Wer sagt denn endlich was zum Trainer?

Eine Woche können wir uns den Anblick nun schon gönnen. Die Tabelle der Zweiten Liga zeigt den MSV Duisburg vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn auf einem Relegationsplatz. Dummerweise erhält dieser Relegationsplatz nicht die Hoffnung auf den Aufstieg. Es ist der Relegationsplatz des Tabellenendes, und er bringt uns Schicksalsmonate eines Bielefelder Retter-Lienens näher. Ich schreckte sogar schon einmal nachts auf, weil ich von einer Auswährtsfahrt träumte nach Darmstadt, der heimlichen Hauptstadt der  Blümchenmustertapete. Und Freunde schwören, ein verschämtes Wispern aus dem Wasser des Rhein-Herne-Kanals  gehört zu haben: „Ihr vermisst uns doch auch! Zusammen hatten wir so viel Spaß beim Kleeblattsuchen und dem Wassertreten in meinen Kanalkurven-Containerklo-Pfützen.“

Was für eine Woche! Es was eine Woche, die uns verdeutlichte, konzeptionelles Arbeiten braucht immer auch Menschen, die sich für Konzepte verantwortlich fühlen. Beim MSV Duisburg ist aber seit dem Weggang von Bruno Hübner nicht so ganz klar, wer da welche Verantwortung trägt oder tragen möchte. Wenn dann ein 16. Tabellenplatz als Möglichkeit genutzt wird, um Zeitungsseiten mit Schicksalsspielgeraune zu füllen, bleibt es erstmal still im Verein. Dann wird noch irgendwas hinterhergeschoben von Spielern, die über eine Sasic-Entlassung sprechen und allmählich merken die Verantwortlichen, jetzt müssten sie auch erstmal was sagen. Nur diese Verantwortlichen kennen sich außer Roland Kentsch im Fußball nicht sonderlich gut aus. Deshalb klingen die Worte von Dieter Steffen und David Karpathy auch mehr nach Getriebenwerden als nach Herren des Geschehens sein. Erst als Roland Kentsch sich bemerkbar machte, hatte ich endlich zu meiner Beruhigung den Eindruck, da versucht einer die Deutungshoheit über die Situation beim MSV Duisburg zurückzugewinnen.

Man kann den 16. Tabellenplatz in Zeitungen übrigens auch zu sachlichen Überlegungen nutzen. Das kann als Bestandsaufnahme des Qualitätsverlusts im Kader geschehen wie von Dirk Retzlaff bei Der Westen am Montag oder als kommentierende Analyse des Gesamtzusammenhangs wie von dessen Essener Kollegen aus der Zentralredaktion Ralf Birkhahn einen Tag später.

All diese Worte bisher haben noch gar nichts mit der Frage zu tun, ob Milan Sasic in der Situation ein guter Trainer für die Mannschaft ist oder nicht. Meine Sorge galt ja bislang zunächst gar nicht der fachlichen Kompetenz, sondern den Möglichkeiten, die Milan Sasic besitzt, um diese Mannschaft anderer Charaktere zu einer Einheit zu formen. Diese Sorge wird gerade durch die Berichterstattung beruhigt. Die Stimmung in der Mannschaft sei gut, heißt es im Reviersport.  Bleibt also, sich den fußballspezifischen Fragen zu widmen. Und da hätte ich gerne mehr erläuternde Worte von Milan Sasic gegenüber der Öffentlichkeit. Das würde ebenfalls die Stimmung beruhigen. Argumente für einen Trainerwechsel werden ja nur deshalb gesammelt, weil Unverständnis gegenüber Entscheidungen herrscht. Unverständnis lässt sich mit Erklärung begegnen.

Und natürlich mit einem Erfolg gegen den SC Paderborn.  Der Verein dort lässt für mich die Hellmich-Ära noch einmal so richtig lebendig werden, wird er doch von einem Bruder im Geiste geführt. Dort im Ostwestfälischen kann sich der Patriarch als Vereinspräsident noch richtig austoben und dem Selbstbild gemäß auch große Ziele einmal aussprechen. Vielleicht können wir als einst aufstrebende dritte Fußballkraft im Revier unser Wissen weitergeben, wie solche Fantasien durch die Wirklichkeit ausgebremst werden. Per praktischer Anschauung den Finkschen Träumereien vom „Aufstieg“ einen Dämpfer geben. Fände ich persönlich ganz gut.

3 Antworten to “Wer sagt denn endlich was zum Trainer?”


  1. 1 Christian Moosbrugger 3. Oktober 2011 um 01:48

    Noch was zum Sportlichen: Kern, Shao und Domo waren gegen
    Paderborn wieder dabei, Kern fand ich übrigens heuer viel
    ballsicherer, auch Shao zeigte was. Es wurde 4-4-2 mit
    Mittelfeldraute und Doppelsturm gespielt, das weist darauf
    hin, das Sasic doch flexibler agiert und reagiert, als von
    vielen angenommen. Auch funktionierte die Truppe sehr
    geschlossen und ohne Verschleißerscheinungen, es schien,
    als stünde sie hinter dem Trainer. Nur leider eben doch
    wieder verloren. Was fehlte, war der kreative Spielzug im
    Angriff. Diesmal hatten die Zebras auch echt grosses Pech.

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    • 2 Kees Jaratz 3. Oktober 2011 um 07:34

      Du sagst es, Dieses Spiel bietet überhaupt keinen Anlass auf Mannschaft und Trainer einzuprügeln. Null Verständnis für Wut und einzelnes Pfeifen auf den Rängen.

      Gefällt mir


  1. 1 Ein Zebra in der Achterbahn Trackback zu 3. Oktober 2011 um 10:46

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