Archiv für August 2011

Keine Neuverpflichtung beim MSV Duisburg

Das stärkt mein Vertrauen in die sportliche Leitung des MSV Duisburg, im Moment also vor allem in Milan Sasic: Es wird kein weiterer neuer Spieler verpflichtet, berichtet Der Westen.  Dahinter steht nach allen aufgekommenen Gerüchten eine wohl begründete Entscheidung. Unabhängig von jeglichen Qualitäten des Spielers Rob Friend schien mir der Zeitpunkt des Interesses an ihm auf leichte Nervosität im Verein hinzudeuten. So sie denn vorhanden war, ist sie überwunden. Wir können uns den Lustkauf gegen Alltagsfrust nun mal nicht leisten. Da fehlt einfach VW im Haus, damit das Geld für Gute-Laune-Shopping-Touren immer reichlich vorhanden ist.

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Amateurhandball trifft Profifußball mitten ins Gesicht

Man sieht die Kontrahenten in der Disco auf Mallorca sofort lebendig vor sich. Hier der Handballer, ein Sportler, gewöhnt seine Händen zu gebrauchen, dort der Fußballer, dem Handeinsatz verboten ist. Ein Kampf mit ungleichen Waffen. Im richtigen Leben war die Begegnung zwischen dem Handballer der Bergischen Panther und dem Fußballer von Arminia Bielefeld wenig spaßig. Ohne Spruch Kieferbruch, das beteuerte der Fußballer. Das Gericht glaubte ihm und verurteilte den Handballer der Bergischen Panther zu einer Geldstrafe.

Sobald ich die Wirklichkeit beiseite schiebe, erkenne ich sämtliche Zutaten für große Komik. Die Disco auf Mallorca als Traumziel von Herrenmannschaften sämtlicher Sportarten, jeglichen Alters und unterschiedlichster Professionalität; der Genuss alkoholischer Getränke, um die  Zeit rumzubringen und für die Fiktion der Versuch, die eigenen sportlichen Fähigkeiten so einzusetzen, dass es dem Kontrahenten schadet. Selbst der soziale Anspruch käme in der Slapstick-Szene nicht zu kurz. Der Verbandsligahandballer als Amateursportler mit Eigenversorgung gegen den Zweitligafußballer als Profi mit Rundumversorgung. Wer zudem noch Gründe für den sportlichen Absturz der Arminia eine Saison später sucht, findet in diesem Vorfall auch Ansätze zur Erklärung. Begib dich nie in die Mannschaftsfahrt-Niederungen des Amateursports, das Niederklassige zieht dich hinab.

Michael Tönnies im Interview bei 11 Freunde

Nicht oft verdichtet sich eine Fußballerkarriere an einem Spieltag so, dass ein einziges Spiel wie ein hochkonzentrierter Extrakt der Fähigkeiten eines Fußballers wirkt. Gibt es dafür ein besseres Beispiel als der Auftritt von Michael Tönnies im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991? Ihm gelangen an dem Tag fünf Tore, drei davon als Hattrick zwischen der 10. und 15. Minute. Das ist immer noch der schnellste Hattrick der Bundesligageschichte.

Michael Tönnies war während der letzten Saison zur Legenden-Vorstellung im Stadion. Er konnte nicht auf das Spielfeld kommen und blieb auf der Tribüne sitzen. Zu anstrengend wäre der Gang runter wegen seiner Lungen-Erkrankung gewesen. Im Interview mit 11 Freunde erzählt Michael Tönnies nun von dieser Erkrankung und wie es ihm im Moment geht. Nachdem ich seine unprätentiösen und wahrhaftigen Worte über Ängste und Hoffnungen gelesen hatte, war es erneut schwierig für mich, Worte zu finden. Wir können ihm nur Kraft wünschen für den weiteren Weg mit seiner Erkrankung. Manchmal wirken selbst Worte aus einer etwas entfernteren Ecke. Die Bilder zu diesem Tag des Tönnies-Extrakts finden sich im Netz als damaliger Spielbericht von RTL.

Zwischen Erleichterung, unbändiger Freude und Trauer

Eigentlich hätte der Sieg des MSV Duisburg gegen Dynamo Dresden gestern, am frühen Abend ganz im Zeichen von großer Erleichterung und unbändiger Freude gestanden. Doch an diesem frühen Abend gab es auch Momente von tiefer Trauer und Besinnlichkeit. Diese so anderen Gefühle machen heute eine Vorrede nötig. Der Fanbeauftragte des MSV Duisburg, Dirk Lechtenberg, war am Sonntag zuvor gestorben. Das Spiel gestern wurde auch zum Anlass genommen, seiner zu gedenken.

