Archiv für März 2012

111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss

Der Kölner Emons Verlag  führt eine Buchreihe im Programm, die mir im Sommer letzten Jahres für ein Herzensprojekt bestens geeignet schien. In dieser Reihe werden Städte und Regionen mit 111 Orten in den Blick genommen. In den besten Büchern dieser Reihe erfährt man mit den 111 Orten Überraschendes über die Stadt oder Region, während die jeweils gängigen Vorstellungen stets noch  präsent sind. Diese Bücher handeln deshalb auch von der Identität der Städte und Regionen. Mich beschäftigt die Identität des Ruhrgebiets seit Jahren genauso wie der Fußball, auf den sich die Städte der Region als einer der wenigen symbolhaften Gemeinsamkeiten einigen können. So trennend er im Alltag der Ruhris oft auch wirkt. Was lag da näher, als mit 111 Orten beidem auf die Spur zu kommen. Der Kollege Frank Baade kam mit ins Boot, und das  Ergebnis, „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“, liegt ab Montag in den Buchläden aus.

Gesprächspartnern gegenüber beschrieb ich mein Anliegen folgendermaßen:  „In dem Buch werden nicht nur die Klassiker wie Stadien, Fußballkneipen oder Trainingsplätze dabei sein. In dem Buch sehe ich auch identitätsstiftende Orte der Region gesammelt, zu denen sich eine kleine Geschichte über den Fußball erzählen lässt. Um Beispiele zu geben: Neben Orten rund um Profi- und Amateurvereine ist das Lehmbruck-Museum dabei, weil für ein Werbeplakat des Museums Ende der 70er ein Profi des MSV Duisburg in der Pose der „Knieenden“ fotografiert wurde. Es sind die Landgerichte in Bochum und Essen dabei sein, als Prozessorte für Wettbetrug und Schalke-Meineid. Es ist das Ruhrmuseum dabei, weil in der Ausstellung Fußball als identitätsstiftendes Moment eine Rolle spielt. Es ist die Dortmunder Nordstadtliga als soziales Projekt dabei und der Friedhof Menglinghausen, gegenüber vom Dortmunder Mannschaftshotel „der Lennhof“, neben dem wiederum der Nordkurven-Regisseur Adolf Winkelmann lange wohnte.

Wer Appetit bekommen möchte auf 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss, der sollte auf der Seite zum Buch vorbeischauen. Dort finden sich Infos zum Buch, zu Lesungen sowie ein Blog, mit dem wir die Fußballorte weiterhin im Blick halten und mit dem wir natürlich auch den Austausch mit Lesern suchen.

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Ich fahre auswärts – Ein Wochenendexperiment der Sozialpsychologie

Schon im letzten Jahr hatte ich nach meiner Zwangsettikettierung als gewaltbereiter Auswärtsfan durch die ostwestfälische Polizei etwas über mein eigenes Erleben schreiben wollen. Das ist untergegangen. Ich hole es nach, weil ich mich auch am Sonntag durch die Wahl meines Verkehrsmittels für die Sicherheitslage vor Ort als potentiell gefährdend erwiesen habe. Die Polizei vor Ort war wieder vorbereitet.

Man muss sich die Ankuft in Paderborn als Viehtrieb vorstellen. Es gibt nur einen Weg, und der führt über den Bahnsteig am Ende durch ein verwinkeltes Gatter auf den schmalen Ausgang zu, wo ein Bus wartet, der uns aufnimmt. Während wir zu diesem Ausgang schlendern, werden wir gefilmt und den Weg über versucht eine Phalanx von Polizisten möglichst finster drein zu schauen. Mancheiner hat vielleicht sogar einen Grund dafür. Das Wochenende ist kaputt. Unsympathische Typen kommen da an, das will ich gar nicht ausschließen. Die gibt es in Duisburg auch. Mancher Polizist hat mit ihnen schon schlechte Erfahrungen gemacht. Alle haben diesen Grund sicher nicht. Das gehörte zum Tagesbefehl, unfreundlich gucken.

