Archiv für Juli 2011

Berlin, Berlin – zur Vorstadt von Berlin

In Paderborn war es gestern kalt und regnerisch trotz der guten Kontakte von vielen Paderbornern, zu der von ihnen immer noch als väterlich-fürsorglich empfundenen himmlischen Macht. Wir haben Ende Juli, und es ist die Zeit der Libori-Festwoche. Wegen des Wetters ließen sich nicht ganz so viele Menschen wie sonst üblich durch die Straßen treiben, um Bier zu trinken, Live-Musik zu hören und über die Kirmes am Libori-Berg zu gehen. Ich gehörte zu diesen wenigen Menschen, ließ mich nass regnen, trank Bier und hörte eine groovige Soul- und Funk-Band mit einem Sänger, bei dessen Stimme ich unpassender Weise immer wieder mal an die gute alte Blues-Röhre denken musste.

Ich bin auf dem Weg nach Berlin – mit meinem Sohn – und mache eine Zwischenetappe in der angeheirateten Heimat. Damit arbeite ich am Projekt, gelingende Saison 2011/2012 für den MSV Duisburg. Ich denke schon das Pokalspiel gegen den SV Babelsberg 03 am Samstag wird die Laune von Milan Sasic erheblich verbessern. Das hat alles mit meinem Sohn zu tun, der sich für Fußball eigentlich nicht interessiert. Doch im letzten Jahr konnte ich ihn zum Besuch des Auswärtsspiels beim VfL Osnabrück überreden. Wir waren auf dem Weg nach Berlin, und machten die Zwischenetappe in Osnabrück. Wir erinnern uns, welche Saison für den MSV Duisburg nach dem damaligen Auftaktsieg folgte. Die zwei Niederlagen im Liga-Betrieb haben mich nämlich darin bestärkt, die mir zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Situationsverbesserung zu ergreifen. Einen Aufenthalt in Berlin findet mein jugendlicher Sohn immer attraktiv. Der Besuch des Pokalspiels braucht dieses Mal keine Zwischenetappe, sondern ist im Städtereisen-Paket als Vorstadtsausflug mit dabei. Wichtig scheint mir die Anwesenheit des sonst fußballabstinenten Sohnes in einem Wettbewerbsspiel zu Beginn der Saison.

Vor diesem Wettbewerbsspiel interessiert sich die Lokalpresse in Potsdam natürlich für den Pokalgegner. Dass Milan Sasics Laune im Moment nicht die beste ist, merkt man auch in diesem Interview für die Märkische Allgemeine. Er wirkt etwas mürrisch bei seinen Antworten. Ich glaube kaum, dass der gestrige 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 daran etwas geändert hat. Der längere Ausfall von Emil Jula wird sein Nachdenken über die Mannschaftsaufstellung nun auch um die Positionen für den Sturm erweitern. Und die Frage, in welcher Besetzung die Abwehr am besten spielt, scheint ebenso weiterhin offen zu sein. Wieder spielte Sergej Karimow als Linksverteidiger und Benjamin Kern spielte erst einmal nicht. Beides gefiele mir nur, wenn diese Abwehr die nächsten Spiele sehr schnell sich sehr stabil zeigte. Da bin ich opportunistischer Erfolgs-Fan, auch wenn ich Benjamin Kern lieber von Anfang an in der Mannschaft sähe und Sergej Karimow erst einmal nicht. Doch Milan Sasic wirkt in der Öffentlichkeit sehr verärgert über Benjamin Kern, den er für ein Gegentor im Spiel gegen den FC Energie Cottbus verantwortlich macht. So richtig gefällt mir sein mürrisches Grummeln über den Fehler von Benjamin Kern nicht. Den Beweis der Stabilität müsste diese Abwehrformation aus dem Spiel gegen den FC Schalke 04 aber erst einmal wieder in einem Spiel unter Wettbewerbsbedingungen antreten, einem Spiel wie gegen den SV Babelsberg 03.

