Halbwegs begründete Empfehlung für „Angriff von Rechtsaußen“ von Ronny Blaschke

Manchmal möchte ich mir hier einen Platz einrichten, an dem ich meine Gedanken völlig undurchdacht rausschreibe. Frei nach dem Motto: Betreten auf eigene Gefahr! Starke Meinungen ohne Argumente! Unklare Gedanken in verführerischen Worten! Einfache Wahrheiten erst nach drittem Lesen zu verstehen. Der aktuelle Grund dafür ist ein wachsender Bücherstapel auf meinem Schreibtisch. Die Bücher sind gelesen. Sie sollen empfohlen werden. Doch mir fehlt der Schwung drüber zu schreiben. Da spielt mir meine Psyche einen Streich. Aus Vergnügen ist Arbeit geworden, und die soll es hier nicht sein. Da lehne ich mich gegen mich selbst auf mit Wörterknappheit und Begründungsmüdigkeit. Ihr könnt euch etwa sicher sein, Ronny Blaschke hat mit „Angriff von Rechtsaußen“ ein sehr lesenswertes Buch über rechtsradikales Milieu im Fußball geschrieben. Mehr sage ich erstmal nicht dazu. Glaubt´s einfach, oder lasst es sein.

Andererseits fällt mir nun doch noch ein: Mit einer Vielzahl von Reportagen und einigen Interviews versucht er, zunächst die Wirklichkeit rechtsradikalen Handelns im Fußball zu erfassen. Das geht von der Fanszene beim 1. FC Lokomotive Leipzig, über Schiedsrichter mit NPD-Parteibuch hin zur Rechtsrockband Kategorie C oder Sicherheitsdienste mit fragwürdigen Kontakten zur rechtsradikalen Szene. Wenn es um Fans in Leipzig oder Lübeck geht, geht es aber auch um die Versuche, den Einfluss der Neonazis zu verhindern. Gerade O-Töne wie im Interview mit dem NPD-Funktionär Klaus Beier machen zudem deutlich, wie geschmeidig die unter Fans akzeptierte Kritik am Fußball als Geschäft und dem globalisierten Profitum, sprich: dem Ausländeranteil in den Mannschaften, in das rechtsradikale Argumentieren eingebaut wird. Im zweiten Teil des Buches richtet Ronny Blaschke seinen Blick auf jene Menschen, denen die Neonazis feindlich gesinnt sind. Mit dem Perspektivwechsel verliert das Buch an thematischer Schärfe, weil es in diesen letzten Kapiteln weniger um konkretes Geschehen geht als um atmosphärische Eindrücke und Willensbekundungen. Es kommen Interessenvertreter zu Wort und so wird das Gesagte allgemeiner und weniger anschaulich. Viel neues gibt es auf diesen letzten Seiten also nicht zu erfahren. Das mindert die Gesamtqualität nur wenig, soll aber nicht verschwiegen werden.

Ronny Blaschke: Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2011. 223 Seiten. € 16,90.

10 Responses to “Halbwegs begründete Empfehlung für „Angriff von Rechtsaußen“ von Ronny Blaschke”


  1. 1 mberghoefer 7. September 2011 um 08:36

    Deine Buchbesprechungen mag ich sehr (wie auch sonst so ziemlich alles hier), und da diese sozusagen „mit Einschränkungen“ formuliert ist, will ich eine weitere „eingeschränkte Meinung“ dazu abgeben – vielleicht komplettiert sie ja in irgendeiner Weise 🙂

    Ich habe das Buch von Ronny Blaschke nicht gelesen (es fehlt auf meinem Frühstückslesebuchtisch – wieso eigentlich?!) aber ich war letztens eine Stunde lang in Düsseldorf im „BiBaBuZe“, wo der Autor sein Buch persönlich vorstellte und mit auf Leinwand projezierten Fotos untermalte. Die von dir erwähnten Themen wurden dabei nachvollziehbar dargestellt und ein bisschen „aus-erzählt“, auch was das Drumherum betrifft – also: wie gestaltet sich das, die Protagonisten dieser Szene dazu zu bringen, mit einem Journalisten über dieses Thema zu reden, welche Folgen hat es für beide Seiten vielleicht und tatsächlich usw. Das war sehr interessant, ich kann das Buch also zwar nur „über zwei Ecken“ empfehlen, tue das „über eine Ecke“ (weil ich ja nur einen kleinen Teil dabei war) aber auch für die Lesereise, die Ronny Blaschke wegen dieses Buches und des Themas unternimmt. Aktuell ist er m.W. noch in NRW damit unterwegs. Ich finde: es lohnt sich.

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  2. 2 Kees Jaratz 7. September 2011 um 08:38

    Da kommt ganz schnell der Dank fürs Komplettieren! 🙂

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  3. 3 Tom 7. September 2011 um 11:59

    Apropos Buchbesprechung…Meine Frage hat jetzt nicht direkt mit diesem Buch was zu tun, sondern würde ich nur gerne wissen ob sich zufällig auch „Ultras“ von Jonas Gabler in deinem derzeitigen Buchportfolio befindet?
    Ich habe nämlich bisher viel Gegensätzliches über dieses Buch gehört und von daher interessiert mich deine Meinung dazu.

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  4. 4 Kees Jaratz 7. September 2011 um 13:53

    Nein, tut mir leid, Tom, liegt weder auf Schreib- noch Nachttisch. Nehme ich jetzt aber als Lesehinweis, um noch mehr wieder ins Vergnügen zu finden, wenn´s ans Schreiben über Bücher geht.

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  5. 5 mberghoefer 8. September 2011 um 08:28

    Meine Meinung war zwar nicht gefragt, aber ich äußere sie trotzdem mal: Gablers „Ultras“ ist für mich das beste Buch zu diesem Thema, das ich kenne (welche ich so kenne sieht man in der Komplett-Liste des Fußballbuch-Blogs: http://fussballbuch.wordpress.com/komplett-liste/. Einerseits zeigt sich Gabler deutlich besser informiert als es die Regel ist und andererseits weiss er vieles, was mit der „Ultrakultur“ zu tun hat, auch ins Verhältnis zu setzen zu dem, wie sich die Gesellschaft an sich entwickelt hat in den letzten vierzig Jahren. Für meinen Geschmack berechtigte Kritik an der „Szene“ gibt es auch, manchmal allerdings vielleicht etwas zu verhalten (wenn ich mich recht erinnere, dann wird zB das Thema Gewalt und das meist zelebrierte „Nicht-Distanzieren“ zwar kritisch betrachtet, aber eben auch mit einem gewissen Verständnis, das dem gesamten Buch zugrunde liegt – und ihm meist auch gut tut.).
    Mein Fazit wäre ganz klar: Lesen.

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