Archiv für April 2012

Vom schönsten Tor der Saison und, ach ja, dem Ende des Rechnens

Recht schnell war das mit der Rechnerei vorbei beim Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue. Um uns herum hatte es sogar Kontakt zu Radiostationen gegeben, und Ergebnisse wurden per Knopf im Ohr mitgehört, aber auf dem Spielfeld ließ die Mannschaft vom MSV Duisburg keinerlei Zweifel daran, dass ein Sieg hersollte. Die Auer ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre Qualitäten eher im Verteidigungsspiel vermuteten als im konzentrierten Abschluss. Da brauchte es keine Ergebnisse aus anderen Stadien. Das Thema Klassenerhalt war für mich durch, nachdem die Auer es nicht geschafft hatten aus der einzigen Chance, die ihnen der MSV Duisburg schenkte, ein Tor zu erzielen.

Nebenbei: Verpflichten sich Spieler in Aue eigentlich mit ihrem Vertrag zu verstärktem Oberkörper-Muskelaufbau? Oder gibt es – umgekehrt – im Auer Scouting besondere Pluspunkte für stämmigen Körper und breite Schultern?  Das war mir schon in der letzten Spielzeit aufgefallen. Da gibt es doch einige Spieler beim FC Erzgebirge Aue, die man in Freizeitkleidung vom Ansehen her eher in Kraftsportarten vermuten würde. Dann ziehen sie sich aber Fußball-Klamotten an und los geht´s. In Duisburg zunächst nur nicht so erfolgreich.

Ich war entspannt und konnte deshalb das schönste Tor dieser Saison um so mehr genießen. Das 1:0 war ein wunderbares Teil-Ensemblestück, zunächst vorgetragen über den rechten Flügel durch Dzemal Berberovic, der  an den Rand des Sechszehnmeter-Raums flankt, wo Maurice Exslager mit dem Kopf hinter seinen Rücken in die Mitte zu Kevin Wolze verlängert. Der lässt den Ball von der Brust in den Rückraum abtropfen, wo Goran Sukalo wartet, um mit einem Volley-Schuss den Ball neben den rechten Pfosten ins Tor zu schießen. In der Gesamtheit von Vorbereitung und Abschluss das schönste Tor der Saison. Großartig!

Von Aue kam nicht mehr viel zu diesem Zeitpunkt. Nach vorne ging gar nichts. Dagegen waren vom MSV konstruktive Angriffe zu sehen, sowie zwei Freistöße, denen anzusehen war, dass da mit Verstand und Plan Varianten eingeübt waren, die den Gegner überraschen konnten. Einen dieser Freistöße brachte Kevin Wolze zum 2:0 im Tor unter.

Nach der Halbzeitpause war die Mannschaft vom MSV Duisburg allerdings dann überrascht, dass es sich die Auer doch anders überlegt hatten. Sie wollten sich gegen die Niederlage wehren. Das war so in der ersten Halbzeit nicht vereinbart gewesen. Deshalb schien es so, als begännen die Zebras zu schwimmen. Sie waren im Kopf auf diese starke Gegenwehr nicht mehr eingerichtet. Der Gegentreffer war nur eine Frage der Zeit. Erst von da an hielten sie einigermaßen dagegen, und das Spiel wurde ein zähes Ringen und sich Stemmen gegen den Ausgleich. Letztlich war diesem Ringen Erfolg beschieden, weil die Auer im Spiel nach vorne zu harmlos waren und Felix Wiedwald einen scharf geschossenen Freistoß, den ich schon im Tor sah, doch noch abwehren konnte. Daniel Brosinski hatte zwei-, dreimal die Gelegenheit dieses Ringen vorzeitig mit einem weiteren Tor zu beeenden. Doch dieses Mal zeigte er mit seinen Abschlüssen, was er neben dem Flanken in der Saisonvorbereitung  besonders üben sollte.

So war nach dieser zweiten Halbzeit die Stimmung auch nicht sonderlich ausgelassen, als der Klassenerhalt gefeiert werden konnte. Viele Zuschauer dachten schon an das Spiel gegen Düsseldorf. Vier von sechs zu verabschiedenden Spielern waren anwesend. Bruno Soares wurde dabei am meisten gefeiert. Anschließend ließ man Oliver Reck noch einmal hochleben, der zwar nicht auf den Zaun ging, aber noch ein paar Worte sprach. Erneut waren das hoffnungsfrohe Worte für die nächste Saison. Da könnte tatsächlich etwas wachsen. Ein wenig scheue ich mich von vorhandener Stabilität zu sprechen, auf die aufgebaut werden kann. Das sind die Zweifel, die uns als dem MSV Duisburg zugeneigte Menschen fast alle immer wieder überkommen, wenn wir von der Zukunft dieses Vereins reden sollen. Dennoch überwiegt bei mir die Vorfreude auf das, was kommt.

