Alles ist gesagt – fast alles

Nach der 0:2-Pokalniederlage des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel habe ich weiterhin wenig Worte. Im Gegensatz zur Berichterstattung in den lokalen Medien klingt der Spielbericht im Kicker übrigens gar nicht mal nach einer so schlechten Leistung des MSV Duisburg. Ich meine aber, das gilt höchstens für die erste Halbzeit und auch nur wegen der reduzierten Ansprüche im Moment. In der zweiten Halbzeit war es jedenfalls wieder ein Desaster. Eine Mannschaft, die so ungefestigt ist, wird absteigen. Das hat Milan Sasic zu verantworten.

Zu Milan Sasic ist alles gesagt. Er hat Qualitäten. Diese Qualitäten kann er aber, wie ich befürchtet hatte, offensichtlich nur mit speziellen Spielertypen zeigen. Anders kann ich das wiederkehrende Muster seiner Arbeit bei nun drei verschiedenen Vereinen nicht erklären. Es scheint mir auch unvorstellbar, dass er gegen den Zuschauerwillen seine Tätigkeit beim MSV Duisburg fortsetzen kann. Das gelingt ja nicht einmal, wenn Verwaltung und Spieler eines Vereins vom Trainer überzeugt sind. Was man beim MSV Duisburg von den Spielern sicher nicht sagen kann.

Es gibt diese als unbedingte Erfolgsvoraussetzung gepriesene Einheit im Verein nicht. Anscheinend eben schon gar nicht im Spielerkader. Diese Einheit herzustellen wird schwierig sein, weil die Spieler mit anderen Erwartungen zum Verein gekommen sind. Auch die Spieler sind enttäuscht. Und diese Enttäuschung sucht nach Auswegen. Deshalb staut sich Aggression mehr noch an als es schon bei normalen Misserfolgserlebnissen der Fall ist. Milan Sasics Umgang mit seinen Spielern bietet ihnen zudem die Gelegenheit viele Sündenböcke im Kader auszumachen.

Das Aus im Pokal ist heute schon nicht mehr so schmerzhaft wie gestern Abend. Ein wenig schmerzhafter ist schon der derzeitige Tabellenstand. Richtig schmerzhaft ist allerdings die Einsicht, meine Zustandsbeschreibungen über den  MSV Duisburg vom Anfang der Saison waren ein großer Irrtum. Der MSV Duisburg hat nicht die nächsten Schritte auf einem strukturierten Weg zurück nach oben gesetzt. Vielmehr hat der Verein dem Ziel den Rücken gekehrt. Der Verein rennt geradezu über den Startplatz hinaus zurück und scheint nicht mehr aufhören zu wollen bei diesem Laufen in die falsche Richtung.

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11 Antworten to “Alles ist gesagt – fast alles”


  1. 3 Ilja 27. Oktober 2011 um 09:48

    Traurige Entwicklung (momentan) in Duisburg. Vor der Saison vergleicht man ja in Betracht des Kaders, der Transfers und der Leistung aus der Vorsaison diverse Mannschaften. Duisburg war in meinen Augen eigentlich ein Geheimfavorit…

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    • 4 Kees Jaratz 27. Oktober 2011 um 11:03

      Auf jeden Fall habe ich die Mannschaft nicht so weit unten gesehen. So was kitzelt meinen Erklärungsbedürfnis sehr. Ich will so was immer verstehen und möchte am liebste in die Köpfe von allen Beteiligten gucken können. Die Oberfläche lässt sich ja beobachten, aber Erkenntnis gewinnen nicht nur durch Deuten, wäre schön.

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  2. 5 Piet 27. Oktober 2011 um 13:07

    Ich frage mich, ist es der Trainer oder die Mannschaft. Ich habe bisher nicht gemerkt, dass durch diese ein Ruck geht, um einen Rückstand aufzuholen. Das mag an der fehlenden Motivation durch den Trainer liegen. Aber dass im gegenerischen Mittelfeld Schluss ist und kein Ball mehr auf das gegnerische Tor kommt, das scheint mir im Defiziot der Mannschaft begründet zu liegen. Aber die kann man austauschen….

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  3. 6 sp470 27. Oktober 2011 um 14:54

    …um die Entlassung von Milan Sasic kommen wir nicht mehr drum rum. Das muß die kurzfristige Lösung sein. Allerdings glaube ich nicht, dass ein neuer Trainer den Spielern bzw. einem Teil der Spieler ein (neues) Gesicht geben kann und dass wir auf einmal „durchstarten“ werden. Um einen Kern der jetzigen Mannschaft in der Winterpause ein neues Team zu formieren und die Klasse zu halten, sollte das neue Saisonziel sein. Ich denke schon, dass wir einen Teil der Spieler loswerden können. Wie gesagt, es sind ja Namen dabei und woanders werden sie dann bestimmt auch (wieder) zünden.

