Ab der zweiten Halbzeit war die Saison noch lang genug

Gestern Mittag habe ich gedacht, nimm dir mal die Mannschaft vom MSV Duisburg im Freitagsspiel gegen den FC Energie Cottbus zum Vorbild und sei beim Schreiben über das erste Heimspiel dieser Saison während der Anfangsphase ganz einfach mal nicht so präsent. Für einen Leser hier ist das dann allerdings dümmer als für uns Zuschauer eines Fußballspiels.  Wenn ich als Autor nicht präsent bin, passiert nichts. Worte bleiben ungeschrieben und der Vorspiel-Text ist auch am Samstag nach dem Spiel der erste auf der Blogseite. Der MSV Duisburg  lässt in so einer Anfangsphase wenigstens zwei Tore zu und kitzelt unser Spannungsgefühl. Schließlich fiel der Anschlusstreffer von Jiayi Shao in der 16. Minute früh genug, damit noch alles möglich schien. Allerdings festigte das Shao-Tor im weiteren Spielverlauf seine äußere Erscheinung als Zufallsprodukt, als das es ins Spiel geschlichen kam. Was unsere Freude über das Tor selbstverständlich dennoch nicht störte.

Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang kaum etwas in dieser ersten Halbzeit. Da klappte es hinten mit der Zeit zwar etwas besser als vorne; aber das war immer noch nicht genug, um gegen sehr gut kombinierende Spieler vom FC Energie Cottbus auch nur den Hauch einer Überlegenheit zu erspielen. Mit einigem Wohlwollen aus besonders optimistischer Perspektive ließ sich allenfalls ein zunehmendes Gleichgewicht zwischen beiden Mannschaften feststellen. Wobei die Cottbusser dank ihres funktionierenden schnellen Passspiels mir bei Ballbesitz eher Sorgen bereiteten als der Ball in den Reihen des MSV mich auf den Ausgleich hoffen ließ.

In der zweiten Halbzeit behielt der Optimist in mir zunächst recht. Das Spiel des MSV Duisburg nahm Fahrt auf. Jürgen Gjasula und Daniel Brosinski waren eingewechselt worden. Endlich fand das Spiel meist in der Hälfte vom FC Energie Cottbus statt. An zwingende Chancen kann ich mich dennoch nicht erinnern. Wenn ein Ball einmal nicht so unpräzise in den Strafraum geflankt wurde, dass er mühelos geklärt werden konnte, kamen Flamur Kastrati oder wer auch immer in solch einer ungünstigen Position zum Schuss, dass ich schon auf die nächste Chance sehnsüchtig wartete, ehe der Ball überhaupt im Aus landen konnte. Hinzu kam die Sorge vor einem jederzeit möglichen Konter, gegen den auch eine beste Abwehr nicht immer ausreichend gewappnet ist.

Aus dieser Spielphase habe ich noch Benjamin Kern vor Augen, der beim Grätschen ein grandioses Timing zeigte und im letzten Moment einen Ball vor dem schon aufs Tor zulaufenden Cottbusser Spieler wegspitzelte. Zugegeben, ich mag die Spielweise von Benjamin Kern und sehe ihm Fehler vielleicht leichter nach als anderen Spielern. Aber im Moment halte ich ihn in bei der Mannschaftsfindung für ebenso unverzichtbar wie Branimir Bajic oder Goran Sukalo. Er war als Verteidiger bislang niemals ein Ausfall. Er spielte immer auf solidem Niveau mit eher häufigen Ausreißern nach oben. Für eine diffuse Haltung der Mannschaft könnte er ein Orientierungspunkt sein. Denn dieser Mannschaft vom MSV Duisburg fehlt es nicht nur noch an der Struktur ihres Spiels, auch die Energien der Spieler bündeln sich noch nicht. Benjamin Kern könnte zur Geschlossenheit beitragen, weil seine Haltung und Bereitschaft das Spiel anzunehmen sichtbarer ist als bei anderen Spielern. Er strahlt positive Energie aus.

Sucht man die der unentwickelten Mannschaftspsyche entsprechenden Momente auf der fußballerischen Ebene, so fällt auf, dass das defensive Mittelfeld beim Pressing wenig aggressiv wirkt. Kampfkraft, so weit vorhanden, verpufft meist. So wird der Angriffsdruck des Gegners auf die Abwehrreihe so groß, dass dort die einzelnen Spieler oft  ein schlechtes Bild abgeben. Da fehlt es an Einheit bei der Defensivarbeit. Und selbst eine Einheit wäre wahrscheinlich überfordert, wenn wie bei beiden frühen Gegentoren während der Vorwärtsbewegung noch in der eigenen Hälfte der Ball verloren wird. Reibungslos lief die Cottbusser Angriffskombination runter, alles orientierte sich auf die Ballverlustseite und schon steht Benjamin Kern alleine mit zwei Gegenspielern auf seiner  Seite. In der zweiten Halbzeit hat mir Kevin Wolze als Linksverteidiger übrigens sehr gut gefallen. Auch wenn er zuvor selten dort gespielt hat. Im Moment scheint er mir auf dieser Position am wertvollsten zu sein.

Als Belohnung für die Anstrengung in der zweiten Halbzeit wäre der Ausgleich gerecht gewesen. Als Ergebnis eines gut organisierten Offensivspiels konnten ihn allerdings niemand erwarten. Einige Male sahen wir in der zweiten Halbzeit Schlaglichter auf die mögliche Spielkultur dieser Mannschaft. Dauerhaft vorhanden war sie nicht. In der ersten Halbzeit ließ mich der MSV Duisburg einigermaßen ratlos auf meinem Stehplatz zurück. Zum Glück folgten nach der Pause 45 Minuten, nach denen ich zwar nicht zufrieden war, die mich aber nach ein paar Minuten haben denken lassen, die Saison ist noch lang.

1 Antwort to “Ab der zweiten Halbzeit war die Saison noch lang genug”



  1. 1 Ein Zebra in der Achterbahn Trackback zu 14. August 2011 um 20:09

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT IM BUCHHANDEL
Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: