Archiv für Dezember 2011

Unternehmenskultur Hertha BSC?

Die Sportjournalisten stecken bei ihren Kommentaren zur Entlassung von Markus Babbel in dem Dilemma nicht recht Stellung beziehen zu können, weil ja niemand bei diesen Gesprächen zwischen Michael Preetz und Markus Babbel dabei gewesen ist. Hier steht übrigens in der Süddeutschen Zeitung noch einmal die Geschichte der Trennung in der Montagsversion.

Würde aber Partei ergriffen in den Kommentaren, müsste diese Parteinahme doch per ausführlicher Argumentation untermauert werden.  Dafür gibt es doch gar keinen Platz. So habe ich bislang nur recht allgemeine Aussagen gelesen, die zur Quintessenz  haben das Ansehen des Fußballs leidet oder auch das von Hertha BSC Berlin.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die an das Zerwürfnis mit Lucien Favre erinnern und daraus vorsichtige Schlüsse zum Kommunikationsverhalten von Michael Preetz ziehen. Andererseits ging es damals nicht um die gewünschte Weiterverpflichtung sondern um die gewünschte Entlassung. Man kann aber ein wenig weiter zurück blicken und feststellen, unabhängig von der Person Preetz hat es schon einmal eine nun beobachtete Entwicklung bei einer Personalentscheidung gegeben. In Sebastian Deislers 2009 erschienenen Biografie „Sebastian Deisler – Zurück ins Leben“ heißt es, Dieter Hoeneß hätte ihn gebeten, den feststehenden Wechsel zum FC Bayern München nicht öffentlich zu machen. Die Entwicklung damals war identisch. Es gab Unruhe um Sebastian Deisler, bis Dieter Hoeneß mit einer Version des Wechsels an die Öffentlichkeit trat, die Sebastian Deisler zum Buhmann machte. Sebastian Deisler fühlte seine Loyalität missbraucht.

Sollte man da von einer generationsübergreifenden Tradition scheiternder Kommunikation sprechen? Darüber könnte in Berlin mal nachgedacht werden. Gut, dass wir in Duisburg ganz andere Probleme haben. Da bleiben der sportliche Bereich wenigstens außen vor und die Funktionäre beim Verkünden ihrer unterschiedlichen Wahrheiten unter sich.

Nicht die Mannschaft, ich brauche die Winterpause

Wenn ich zu einem Fußballspiel vom MSV Duisburg eigentlich nur noch so was schreiben kann wie, meine wie immer gehegten Hoffnungen auf den Sieg haben sich zwar nicht erfüllt, dennoch bin ich zufrieden mit dem Unentschieden, dann weiß ich, die Winterpause kommt mir sehr gelegen. Die Mannschaft scheint sie im Moment nicht so zu brauchen. Die Spieler könnten jetzt damit weitermachen, den Mittelplatz der Tabelle zu festigen, um dann den einstelligen Tabellenplatz allmählich in den Blick zu nehmen und schließlich mit Platz 8 auf jenem Tabellenplatz zu landen, der von den Verantwortlichen im Verein schlechtestensfalls auch erwartet wurde. Ich denke natürlich, vielleicht geht es sogar noch ein-zwei Plätze besser, lese von ersten Aktivitäten im Hinblick auf die kommende Saison, denke dabei zwiespältige Gedanken um Julian Koch und freue mich schon ganz kurz wieder auf das Ende der Winterpause. Im Februar sollte die Konzentration auf meine Aufgaben beim MSV Duisburg wieder möglich sein.

Mitgenommen

Da hieß es doch vor geraumer Zeit, es bestünden für den MSV Duisburg Aussichten auf die Kooperation mit einem Verein der englischen Premier League. Welcher das hätte sein können, darüber konnte nur spekuliert werden. Es war die Zeit, als die Welt noch in Ordnung schien, und Bruno Hübner viel herum telefonierte. Mit den Engländern hatte er demnach auch mehrmals gesprochen. Einmal hieß es sogar, er sei dorthin geflogen. Wohin auch immer.

Heute kann ich bei der Lektüre der Süddeutschen Zeitung feststellen, ein Engländer steht zu seinem Wort. Allerdings fühlt sich der Engländer mehr dem Menschen als der Institution verpflichtet. Andererseits wissen wir durch die Nachrichten aus Frankfurt jetzt, worum es damals ging: „Vielleicht wird der Manager Hübner auf der Suche nach Verstärkungen bei Manchester City fündig. Durch Kontakte zu Entscheidungsträgern beim englischen Tabellenführer bahnt sich eine Kooperation mit den neureichen Blues an.“

Vielleicht sollten die Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt nun aber auch beginnen, sich Sorgen zu machen. Nachdem solch hoffnungsfrohe Nachrichten in die Welt gegeben werden, könnte Bruno Hübner demnächst von jetzt auf gleich den Verein wechseln – mitsamt den Kontakten. Online gestellt ist der Artikel noch nicht.

Sicher nach Hause geirgendwast

Im sportlichen Bereich des MSV Duisburg kehrt allmählich Normalität ein. Der 3:1-Sieg gegen den Karlsruher SC entspricht dem, was angesichts der letzten Wochen und  was vor allem angesichts des Tabellenstandes erwartet werden konnte. Wenn ich allerdings die  Stimmen nach dem Spiel lese, war ich vor dem Anpfiff der Zeit etwas voraus. Da klingt bei den Spielern doch auch noch einmal etwas Erleichterung an. Ich hingegen war so entspannt und siegesgewiss wie schon lange nicht mehr ins Stadion gekommen, und das Slapstick-Tor in der 3. Minute bestätigte mein Gefühl auch schnell. Da fliegt ein Ball stundenlang in hohem Bogen vor das Tor, der Ball senkt sich und drei Männer prallen zusammen, während der Ball auf den Kopf des Mannes im blau-weiß gestreiften Trikots fällt. Zum Leidwesen der Karlsruher ist einer der drei Männer der Torwart der Mannschaft, der mutig fast bis an die Strafraumgrenze zum Fausten herausgelaufen ist und dabei Luftlöcher schlägt. So hat der Ball genügend Zeit über ihn hinweg ins Tor zu trudeln. Die Mischung aus Entgeisterung, Amusement und Freude über das Tor um uns herum ist auch nicht oft im Stadion zu sehen.

Was folgte war eine Halbzeit, in der dem KSC  nichts gelang. Gar nichts. Na gut, ein gefährlicher Kopfball ergab sich kurz vor der Halbzeitpause, damit Felix Wiedwald das Gefühl bekam, er müsste auch zum erhofften Sieg beitragen. So schlecht habe ich bislang keine andere Mannschaft in Duisburg gesehen. Wenn ein nach vorne gespielter Ball nicht direkt im Aus landete, so konnten ihn sich die Duisburger Spieler  erlaufen oder durch gutes Stellungsspiel abfangen. Das sah alles einfach aus und musste doch erst einmal konzentriert angegangen sein. Das Spiel nach vorne vom MSV war bemüht, blieb aber ohne kontinuierlichen, größeren Druck. Doch selbst das ergab Chancen, was mehr über die Defensive der Karlsruher aussagt als über die Offensive des MSV.

Die zweite Halbzeit gab uns dann noch eine Anschauung in Sachen Psyche von Mannschaften. Da standen die selben Spieler es KSC auf dem Platz und sie konnten sich zumindest für eine kurze Zeit daran erinnern, wie Fußball gespielt wird. Damit sie so richtig wieder alles im Kopf hatten, musste der MSV allerdings noch ein zweites Tor schießen. Emil Jula war erfolgreich. Danach steigerte sich die Fehlpassquote seiner Mannschaft. Bruno Soares hatte in dieser Phase in einem unbeobachteten Moment anscheinend seine Beine ausgeklinkt und von links auf rechts vertauscht wieder eingehängt. Anders habe ich mir die Streuweite seiner Pässe auf eine Entfernung von fünf Metern nicht erklären können.

Ich ließ  mich aus der Lethargie meiner Siegesgewissheit also doch noch rausholen, regte mich auf und begann angesichts des Anschlusstores der Karlsruher ein drittes Tor für unbedingt notwendig zu halten. Die Abwehrreihe des MSV machte jedenfalls zu diesem Zeitpunkt einen etwas unorthodoxen Eindruck. Da war Markus Bollmann, wahrscheinlich wegen einer Verletzung, ausgewechselt worden. Bei Flanken vor das Tor ging es drunter und drüber, sprich, gestern durfte man mit seiner Leistung zufrieden sein, mehr noch, als er ging, wurde die Mannschaft geschwächt. Wir konnten dankbar sein, dass bei den Karlsruhern Abschlussstärke im Moment auch nicht gerade zu den hervorragenden Eigenschaften der Mannschaft zählt.