Wenn ein Stadion während der Halbzeitpause eines normalen Ligaspiels in einen Ort des Gedenkens verwandelt werden soll, ist das ein schwieriges Unterfangen. Zwischen den überbordenden Gefühlen bei einem Fußballspiel und Besinnlichkeit oder Trauer befindet sich ein tiefer emotionaler Graben. Nach einem Torjubel fällt es nicht leicht, sich einzustimmen auf ein Fühlen, das dem Moment des Gedenkens angemessen ist. Es ist dann ebenfalls nicht leicht, passende Worte zum plötzlichen und frühen Tod des Fanbeauftragen vom MSV Duisburg, Dirk Lechtenberg, zu sprechen. Es ist um so schwerer, wenn beim Sprechen der Verlust dieses Menschen so deutlich hervortritt, da dieser Mensch genau an diesem Ort des Sprechens die Freude über das Tor mit vielen der dort trauernden Menschen geteilt hätte.

Dem MSV Duisburg ist es dank der Freunde und Lebensgefährten von Dirk Lechtenberg und dank seiner Mitarbeiter auf dem Platz gelungen, diese schwierige Situation würdevoll zu gestalten. Die Zuschauer im Stadion hielten für diese Zeit des Gedenkens inne. Das stattfindende Fußballspiel entschwand in eine Nebenwelt, und im Stadion war spürbar, wie aufrichtige Anteilnahme die Menschen ergriffen hatte. Den Gästefans ist ihre stille Teilnahme an diesem Gedenken hoch anzurechnen, und selbst dem notwendigen Aufwärmen der Ersatzspieler war das Zurückgenommene, das Innehalten im alltäglichen Voranschreiten anzumerken. Es ist bezeichnend für unsere Medienwelt, dass am Rand des Spielfelds das Moderatoren-Geplapper für das Fernsehen weiterging und der grelle Scheinwerfer dort auf die scheinbare Unverwundbarkeit dieser Medienmaschinerie verwies. Der Tod von Dirk Lechtenberg ließ im Stadion überall sonst das Leben verstummen. Die Zeit stand still, und dass ein Fußballspiel nach diesem Gedenken wieder aufgenommen werden sollte, schien mir unvorstellbar.

Früh kam die Mannschaft des MSV Duisburg zurück auf den Platz. Die Spieler bewegten sich ein wenig, um warm zu bleiben. Sie blieben aber alleine, weder Schiedsrichter noch Gegner kamen dazu. Durch dieses Dasein der Spieler wagte sich das Leben zurück in das Stadion. Ob Fügung oder bewusste Entscheidung, die früh zurück gekommenen Spieler des MSV Duisburg, alleine auf dem Platz halfen den Zuschauern ihre so entgesetzten Gefühle miteinander in Einklang zu bringen. Es gab einen Zeitraum für den Gefühlswandel. Wir konnten den Spielern stumm zusehen und mit jeder ihrer balllosen Bewegungen nahmen wir die zweite Halbzeit des Fußballspiels ein wenig mehr in den Blick. Besinnlichkeit und Trauer ließen wir so weit zurück, dass die Rückkehr der Dresdner Spieler schon erwartungsvolle Unruhe hervorrief.

Die zweite Halbzeit begann, und ein wenig sorgenvoll fragte ich mich mit den Freunden, ob diese Mannschaft wirklich so gut war, dass sie den Gegner mit ihrer anfänglich leicht zurückgenommenen Spielweise kontrollieren könnte. Doch Dynamo Dresden war der richtige Gegner, um Selbstvertrauen zu entwickeln und genau das im Wettkampf zu üben, was wir in den ersten Spielen so sehr vermisst hatten. Die Mannschaft schlug kaum einen eroberten Ball mit einem langen Pass nach vorne, sondern sie versuchte fast alle Spielsituationen durch kontrolliertes Passspiel aufzulösen. Wenn konsequent so weitergespielt wird, werde ich auch einmal schreiben können, durch schnelles kontrolliertes Passspiel.

Von Spielbeginn an war deutlich, die Mannschaft wird versuchen, sich ihre Chancen durch Kombinationsfußball zu erspielen. Auch wenn steil gespielte Pässe im Nichts landeten, in jedem Angriff wurde erneut ein Kombinationsspiel versucht. Dynamo Dresden war dafür auch deshalb ein geeigneter Gegner, weil sich aus dem abgefangenen Ball nur selten ein gefährlicher Gegenangriff entwickelte. Zwar gab es zwei sehr gute Chancen für die Dresdner in der ersten Halbzeit, doch blieb die Mannschaft sonst eher harmlos. Viele zwingenden Chancen erspielte sich der MSV Duisburg allerdings auch nicht. Doch der Versuch einer konstruktiven Spielweise stimmte mich grundsätzlich optimistisch.