Der schmale Durchlass vor dem Betreten des Busses dient der Personenkontrolle. Zwei Polizisten tasten die Männer ab, zwei Polizistinnen schauen unters lange Haar der Frauen. Natürlich folgt im Stadion später die gleiche Prozedur noch einmal. Eine Menge anderer Polizisten stehen drumherum und gucken. Natürlich möglichst finster. Es geht sehr langsam voran, denn in dem Regionalexpress waren doch noch einige Duisburger. Was da geschieht, ist nichts anderes als eine Demonstration von Macht. Eine auf Kooperation angelegte Gewaltprävention wäre auch möglich. Es hätten nur ein paar mehr der herumstehenden Polizisten bei der Durchlasskontrolle aktiv sein müssen.

Andererseits gäbe es ohne diese Haltung der örtlichen Polizei nicht diese so wunderbare Möglichkeit zur Selbsterfahrung, die, wenn ich recht überlege, eigentlich Pflichtprogramm für alle Politiker und Populisten sein sollte. Bei Auswärtsfahrten von Fußballfans vollzieht sich mit Hilfe der Polizei und der örtlichen Sicherheitsdienste unweigerlich ein Experiment der Sozialpsychologie. Dort haben wir während eines begrenzten Zeitraums die Möglichkeit, intensiv etwas zu erfahren,  was für die individualisierte Mehrheitsgesellschaft der Gegenwart meist vergessen ist. Es sind die Folgen der Zwangszuschreibung von Identität.

Mir geht es um die innere Befindlichkeit, die in dieser Situation erfahrbar ist.  Begibt man sich mit allen Sinnen und offenen Empfindens in die Situation, wird man dazu gezwungen, sich zu bekennen. In mir wuchs Empörung, obwohl ich Verständnis für Gewaltprävention habe. Obwohl ich schon in jungen Jahren beim Fußball nur den Fußball sehen wollte, und ich diesen Fußball als Anlass für Scharmützel irgendwelcher Art sogar fürchtete. Doch in solchen auswärtigen Momenten wächst ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit jedem MSV-Fan um mich herum. Wir sind Opfer einer willkürlichen Behandlung. Die notwendige Gewaltprävention hatte jegliches Maß verloren. Die scheinbar so wunderbar einfach zu handhabende Empfehlung der Polizei, mich gar nicht erst in Zusammenhänge von Gewalt zu begeben, wurde durch die Polizei selbst ad absurdum geführt. Sie hat den Gewaltzusammenhang in Paderborn erst installiert, und die Polizei vor Ort hat mir keine Möglichkeit gelassen, diesem Gewaltzusammenhang zu entgehen. Meine einzige Möglichkeit wäre es gewesen, mein Trikot auszuziehen, den Schal abzulegen und meiner Identität zu entfliehen. Dann hätte ich die Polizeisperre druchschreiten und den Gewaltzusammenhang verlassen können. Doch was wäre ich in Paderborn gewesen ohne diese Identität? Ein Niemand.

Ihr merkt worauf ich hinaus will? So eine Auswärtsfahrt versetzt uns für einen begrenzten Zeitraum in eine Lage, der in unserer Gesellschaft andere Menschen andauernd ausgesetzt sind. Ich kenne keine Lösungen. Ich finde es nur beachtenswert, wie das Bewahren von Sicherheit zu Gefühlen führt, die drei Stunden vorher zu einem mir völlig fremden Leben gehörten. Auswärtsfahrten sind klasse. Ich kann sie jedem als großes Experiment der Sozialpsychologie nur empfehlen. Man kommt bereichert zurück. Als Duisburger aus Paderborn zudem noch mit großer Sicherheit auch ohne Niederlage.

