Ohne Blick auf Gründe interessiert das Klima nicht

Als Journalist darf man Meinungen haben. Keine Frage. Allerdings missfällt es mir, wenn Meinungen sich in einen Neutralität vorgebenden Artikel einschleichen. Dann ist die Meinung nur unzulänglich greifbar, wird nur als Ton deutlich und wirkt tendenziös. Wenn ich diesen Artikel bei Der Westen über „Ein Klima voll Neid und Missgunst“ lese, scheint der Autor nach meinem Eindruck Sympathien für die Position von Dieter Steffen zu empfinden. Die darf er haben, aber dann muss er auch offen sagen, warum. Mir langt es da nicht, mit der Moral zu kommen und möglicherweise intrigantes Verhalten von Streitbeteiligten aufzudecken. Das interessiert mich alles gar nicht, wer da wie gegen wen „böse“ ist. Das ist Klatsch und gehört, wenn es so in den Vordergrund rückt,  in den Boulevard.

In diesem Streit beim MSV Duisburg geht es mir nicht um das Klima, in dem der Streit stattfindet. Die wichtigste Information in diesem Artikel ist doch die Frage des Aufsichtsrates der  KGaA des Vereins an den Vereinsvorsitzenden nach den Verträgen. Alleine in diesem Fall geht es um Strukturen des Vereins. Da scheint etwas Wichtiges vorgefallen zu sein. Da geht es nicht nur um das Klima zwischen zwei Vertretern des Vereins und dem „mein Schäufelchen kriegt der aber nicht“. Da ist etwas geschehen, was die Frage nach der Macht stellt. Da müsste nachgefragt werden. Das müsste in jedem Artikel über die Führungskrise beim MSV Duisburg in den Vordergrund gerückt werden. Alles andere drumherum kennen wir in den unterschiedlichsten Sphären unserer Gesellschaft als unappetitliche Machtkampfgeräusche. Das lässt sich in den Partein finden, bei großen Wirtschaftsunternehmen und eben auch in Sportvereinen. In den Vordergrund gestellt verdecken diese Machtkampfgeräusche die wichtigen Fragen, um die es geht. Über diese Gründe des Machtkampfes wäre zu berichten, und gleichzeitig wären die Beteiligten wahrscheinlich gezwungen, sich bei all dem Krach, den sie veranstalten, auch mal zu dem zu äußern, worum es ihnen nochmals ging.

Nachtrag: Bei den Gremien bin ich angesichts der täglichen Nachrichten durcheinander gekommen. Also, Hans-Werner Tomalak ist natürlich Vorsitzender des Aufsichtsrates des Vereins MSV Duisburg, und er hat dem Vorsitzenden Dieter Steffen Fragen unterbreitet, die sich sowohl auf das Arbeiten in der KGaA bezogen als auch auf das Handeln des Vorstands. Dieter Steffen wiederum wies ein die auf die KGaA bezogenen Fragen anscheinend zurück und beantwortete die auf dem Nebenschauplatz Vorstandsarbeit.

5 Antworten to “Ohne Blick auf Gründe interessiert das Klima nicht”


  1. 1 ChristianMoosbr 4. Dezember 2011 um 13:29

    Fand es schon früher, als alle gegen den Hellmich waren, unmöglich
    zu entscheiden, ob seine Position jetzt stimmte oder die seiner Gegner. Hier ist es nicht anders. Ich habe keine Ahnung, ob die Fraktion
    Steffens recht hat oder die Gruppe um Tomalak. Leider machen das veröffentlichte Schuldensummen und Aussagen darum herum nicht deutlicher, weil man halt nicht weiss, wie solche Summen im Kontext,
    etwa dem Vergleich mit anderen Vereinen in der zweiten Liga, zu bewerten sind. Das es ein Verlustgeschäft ist, welches durch Sponsoren bezuschusst werden muß, und das man Vertreter der Sponsoren daher
    in die Vorstände etc. integriert, scheint ja fest zu stehen und überall so üblich zu sein. Über unser Stadion habe ich mich bis jetzt immer gefreut und gedacht, es werde zügig abgestottert, wie bei anderen auch.