Das Spiel gegen den FC Schalke 04 verbucht der MSV Duisburg unter der Rubrik „Selbstvertrauen gewonnen“, doch die Bewertung des Spiels geht bei den Beobachtern sehr auseinander. Ich selbst pflegte ja das Brauchtum in Ost-Westfalen und lese heute je nach Perspektive sehr unterschiedliche Meinungen. Auf der Seite vom MSV Duisburg gibt es die Worte „ansehnlicher und temporeicher Testkick“.  Dagegen schlägt Torsten Wieland im Königsblog den Schalker Anhängern vor, das Eintrittsgeld direkt auf das Spendenkonto zu überweisen, so sehr hat er sich über die „lustlose“ Spielweise der Schalker Mannschaft geärgert. Mit diesen beiden Informationen lassen sich für mich auch Überschrift des Spielberichts und verärgerte Fan-Kommentare bei Der Westen besser einordnen. „MSV Duisburg schlägt Schalkes B-Elf“ erklärt sich vielleicht weniger mit der Klasse der angetretenen Spieler als mit deren anscheinend kaum vorhandener Anstrengungsbereitschaft. Dennoch muss niemand durch so einen Artikel-Titel ein Erfolgserlebnis klein geredet sehen. Ein wenig Einordnung braucht so ein Testspiel-Sieg ja doch, und das gute Gefühl wird nur genommen, wenn Unsicherheit über die eigene Stärke herrscht. Diese Unsicherheit ist im Moment in Duisburg vorhanden. Was hat das Benefizispiel übrigens eigentlich mit dem Pokalfinale sehe zu tun? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, gegen welchen Verein der MSV Duisburg im Mai in Berlin verloren hat. Wir haben das DFB-Pokalfinale nicht gewonnen, das ist richtig. Aber gab es einen Gegner, der DFB-Pokalsieger wurde in der letzten Saison? Ich war in den letzten Minuten dieses Finales so sehr mit dem MSV Duisburg beschäftgt und rätsel immer noch, warum das Spiel gestern eine geglückte „Revanche“ hat sein sollen.

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Ab der zweiten Halbzeit war die Saison noch lang genug

Gestern Mittag habe ich gedacht, nimm dir mal die Mannschaft vom MSV Duisburg im Freitagsspiel gegen den FC Energie Cottbus zum Vorbild und sei beim Schreiben über das erste Heimspiel dieser Saison während der Anfangsphase ganz einfach mal nicht so präsent. Für einen Leser hier ist das dann allerdings dümmer als für uns Zuschauer eines Fußballspiels.  Wenn ich als Autor nicht präsent bin, passiert nichts. Worte bleiben ungeschrieben und der Vorspiel-Text ist auch am Samstag nach dem Spiel der erste auf der Blogseite. Der MSV Duisburg  lässt in so einer Anfangsphase wenigstens zwei Tore zu und kitzelt unser Spannungsgefühl. Schließlich fiel der Anschlusstreffer von Jiayi Shao in der 16. Minute früh genug, damit noch alles möglich schien. Allerdings festigte das Shao-Tor im weiteren Spielverlauf seine äußere Erscheinung als Zufallsprodukt, als das es ins Spiel geschlichen kam. Was unsere Freude über das Tor selbstverständlich dennoch nicht störte.

Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang kaum etwas in dieser ersten Halbzeit. Da klappte es hinten mit der Zeit zwar etwas besser als vorne; aber das war immer noch nicht genug, um gegen sehr gut kombinierende Spieler vom FC Energie Cottbus auch nur den Hauch einer Überlegenheit zu erspielen. Mit einigem Wohlwollen aus besonders optimistischer Perspektive ließ sich allenfalls ein zunehmendes Gleichgewicht zwischen beiden Mannschaften feststellen. Wobei die Cottbusser dank ihres funktionierenden schnellen Passspiels mir bei Ballbesitz eher Sorgen bereiteten als der Ball in den Reihen des MSV mich auf den Ausgleich hoffen ließ.

In der zweiten Halbzeit behielt der Optimist in mir zunächst recht. Das Spiel des MSV Duisburg nahm Fahrt auf. Jürgen Gjasula und Daniel Brosinski waren eingewechselt worden. Endlich fand das Spiel meist in der Hälfte vom FC Energie Cottbus statt. An zwingende Chancen kann ich mich dennoch nicht erinnern. Wenn ein Ball einmal nicht so unpräzise in den Strafraum geflankt wurde, dass er mühelos geklärt werden konnte, kamen Flamur Kastrati oder wer auch immer in solch einer ungünstigen Position zum Schuss, dass ich schon auf die nächste Chance sehnsüchtig wartete, ehe der Ball überhaupt im Aus landen konnte. Hinzu kam die Sorge vor einem jederzeit möglichen Konter, gegen den auch eine beste Abwehr nicht immer ausreichend gewappnet ist.