So schien mir das Tor kurz vor dem Halbzeitpfiff als Belohnung für die konsequente Wahl der spielerischen Varianten. Einen Eckstoß nahm Branimir Bajic volley und schoß unhaltbar ein. Wahrscheinlich möchte Branimir Bajic den Ehrgeiz seiner Kollegen aus dem Sturm ein wenig kitzeln. Bislang schien er bei Eckbällen ja vor allem ein besonderes Gespür für den abprallenden Ball als zweite Chance zu haben. Nun beginnt er, schon bei der ersten Chance am richtigen Platz zu sein. Großartig!

Wie angekratzt bei den Spielern des MSV Duisburg das Vertrauen in ihre Spielweise war, wurde am Jubel über das 2:0 sichtbar. Emil Julas Tor ging ein schöner Flankenlauf von Daniel Brosinski voraus, und im Jubelknäuel zeigte sich die so große Erleichterung der Spieler. Nach diesem Tor war der Sieg gesichert. Der Mannschaft blieb weiter Zeit, sich auszuprobieren, denn die Dresdner versuchten noch mitzuspielen.

Milan Sasic braucht sich nicht zu sorgen. Nach diesem Sieg wird nichts übertrieben gut geredet. Zu offensichtlich waren die Fehlpässe durch die unzureichende Abstimmung. Zu offensichtlich war das oft gemächliche Tempo, mit dem die Mannschaft viele ihrer Angriffe in den entscheidenden ersten zwei, drei Spielzügen bestritt. Da spricht aus mir keine Unzufriedenheit sondern Realismus. Vielmehr bin ich sehr zufrieden, dass die Mannschaft trotz dieser so offensichtlichen Schwächen es geschafft hat, das Spiel auf gesamter Länge durch Kombinationsfußball zu gestalten.

Für dieses Wagnis – auch wenn nur in ganz wenigen Momenten des Ballverlustes in der eigenen Hälfte ein Wagnis war, ich nenne das so –  für dieses Wagnis also war die SG Dynamo Dresden der bestens geeignete Gegner. Die Mannschaft war gut genug, um die Spielweise zu behindern, sie war aber nicht dauerhaft gefährlich genug, um die Schwächen des MSV Duisburg zu nutzen. Komischerweise war ich nur bei der ersten Großchance der Dresdner und Filip Trojans Heber an die Latte etwas erschrocken. Als Marcel Heller alleine auf Florian Fromlowitz zulief, schlug mein Herz nicht einen Schlag schneller. Ich war sicher, er schießt vorbei.

Wenn die Riesenfreude und das Feiern von uns Zuschauern und Spielern nach diesem Sieg ein Maßstab ist, mag ich gar nicht an einen wirklich großen Erfolg denken. Was wird dann erst los sein? Aber vielleicht gehört dieser Sieg ja bereits zu einem der großen Erfolge dieser Mannschaft. Sie hat dem Erwartungsdruck mit spielerischen Mitteln stand gehalten. Wir können wirklich zufrieden sein.

Der Gegenwind ist Rückenwind! – Wirklichkeit und Der Westen

Zu Beginn der Saison habe ich schon einmal eine Überschrift bei Der Westen moniert. Soll hier allmählich die Rubrik Medienkritik zur Standardrubrik werden? Da wird der Artikel zur Pressekonferrenz betitelt: „In Duisburg hapert es an der Kommunikation“. Zum zweiten Mal wird  eine doppeldeutige Überschrift aus dem Hut geholt, und ich beginne mich zu fragen, ist das einfach nur Gedankenlosigkeit oder hat das System? Diese Überschrift hinterlässt beim Leser doch den atmosphärischen Eindruck, der MSV Duisburg hat Schwierigkeiten grundsätzlicher Art. Vielleicht gibt es die, dann müsste aber ein anderer Artikel folgen.

