Eine traurige, aber richtige Entlassung

Die Entlassung von Milan Sasic stimmt traurig und erleichtert zugleich. Diese Entlassung ist richtig. Manchmal passt es nicht mehr zusammen. Vor diesem Abschied sind Spieler und Trainer an ihre Grenzen gestoßen. Ich meine damit nicht nur Leistungsgrenzen sondern auch Grenzen der Persönlichkeit. In diesem Fall, sollte es nicht darum gehen, Schuld zu verteilen. Mich erinnert die Zeit vor dieser sehr speziellen Trainerentlassung an die Paul Watzlawickschen Beschreibungen einer gestörten Kommunikation. Der eine meint, auf den anderen nur zu reagieren und bemerkt nicht, dass sein eigenes Verhalten vom Gegenüber ebenfalls als Ursache angesehen wird. Dabei befinden sich alle in einem endlosen Kreissystem, in dem Reaktion immer auch gleich Aktion bedeutet. Eine Folge von etwas ist zugleich auch Grund für etwas. Alles nur eine Frage der Perspektive, der „Interpunktion“, wie Watzlawick gesagt hat. Ich hatte das Gefühl, Finger zeigten in den letzten Wochen immer nur auf andere. Da wurden zur eigenen Entlastung Schuldige gesucht. Der Trainer sagt, ihr!, Spieler, und die Spieler machten indirekt deutlich: du!, Trainer.

In Duisburg begegnen wir nun genau jener Stimmung, die auch bei Milan Sasics Abschied in Koblenz und Kaiserslautern zu erleben gewesen sein muss. Das können wir wissen, weil Fans aus diesen Städten sich im MSVportal immer wieder zu Milan Sasic äußerten. Milan Sasic polarisiert. Seine direkte Art wirkt sympathisch und ehrlich. Vor allem dieser Zug seiner Persönlichkeit macht  ihn für nicht wenige Anhänger von inzwischen drei Vereinen zum Opfer von unwilligen Fußballprofis. Auf der anderen Seite begrüßt eine Mehrheit der Zuschauer wegen der von ihm bevorzugten Spielweise und den getroffenen taktischen Entscheidungen zum Einsatz seiner Spieler die Entlassung. Sein Umgang mit schlecht spielenden Fußballern kommt als zusätzlicher Minuspunkt hinzu.

Dieser Umgang mit anderen, die Fehler machen, empfinde auch ich als die größte Schwäche von Milan Sasic. Nur Erfolg des Ganzen lässt so einen Umgang mit Fehlern von einzelnen zu. Diesen Erfolg hat es nicht gegeben.

Nun geht es mit einer Zwischenlösung weiter. Das Handeln des Vorstands in dieser Situation empfinde ich als nicht so kritikwürdig, wie es vielerorts gesehen wird. Dieses Verhalten entspricht nur dem Zwiespalt, in dem sich auch ein Großteil der Zuschauer befinden. Dafür gab es eine schnelle Reaktion mit einer Personalentscheidung, die die Stimmung auf jeden Fall beruhigt.

Es gibt also wieder einen Sportdirektor. Ich hoffe, dass Ivo Grlic in seiner Funktion als Mannschaftsbetreuer inzwischen Erfahrungen gemacht hat, die ihm in seiner neuen Position zugute kommen. Er ist Berufsanfänger mit großer Erfahrung  im Berufsfeld. Das kann manchmal sehr erfolgreich sein. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Damit wir uns nicht missverstehen, die Entscheidung halte ich für gut.

Auch die Zwischenlösung bei der Trainerfrage zeugt vom Willen, nichts zu übereilen und mit Perspektive weiter zu arbeiten. Die Chance besteht nun, dass die von Zuschauern und Verantwortlichen vor der Saison vermutete Spielstärke der Mannschaft allmählich sichtbar werden kann. Kein neuer Trainer muss die Mannschaft kennenlernen. Es sind vertraute Menschen, mit denen die Spieler umgehen. Hoffen wir, die belastende Stimmung im Kader löst sich nun auf. Fast kann ich mir schon wieder einen Sieg gegen den TSV 1860 München vorstellen.

Was nach fast zwei Jahren Trainerschaft von Milan Sasic bleibt, ist eine Saison 2010/2011, die auch mit seinem Namen verbunden ist und die ohne Frage in der Historie des MSV Duisburg herausragt.

