurde.

Den Führungstreffer erzielte Ivo Grlic, der sich seiner Fähigkeiten natürlich eigentlich sicher ist. Aber nach einer langen Pause verbessern solche individuellen Erfolgserlebnisse das Ankommen eines Spielers im sportlichen Wettbewerb dann doch auch sehr wahrscheinlich. Und schließlich führte zudem die erfolgreiche Freistoßvariante der Hinrunde zum Erfolg. Den von Benjamin Kern geschlagenen Ball köpfte Goran Sukalo ins Tor. In den Spielen vor Frankfurt war es für mich die Hauptfrage, wer erzielt nach dem Ausfall von Srdjan Baljak und Stefan Maierhofer die Tore für den MSV Duisburg. Die Mannschaft hat gezeigt, wie sie dieses Problem lösen will.

Die Schwächen zeigten sich gestern dagegen bei ein paar Momenten des Spiels in der Defensive. Direkt am Anfang wirkte der SC Paderborn für kurze Zeit wacher, und auch direkt nach Halbzeitpause war der Anschlusstreffer keine wirkliche Überraschung. Der MSV Duisburg hatte sich zu weit zurückgezogen, und es gelang der Mannschaft nicht, in dieser defensiveren Grundhaltung genügend Druck auf die angreifenden Paderborner auszuüben. Dazu musste der Sieg erst einmal als gefährdet erscheinen. Bei Eckstößen bereitete mir außerdem die Zuordnung am jeweils hinteren Pfosten ein paar Sorgen. Da kamen  zwei Paderborner Spieler nach zwei Ecken jeweils frei zum Kopfball. Dagegen scheint Daniel Reiche sich gefangen zu haben, und David Yelldell bewies auf der Linie weiterhin seine Stärke.

Jetzt folgt die Generalprobe beim VfL Bochum, der gewinnen muss, um mit Sicherheit den dritten Tabellenplatz zu behalten. Ein Sieg des MSV Duisburg könnte den fünften Tabellenplatz zur Folge haben. An meiner Hoffnung auf den Erfolg im Pokalfinale wird das Ergebnis in Bochum aber nichts mehr ändern. Lebensweisheiten  unterstützen mich bei dieser Haltung. Wir wissen nämlich alle, verpatzten Generalproben, folgen gelungene Premieren. Und wenn ich daran denke, dass schon bei der Generalprobe fast alles klappt, dann kann bei der Premiere eigentlich nichts mehr schief gehen.

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