Dieses Gefühl habe ich eine Saison lang nicht vermisst

Wenn Niederlagen des MSV Duisburg mir für längere Zeit immer wieder Mal kurz die Laune verderben, bin ich in eine wohl bekannte alte MSV-Stimmung geraten. Eine Saison lang hatte ich mir selbst beweisen können, dass ich das Verlieren irgendwann einmal gelernt habe. Es war nicht schön zu verlieren, doch dieses unangenehme dunkle Gefühl vom Wochenende rund um den MSV blieb dennoch verschwunden. Jetzt ist es wieder da. Es ist ein Zeichen der Unzufriedenheit, nicht weil der MSV Duisburg verliert, sondern weil mein Vertrauen in das Handeln der Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht stabil bleibt. Mein Schiff Vertrauen befindet sich in dieser Saison wieder in unruhigem Gewässer.  Ich muss mich selbst zum Vertrauen überzeugen. Letzte Saison stellte es sich ein. Vielleicht dank glücklicher Umstände.

Vom Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth habe ich nichts gesehen. Nach dem, was zu lesen ist, muss die Mannschaft des MSV Duisburg sehr schlecht gespielt haben. Auch das könnte ich hinnehmen, wenn ich den Umgang mit dieser Spielweise gutheißen könnte. Mir fällt das schwer. Meine Gedanken zu Milan Sasic habe ich hier schon öfter ausgebreitet. Er hat trotz meiner anfänglichen Skepsis meine Sympathie gewonnen. Meine Sorgen ergeben sich dennoch immer wieder aus Milan Sasics Umgang mit anderen Menschen. Ich habe schon einmal vom komplexen Beziehungssystem einer Fußballmannschaft geschrieben, und ich habe Sorge, dass Milan Sasic der Gegenpart Bruno Hübner fehlt. Bruno Hübner fehlt nicht als Sportdirektor sondern als starke Person im Verein, um eine Art Psychohygnie der Gruppe zu gewährleisten. Wenn ich die Reaktion von Milan Sasic auf die Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth sehe, wenn ich mich an seinen Umgang mit Mihai Tararache erinnere und an meine Mutmaßungen über seinen Umgang mit Benjamin Kern wieder wach werden, dann nimmt das Bild des enttäuschten, strengen Vaters Konturen an.

Versteht ihr, was das bedeutet?! Ich habe schon wieder das Gefühl, ihr strengt euch nicht genug an. Noch einmal nachgedacht: Der entäuschte, strenge Vater! Ich habe das in den letzten zwei Wochen jeden Tag mit euch geübt: Anspielungen, Vergleiche, bildhaftes Sprechen, Sätze mit Nebensätzen. Sätze mit mehr als fünfzehn Wörtern. Gereihte Sätze. Die Grundlagen: Einwortsatz. Die Frage. Der Aussagesatz. Alles. Und jetzt dieses Totalversagen?! Das geht nicht! Wieder sehe ich Leser ohne Bereitschaft, sich anzustrengen, um etwas zu verstehen. Ihr kriegt die Texte ohne einen Cent auszugeben. Auch wenn ihr noch so wenig denken könnt, ich will euch wenigstens ums Verstehen kämpfen sehen.  Mir tuen nur die Blogportale und die Zusammenschauen der Sportseiten leid, die sich das ansehen müssen.

Das fühlt sich doch unangenehm an, so ein Kind eines enttäuschten, strengen Vaters zu sein, oder? Das wird auch durch Geld nicht aufgewogen so ein Gefühl. Das kann zu verhärteten Positionen führen. Erfolg stellt sich im Moment nicht ein. Alles, was die Gruppe auseinander treibt, was Selbstbilder in der Öffentlichkeit beschädigt, all das macht Erfolg in Zukunft nicht gerade wahrscheinlicher.  Immer wieder kann ich nur hoffen, dass Milan Sasic in seinem Verhalten nach innen gegenüber den Spielern mehr Möglichkeiten zu handeln hat, als es nach außen hin oft den Anschein besitzt.

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4 Antworten to “Dieses Gefühl habe ich eine Saison lang nicht vermisst”


  1. 1 Christian Moosbrugger 13. September 2011 um 01:16

    Habe nach Fürth einen gemischten Eindruck. Was der Mannschaft fehlt, ist Konstanz. Die beiden Tore waren
    eigentlich unnötig. Ist auch wieder mit einem blöden Tor
    Unterschied ausgegangen. Fand aber nicht, das MSV sehr
    schlecht war. Die anderen haben eben zweimal entschlossen
    ihre Chance genutzt.
    Bei uns fehlt diese letzte Entschlossenheit. Im Spielverlauf hatten wir ebenso starke Phasen wie unser Gegner. Anders als du sehe ich nicht so ein Problem mit
    Kern. Auch das andere nicht das bringen, was man sich
    erhoffte, geht noch OK. Ein Rätsel ist mir allerdings
    Shao, der ja als erfahrener Leistungsträger geholt wurde,
    und von dem man weder noch was hört oder sieht. Weisst
    du oder weiss sonst jemand etwas darüber?!

