Das ist kein Trost! Dafür stehen wir „hier“ – und manchmal auch in Berlin

Bei der Wiederöffnung dieser Räume hier komme ich vor lauter Eindrücke Ordnen erstmal nicht zu vielen Sätzen. Ich bin noch zu nah dran an der Aufregung vor dem Spiel, an dem Zuspruch für den MSV, wo immer wir gingen oder saßen. Ich bin zu nah dran an dem Anblick dieser blau-weißen Kurve und dem knallenden EM-ES-VAU beim Zebratwist vor dem DFB-Pokalfinale. Vielleicht könnte ich sogar schon ein paar Sätze zum Spiel selbst schreiben, aber darum geht es dieses Mal eben nicht nur. Es geht um mehr als um dieses Fußballspiel. Es geht um all die Energie, die am Samstag mit und für den MSV Duisburg gelebt wurde. Es geht um Identität. Es geht um Werte. Es geht um Zusammengehörigkeit. Es geht um die letzten zehn Minuten des Spiels, die bei jedem noch so kurzen Erinnern bei mir zu Gänsehaut führt. „Wir sind Zebras, weiß blau„. So fing es an, und wenn da vielleicht auch ein Impuls des Trotzes dabei gewesen ist, dieses „nun erst recht“, es war etwas anderes. Dieser Fangesang war auch etwas anderes als Trost, den wir uns gegenseitig spendeten. Wer so singt, braucht keinen Trost. Das Anstimmen der der Hymne etwa zehn Minuten vor Spielende und das nicht enden wollende „Meidericher SV“ hieß einfach, wir fühlen uns mit uns selbst, der Mannschaft dort unten auf dem Feld und dem Verein MSV Duisburg richtig. Dieses Bewusstsein der Stärke kam aus uns selbst. Kein Gegner war notwendig, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. Es waren zehn Minuten, die von einer Utopie des Menschlichen berührt waren. Noch etwas anderes war in diesem Gesang zu spüren, handfester, alltagsnäher und genauso wahr: Das Spiel endete mit einer Niederlage, aber Niederlagen sind Momente, unser Leben mit diesem MSV Duisburg dauert an.

In diesen zehn Minuten bündelten sich noch einmal die zurück liegenden Tage all dieser Menschen in der Kurve. In dem Singen klang mit der nächtliche Zebratwist im Beach in the Box zwischen Disco-Fox und Clubdance-Sound. Da steckte der ausgelassene Tanz selbst drin, die zufällige Begegnung mit Bekannten, die schon Jahre nicht mehr gesehen waren. Darin lebte die ausgelassene Stimmung bei der Anreise in Gruppen per Zug oder Auto wieder auf. Dieser Gesang erinnerte an die Zebraherde unter und vor dem Brandenburger Tor, die nun auf Erinnerungsfotos  von Touristen in alle Welt mitgenommen wird.

Nach und nach werden bei youtube wahrscheinlich die Bilder dieses Wochenendes auftauchen. Ich werde das im Blick halten. Nach und nach werden aber auch mir weitere Sätze zu den Tagen in Berlin einfallen. Ich werde sie hier veröffentlichen. Doch jetzt erst einmal sagen dank der der Unterstützung von youtube und der emsigen Filmer hier Bild und Ton mehr als geschriebene Worte.

5 Responses to “Das ist kein Trost! Dafür stehen wir „hier“ – und manchmal auch in Berlin”


  1. 1 mberghoefer 23. Mai 2011 um 13:10

    „Kein Gegner war notwendig, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. “

    das war vor dem Spiel noch ganz anders, als wir in der Stadt und auf der Fahrt zum Stadion wirklich ausschließlich auf MSV-Fangruppen stießen, die keinerlei MSV-Lieder sangen sondern ausnahmslos mit Schmähgesängen über S04 beschäftigt waren. Das war wirklich peinlich, schwächer noch als wir die FCB-Fans erlebten vor Jahren.
    Vielleicht hat man deshalb nachher im Stadion dann auch als Schalker mit besonderer Anerkennung zur Kenntnis genommen, dass der MSV doch auch Leute mitgebracht hatte, die sich über die Zuneigung zum eigenen Verein definieren, nicht hauptsächlich durch Abneigung gegen andere. Deshalb liess man die Zebras in den letzten Minuten singen und spendete den verdienten Applaus. Es war eben auch ihr Finale – und das bleibt unvergesslich.

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    • 2 Kees Jaratz 23. Mai 2011 um 17:54

      Du rührst natürlich tief im Sumpf von Fanbeziehungen. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Schmähgesängen, zumal im Stadion die eigene Mannschaft dabei aus dem Fokus rückt. Der Fan ist dann so sehr mit sich selbst beschäftigt. Andererseits sehe ich nicht, dass das der Schmähgesang jetzt nur von MSV-Fans zu hören war. „Zebras in den Zoo“ klingt vielleicht harmloser als „Tod und Hass dem S04“ wird aber aus demselben Impuls heraus gesungen.

      Und diese Fanbeziehung hat natürlich was mit Selbstbild zu tun und Selbstbewusstsein. Da gebe ich zu muss in Duisburg dran gearbeitet werden. Wurde auch schon im Vorfeld bei Diskussionen über genau diese Schmähgesänge. Deshalb begeistert mich auch der Ausdruck eigener Stärke zum Ende hin. Darum geht es – und ob man die Zebras singen liess, lass ich mal dahingestellt. Hat auch was mit Fanbeziehung zu tun. Klingt nach: die Kontrolle des Ganzen nicht verlieren wollen, oder? 😉 Ob das von 20.000 Menschen in der Kurve beabsichtig war? Und welche Entwicklung sich aus welchem Grund bahnt? Verantwortung bei Massenphänomenen ist ja so eine Sache. Unvergesslich aber, keine Frage.

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  2. 4 mberghoefer 23. Mai 2011 um 21:01

    Na, ich bin eben bei ziemlich vielen Fußballspielen, und ich glaub, ich kann das schon einschätzen, wenn etwas außergewöhnlich ist. Und wie gesagt, das, was ich da vor dem Spiel von MSV-Fangruppen hörte war ausnahmslos nichts „pro MSV“, und das hab ich in vielen Jahren nur ein, zweimal vorher so deutlich bemerkt.
    Mit „singen liess“ meine ich in der Tat die bewusste Entscheidung, das nicht zu übertönen. Das hat natürlich etwas mit Selbstkontrolle zu tun, und auch mit Erinnerung, zB an uns selbst, erst neulich in Manchester. Oder 2005 im Olympiastadion, obwohl das nicht ganz vergleichbar war, denn die Kurve der Bayern hatte da eh nichts zu melden.
    Viele, sehr viele von denen, die da ab der 80.Minute in der Schalker Kurve das singen einstellten und rüber zu den Meiderichern schauten und ihnen auch Beifall spendeten, waren selbst überall dort dabei und wussten ganz genau, wie das ist. Eine Frage des Respekts.

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