    Das es uns die Luft abschnürt, habe ich in dieser Saison zum ersten
    mal eindrücklicher vernommen, genau zu dem Zeitpunkt, als auf der sportlichen Seite die Krise einsetzte. Über das Amt, welches z.B.
    Herr Steffens innehat, weiss ich eigentlich nichts. Ist es mehr so ein Ehrenamt oder eine reguläre, bezahlte Stellung? Auch die einzelnen Teilbereiche dieser Vereinsstrukturen (KgaA, Aufsichtsrat, Vorstand, Marketinggesellschaft) bleiben hinter den Schleiern verborgen, den
    wohl (oder angeblich?) Wissende vor den Dingen aus Unachtsamkeit (oder aus der Not heraus, es selbst nicht erklären zu können, aber
    zum Redaktionsschluss soundsoviel Zeilen zum Thema abliefern zu müssen?) nicht lüften mögen.

    Ich muß dir völlig recht geben: es ist stark zu kritisieren, das
    Journalisten hier immer weiter gefühlige Tendenzartikelchen
    raushauen, ohne im geringsten nähere und weitere Zusammenhänge
    zur Darstellung zu bringen. Das ist echt das Niveau von billigen Revolverblättern, die das mit der Tendenz und dem aufgepfropften Gefühl dann aber wenigstens drauf haben, wie so eine Bildzeitung halt.

    Ich finde, das schadet dem Verein genauso, wie es der Streit um
    die Macht (die Verträge?) tut, denn der Imagetransfer, den sich die Sponsoren ja wünschen, hängt, klarer Fall, damit zusammen, wie
    Medien den MSV darstellen. Hier ist wiederum die Frage möglich,
    woran es liegt: versagte die Presseabteilung des Vereins, gibt es
    einen internen Link zwischen Presseleuten und bestimmten Repräsentanten, mischen ehemalige Aktive, wie Boss Hellmich,
    weiter mit? Zum Vorhalt der Oberflächlichkeit mag man daher noch denjenigen der Klüngelwirtschaft an die Medienvertreter richten.
    Das scheint wie so eine russische Puppe, verschmiert mit Stockfischpaste, zu sein, oder eine faulige Zwiebel.

    Positives gibt es aber auch: ich fand, natürlich nur aus dem Bauch heraus, den Rücktritt Karpathys gut, einfach wegen des Signaleffektes
    im Bezug auf den Neustart, und er hat es ja gleich mit einer Zusicherung für den Verbleib des von ihm repräsentierten Hauptsponsors verbunden, also eindeutig dazu beigetragen, das Ruhe einkehren möge. Das es jetzt
    Steffens offenbar auf eine Streit darüber anlegt, wer ihn wann abwählen
    darf, finde ich (gefühlt!) kontraproduktiv. Natürlich wäre es noch mal anders zu bewerten, und verständlicher, wenn man wüsste, das der
    Mann von dem Job lebt und eben vielleicht noch zwei Jahre bis zur
    Rente durchziehen muss. Obwohl, er sieht auf Bildern weder jung
    noch unabgesichert aus.

    Das Positivste ist natürlich die Entwicklung in der Mannschaft und in der
    Tabellensituation, seit man Reck zur Hilfe gerufen hat und er es machte.

    Ich glaube, das transferiert mehr positives Image, als die älteren und
    alten Männer, die in den Stadionlogen, ihr Fingerfood verzehrend, dabei
    zuschauen, vernichten können. Wenn wir uns zum Hinrundenschluss auf
    den zehnten Platz setzen könnten, indem wir die Schwalbenkönige aus
    dem Norden der Landeshauptstadt mal wieder stutzen, wäre das ein
    eindeutiges Signal, das weder von der Presse noch von Vorständen
    aller Art und Zusammensetzung übersehen werden könnte.

    Übrigens: als die Krise richtig eskalierte, nach dem frühen Pokalaus, haben sie für mein Empfinden gut gearbeitet und mit Reck/Grlic eine Lösung herbeigeführt, die tatsächlich eine war. Hier haben sie auch
    was riskiert. Wer auch immer von ihnen und aus welchen Gründen
    auch immer.