Aus dieser Spielphase habe ich noch Benjamin Kern vor Augen, der beim Grätschen ein grandioses Timing zeigte und im letzten Moment einen Ball vor dem schon aufs Tor zulaufenden Cottbusser Spieler wegspitzelte. Zugegeben, ich mag die Spielweise von Benjamin Kern und sehe ihm Fehler vielleicht leichter nach als anderen Spielern. Aber im Moment halte ich ihn in bei der Mannschaftsfindung für ebenso unverzichtbar wie Branimir Bajic oder Goran Sukalo. Er war als Verteidiger bislang niemals ein Ausfall. Er spielte immer auf solidem Niveau mit eher häufigen Ausreißern nach oben. Für eine diffuse Haltung der Mannschaft könnte er ein Orientierungspunkt sein. Denn dieser Mannschaft vom MSV Duisburg fehlt es nicht nur noch an der Struktur ihres Spiels, auch die Energien der Spieler bündeln sich noch nicht. Benjamin Kern könnte zur Geschlossenheit beitragen, weil seine Haltung und Bereitschaft das Spiel anzunehmen sichtbarer ist als bei anderen Spielern. Er strahlt positive Energie aus.

Sucht man die der unentwickelten Mannschaftspsyche entsprechenden Momente auf der fußballerischen Ebene, so fällt auf, dass das defensive Mittelfeld beim Pressing wenig aggressiv wirkt. Kampfkraft, so weit vorhanden, verpufft meist. So wird der Angriffsdruck des Gegners auf die Abwehrreihe so groß, dass dort die einzelnen Spieler oft  ein schlechtes Bild abgeben. Da fehlt es an Einheit bei der Defensivarbeit. Und selbst eine Einheit wäre wahrscheinlich überfordert, wenn wie bei beiden frühen Gegentoren während der Vorwärtsbewegung noch in der eigenen Hälfte der Ball verloren wird. Reibungslos lief die Cottbusser Angriffskombination runter, alles orientierte sich auf die Ballverlustseite und schon steht Benjamin Kern alleine mit zwei Gegenspielern auf seiner  Seite. In der zweiten Halbzeit hat mir Kevin Wolze als Linksverteidiger übrigens sehr gut gefallen. Auch wenn er zuvor selten dort gespielt hat. Im Moment scheint er mir auf dieser Position am wertvollsten zu sein.

Als Belohnung für die Anstrengung in der zweiten Halbzeit wäre der Ausgleich gerecht gewesen. Als Ergebnis eines gut organisierten Offensivspiels konnten ihn allerdings niemand erwarten. Einige Male sahen wir in der zweiten Halbzeit Schlaglichter auf die mögliche Spielkultur dieser Mannschaft. Dauerhaft vorhanden war sie nicht. In der ersten Halbzeit ließ mich der MSV Duisburg einigermaßen ratlos auf meinem Stehplatz zurück. Zum Glück folgten nach der Pause 45 Minuten, nach denen ich zwar nicht zufrieden war, die mich aber nach ein paar Minuten haben denken lassen, die Saison ist noch lang.

Spielvorbereitung FC Energie Cottbus samt letzter Schelte für die DFL

Vor dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus denke ich noch kaum an den heutigen Abend. Ständig gehen mir Bilder des Halbfinal-Siegs im DFB-Pokal durch den Kopf. Das sei uns Fans aber gestattet. Schuld daran ist ohnehin die DFL mit ihrer verrückten Idee, den Saisonstart der 2. Liga so früh zu terminieren. Ich wiederhole mich, alles geht ineinander über. Die letzte Saison lappt noch ins Heute hinein, und aus der blieben von der DFB-Pokalrunde die lebendigere Erinnerungen als vom durchwachsenen Rückrunden-Ligabetrieb mit der 3:1-Auswärtsniederlage gegen den FC Energie Cottbus.

