Saisonvorbereitung – Spieler kommen, Spieler gehen

Ich sagte es schon, in dieser Sommerpause geht mir alles zu viel schnell, und das liegt nicht nur an meinem Alltag. Allein die Abfolge der Spielerverpflichtungen für die neue Saison machte den MSV Duisburg zu einem heißen Anwärter auf den ersten von der DFL ausgelobten Speed-Transfering-Award. Oder wäre der DFB als Hüter der Tradition mit der Wolfgang-Fahrian-Medaille der besser geeignete Preisverleiher?

Wie viele neue Namen mussten wir lernen, und wie schnell musste der Verein sich für Schreibweisen dieser Namen entscheiden. So viel Bildung ist dabei ganz nebenbei möglich. Wann etwa wird statt der slawischen Endung „-ow“ die andere slawische Endung „-ov“ gechrieben? Der MSV Duisburg schreibt nun Karimow für den Karimov andererorts. Ebenfalls wäre herauszubekommen, wann das slawische Doppel-Binnen-i zum  „-iy“ wird? Oder welche der Buchstabenkombination ist überhaupt slawisch? Der MSV Duisburg schreibt  „Domovchiyski“. Vielleicht liesse sich lernen, dass slawisch gar nicht slawisch ist.

Und so einen asiatischen Namen wie Jiayi Shao könnte man bestimmt auch anders transkribieren. Vielleicht sogar Chinesischer? Etwas mehr Beijing statt Peking? Ich müsste ihn mal seinen Namen sprechen hören. Fremde Namen klingen immer gleich fremd. Doch für die Regeln, wie sie geschrieben werden, gibt es auch so was wie Zeitgeist.

Ich schweife ab, dabei haben wir so wenig Zeit. Die Spielzeiten gehen dieses Jahr ineinander über. Wollte ich nach dem Pokalfinale erstmal einen Moment durchschnaufen, schon war ich mit der möglichen Verpflichtung des nächsten neuen Spielers beschäftigt. Und schon verließ Bruno Hübner kurz darauf den Verein. Und schon änderte das überhaupt nichts an der Qualität der schon wieder gemeldeten nächsten Spielerverpflichtung. Wird hier denn gar nichts über neue Spieler geschrieben? Das, so dachte ich zwischendurch mal, wäre ein passender Titel für einen Beitrag. Ich kam nicht mit. Wollt ihr mal eine Chronologie der Kaderzusammenstellung per MSV-Seite sehen mit entsprechendem Speed-Commenting? Die Abfolge der Ereignisse war selbst für den Verein so schnell, dass es weder für den Wechsel von Sefa Yilmaz im Juni in die Türkei noch für die Ausleihe von Daniel Beichler eine offizielle Bestätigung auf der Seite gibt. Das ging nur per Pressemitteilung raus, und wurde von den Medien entsprechend verbreitet. Wenn sich die Ereignisse überschlagen …

30.3.  „MSV verpflichtet Stürmer Emil Jula für drei Jahre“. Früh werden die Weichen für die nächste Saison gestellt.  Gefällt mir sehr!

5.5.     „Aus Wolfsburg: Abwehrspieler Karimov wird ein Zebra„. Damals noch mit „-ov“ geschrieben. Der erste Eindruck bestätigt sich. Den Plänen wird gefolgt!

9.5.     „Perfekt: Shao wechselt zu den Zebras“. Mehr ein Zeichen für die  zurück gewonnene Attraktivität des MSV Duisburg als Arbeitgeber, als dass ich beim Namen in Jubel ausbreche.

12.5    „MSV verpflichtet Kevin Wolze vom VfL Wolfsburg„. Perspektive! Wenig Geld! Perfekter Sasic-Spieler.  Gute Erfahrung mit Wolfsburgs zweiter Reihe in der letzten Saison.

19.5.   „Neues Zebra: Gjasula kommt für zwei Jahre!“ Noch ein klassischer Sasic-Spieler, dieses Mal der älteren Art! Wird noch stärker beim MSV Duisburg als in der lezten Saison!

25.5.    „Sportdirektor Bruno Hübner verlässt den MSV Duisburg„. Schock! Schwere! Not! Enttäuschte Zuneigung. Dann geh doch!

27.5.   „MSV Duisburg leiht Mittelfeldspieler Zvonko Pamic aus“. Business as usual! Das Angefangene wird abgearbeitet. Gut so! Mir doch egal, wenn er weg ist.

29.5.  „Goran Sukalo bleibt – und verlängert bis 2013!
Na also, auch Spieler mit einem musternden Seitenblick
auf fremde Vereine, erkennen, beim MSV Duisburg sieht
die Zukunft vielleicht rosiger aus.

1.6.      „MSV leiht Mittelfeldspieler Vasileios Pliatsikas aus“. Noch eine alte Geschichte wird zum Ende gebracht.

13.6.   „Drei neue Zebras da: Domovchiyski, Fromlowitz & Brosinski!“ Was für eine Mischung! Alte Verhandlungen zum Abschluss gebracht, und offensichtlich etwas ganz Neues mit Fromlowitz eingestielt. Es läuft.