Das Tor von Daniel Brosinski zum 3:1 war dann ein technisches Kabinettstück. Von der linken Seite hat er den Ball ins lange Eck geschlenzt. Sehr schön war das anzusehen, nachdem der Ball von ganz rechts über drei, vier Stationen an der Strafraumgrenze entlang gewandert war und man jedes Mal dachte, jetzt, mach es doch. Und tack, war der Ball noch einmal nicht auf sondern parallel zum Tor gespielt. Immer ungefährlicher schien die Schussposition und dann stand da doch Daniel Brosinski. Habe ich es schon einmal geschrieben? Ich glaube. Mir scheint er derjenige zu sein, der vom Trainerwechsel am meisten profitiert. Welch Wandel beim Selbstvertrauen ist nach der Entlassung von Milan Sasic bei ihm zu sehen.Verlierer gibt es durch den Wechsel allerdings auch. Kennt noch jemand Janos Lazok?

Wenn ich darüber hinaus, den Spielkommentar von Jörn Andersen lese, stelle ich fest, Trainer haben es auch schwer, sich zwischen Realität und Hoffnung mit Worten zu äußern. Man träumt dann gerne und hält sich an den wenigen Momenten des Spiels fest, in denen alles anders hätte werden können. So Momente gibt es so häufig bei Niederlagen. Wer aber die Mannschaft des KSC in der ersten Halbzeit gesehen hat, kann nur sagen, da muss viel zusammen kommen, damit diese Mannschaft im Moment nicht verliert. Der MSV ist da sehr viel weiter. Jetzt noch ein Unentschieden in Cottbus – ein wenig schiele ich natürlich auch auf mehr – und dann werden wir mit Gewissheit allmählich die nächste Saison planen können. Das sage ich im Hinblick auf die berühmten Verstärkungen in der Winterpause. Da sollte die erste Frage nach dem Zweck sein. Nach oben ist nichts mehr drin, das Mittelfeld scheint mir mit dieser Mannschaft als gesichert. Da braucht man also nicht überhastet irgendwelche halbgaren Hoffnungsträger gegen die Abstiegsangst verpflichten. Da braucht es Perspektive.

Die Zweite Liga ist, wie sie ist

Viel fällt mir heute zu dem Spiel vom MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf nicht ein. Zu sehr bin ich im Moment mit anderen Dingen beschäftigt, und sonderlich originell war der Verlauf des Spiels nun auch nicht. Beide Mannschaften spielten entsprechend ihrer Möglichkeiten. Das hieß für den MSV, die erste Halbzeit konnte ausgeglichen gestaltet werden. Wobei mir die Worte „auf Augenhöhe“ nicht ganz passend scheinen. Denn schon in dieser ersten Halbzeit war der Unterschied im spielerischen Vermögen beider Mannschaften erkennbar. Beim MSV wurde das Zusammenspiel in der gegnerischen Hälfte ungenau, dagegen kamen die Pässe der Fortuna auch in Strafraumnähe meist beim Mitspieler an. Das führte noch zu keinem Unglück, weil die Defensive des MSV sich sicher bewegte und Lücken von zurück eilenden Mitspielern mit viel Einsatz stets geschlossen werden konnten. Mit dieser ersten Halbzeit durfte jeder zufrieden sein.

Es war zu spüren, zwischen beiden Mannschaften ging es um mehr als die zu vergebenden drei Punkte. Ein paar Mal wurde es richtig hitzig. Selten sind  zu Beginn eines Spiels auch derart turbulente zehn Minuten zu sehen wie gestern.  Zehn Minuten, in denen das Spiel hin und her ging. Es machte den Eindruck, als wollten beide Mannschaften in diesen ersten Minuten das Spiel sofort für sich entscheiden. Der MSV hatte vielleicht zwei Minuten gebraucht, um dieses anfängliche Tempo aufzunehmen, doch dann mischte die Mannschaft munter mit. Kurz vor der Pause ging dem Spiel etwas die Luft aus.