Ich sage es jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr. Der 1. Weihnachtstag wird ja auch nicht drei Wochen vorverlegt, damit das Hochamt dieses Tages mehr Aufmerksamkeit gegenüber der Christmette am Heiligabend erhält. Nur, um das noch einmal klar zu stellen. Die DFL ist keine hoheitliche Verwaltungsinstitution, die vom Himmel gefallen ist. Der frühe Saisonstart wurde von den Vereinsvertretern im Entscheidungsgremium mit nur der Gegenstimme vom FSV Frankfurt beschlossen. Ich verstehe überhaupt nicht, welche wirtschaftlichen Folgen das diffuse Motiv „mehr Aufmerksamkeit für die 2. Liga“ haben soll. Denn alleine darum geht es dann ja doch. Irgendwie soll mehr Geld generiert werden durch die alleinige Präsenz des Zweitliga-Spielbetriebs in der Öffentlichkeit. Aber wie? Mehr Zuschauer werden nicht in die Stadien gehen, und die Fernsehgelder gibt es auch nur im Paket. Sponsoren, die für drei Wochen mal eben was Geld locker machen sollen? Es geht doch immer um langfristige Verträge. Ich verstehe den Gedankengang des DFL-Gremiums nicht. Schmiss da einer vielleicht nur das Wort Alleinstellung in den Raum, und das reichte schon aus? Dieses Wort Alleinstellung hat ja seit ein paar Jahren einen überaus guten Klang, wenn Gründe für wirtschaftlichen Erfolg gesucht werden und damit notwendige Voraussetzungen für den zukünftigen.

Aber FC Energie Cottbus! So heißt der Gegner heute Abend, und so richtig wissen wir nicht, woran wir sind. Einerseits sieht die Niederlage gegen den Karlsruher SC nach noch notwendiger Trainingsmehrarbeit aus, andererseits hatte Milan Sasic vor dem Spiel gegen den KSC ein gutes Gefühl. Für dieses Gefühl fanden auch wir Zuschauer mit dem Auftreten der Mannschaft in den Vorbereitungsspielen Argumente. Ich hoffe natürlich auf einen Sieg, aber dem Realisten in mir reicht nach meinem Eindruck vom Karlsruher Spiel schon eine Mannschaft, in der das Zusammenwirken aller besser funktioniert. Dann wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden. Die Saison ist lang genug für eine Siegesserie, die erst später beginnt. Meinetwegen ab dem dritten Spieltag.

Zur weiteren Einstimmung für heute Abend sei auf den von youttube-Kanal von luetteyeah verwiesen. Dort findet sich dieser von großem Fan-Pathos getragene Kurzfilm rund um das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus, 13 Minuten 8 Sekunden intensive Atmosphäre und abwechslungsreiche Bilder.

Solidarität Schwarz-Gelb e. V.

Der Kölner Stadt-Anzeiger meldet: „Randalierer wüten an BVB-Fankneipe“ . Platzhirschgeröhre in Köln mit Anleihen aus den Konfliktritualen des Nationalismus. Wann und wo findet das erste Unterstützer-Treffen für die nach Köln emigrierten BVB-Fans statt? Arbeitskreis „Solidarität Schwarz-Gelb“. Ich kann mir gut Demonstrationen vorstellen, Mahnwachen, Spenden sammeln und natürlich einen Solidarverein. Wenn schon Anleihen, dann aber auch richtig!

Auftaktspielschwäche und die Bedeutung eines Scherbenhaufens

Wenn die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal begonnen haben, können Fußballspiele keine Meisterschaftsspiele sein.  Für den 3:2-Sieg des Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg gibt es doch keine drei Punkte.  Das muss ein Irrtum sein. Das war kein Meisterschaftsspiel. Dafür war es zu früh. Für beide Mannschaften. Das war ein Vorbereitungsspiel für die Saison, in dem in der ersten Halbzeit ein großes Spektakel geboten wurde und in dem während der zweiten Halbzeit Spieler sich den Trainern beweisen wollten.

Da passte nicht viel zusammen in der Mannschaft des MSV Duisburg. Darüber sind wir uns alle einig. Als verteidigende Mannschaft war der MSV jederzeit für Fehler gut. Wahrscheinlich wäre mit Branimir Bajic zumindest die Abstimmung in der Abwehrreihe besser gewesen. Hätten die Außenverteidiger dann auch den Zweikampf besser aufnehmen können? Fußball ist ein komplexes Spiel, da dreht man an einem Rädchen, und Auswirkungen gibt es drei Stationen weiter. Ich habe das Spiel am PC gesehen und hatte den Eindruck, jederzeit ist alles möglich. Nach vorne wie nach hinten. Ein Ausgleich hätte ebenso fallen können wie das vierte Tor der Karlsruher.