Auf neuem Rasen Auswärtssieg

Das brauche ich auch nicht jedes Mal. Mein Auswärtssieg-Fieber wollte wenigstens einmal im Leben so ein richtiges Fieber sein, und was so ein richtiges Fieber ist, das will auf keinen Fall jemanden mit Tastaturen teilen, geschweige denn mit lobenden Worten über die Mannschaft vom MSV Duisburg. Nun hat es das alles mal 36 Stunden ausprobiert, und allmählich habe ich den Eindruck, das Auswärtssieg-Fieber ist mit seinem Dasein als euphorisches Gefühl vollauf zufrieden.

Für euch und mich hat das Ganze aber nun den Vorteil, einen Tag später und damit länger den 2:1-Sieg des MSV Duisburg beim SC Paderborn noch einmal lebendig werden zu lassen. Die Energieteam Arena vulgo das Paderborner Stadion war vor dem Spiel gegen den MSV Duisburg mit einem neuen Rasen versehen worden. Das war kein Nachteil für den MSV Duisburg, auch wenn die Spieler vom SC Paderborn in der ersten Halbzeit nicht nur ballsicherer waren, sondern auch mit ihrem beeindruckenden Flügelspiel einen überlegeneren Spielaufbau zeigten. Doch die Spielweise vom MSV Duisburg verlangt im Moment ebenfalls einen möglichst ebenen Rasen. Diese Mannschaft merkt in diesen Wochen, was sie im Offensivspiel alles kann. Die technisch versierteren Spieler der Mannschaft probieren, was sonst nur im Training geht. Kurzpassspiel wird immer versucht, der Ball wird kontrolliert. Manchmal rumpelt und knirscht es, doch das wird in Kauf genommen. Nur zum Ende des Spiels hin kam es wieder zu altbekannter Gjasula- und Brosinski-Stimmungstöter-Körpersprache, die zum Glück keinen Schaden anrichtete. So etwas liegt tief in der Persönlichkeit und hindert Jürgen Gjasula etwa noch ein großartiger Spieler zu werden. Gegen den SC Paderborn war er das spielerische Zentrum dieser Mannschaft. In der entscheidenden Szene vor dem 1:0 behauptete er den Ball an der Strafraumgrenze gegen drei Paderborner Gegenspieler, dann spielte er noch einmal raus auf den Flügel zu Dzemal Berberovic, ist sofort wieder anspielbereit und gibt den Pass in die Mitte zum vollstreckenden Kevin Wolze. Allmählich gibt es auch das mannschaftliche Verständnis, das seine Pässe überhaupt erst zur Gefahr werden lässt. Pässe in den Raum wie vor dem Siegtor sind nur möglich, wenn Spieler aufeinander eingestimmt sind.

Pässe in den Raum bestimmten auch das Paderborner Spiel. Die erste große Chance in der 2. Minute bildete die Blaupause für alle gefährlichen Angriffe. Entweder kam ein weiter Ball auf die Flügel oder der Pass kam aus dem Mittelfeld zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger steil gespielt. Die Bälle erreichten die Flügelspieler in dieser ersten Halbzeit fast immer. Diese Präzision beeindruckte gerade bei den weiten Bällen. Das waren keine Verlegenheitspässe. Das war so gewollt und auf den Punkt genau ausgeführt. Nach zehn Minuten wünschte ich mir so etwas wie eine Auszeit des Basketballs, damit vor allem beiden Außenverteidigern Hinweise zum Verteidigungsverhalten für genau diese Angriffe hätten gegeben werden können. Sie hätten solche Anweisungen auch nach dem Führungstreffer für den MSV Duisburg gut gebrauchen können. Die Paderborner blieben weiter sehr gefährlich, und Felix Wiedwald erhielt Gelegenheiten genug zu zeigen, dass seine Großtat in der zweiten Minute kein Zufall gewesen ist.

