Der Hauptmann in Köpenick

Langsam stellt sich die konzentrierte Anspannung vor dem Spiel ein. Zeit für ein paar einschwörende Worte, um Zuversicht zu stärken. Wenn gerade jetzt die Wolkendecke über Berlin aufreißt, kann auch das nur ein gutes Zeichen sein. Ihr seht, ich bin seit gestern schon vor Ort, lese mich durch die Berichterstattung über Union und treffe bei einer Mini-Vernissage in einem Mütter-Café in Prenzlauer Berg einen Hertha-Fan, mit dem ich über Valeri Domovchiyski fachsimpel, Stichwort: Psyche. Meine gelungene Spielvorbereitung lässt mich auch für die Mannschaft vom MSV Duisburg hoffen.

Der MSV Duisburg hat in den letzten Spielen immer dann gut ausgesehen, wenn die gegnerische Mannschaft auch selbst das Spiel gestalten wollte. Im Heimstadion gehört Union Berlin wahrscheinlich zu solchen Mannschaften. Von dem inzwischen dünn besetzten Sturm bei Union werdet ihr schon gelesen haben. Nur zwei Spieler sind übrig geblieben, nach Weggang und Verletzung der anderen. Simon Terodde kennen wir noch, und wir wollen natürlich nicht dieses eine Klischee der Sportberichterstattung hören. Kein „ausgerechnet“ soll irgendeinem Reporter über die Lippen gehen. Das wäre schon mal ein Hinweis darauf, dass einem der beiden gegnerischen Stürmer kein Tor gelungen ist. Dem Tagesspiegel  gemäß soll sich Chinedu Ede auch weiter entwickelt haben. Von ihm scheint ebenfalls Klischeegefahr auszugehen.

Der MSV Duisburg kann in der Alten Försterei fraglos bestehen. Voraussetzung dazu: Entschlossenheit. Das ist banal. Aber gerade an dieser Entschlossenheit mangelte es bei den Auswärtsspielen in Rostock und Dresden. Ich habe den Eindruck, die Mannschaft vom MSV Duisburg kann ihre spielerischen Qualitäten nicht aus einem ruhigen Angehen heraus entwickeln. Deswegen ist Konstanz so schwierig herzustellen. Von Anfang an muss sich unbedingter Wille als Gruppengeist verbreiten. Aber je unsicherer sich ein Fußballspieler seiner Fähigkeiten ist, desto schwieriger wird es für ihn, die Balance zu finden zwischen unbedingtem Willen, Spielwitz und -kontrolle sowie der notwendigen Frustrationstoleranz bei vergeblichem Tun. Die Mannschaft vom MSV Duisburg scheint mir sehr abhängig von dieser inneren Stimmung zu sein. Und wenn wir uns an die Körpersprache mancher Spieler erinnern, wissen wir sofort, wo die Einfallstore sind, die von der schlechte Stimmung zum Hereinschleichen genutzt wird. Hoffen wir, der Mannschaft unserer Zuneigung gelingt es heute, am frühen Abend diese Einfallstore möglichst geschlossen zu halten. Hoffen wir weiter, sie bietet einem ihrer Mitspieler die Möglichkeit zum erfolgreichen Torschuss. Dann könnte ich auch bedenkenlos titeln: Der blau-weiß gestreifte Hauptmann in Köpenick! Bei Siegesfreude ist jedweder Jubeltitel, wie nahe liegend auch immer, erlaubt.

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