Der Sieg des KSC war aber verdient. Die Mannschaft zerstörte das Aufbauspiel des MSV Duisburg besser, als es den Zebras umgekehrt gelang. Zudem wirkten Klemen Lavric und Alexander Iashvilli immer etwas torgefährlicher als die Angreifer des MSV Duisburg. Deutlich wurde aber auch, diese Mannschaft des MSV Duisburg brennt vor Ehrgeiz. Sie scheint große Ziele zu haben. Es wird in den nächsten Spielen interessant, wie dieser große Ehrgeiz mit dem anscheinend ebenso großen Verbesserungsbedarf des Zusammenspiels harmoniert. Was einerseits gut für die Zukunft ist, birgt Gefahr von großer Unzufriedenheit, solange es nicht halbwegs rund läuft.

Ein Anschlusstor ist für diese Mannschaft jedenfalls kein Grund zur Freude. Das gefällt mir. Nur-Zum-Ausgleich-Jubeln-Wollen Wolze kriegte nach seinem Tor zum 2:3 fast noch Ärger mit den Karlsruhern. Deren Verteider lag zappelnd über dem Ball mit im Tor. Kevin schob und zog ein wenig an dem Mann, um besser an den Ball zu kommen. Schon eilten andere Karlsruher herbei. Dabei versuchte Kevin Wolze nur, diesen Ball schnellstmöglich zum Anstoßpunkt zu bringen. Er kannte die besondere Regel dieses Spiels, auf die sich die Vereine geeinigt hatten. Tore sind nur vor der Halbzeitpause erlaubt.

So richtig warm bin ich mit dem Spiel nicht geworden. Aber es gibt ja auch noch ein Randthema, das mich sehr beschäftigt. Vasileios Pliatsikas, Billy genannt, gab der Sportredaktion von Der Westen nach seiner gelb-roten Karte noch eine Steilvorlage zu einer überdramatisierenden Schlagzeile. „MSV Duisburg steht zum  Start vor einem Scherbenhaufen“. Da hat sich jemand in der Redaktion allzu sehr verführen lassen von den Scherben, die Vasileios Pliatsikas  mit dem Tritt gegen eine Tür des Kabinentrakts hinterlassen hat. Zweimal muss ich nun ausholen und sagen: So nicht!

Liebe Der Westen-Redaktion, manchmal dürfen beste Pointen-Chancen nur die Zuschauer auf den Rängen nutzen. Journalisten haben leider die Sorgfaltspflicht, der Wirklichkeit bei diesen Pointen Rechnung zu tragen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat schlecht gespielt, keine Frage. Ein „Scherbenhaufen“ ist da dennoch, außer in seiner tatsächlichen Bedeutung, nirgendwo zu erkennen. Doch dieser „Scherbenhaufen“ in der Artikelüberschrift wird unweigerlich auch bildhaft verstanden und damit als Charakterisierung der Mannschaft. Zu einem“Scherbenhaufen“ kann aber erst etwas werden, was vorher als Ganzes vorhanden war. Dazu hatte die Mannschaft bislang keine Gelegenheit. Auch wer Artikelüberschriften so verführerisch und raffiniert wie möglich machen möchte, darf die Wirklichkeit nicht vergessen.

Und nun zu Vasileios Pliatsikas Tritt in eine Glastür und Milan Sasics Reaktion darauf. Ich hoffe sehr, diesen ersten im Artikel zitierten Worten von Milan Sasic auf Pliatsikas Wutausbruch folgen morgen weitere. Was Milan Sasic sagt, hört sich für mich so an, als müsse das hingenommen werden, wenn einer randalierend durch die Welt läuft: „‚Die Emotionen waren nicht zu viel, das ist Fußball‘, nahm der Kroate den Neuzugang in Schutz: ‚Billy ist ein heißblütiger Grieche. Wenn wir Leute mit solcher Mentalität holen, dann müssen wir uns darauf einstellen. Der Junge weiß, was er getan hat. Ich finde ihn super. Er ist charaktervoll und hat sich unter Tränen bei der Mannschaft entschuldigt.‘ Hoffentlich denkt Milan Sasic bei seinen Worten nur an das Verhalten des Spielers auf dem Spielfeld.