Der Grund für diese Überschrift: Flamur Kastrati antwortet auf eine Frage in der Pressekonferenz zunächst in englischer Sprache und wird danach von Milan Sasic aufgefordert, seine Stellungnahme noch einmal auf deutsch zu sagen. Dirk Retzlaff schildert diesen Vorgang so, als ob er durch Milan Sasics leichten Ärger atmosphärisch belastet gewesen sei. Er sieht Flamur Kastrati dem „Gegenwind“ von Milan Sasic ausgesetzt. Einmal mehr:  hoffentlich hat Dirk Retzlaff nur ungenau formuliert.  Ich erkenne in Milan Sasics Aufforderung jedenfalls vielmehr Rückenwind. Er ermuntert Flamur Kastrati seine guten Deutschkenntnisse zu zeigen. Wer den Artikel liest, stellt sich Unstimmigkeit vor und belastete Gefühle. Davon kann ich in der Pressekonferenz nichts erkennen.

Dank der Kollegin von xtranews.de kann sich jeder selbst ein Bild machen – Ab 3:19 wird die Frage gestellt. Das Ganze dauert etwa anderthalb Minuten:

Der Fußball als Kunstart der Gegenwart

Als ich vor dem Urlaub das Interview mit Xavi vom FC Barcelona las, das Javier Cáceres für die Süddeutschen Zeitung geführt hat, musste ich mal wieder an das Verhältnis von Fußball und Kunst denken. Vor etwa zwanzig Jahren noch konnte ich in einem kleinen Text das Reden  über Literatur gänzlich vom Reden über Fußball unterscheiden. Ich hatte damals ganz im Sinne von Pierre Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ darauf hinweisen wollen, wie das Reden über die Kunstart Literatur auch als ein Mittel funktioniert, mit dem sich die Menschen dieser Gesellschaft sozial abgrenzen – vorzugsweise nach unten. Das Reden über Fußball kannte diese Möglichkeit  nicht. Über Fußball konnten im Gegensatz zu den Kunstarten alle reden. Es gab kein Fachvokabular als Signal für ein Expertenwissen, und es wurde vornehmlich über Geschmack  gestritten.

Seitdem hat sich naturgemäß viel verändert. Das öffentliche Reden über Literatur hat sich weiter demokratisiert. Geschmack rückte als Argument für Werturteile auch beim öffentlichen Reden über Literatur in den Vordergrund. Dagegen hat sich das Reden über Fußball dem alten Reden über Literatur als Kunstart angenähert. Es entstand ein Kanon an Expertenwissen, und es gibt Menschen, die anderen Zuschauern den Fußball erklären helfen.  Damit meine ich natürlich nicht jeden ehemaligen Fußballer als TV-Experten. In diesem Medien-Expertentum entstanden Hierarchien.

Selbstverständlich lassen sich unterschiedliche Gründe für dieses veränderte Reden über Fußball finden. Über allem steht, Fußball ist für diese Gesellschaft immer wichtiger geworden. Die vereinzelten Stimmen der 70er, die von Fußball-Kunst sprachen, wurden zu einer Art Fußball-Kunstbetrieb, dessen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind. In diesem Betrieb mischen sich die alten Sprechweisen mit den neuen. Manchmal aber höre ich diesem Reden über Fußball zu und erlange schlagartig die Gewissheit, dieser Sport gehört längst zu den Kunstformen der Gegenwart.

Die großen Fußballer dieser Zeit wie Xavi wissen das,  und wie alle Künstler wissen sie auch um die Beschränktheit ihres gegenwärtigen Publikums.

SZ: Ist Ihnen bewusst, dass keiner von den Spielern, die Sie nennen, je zum weltbesten Fußballer gekürt worden ist?

Xavi: Das Problem ist, dass 95 Prozent der Menschen Fußball mögen, aber nur zwei Prozent wirklich was verstehen. Einer meiner besten Freunde ist total fanatisch. Der guckt alles. Kennt alle. Und hat trotzdem nicht die leiseste Ahnung. Ich sage dem immer Sachen, wie: „Schau, der macht dumme Fouls, der ist nicht solidarisch . . .“ –, aber der sieht das nicht. Der hört einfach nicht zu.

SZ: Am Ende gewinnen bei Fußball-Wahlen immer die, die Tore schießen.

Xavi: Die Leute schauen nur auf die Resultate. Als wir nichts gewannen, galt unser Fußball irgendwie als schäbig. Jetzt sind wir die Referenz der Welt! Das ist doch zum Lachen. Ich habe vor fünf Jahren genau so gespielt wie jetzt. Und ich meine: genau so!