Aber schon in der ersten Halbzeit wurde offensichtlich, dass die Mannschaft vom MSV Duisburg durch die gefährlichen Angriffe der Paderborner wenig beeindruckt war. Die Mannschaft suchte weiter den Weg nach vorne und zwar als geschlossene Einheit. Weites Aufrücken barg gegen die schnellen Paderborner zwar Risiken, doch auch weil der MSV Duisburg mitSPIELEN wollte, war das Niveau der Begegnung hoch. Dieses weite Aufrücken führte schließlich zum Ausgleichstreffer zu Beginn der zweiten Halbzeit. Bei einer Mannschaft, die so weit aufrückt, darf es in der letzten Reihe zu keiner unkontrollierten Spielaktion kommen. Ein Schussversuch ohne ausreichende Abdeckung nach hinten ist dann ein Fehler. War es Vasileios Pliatsikas, der einen aus der Paderborner Abwehr kommenden Ball direkt zu schießen versuchte? Im Ansatz war zu sehen, wenn das schief geht, ist der Weg frei zum Tor des MSV Duisburg. Und es ging schief.

Beeindruckend war der dann weiterhin vorhandene Wille, dieses Spiel zu gewinnen. Diese Mannschaft besitzt wieder Selbstbewusstsein. Die Einwechslungen von Valeri Domovchiysk und später Srdjan Baljak waren Zeichen der Stärke. Nun kamen die Pässe der Paderborner auch nicht mehr ganz so präzise. Der Ausgleich war keineswegs ein Signal für die Heimmannschaft, weiter aufzudrehen. Der MSV Duisburg hielt dagegen und erspielte sich seine Möglichkeiten. Deshalb empfinde ich die Kategorien verdient und unverdient für dieses Spiel als unpassend. Natürlich hatte Paderborn mehr Torchancen, aber sie haben sie nicht verwandelt. Und das unverdient käme für mich nur in Betracht, hätte sich der MSV hinten reingestellt und per Zufall wäre ein Kontertor möglich geworden. Dem war nicht so. Die Mannschaft vom MSV Duisburg versuchte das gesamte Spiel über, in den zweiten Halbzeit allerdings erfolgreicher, durch eigene Kreativität im Spiel Chancen zu schaffen.

Das ist neben dem Sieg, der uns alle begeistert, die entscheidende Nachricht über dieses Spiel, selbst wenn die Mannschaft ihre Qualitäten nicht ganz stabil über 90 Minuten zeigen kann. So kam es in den letzten fünf Minuten wieder zum einfachen Hergeben des Balles. Das kannten wir schon aus dem Spiel gegen Bochum. Die Mannschaft bekam plötzlich Angst vor dem Siegen. Noch einmal Bangen und Zittern, obwohl in meinem Tabellenrechner-Endstand nicht einmal ein Unentschieden in Paderborn vorgesehen war. Aber echt ist echt, und Planspiele sind Planspiele. Jedes Mal Gewinnen ist einfach schöner, als im Plan zu bleiben. Klassenerhalt gibt es in beiden Fällen. Und zu dem von der örtlichen Polizei gewollten Viehtrieb-Ambiente für die Bahnreisenden MSV-Fans schreibe ich noch gesondert was. Die gute Laune will ich mir heute nicht mehr verderben.

Der Klassenerhalt – Soll und Haben im Tabellenrechner-Endstand – II –

Der ein oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben, wegen des Dauerpessimismus rund um den MSV Duisburg habe ich vor dem 26. Spieltag den Tabellenrechner vom „Kicker“ angeschmissen, weil ich mir sicher bin, der Verein meiner Zuneigung wird nicht absteigen. Ich war meinem Verein bei den Prognosen nicht übermäßig gewogen. Das Ergebnis war der Klassenerhalt. Das Schöne an Prognosen ist der Vergleich mit der eingetretenen Wirklichkeit. Deshalb wird es hier nun nach jedem Spieltag zur besseren Orientierung den Abgleich mit den Ergebnissen geben. Mindestens so lange, bis der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist. Ihr seht den aktuellen prognostizierten Tabellenendstand mit der vom  Spieltag eingerechneten Punktevergabe. In Klammern findet ihr sowohl den derzeitigen Tabellenplatz als auch meine erste Punkteprognose nach dem 25. Spieltag. Und immer schön dran denken, ich hatte es nicht gut gemeint mit dem Verein meiner Zuneigung. Was steckt da noch alles drin im Rest der Saison?