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    • 7 Christian Moosbrugger 27. Oktober 2011 um 15:13

      Ich sehe das alles nicht so kompliziert. Glaube, die Mannschaft steht
      eigentlich. Wir haben auch Alternativen auf verschiedenen Positionen
      und können, anders als im Vorjahr, taktisch variieren. Falls ein neuer
      Trainer kommt, wird er gut daran tun, möglichst wenig zu ändern. Ich
      komme letztendlich zu dem Ergebnis, das die Mannschaft durch etwas
      gelähmt und eingeschnürt wird. Sei es, wie Kees Jaratz meint, der Stil,
      den Sasic im Umgang mit den Spielern pflegt, oder, wie ich meine, ein
      zu aufwendiges Konzept mit zu kompliziertem Spielaufbau, das ständig
      hohen Laufeinsatz und grosse Passsicherheit voraussetzt. Ich bin der
      Ansicht, Sasic hat, nach dem Erfolg vom letzten Jahr, damit gerechnet,
      jetzt länger Kredit in der Hinsicht zu haben, so etwas sich entwickeln zu
      lassen. Durch den Weggang von Hübner ist die Sache dann gekippt,
      und ein Perfektionist wie Sasic niegt unter Druck eben dazu, sich immer
      kleinteiliger und akribischer in alles einzumischen. Für mich ist die alles
      entscheidende Frage, ob die Mannschaft zum Teil schon gegen den
      Trainer spielt, was sich vermuten lässt. Dann gibt es zu einem Wechsel
      fast keine Alternative. Aber dann wird der neue auch schnelle Erfolge
      erzielen.

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      • 8 Kees Jaratz 27. Oktober 2011 um 15:23

        Manchmal habe ich den Eindruck, Christian, wir benutzen nur andere Worte für einen fast ähnlichen Sachverhalt. Ich hebe da leicht ab mit meinem Spekulieren in gruppendynamischen Zusammenhängen. Du bleibst geerdet bei den Fußballzusammenhängen. Unten habe ich im Grunde ähnliches gemeint mit meiner Struktur, die notwendig ist. Ich hatte das vorhandene Spiel nur nicht als Sasic-Forderung an einen komplizierten Spielaufbau erkannt.

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  4. 10 Kees Jaratz 27. Oktober 2011 um 15:11

    @piet Meiner Meinung nach ist es der Trainer zusammen mit genau dieser Mannschaft. Manchmal möchte ich in solchen Situationen in alle Köpfe gleichzeitig gucken können, um zu mitzubekommen, wie die Dinge ihre Dynamik erhalten.
    Was an die Öffentlichkeit dringt, schien mir aber von Anfang an nicht lösungsorientiert zu sein. Nehmen wir das „die Spieler machen Fehler“. Das ist banal. Tore fallen nur dann, wenn Spieler Fehler machen. Fußball ist darauf ausgelegt, dass Spieler Fehler machen. Aus bösem Willen werden diese Spieler Fehler sicher nicht machen. Nun kann man ihnen unterstellen, sie machen sie, weil sie sich nicht genug anstrengen. Dann ist es Aufgabe des Trainers, diese Anstrengung herbei zu führen. Das ist nicht nur eine Frage der Motivation. Es ist auch eine Frage des Erkennens der Sinnhaftigkeit von Anstrengung.
    Komischerweise geht nach vorne kaum mal etwas. Das kann nicht nur mit Anstrengungsbereitschaft zu tun haben. Es gibt im Fußball so viele Variablen, warum etwas nicht klappt. Milan Sasics Meinung ist mal direkt, mal indirekt formuliert, die Spieler sind nicht gut genug. Andererseits waren zumindest Jula und Gjasula bei ihren früheren Vereinen gut genug. Kastrati spielte in Osnabrück auffällig. Domovchiyski schien gute Anlagen zu haben, aber psychisch nicht stabil genug zu sein. Was ich sagen will, ganz so schlecht können diese Spieler nicht gewesen sein. Sie brauchten aber anscheinend andere Vorgaben, als Milan Sasic ihnen gegeben hat, um ihre Leistungen abzurufen. Alles. was nach außen dringt, macht auf mich den Eindruck, dass Spieler zu Milan Sasic keine stabilen Beziehungen aufbauen können, wenn sie nicht dem Typus hungrig, aggressiv entsprechen. Vielleicht ist diese Vermutung falsch, aber Milan Sasic hat weder Erfolg noch scheint er Stabilität im Kader zu entwickeln. Eins von beidem müsste sichtbar sein. Deshalb steht er für mich im Fokus und nicht die Spieler. Diese Spieler brauchen Orientierung im Spiel, die sie anscheinend nicht erhalten. Milan Sasic hätte sich selbst fragen müssen, warum seine Mannschaft inzwischen bei einem einzigen Gegentor zerbröselt. Meine Antwort darauf: Ihre Konzentration gilt alleine der Defensive und wenn dort ein Fehler passiert, passiert das Undenkbare, nämlich das Wichtigste, worauf zu achten war, wurde nicht richtig gemacht. Dazu hätte er etwas sagen müssen und nicht nur Fehler einzelner Spieler als Ursachen für Niederlagen nennen.

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  1. 1 Als zwölfter Mann in Paderborn – Den Pokalgegner schwächen | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 2. August 2013 um 07:07

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