Sicher nach Hause geirgendwast

Im sportlichen Bereich des MSV Duisburg kehrt allmählich Normalität ein. Der 3:1-Sieg gegen den Karlsruher SC entspricht dem, was angesichts der letzten Wochen und  was vor allem angesichts des Tabellenstandes erwartet werden konnte. Wenn ich allerdings die  Stimmen nach dem Spiel lese, war ich vor dem Anpfiff der Zeit etwas voraus. Da klingt bei den Spielern doch auch noch einmal etwas Erleichterung an. Ich hingegen war so entspannt und siegesgewiss wie schon lange nicht mehr ins Stadion gekommen, und das Slapstick-Tor in der 3. Minute bestätigte mein Gefühl auch schnell. Da fliegt ein Ball stundenlang in hohem Bogen vor das Tor, der Ball senkt sich und drei Männer prallen zusammen, während der Ball auf den Kopf des Mannes im blau-weiß gestreiften Trikots fällt. Zum Leidwesen der Karlsruher ist einer der drei Männer der Torwart der Mannschaft, der mutig fast bis an die Strafraumgrenze zum Fausten herausgelaufen ist und dabei Luftlöcher schlägt. So hat der Ball genügend Zeit über ihn hinweg ins Tor zu trudeln. Die Mischung aus Entgeisterung, Amusement und Freude über das Tor um uns herum ist auch nicht oft im Stadion zu sehen.

Was folgte war eine Halbzeit, in der dem KSC  nichts gelang. Gar nichts. Na gut, ein gefährlicher Kopfball ergab sich kurz vor der Halbzeitpause, damit Felix Wiedwald das Gefühl bekam, er müsste auch zum erhofften Sieg beitragen. So schlecht habe ich bislang keine andere Mannschaft in Duisburg gesehen. Wenn ein nach vorne gespielter Ball nicht direkt im Aus landete, so konnten ihn sich die Duisburger Spieler  erlaufen oder durch gutes Stellungsspiel abfangen. Das sah alles einfach aus und musste doch erst einmal konzentriert angegangen sein. Das Spiel nach vorne vom MSV war bemüht, blieb aber ohne kontinuierlichen, größeren Druck. Doch selbst das ergab Chancen, was mehr über die Defensive der Karlsruher aussagt als über die Offensive des MSV.

Die zweite Halbzeit gab uns dann noch eine Anschauung in Sachen Psyche von Mannschaften. Da standen die selben Spieler es KSC auf dem Platz und sie konnten sich zumindest für eine kurze Zeit daran erinnern, wie Fußball gespielt wird. Damit sie so richtig wieder alles im Kopf hatten, musste der MSV allerdings noch ein zweites Tor schießen. Emil Jula war erfolgreich. Danach steigerte sich die Fehlpassquote seiner Mannschaft. Bruno Soares hatte in dieser Phase in einem unbeobachteten Moment anscheinend seine Beine ausgeklinkt und von links auf rechts vertauscht wieder eingehängt. Anders habe ich mir die Streuweite seiner Pässe auf eine Entfernung von fünf Metern nicht erklären können.

Ich ließ  mich aus der Lethargie meiner Siegesgewissheit also doch noch rausholen, regte mich auf und begann angesichts des Anschlusstores der Karlsruher ein drittes Tor für unbedingt notwendig zu halten. Die Abwehrreihe des MSV machte jedenfalls zu diesem Zeitpunkt einen etwas unorthodoxen Eindruck. Da war Markus Bollmann, wahrscheinlich wegen einer Verletzung, ausgewechselt worden. Bei Flanken vor das Tor ging es drunter und drüber, sprich, gestern durfte man mit seiner Leistung zufrieden sein, mehr noch, als er ging, wurde die Mannschaft geschwächt. Wir konnten dankbar sein, dass bei den Karlsruhern Abschlussstärke im Moment auch nicht gerade zu den hervorragenden Eigenschaften der Mannschaft zählt.

Das Tor von Daniel Brosinski zum 3:1 war dann ein technisches Kabinettstück. Von der linken Seite hat er den Ball ins lange Eck geschlenzt. Sehr schön war das anzusehen, nachdem der Ball von ganz rechts über drei, vier Stationen an der Strafraumgrenze entlang gewandert war und man jedes Mal dachte, jetzt, mach es doch. Und tack, war der Ball noch einmal nicht auf sondern parallel zum Tor gespielt. Immer ungefährlicher schien die Schussposition und dann stand da doch Daniel Brosinski. Habe ich es schon einmal geschrieben? Ich glaube. Mir scheint er derjenige zu sein, der vom Trainerwechsel am meisten profitiert. Welch Wandel beim Selbstvertrauen ist nach der Entlassung von Milan Sasic bei ihm zu sehen.Verlierer gibt es durch den Wechsel allerdings auch. Kennt noch jemand Janos Lazok?