12. (13. – 36) Ingolstadt 41

13. (12. – 32) Aue  36

14. (15. – 30) MSV Duisburg 33

15. (14.  – 31) FSVFrankfurt 32

16. (16. – 30) Alemannia Aachen 29

17. (17. – 30) Karlsruher SC 28

18. (18. – 18 ) Rostock 18

Ich hoffe, im Laufe des Tages komme ich zu mehr Worten: zum Zittern während der letzten fünf Minuten, zum Zittern während ungemein schnellen Flügelspiels der Paderborner und von taumelnder Begeisterung über Tore und natürlich auch von der erneut gelungenen Gefahrenabwehr durch die örtlichen Sicherheitskräfte. Der perfekt organisierte Viehtrieb zwischen Bahnhof und Stadion hat wieder einmal verhindert, dass ich meine angeheiratete Heimatstadt wie eigentlich geplant in Schutt und Asche gelegt habe. Ich komme wieder! Auch mal unabhängig von Siegen des Vereins meiner Zuneigung.

 

Der Optimist Bruno Soares

Diese Nachricht ist ein weiteres Zeichen, das für den sicheren Klassenerhalt spricht. Bruno Soares plane den nächsten Schritt in seiner Karriere und werde im Sommer den MSV Duisburg verlassen, berichtet Der Westen. Wer so optimistisch wie Bruno Soares durchs Leben geht und vom Karriereschritt spricht, sollte auch unter Druck eine stabile Psyche besitzen. Lasse ich  seine Leistung in dieser Saison Revue passieren, sehe ich hartnäckige Deckungsarbeit gepaart mit gleich gebliebener, auffälliger Klammergarnitur sowie mininal verringerter Streubreite seiner weiten Pässe. Der Realist schmunzelt und denkt, vielleicht zahlt für die gleich gebliebene Mindestqualität ein anderer Verein besser. Ist schließlich auch ein Karriereschritt.

Entlassene Trainer und die Spielstärke von Fußballern

Manchmal wünsche ich mir von den Menschen mehr Verstand. Ich weiß, ein vergeblicher Wunsch besonders, wenn es um Fußball und um den Erfolg von Mannschaften geht. Gestern war wieder so ein Tag, und dass ich über den 1. FC Kaiserslautern schreibe, hängt mit der Trainerdiskussion um Oliver Reck zusammen. Der Trainer vom 1. FC Kaiserslautern Marco Kurz ist gestern entlassen worden. Die Begründung: „Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben, müssen wir diesen Weg gehen.“ Nun kann man auch Kerzen anzünden in Kirchen oder Medizinmänner einen Kaiserslautern-Rettungs-Tanz tanzen lassen. Macht man das nicht, hat man schon einiges unterlassen, was vielleicht auch zum Klassenerhalt beigetragen hätte. Das ist doch aus Kaiserslautern eine etwas erbärmliche Erklärung für die Trainer-Entlassung. Wäre es nicht ehrlicher zu sagen, der Druck der Straße war zu groß? In einer idealen Welt müsste so eine Entscheidung doch von klaren Analysen begleitet werden, die sich auch kommunizieren ließen: Nach unserer Überzeugung haben die taktischen Maßnahmen in den letzten sieben Spielen nicht funktioniert. Die Beziehung zwischen entscheidenden Spielern des Kaders und dem Trainer ist gestört.  Die Mannschaft ist in einem konditionell schlechten Zustand. All das wären Erklärungen, die ich akzeptiere. Ich akzeptiere nicht, wir wissen auch nicht mehr, was wir machen sollen, also entlassen wir wenigstens den Trainer.