16.6.   „MSV verpflichtet Stürmer Flamur Kastrati„. Und noch ein einer, der unter Sasic seine Schwächen ablegen möchte und Konstanz in die schon gezeigten sehr guten Leistungen bringen möchte. Der MSV ist wieder eine gute Adresse.

18.6.   „Neu beim MSV: Markus Bollmann wird ein Zebra„. Günstig Erfahrung einkaufen. Die gelungene Mischung des Kaders wird im Blick behalten. Bruno Hübner ist endgültig Geschichte.

2.7.      „Klasse: „Baja“ mindestens bis 2013 in Zebrastreifen!
Und noch jemand, der weiß, was gut für ihn und den
MSV Duisburg ist.

4.7.      „Nach Leverkusen: David Yelldell verlässt den MSV“
Gibt dem Torwartgefüge eine weniger konfliktträchtige
Struktur. Bei finanziellem Gewinn.

6.7.    „Keeper Felix Wiedwald wird ein Zebra.“ Und schon ist die Alternative parat. Sagte ich schon, dass die Sache auch ohne Bruno Hübner sofort rund läuft?

Eigentlich halte ich es bei einem Verein wie dem MSV Duisburg nicht für sehr sinnvoll, jeden einzelnen Spieler zu bewerten. Bei einem Verein wie dem MSV Duisburg wirkt das noch mehr wie Kaffeesatz-Leserei als es sonst schon der Fall ist. Und ein Verein wie der MSV Duisburg ist nahezu jeder Verein in der 2. Liga – entsprechend den gesteckten Zielen.

Ich will das erklären. Natürlich lässt sich aus der Karriere eines Spielers etwas über den potentiellen Wert dieses Spielers für den Kader eines Zweitliga-Vereins hochrechnen, aber in dieser 2. Liga ist weniger der einzelne Spieler entscheidend für den möglichen Erfolg des Vereins als die Verwirklichung einer Strategie. Ob der einzelne Spieler die Mannschaft stärken wird, ist schon eine falsch gestellte Frage angesichts der Fluktuation in den Kadern während der Sommerpause. Zehn bleibende Spieler und 17 oder noch mehr hinzukommende. Da muss jemand vorher ein Bild vom Ganzen haben, in das er die Spieler möglichst vorteilhaft platziert.

Verfolgt man die Spielerverpflichtungen des MSV Duisburg, wird deutlich, dieses Bild ist im Verein vorhanden. Das hat bei aller Enttäuschung über den Zeitpunkt des Vereinswechsels von Bruno Hübner mit seiner Arbeit zu tun. Er hat schon früh in der abgelaufenen Saison begonnen, weiter an der Verwirklichung des auf drei Jahre angelegten Plans zum Aufstieg zu arbeiten. Wenn nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt die Nachrichten zu neuen Spielerverpflichtungen unterbrechungslos gemeldet werden konnten, wird er dafür Vorarbeit geleistet haben. Welcher Spieler genau als erster völlig ohne seine Dazutun verpflichtet wurde, lässt sich von außen gesehen gar nicht sagen.

Florian Fromlowitz erzählt etwa irgendwo – ich such jetzt nicht extra danach – , der erste Kontakt zum MSV Duisburg sei durch einen Anruf von Milan Sasic zustande gekommen. Da hätten wir die originäre Leistung ohne Bruno Hübner, die beweist, die kleine Krise durch seinen Weggang wurde sehr gut bewältigt. Das ist etwas, was übrigens David Nienhaus mit seinem Contra-Kommentar zur Fromlowitz-Verpflichtung ganz übersieht. Es geht bei diesen Verpflichtungen nicht nur um den einzelnen Spieler. Es geht um das Gefüge. Und das Gefüge auf der Position des Torwarts hat bei aller Leistung von David Yelldell in der letzten Saison nicht gestimmt. Zudem hat die Verpflichtung Strahlkraft, weil da ein Torwart kommt, der seine Erfahrung in der Bundesliga gemacht hat und zwar in einer Zeit, die überaus schwer für ihn gewesen ist. Das wirkt über die einzelne Spielerverpflichtung hinaus. Florian Fromlowitz hat bereits einen Namen, welche Schwächen  auch immer er hat. Seine Verpflichtung ist ein Zeichen für die Öffentlichkeit, für den Spielermarkt und für Gegner. Die Begründung für so eine Verpflichtung ist viel komplexer als ein direkter Vergleich des Leistunsvermögens von David Yelldell und Florian Fromlowitz. Genau das belegt die erfreute Reaktion von uns Fans.

Die Verpflichtung von Florian Fromlowitz bestätigt den Eindruck, beim MSV Duisburg wird planvoll gehandelt und Chancen werden nur im Sinne des Plans ergriffen. Ich erkenne anhand der Spielerverpflichtungen die Konturen eines Bildes, auf das ich hoffnungsfroh neugierig bin. Wenn ich recht überlege, ist die Sommerpause eigentlich doch mindestens eine Woche zu lang. Es könnte heute Abend endlich wieder beginnen.

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