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  2. 2 Kees Jaratz 13. September 2011 um 04:27

    Im Stadion speise ich meist Freunde mit Zuversicht. Hier machst du das für mich und die anderen, Christian. Zu Shao habe ich auch nicht mehr als Vermutungen, die mal wieder mit meinem Eindruck der Persönlichkeit von Milan Sasic zusammen hängen. Als die Verpflichtung von Shao öffentlich wurde, waren in Cottbus einige ganz zufriedene Stimmen zu lesen. Er galt dort für einige als nicht besonders lauffreudig und langsam. Zugespitzt hieß es, gut, dass wir jetzt nicht mehr eine Mann auf den Platz stellen extra für die Freistöße. Wir wissen ja inzwischen, welche Spielertypen Milan Sasic am liebsten sind. Er ist besonders zufrieden mit Spielern, wenn sie offensichtlich kämpferisch sind im Spiel. Dann ist er nachsichtiger mit Fehlern. Spieler anderen Typs haben es schwerer. Gerade ihnen gegenüber wirkt er auf mich sehr rigoros. Du siehst, worauf ich hinauswill? Vielleicht ist Milan Sasic dieses in Cottbus von einigen als Shao-typisch wahrgenommene Spielverhalten zu viel geworden?

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  3. 3 Christian Moosbrugger 13. September 2011 um 17:47

    Shao ist ja keine unbekannte Grösse in Deutschland. Von da her kann man
    eigentlich nicht erstaunt sein, wenn er jetzt bei uns so spielt wie woanders
    auch. Was die Cottbusser zu ihm gesagt haben, mag auch durch Ärger in
    Anbetracht seines und Julas Wechsels mit geprägt worden sein. Und gegen
    Dresden hat er ja immerhin das dritte Tor erzwungen, obwohl er nur einen
    Kurzeinsatz hatte. Ich habe ihn auch in mehreren Vorbereitungsspielen
    gesehen und fand dort, natürlich gegen vergleichsweise schwache Gegner,
    seine Flanken und hohen Bälle ganz bemerkenswert. Gerade jetzt, wo es
    bei uns daran zu hapern scheint, das nichts richtig vorne in den Strafraum
    gefährlich reinkommt, und wo mit Jula wieder einer zur Verfügung steht, der
    was aus dynamischen Hereingaben macht und diese variabel verarbeitet,
    scheint einer wie er zu fehlen. Letztes Jahr war übrigens ein gut Teil des
    Meidericher Fussballwunders durch ruhende Bälle Grlics generiert, der ja
    da auch schon keine Rakete mehr war. Shao ist auf dem Platz viel
    beweglicher als Grlic, der ja an sich bei uns ein reiner Mittelkreisspieler
    war. Ich habe Shao jedenfalls von vorneherein als den gesehen, der für
    Grlic kommt und bin unverändert davon überzeugt, das er unser Mann
    ist.
    Meine These, warum er nicht spielt: Sasic will unbedingt schnelles
    modernes Kurzpassspiel über die Flügel im Barcastyle und überfordert
    die koordinativen Fähigkeiten des neu zusammengewürfelten Haufens
    damit sichtlich. Mich erinnert es ein bisschen an Bayern letztes Jahr, wo
    auch alles verkrampfte und der Erfolgsdruck übermächtig wurde.
    Die Frage nach Shao stellt sich für mich daher auch im Sinne einer
    Reduktion der taktischen Ansprüche zugunsten von sozusagen klassisch
    einfachem, spielerischem Fussball, wie es uns etwa Düsseldorf dieses
    Jahr vormacht. Ich kann mir etwa vorstellen, das Jula und Domovchiyski
    oder Kastrati ein zentrales Sturmduo bilden mit Gjasula als Zehner in einer
    Mittelfeldraute, zu der Shao und Sukalo sowie noch ein anderer, Pliatsikas,
    Brosinski oder Wolze, gehören. Wenn die uns nach vorne geballert haben,
    kann der Milan dann wieder seinen taktischen sowie ausbilderischen
    Ambitionen frönen.
    So, genug Bierbauchstammtischtrainertheorie. Ich glaube weiterhin, das
    Sasic, mehr als andere, ein Realist ist, der auch, anders als etwa ein
    Louis van Gaal, eigene Ansprüche und Forderungen zurückstellt, wenn dafür die Zeit kommt. Im Moment will er Shao vielleicht nicht zusammen
    mit Gjasula, der ja auch nicht schnell ist, bringen. Aber ich glaube, sofern
    nicht noch was anderes mit Shao nicht stimmt, etwa physischer, psychischer
    oder kommunikativer Natur, führt kein Weg an ihm vorbei. Wäre ich ein
    Journalist in der Pressekonferenz, wäre jedenfalls dahingehend meine erste
    Frage an den Zebratrainer. Ich finde, als Fan sollte man fast schon darauf bestehen, das ein technisch so beschlagener Junge auch vorgezeigt wird!
    Obwohl, vielleicht sehen wir ihn ja schon beim 5:0 am Samstag, wo er zwei
    Vorbereitungen und einen selbst macht.

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    • 4 Kees Jaratz 15. September 2011 um 21:04

      Mensch christian, jetzt haben deine gar nicht stammtischhaften Trainertheorien zwei Tage in der Spam-Warteschlange sich die Buchstaben in die Wörter gestanden. Keine Ahnung, was da passiert ist. Die geht mir immer leicht durch, zumal da ja eigentlich nie was anderes als Spam drin ist. Ich frage mich aber schon seit letzter Woche, ob T-online nicht ein paar Probleme mit den Mail-Servern hat. Das aber nur am Rande.
      Deine Überlegungen zu Shao klingen für mich ganz plausibel. Hatte ich noch nicht im Blick. Und nach meiner missglückten Prognose zum Auswärtssieg will ich mich deinem Tipp erstmal nicht anschließen, sondern auf die Kraft deiner Worte setzen. Vielleicht komme ich unter dem Deckmantel deines Tipps auf meine Kosten. 🙂

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