Man sehe sich doch bitte einmal diesen Kader vom 1. FC Kaiserslautern an. Vier Spieler dieses Kaders kennen wir aus ihrer Zeit beim MSV Duisburg. Dort haben sie sich in ähnlicher Situation befunden. Nur guckten sie damals von unten nach oben. In Duisburg ging es für sie um den verzweifelten Versuch, den Aufstieg hinzubekommen. Dorge Kouemaha, Christian Tiffert, Sandro Wagner und Olcay Sahan kennen Vorgaben, die nur schwer zu erfüllen sind. Das ist kein Zufall. Es gibt Einsichten, die sind schmerzhaft. Aber es lebt sich am besten mit ihnen, wenn man sie akzeptiert und sein Handeln darauf abstellt. Die Wahrscheinlichkeit für das mittlere Drittel der Vereine von erster und zweiter Liga zwischen den Ligen hin und her zu pendeln ist groß. Leider gibt es kein Kontinuum für die notwendige Finanzstruktur. Das macht den Verbleib in der ersten Liga so schwierig. Neulich habe ich „Why England loose“ angefangenen zu lesen. Der englische Fußballbuchautor Simon Kuper hat es zusammen mit dem Wirtschaftswissenschaftler Stefan Szymanski geschrieben. Sie haben einen einzigen statistisch messbaren Einflussfaktor für sportlichen Erfolg gefunden, und der war die Höhe des Spieleretats einer Mannschaft.

In einer idealen Welt könnte ein Fußballverein sein Publikum damit dauerhaft vertraut machen, was momentane realistische Möglichkeiten des sportlichen Erfolgs der eigenen Mannschaft sind. Für Kaiserslautern gehörte der Abstieg dazu. Und warum kann ein Trainer, der vor vier Monaten noch für gut genug befunden wurde, diese Mannschaft zu trainieren, nicht auch mit dieser Mannschaft in die 2. Liga gehen? Weil das Fußballstadion einer der wenigen Orte in unserer durchrationalisierten Welt ist, in der Emotionen öffentlich ausgelebt werden können? Ich weiß es nicht. Mir ging jedenfalls angesichts von Marco Kurz Entlassung durch den Kopf,  nur gut, dass der Druck zur Trainerentlassung in Duisburg nicht so groß war. Aus welchen Gründen auch immer. Ich hoffe natürlich, der ein oder andere rationale neben dem mangelnden Geld war auch dabei.

Der Klassenerhalt – Soll und Haben im Tabellenrechner-Endstand – I –

Der ein oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben, wegen des Dauerpessimismus rund um den MSV Duisburg habe ich vor dem 26. Spieltag den Tabellenrechner vom „Kicker“ angeschmissen, weil ich mir sicher bin, der Verein meiner Zuneigung wird nicht absteigen. Ich war meinem Verein bei den Prognosen nicht übermäßig gewogen. Das Ergebnis seht ihr unten: Klassenerhalt. Das Schöne an Prognosen ist der Vergleich mit der eingetretenen Wirklichkeit. Deshalb wird es hier nun nach jedem Spieltag zur besseren Orientierung den Abgleich mit den Ergebnissen geben. Mindestens so lange, bis der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist. Ihr seht den von mir errechneten Tabellenstand zusammen mit der errechneten Punktezahl in Klammern, daneben die momentane Punkteabweichung von der Prognose.

12. Ingolstadt (36) +2

13. Aue  (33) +2

14. FSVFrankfurt (31) +1

15. MSV Duisburg (30) +0

16. Alemannia Aachen (30) -1

17. Karlsruher SC (30) -2

18. Rostock (18) +1


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