3 Responses to “Eine traurige, aber richtige Entlassung”


  1. 1 sp470 29. Oktober 2011 um 13:40

    …so sieht’s aus! Sehr gespannt auf morgen und die kommenden Wochen!
    Nur der MSV

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  2. 2 Christian Moosbrugger 29. Oktober 2011 um 18:02

    Kann mir sogar vorstellen, das Reck mehr als eine Zwischenlösung ist.
    Was Sasic betrifft, glaube ich, das es auch noch nicht raus ist, ob die
    Truppe, die er ja im Hinblick auf eine Perspektive Konsolidierung und
    späterer Aufstieg zusammengestellt hat, nicht wirklich dieses Potential
    noch offenbart. Ich glaube, auch in Koblenz und Kaiserslautern hat man
    noch lange nach seinem Weggang von Dingen profitiert, die er möglich
    machte. Kaiserslautern wäre ja wahrscheinlich ziemlich sicher in Liga 3
    abgetaucht, und Koblenz hat er immerhin erst im bezahlten Fussball
    etabliert. Für uns hoffe ich jetzt, das der Vorstand nicht alles über Bord
    wirft, sondern, wohl besser mit einem jungen Typen, vielleicht Reck, auf
    dem aufbaut, was jetzt schon da ist, so ähnlich, wie es in Kaiserslautern
    mit Marco Kurz war. Zum Scheitern: Ich glaube, einer wie Sasic kriegt
    ein Problem, wenn er eine zu große Auswahl hat. Der will absolut gerecht
    sein und immer die optimale Lösung haben. Auch will er modern spielen,
    alles soll nicht nur klappen, sondern auch Klasse aussehen. Er sieht sich
    als Fussballlehrer in der Pflicht, die jungen Spieler weiterzubringen und
    erwartet von gestandenen Athlethen, das sie dies rückhaltlos unterstützen.
    Wenig Verständnis hat er dafür, das die meisten Leute, die auf diesem
    Niveau spielen, mehr oder weniger neurotische Pflaumen sind, die mehr
    oder weniger um sich selbst kreisen. Ich glaube, er träumt von einem
    eingeschworenen Kollektiv nach Art von Barca, einem positiven, freiwilligen
    Fußballkommunismus. Er wird von den Zuschauern oft als einer gesehen,
    der Werte von früher repräsentiert, das halte ich aber für falsch, denn
    früher waren die Spieler genauso selbstverliebt und ichbezogen wie heute.
    Ich glaube, der Mann ist tatsächlich ein Visionär, ähnlich einem van Gaal.
    Er ist dynamisch und mitreissend wie dieser und kann wahrscheinlich zum
    wahren Terror für alle werden, wenn er merkt, das er den Kontakt zu
    verlieren beginnt. Ich glaube wirklich, Sasic wäre letztes Jahr lieber
    abgestiegen und hätte eine Klasse tiefer mit einer ganz neuen Truppe
    von Achtzehnjährigen bei Null angefangen. Entscheidend war dann der
    Weggang von Hübner: Jeder, der solche Perfektionisten in seinem Umfeld
    kennt, weiss, wie die auf erhöhten Druck reagieren. Sasic hat direkt seinen
    Urlaub abgebrochen und ist ohne Pause von der alten in die neue Saison
    mit Vollgas gestartet. Wahrscheinlich hat er sich jetzt nochmal verstärkt
    auch jedem noch so kleinen Detail gewidmet. Ich glaube, das schlechte
    Gefühl, was alle Spieler wohl haben, hat damit zu tun, das es eigentlich
    nicht möglich ist, einem auf die Spitze getriebenen Perfektionismus anders
    zu begegnen, als durch Depression und Einstellen der Arbeit (vergeblicher
    Versuch, nicht zu kommunizieren). In diesem Zusammenhang fand ich
    gerade das, was Reck auf dem Pressekonferenz sagte, passend, und auch
    perspektivisch wichtig. Wenn es so ist, wie ich denke, wird es nämlich gut
    sein können, das die Truppe ganz schnell richtig Klasse wird. Vorausgesetzt
    natürlich, der neue Trainer ist einer wie Reck, der vorwiegend darauf
    abstellt, den Leuten Raum zu geben, sie auf dem Platz mitbestimmen
    lässt, und die taktische Ausrichtung nicht so eng vorgibt, sondern flexibel
    an dem Jetztzustand ausrichtet. Deshalb habe ich mit Entsetzen gehört,
    das welche Ewald Lienen, den Zettelkastenmann, ins Spiel gebracht haben.

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    • 3 Kees Jaratz 29. Oktober 2011 um 19:22

      Ich denke, Christian, da hast du ein treffendes Psychogramm von Milan Sasic gegeben. Deshalb habe ich auch Hübner in seiner Zusammenarbeit mit ihm für so wichtig gehalten. Und ich hoffe sehr, du hast recht mit deinen Hoffnungen. Morgen haben wir die erste Gelegenheit, den angetretenen Beweis zu sehen. Ein frühes Tor und dann in einen Rausch spielen. Wär doch mal eine Möglichkeit. 😉

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