Nach dem Wiederanpfiff schien es zunächst in ähnlicher Konstellation weiter zu gehen. Doch der Druck der Fortuna wuchs, und als das Führungstor per Elfmeter fiel, war sofort deutlich, das war die Niederlage. Den meisten Spielern des MSV Duisburg war anzumerken, dass sie nicht mehr an sich glaubten. Sie schienen die spielerische Überlegenheit des Gegners schon vorher wahrgenommen zu haben und konnten sich nun wahrscheinlich kein Mittel mehr vorstellen, selbst ein Tor zu erzielen. Das hätte in der ersten Halbzeit bei einer der drei passablen Chancen fallen müssen. Dazu fehlte letztlich Schussgenauigkeit und Glück. So oft lässt die Fortuna Chancen eben nicht zu.

Ab dem Elfmetertor war dann ein Schalter umgeklappt, und es hätte ein paar Minuten Spielzeit gebraucht, bis die Enttäuschung wieder aus den Köpfen verschwunden wäre. Vorher fiel das zweite Tor der Düsseldorfer. Diese Fortuna wird aufsteigen, da haben sie recht, die Fans aus der Landeshauptstadt, aber entgegen der Prophezeiung in deren Triumphgesang, der MSV wird nicht absteigen. Das bin ich mir ebenso sicher.

 

via xtranews

 

Ohne Blick auf Gründe interessiert das Klima nicht

Als Journalist darf man Meinungen haben. Keine Frage. Allerdings missfällt es mir, wenn Meinungen sich in einen Neutralität vorgebenden Artikel einschleichen. Dann ist die Meinung nur unzulänglich greifbar, wird nur als Ton deutlich und wirkt tendenziös. Wenn ich diesen Artikel bei Der Westen über „Ein Klima voll Neid und Missgunst“ lese, scheint der Autor nach meinem Eindruck Sympathien für die Position von Dieter Steffen zu empfinden. Die darf er haben, aber dann muss er auch offen sagen, warum. Mir langt es da nicht, mit der Moral zu kommen und möglicherweise intrigantes Verhalten von Streitbeteiligten aufzudecken. Das interessiert mich alles gar nicht, wer da wie gegen wen „böse“ ist. Das ist Klatsch und gehört, wenn es so in den Vordergrund rückt,  in den Boulevard.

In diesem Streit beim MSV Duisburg geht es mir nicht um das Klima, in dem der Streit stattfindet. Die wichtigste Information in diesem Artikel ist doch die Frage des Aufsichtsrates der  KGaA des Vereins an den Vereinsvorsitzenden nach den Verträgen. Alleine in diesem Fall geht es um Strukturen des Vereins. Da scheint etwas Wichtiges vorgefallen zu sein. Da geht es nicht nur um das Klima zwischen zwei Vertretern des Vereins und dem „mein Schäufelchen kriegt der aber nicht“. Da ist etwas geschehen, was die Frage nach der Macht stellt. Da müsste nachgefragt werden. Das müsste in jedem Artikel über die Führungskrise beim MSV Duisburg in den Vordergrund gerückt werden. Alles andere drumherum kennen wir in den unterschiedlichsten Sphären unserer Gesellschaft als unappetitliche Machtkampfgeräusche. Das lässt sich in den Partein finden, bei großen Wirtschaftsunternehmen und eben auch in Sportvereinen. In den Vordergrund gestellt verdecken diese Machtkampfgeräusche die wichtigen Fragen, um die es geht. Über diese Gründe des Machtkampfes wäre zu berichten, und gleichzeitig wären die Beteiligten wahrscheinlich gezwungen, sich bei all dem Krach, den sie veranstalten, auch mal zu dem zu äußern, worum es ihnen nochmals ging.

Nachtrag: Bei den Gremien bin ich angesichts der täglichen Nachrichten durcheinander gekommen. Also, Hans-Werner Tomalak ist natürlich Vorsitzender des Aufsichtsrates des Vereins MSV Duisburg, und er hat dem Vorsitzenden Dieter Steffen Fragen unterbreitet, die sich sowohl auf das Arbeiten in der KGaA bezogen als auch auf das Handeln des Vorstands. Dieter Steffen wiederum wies ein die auf die KGaA bezogenen Fragen anscheinend zurück und beantwortete die auf dem Nebenschauplatz Vorstandsarbeit.


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