Letzte Saison hat mich schon einmal eine beschwichtigende Haltung zu randalierendem Unfug geärgert. Da war es Lukas Podolski, der in Leverkusen für Scherben sorgte. Ein Verhalten verstehen, bedeutet nicht zugleich, dieses Verhalten auch gut zu heißen. Es gibt so etwas wie Verantwortung für Fehler. Die Zerstörung fremden Eigentums wird in unserer Gesellschaft gemeinhin nicht gerne gesehen. Was lernen jugendliche Fußballanhänger in Duisburg aber, wenn sie den Spielbericht lesen. Sie lernen, ich darf jederzeit die Sau raus lassen, ich bin doch nur wütend.

Weiß Milan Sasic, dass Lehrern und Erziehern diese Standardantwort von Kindern aus den Ohren heraus hängt? Wie kannst du den Stuhl durch Klasse schmeißen? – Aber ich war wütend, der xy will mich nicht mitspielen lassen. Nocheinmal: Verstehen heißt nicht, akzeptieren. Milan Sasic kann seinen Spieler in Schutz nehmen, und dennoch dessen Verantwortung einfordern. Selbstverständlich müsste Vasileios Pliatsikas die Kosten für die Reparatur der Tür übernehmen, und das muss in der Öffentlichkeit auch gesagt werden. Das ist keine moralische Frage, sondern eine des bürgerlichen Rechts. Schutz des Eigentums nennt sich das. Sonst funktioniert Zusammenleben nicht. Wenn Fans sich entsprechend verhalten, wird das auch nicht akzeptiert. Was war das Geschrei groß, als Ende der letzten Saison die 600.000 Euro teure Spezialkamera in Frankfurt von einem Fan der Eintracht zerstört wurde. Aber der Fan gibt alles für seinen Verein. Er hat nur überreagiert, weil seine Eintracht absteigen wird. So Fans braucht der Verein. Hat Heribert Bruchhagen das irgendwo so gesagt ? Ich glaube nicht.

Zurück zum Kerngeschäft des MSV Duisburg, dem Fußball. Wir werden nun im Spiel gegen den FC Energie Cottbus sehen, ob die Art und Weise der Auftaktniederlage noch viel Trainingsarbeit bedeutet oder ob das Spiel der Mannschft nur eine vorübergehende Auftaktsspielschwäche war. Für die erste Variante habe ich als Trost übrigens schon den Verlauf der letzten Saison für den VfL Bochum parat.

Spielvorbereitung – Ein Sasic-Appell nicht zum Spiel gegen den KSC

Bevor die Mannschaft vom MSV Duisburg gleich in Karlsruhe ihr erstes Saisonspiel bestreitet, habe ich noch etwas zum Zeitvertreib für die zu Hause gebliebenen. Auf der  Pressekonferenz am Freitag vor dem Spiel war zunächst die Verlängerung des Sponsoren-Vertrags mit den Stadtwerken Duisburg das Thema. Da redeten dann der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Duisburg AG und MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch – wenig überraschend –  von gegenseitiger Wertschätzung und folgten den üblichen Ritualen solcher Verlautbarungspressekonferenzen.

Doch als Milan Sasic an der Reihe ist, erleben wir eine weitere Facette seines Arbeitens. Damit meine ich nicht die Pressekonferenz. Ich kann mir nun vorstellen, wie Milan Sasic seine Mannschaft auf den Gegner einschwört. Er ist ein guter Redner. Er reißt seine Zuhörer mit und was er sagt, wirkt eindringlich. Dabei fragte Pressesprecher Martin Haltermann einfach nur, ob Milan Sasic darauf achtet, was die „Jungs“ auf der Brust tragen. Milan Sasic denkt kurz nach, antwortet ernst und wird immer emotionaler und appellierender: „An Brust Rheinpower, in Herz Duisburg … und da ist die Kombination, das brauchen wir alle. Da sind wir schuldig so auch Verein zu führen. Diese Verein kann nicht nur von uns Angestellte eine Sache sein. Das muss die Sache sein von gesamte Stadt, von unsere Wirtschaft, von unsere Politiker, von gesamte Region. So weit müssen wir das alle zusammentreiben … Dass sind wir alle Duisburger. Und nur dann haben wir Chance das zu erreichen, was viele fordern jetzt …“ An der Stelle endet er noch nicht. Doch seht selbst, ab Minute 8:35.