    Man fragt sich, ob dem Verein jetzt der starke Mann fehlt, der es
    nach aussen glatt zieht, oder ob es gerade das Fatale war, was
    sich jetzt rückwirkend aufzeigt, das ein Hellmich, dieser starke
    Glattstreicher, nach innen den Diskurs abtötete und nach aussen
    so sehr die Gesamtheit der PR in Personalunion war, das den
    Journalisten jetzt alle Identifikationsflächen für ihre Projektionen
    abhanden gekommen sind, und ihr Nölen nur eine Leere ausfüllen
    muß, die sie eigentlich empfinden, wenn es sie trifft, über den MSV
    zu berichten statt über die von innen heraus strahlenden Dortmunder
    oder die Fortunen, auf welche die Lichter der Marketingmarken
    abstrahlen, welche die Ortschaft Düsseldorf für so manchen, der in Bottrop lebt oder in Viersen, in erster Linie repräsentieren, und wo
    es Fans gibt, die in Kamelhaarmänteln von „Manufactum“ ins
    Stadion gehen.

    Das muß man dem Hellmich lassen, egal, wie er war, oder wie man
    glaubt, das er war: nie wirkte er drum verlegen, die Duisburger stark
    zu reden. Diese unter allen Umständen nach aussen hin kommunizierte
    Souveränität geht etwa Herrn Steffens ganz eindeutig ab, er wirkt, so
    wie bei dem Benefizspiel gegen Schalke, wo er einsam mit einem
    Regenschirm, den ein Mitarbeiter (vielleicht war es der Chauffeur?)
    über ihn hielt, auf dem Rasen stand: nicht „connected“. Glaube, wenn
    er sich das leisten kann, sollte er, schlicht und einfach und sofort,
    zurücktreten. Er könnte sich ja sogar zur direkten Wiederwahl stellen.
    Das wäre ein Sportsgeist, wie er wohl dem Vorstand eines Sportvereins
    ansteht.

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  2. 2 Kees Jaratz 4. Dezember 2011 um 15:29

    Es stimmt, Christian, es ist schwierig, sich ein Bild zu machen. Ich denke gerade immer, es ware schön, überhaupt erstmal Positionen ausmachen zu können, die inhaltlich begründet sind. Die lokale Presse hilft da nicht. Ich denke, die sind einfach zu nah dran. Man kennt sich, man muss sich ja auch in der nächsten Woche wieder über den Weg laufen. Alles schwierig. So weit hätte ich sogar Verständnis. Was aber nicht geht, ist dann überhaupt indirekt Stellung zu beziehen. Was ja geschieht, und das Ganze noch unüberschaubarer macht.
    Mir bleiben also nur Vermutungen, die sich aus dem Lesen des MSVportals ergeben und aus den Eindrücken, die ich von den beteiligten Menschen auf der letzten Jahreshauptversammlung des MSV gewonnen habe.

    Ich denke, bei der Finanzierung des Stadionbaus wurde nicht damit kalkuliert, dass der MSV auch wieder für längere Zeit in der 2. Liga verbleiben könnte. Das scheint ein Konstruktionsfehler gewesen zu sein, auf den Andreas Peters von der Zebraherde schon früh hingewiesen hat. Das war schon in einer Zeit, als er als Fanvertreter im Aufsichtsrat war. Ich habe den Eindruck, damals – das ist etwa 2 Jahre her – hoffte die Führung samt Hellmich, dass mit dem Wiederaufstieg diese kritischen Stimmen ins Leere laufen.

    Was jetzt passiert, scheint mir mit dieser Fehlkalkulation zusammenzuhängen. Hellmich hat natürlich noch Interesse an dem Verein, weil erstens er Mitinhaber des Stadions ist und zweitens sein Sohn die Marketing-Gesellschaft des MSV führt. Ich verdamme das übrigens nicht grundsätzlich, dass er sein Engagement beim MSV Duisburg mit eigenen Interessen verquickt hat. Wenn jemand von außen kommt, wird er immer mit eigenen Interessen kommen. Das wäre bei Uhlemann jetzt nicht anders gewesen. An Hellmich gerichtet hatte es ja dieselben Hoffnungen gegeben, wie sie jetzt gegenüber Uhlemann geäußert wurden. Das bleibt also immer heikel und geht, wenn es im Sportlichen gut läuft, eben gut und wenn es schlecht läuft, dann geschieht erst die entscheidende Nagelprobe.

    Ich verrenne mich gerade ein wenig. Zu viele Gedanken für zu wenig Zeit. Steffen hat ein Ehrenamt inne. Vielleicht bekommt er Aufwandsentschädigugnen wie Sitzungsgeld. Weiß ich nicht. Ließe sich aber problemlos herausbekommen.