Wenn ich darüber hinaus, den Spielkommentar von Jörn Andersen lese, stelle ich fest, Trainer haben es auch schwer, sich zwischen Realität und Hoffnung mit Worten zu äußern. Man träumt dann gerne und hält sich an den wenigen Momenten des Spiels fest, in denen alles anders hätte werden können. So Momente gibt es so häufig bei Niederlagen. Wer aber die Mannschaft des KSC in der ersten Halbzeit gesehen hat, kann nur sagen, da muss viel zusammen kommen, damit diese Mannschaft im Moment nicht verliert. Der MSV ist da sehr viel weiter. Jetzt noch ein Unentschieden in Cottbus – ein wenig schiele ich natürlich auch auf mehr – und dann werden wir mit Gewissheit allmählich die nächste Saison planen können. Das sage ich im Hinblick auf die berühmten Verstärkungen in der Winterpause. Da sollte die erste Frage nach dem Zweck sein. Nach oben ist nichts mehr drin, das Mittelfeld scheint mir mit dieser Mannschaft als gesichert. Da braucht man also nicht überhastet irgendwelche halbgaren Hoffnungsträger gegen die Abstiegsangst verpflichten. Da braucht es Perspektive.

2 Antworten to “Sicher nach Hause geirgendwast”


  1. 1 Sabine Ka 11. Dezember 2011 um 19:25

    Das Wort „geirgendwast“ gefällt mir ausgesprochen gut, es wandert sofort in meine geheime „Schöne-Wörter-Sammlung“! 🙂

    Was war denn DAS bitte für ein Spiel?! Vor Karlsruhe muss man wirklich Angst haben, die arbeiten ja mit GANZ unfairen MItteln: Jeder Gegner wird sofort und hinterhältig EINGESCHLÄFERT! Sorry, aber sowas habe ich in dieser Saison hier bei uns noch nicht gesehen! Allerdings: Karlsruhes Gegner am Freitagabend war ebenfalls nicht zu verachten. Wie macht man das? Torschussvermeidungsfußball! Frei nach dem Motto: „NImm du ihn, ich hab ihn sicher!“ Das war zuweilen allergrößte Kunst! Es wäre viel zu simpel gewesen, nach 45 Minuten mit 4:0 zu führen und zu sagen, „So, fertig.“! Nein, die Zebras gaben sich ALLERGRÖSSTE Mühe, das Spiel so richtig spannend zu machen, wo gar nix spannend zu machen war! Wirklich, ganz großes Tennis! Danke, Jungs, Ihr habt sicher gerochen, dass ich – genau wie Kees – entspannt und unverschämt siegessicher auf meinem Klappsitz hockte. Sowas geht in Duisburg nicht, das ist verboten, da muss man gegensteuern! Bloß keine Überlegenheit ausspielen und sich ausnahmsweise mal adrenalinarm in Sicherheit wiegen! Es ist Euch gelungen… :-/

    Für den kommenden Vorweihnachtkick in Cottbus bleibt mir nur eine kurze Frage: Brosi, haste vielleicht noch so einen im Ärmel?!

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  2. 2 Christian Moosbrugger 11. Dezember 2011 um 22:17

    War auch im Stadion. Finde noch erwähnenswert, das der
    Schiedsrichter richtig Klasse war. Hat nicht dauernd
    dazwischengepfiffen, dadurch konnte ein richtiger Fluss
    im Spiel entstehen. Schon häufiger habe ich beobachtet,
    das es dann läuft wie hier: anstatt das mehr gefoult
    wird, wird weniger gefoult. Die Spieler kriegen das
    ziemlich schnell mit, ob einer alles abpfeift, und wenn
    es nicht an dem ist, wird es dann auch nicht mehr so oft
    versucht, sich fallen zu lassen, und letztendlich sinkt
    das Niveau der Aggressionen. Die Karlsruher waren auch,
    obwohl sie ja echt dringend punkten mussten, bemerkenswert
    fair. Ich fand, unsere Tore waren richtig gut. Als wir
    sicherer wurden, merkte man so in der zweiten Halbzeit
    auch, das wir das Tempo bestimmen und auch solche Partien
    bzw. Gegner im Griff haben können.

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