Da spricht Xavi mit dem Selbstverständnis eines Künstlers. Sein Können versteht er als interesselose Kunst und sein Spiel ist Arbeit an der Vollkommenheit. Das ganze Interview findet sich übrigens nicht im Online-Portal der Süddeutschen Zeitung. Aber es gibt ein Pdf-Dokument, das aus den Tiefen des SZ-Archivs auf der dritten Google-Seite auftaucht, wenn man Xavi Interview und Süddeutsche Zeitung googelt.

Vor allem tut mir Fromlowitz leid

Da haben sich gestern Abend mehr Menschen als sonst, das Spiel im Netz angesehen. Ab der zweiten Halbzeit ruckelte das Bild doch sehr, und manchmal musste ich bange Sekunden überstehen. Dann fror die Spielsituation genau in dem Moment ein, wenn der FC St. Pauli sich mal wieder eine Großchance erarbeite und der Stürmer gerade abschloss. Hoffnungsvolle Momente mit eingefrorenen Bildern gab es leider für mich nicht. Das sagt schon alles über dieses Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli. In der passablen ersten Halbzeit lief das Bild durch. Da konnte ich noch zufrieden sein, zumal ich ja nichts erwartet hatte.

Sicher kann man wie Milan Sasic sagen, ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Die Mannschaft hätte sich das Ergebnis aufgrund ihres Kampfes verdient. Man kann aber auch wie der Trainer des FC St. Pauli Andre Schubert sagen, der Sieg sei verdient. Denn die spielerische Überlegenheit gerade in der zweiten Halbzeit war zu offensichtlich, und diese Überlegenheit war nicht nur die Folge der gelb-roten Karte für Vasileios Pliatsikas. Der FC St. Pauli kombinierte von Beginn der zweiten Halbzeit besser. Die einzelnen Spieler hatten weniger technische Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Balles.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das angestrebte Saisonziel, eine Platzierung unter den ersten sechs Mannschaften, ist weit entfernt. Diese Mannschaft des MSV Duisburg spielte nicht auf Augenhöhe mit dem FC St. Pauli. Diese Mannschaft wählte das Mittel aller Kleinen einer Liga, sie wollte sich das Unentschieden in einer Abwehrschlacht erkämpfen.

Am meisten tut mir die Niederlage für Florian Fromlowitz leid. Er hätte dieses Unentschieden alleine für seine spektakuläre Fußbabwehr per Flugeinlage auf der Linie eine Spielsituation vor dem Ausgleich vedient. Er hat das gesamte Spiel über eine großartige Leistung gezeigt. Beim Schuss zum Siegtor nach dem kontrolliert herausgespielten Angriff in der letzten Minute der Nachspielzeit (!) war nichts halten. Gar nichts. Dieses Tor, fast in der letzten Sekunde des Spiels, zeigt die Qualität einer Mannschaft, die oben mitspielen kann. Dieser Angriff wurde nicht hektisch vorgetragen. Da gab es das Vertrauen auf das eigene Können. Da gab es klare Strukturen beim Bewegungsablauf im Angriff. Davon ist der MSV Duisburg noch entfernt.

Ich hoffe natürlich weiter, dass diese Mannschaft im Verlauf der Saison so eine Struktur bei den Offensivbemühungen in Gänze auf dem Spielfeld zeigen kann. Gestern ließ sich von so einer Struktur bis in das Mittelfeld in der ersten Halbzeit zwar schon etwas ahnen, doch wenn der Ball dann nur zehn Meter weiter Richtung Tor getrieben wurde, war zu viel vom Zufall abhängig, zerfiel meist die Andeutung von Struktur wieder und der Angriff geriet mal mehr, mal weniger zerfahren. Die Ordnung in der Defensive war dieses Mal nicht so ganz das Problem.

Ich hatte dieses Tor des FC St. Pauli schon früher erwartet, und je länger der MSV Duisburg das Unentschieden hielt, desto größer wurde die Freude über diesen möglich werdenden Punktgewinn. Ich habe gestern Abend tatsächlich den Fehler gemacht, mich zu früh zu freuen. Um so größer war mein  Ärger, der sich heute morgen wieder in dieses leise Kitzeln der Sorgen verwandelt hat. Gegen Dynamo Dresden kann sich der MSV Duisburg nicht so weit zurück ziehen wie gegen den FC St. Pauli. Das wird der Gegner schon selber tun. Zwei Mannschaften in der jeweils eigenen Hälfte sich gegenüberstehend, das verspräche wirklich kein gutes Fußballspiel. Hoffen wir also, dass die gesehenen Ansätze zur Struktur in der Offensive weiter ausgebaut werden können. Allmählich sollte ein vollendetes Erfolgserlebnis für die Mannschaft und uns Zuschauer mal drin sein.


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