Und wer sich danach noch etwas in der Historie umgucken will, findet aus Karlsruher Sicht im Heldenmagazin einen Rückblick auf besondere Begegnungen zwischen dem MSV Duisburg und dem Karlsruher SC.

Saisonvorbereitung, die letzte – Symbolfoto-Bildtextbearbeitung

Reibungsloser und sanfter ist ein Übergang noch nie geschehen. Am heutigen Samstag lassen sich für mich Saison- und Spielvorbereitung kaum mehr unterscheiden.  Das eine greift ins andere, wenn ich lese, wie wenig eingespielt viele Trainer der 2. Liga ihre Mannschaften sehen. Milan Sasic dagegen hält seine Mannschaft für den „Start beim KSC gut vorbereitet.“ Das beruhigt mich, und deshalb kann ich mich noch einmal voll und ganz nur um die Saisonvorbereitung kümmern – zum letzten Mal für dieses Jahr. Danach sehe ich mich für die ersten Wochen der Saison mental gut eingestellt und werde von Spiel zu Spiel denken. Letzteres betone ich, weil ein Foto in der Süddeutschen Zeitung vom letzten Donnerstag genau das Gegenteil erreichte. Ich musste an das Ende der kommenden Saison denken. Das Foto zeigt Friedhelm Funkel und Milan Sasic im nachdenklich-angeregten Gespräch. Online finde ich den Artikel leider nicht. Aufgenommen wurde das Foto wahrscheinlich kürzlich beim Freundschaftsspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Bochum.

Wenn ein Artikel von einem Foto bebildert ist, ohne dass der Artikel direkt mit Friedhelm Funkel und Milan Sasic im Gesprächdiesem Foto zu tun hat, können Gedanken schon mal abschweifen. Da reißt dann der an das Symbolfoto geknüpfte Faden des Artikels, in dem über den „Frühstart“ der 2. Liga als allgemein empfundener „Fehlstart“ berichtet wird. Dieser Faden findet sich, in Worten ausgedrückt, in der Bildunterschrift: „Auch Zweitliga-Routiniers erleben mal was Neues: Friedhelm Funkel (links), Trainer des VfL Bochum, und Milan Sasic, Trainer beim MSV Duisburg, mussten noch nie so früh in eine neue Saison starten.“ Mir zeriss es den Faden fast sofort, weil ich im Moment ständig Menschen begegne, die von mir etwas über die Aussichten des MSV Duisburg in der neuen Saison hören wollen. Diese Menschen lesen hier und dort die Sportnachrichten, und da stoßen sie trotz aller Beschwichtigungsmaßnahmen von Milan Sasic auch auf den MSV Duisburg, wenn es um Anwärter für den Aufstieg geht. Dass der VfL Bochum in diesem Anwärterkreis dabei ist, versteht sich von selbst. Und so sah ich plötzlich dieses Foto im Mai nächsten Jahres noch einmal in den großen Zeitungen dieses Landes abgedruckt. Denn Symbolfotos frönen hemmungsloser Promiskuität. Sie nehmen jede Bildunterzeile. Ihr könnt mich einen Kuppler nennen, doch eine nächste Bildunterschrift blieb mir im Kopf und ich kann sie nur bis auf weiteres vertreiben, wenn ich hier darüber schreibe: Auch Zweitliga-Routiniers erleben in Zeiten gemeinsamen Erfolgs mal was Neues: Friedhelm Funkel (links), Trainer des VfL Bochum, erfuhr von Milan Sasic, Trainer des MSV Duisburg, in Duisburg kann so lange Zeit Unaussprechliche nach diesem Spieltag endlich beim Namen genannt werden.

So viel als Abschluss meiner Saisonvorbereitung. Meine Perspektiven für die kommende Saison sind dieselben wie immer. Ich glaube an den best möglichen Tabellenplatz, spreche es nicht in klaren Worten aus und passe meine Erwartungen von Spieltag zu Spieltag dem jeweiligen Tabellenplatz an – immer den best möglichen Ausgang des Geschehens im Blick.


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