    Und starker Mann? Ich weiß nicht, Hellmich wirkte im letzten Jahr auch nicht souverän. Der Mann hat einfach gute Verbindungen. Von Dieter Steffen hatte ich angesichts seiner Vita auch mehr erwartet. Allerdings muss man ja auch sagen, zu dem Posten hat es ihn nicht gedrängt.

    Für einen Verein wie den MSV Duisburg gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten für die Führungsebene. Entweder findet sich ein lokaler Netzwerker, dessen Herz am MSV hängt. Das war das Modell Fischdick. Oder es findet sich jemand, der eine Möglichkeit sieht, seine sehr persönlichen Interessen mit denen des Vereins zu verbinden. Für beides gibt es im Moment anscheinend keine geeignete Person. Das wiederum enttäuscht mich beim Vorgehen von Hans-Werner Tomalak. Wer so auf Konfrontationskurs geht, muss Lösungen bieten können.

    Ich bin nur froh, dass es morgen Abend erstmal wieder nur um Fußball geht.

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  3. 3 Christian Moosbrugger 4. Dezember 2011 um 17:05

    Schwierig, sich vorzustellen, wie es ohne den Stadionneubau hätte gehen
    können. Glaube, man muß bedenken, das er die Reputation des Vereins
    bei zu verpflichtenden Akteuren deutlich steigert und in den Logen, die
    es gibt, ja auch wieder solche Kontakte entstehen können, die man für ein finanzielles Engagement als voraussetzend annehmen kann. Und wenn
    du heutzutage Familienväter mit ihrem Anhang ins Stadion kriegen willst,
    musst du ein Dach drüber haben und gute Toiletten und durchorganisierte
    Logistik hinsichtlich der Verpflegung. Ich glaube, der Versuch mußte
    gemacht werden. Und der Unternehmer Hellmich, der Kohle darin stecken
    hat, kann ja kein Interesse daran haben, das bei einem Abstieg in die
    dritte Liga vielleicht noch so 5000 Zuschauer pro Spiel kommen. Wir
    haben ja auch einen relativ teuren Kader finanziell gestemmt gekriegt.
    Aber man merkt, das man doch je mehr Kopfschmerzen kriegt, je mehr
    man versucht, diese Zusammenhänge zu verstehen, als wirklichen
    Zugewinn an Erkenntnis. Ich finde, die Macher der Homepage vom
    MSV, die ja auch in der Kritik standen, könnten sich da ruhig mal die
    eine oder andere „Meinungsecke“ leisten, oder mal Grundlegendes
    zu Funktionen und Ämtern, so z.B. unter dem Stichwort „..was macht
    eigentlich..?“ mitteilen. Morgen bin ich im Stadion, neuerdings gehe ich
    da eigentlich auch wieder gerne hin, egal, welche „Gäste“ wir haben!
    Im übrigen finde ich deine Analyse ganz Klasse, weil ausgesprochen
    differenziert. Mit Tomalak hast du ganz sicher recht, kann gut sein, das
    der sich schwer verzockt hat. Glaube, er ist in der Sache Uhlemann
    ziemlich unkoordiniert vorgeprescht. Bei Steffens hat man in der
    Öffentlichkeit aber immer ein bisschen das Gefühl, er würde viel
    lieber ganz was anderes machen und woanders sein. Ob Hellmich der
    starke Mann war, weiss ich noch nicht mal, jedenfalls war er ein Mann
    der starken Worte und verstand eben was von PR. Glaube, dieses
    Image, das auch der Stadt anhaftet, das hier alles stets mit Sicherheit
    schleichend den Bach runter geht, ist absolut tödlich, und das Stadion,
    das Hellmich gebaut hat, war auch so ein Ausrufezeichen dagegen.

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  4. 4 Kees Jaratz 5. Dezember 2011 um 08:32

    Der Stadionbau war notwendig, keine Frage. Und wie sich das dann weiter entwickelt hat …
    Da geht es dir wir mir, wenn man sich mit den Konflikten beschäftigt, führt das ganz schnell zu grundsätzlichen Überlegungen über die Stadt, manchmal sogar die Region. Und dann geht´s wieder zurück ins Spezielle. Das ist mal ein eigenen Text wert. So was braucht Zeit.
    Heute aber erstmal der Sport. Wir brauchen was Ablenkung. 😉 Sagen wir mal einen 2:1-Sieg!

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