Für einen Verein wie dem MSV Duisburg ist es ungemein schwierig, sich im Mittelbau des professionellen Fußballbetriebs dauerhaft und ohne finanzielle Schwierigkeiten zu positionieren. Im Moment, so scheint es, kriegen wir gerade noch einmal die Kurve. Und um mit weiteren Gedankenspielen zur nächsten Saison zu enden. Wie im MSVPortal zu lesen ist, war Julian Koch am Sonntag im Stadion. Selbst wenn der MSV Duisburg sein Verein zur Ausleihe in der nächsten Saison dann doch nicht werden sollte. Es ist ein Zeichen für die gute Arbeit beim MSV Duisburg im Moment, dass bei der anstehenden Entscheidung für Julian Koch der Verein unserer Zuneigung als einer von zwei Vereinen mit im Rennen ist.

Nun bleibt noch, am nächsten Spieltag den zehnten Platz zu sichern, und  St. Pauli oder Paderborn die Chance auf das Relegationsspiel zu geben.  Womöglich gelänge dann sogar zum ersten Mal einem Zweitligist in der Relegation der Aufstieg. Weder der 1. FC Köln noch Hertha BSC machen ja im Moment den Eindruck, als könnten sie jemals wieder ein Spiel gewinnen.

Dann wollen wir mal das Rechnen beenden

Nur noch ein paar Stunden und dann, so hoffen wir alle, werden wir gemeinsam mit den Spielern vom MSV Duisburg den Klassenerhalt endgültig feiern können. Es reicht dazu ein Unentschieden gegen den FC Erzgebirge Aue. Lieber wäre uns allen ein Sieg, nicht nur der ausgelasseneren Stimmung wegen, durch den dann weiterhin möglichen Platz 10 in der Tabelle erhielte der MSV Duisburg mehr Anteile an den zu vergebenden TV-Geldern. Wegen des Nachbessern für die DFL-Lizenz der nächsten Saison zählt bei den Einnahmen im Moment jeder Euro.

Im Bericht über die Pressekonferenz vor dem Spiel lässt sich das gewonnene Selbstbewusstsein Oliver Recks deutlich erkennen. Lob für Kevin Wolze, eine deutliche Ansage zum Spielziel verbunden mit einem hoffnungsfrohen Ausblick auf die kommende Spielzeit, das macht Eindruck. Oliver Reck braucht nicht mit großen Tönen daher zu kommen. Es reicht, wenn er auf Tatsachen verweist. Aus den Tatsachen lassen sich beim besten Willen keine schlechten Schlüsse ziehen. So eine Lage muss sich ein Trainer erst einmal erarbeiten. Am meisten freuen mich die letzten Zeilen dieses Textes, mit denen noch einmal daran erinnert wird, dass der Stamm der Mannschaft zum ersten Mal nach langer Zeit zusammen bleibt.

Der FC Erzgebirge Aue hat seinen Fans die Fahrt nach Duisburg gesponsert. Die Mannschaft soll jede Unterstützung erhalten, die nötig ist, um den Klassenerhalt zu sichern. Für all diese anreisenden Erzgebirgler gibt es auf der Fan-Seite vom FC Erzgebirge Aue eine Spielort- samt Spielstättenbeschreibung wie ich sie bislang noch nirgendwo gelesen habe – umfangreich und mit historischen Fakten unterfüttert. Solcher Art Bildungsbemühen sei der Klassenerhalt gegönnt. Ein Sieg wird dazu nicht nötig sein. Ich denke, nicht einmal ein Unentschieden. Damit das Rechnen in Duisburg wirklich mit der größt möglichen Ausgelassenheit beendet wird.

Etwas für den Vorrat in der Gerüchteküche

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund Hans-Joachim Watzke  im Interview mit dem Paderborner Westfalen-Blatt zu Ausleih-Geschäften mit dem SC Paderborn, insbesondere über Julian Koch:

Könnten Sie sich eine Kooperation mit Paderborn vorstellen? In diesem Jahr wechseln erneut zwei Paderborner Talente zum BVB. Im Gegenzug könnten Sie zum Beispiel Julian Koch an den SCP ausleihen, der nach langer Verletzungspause unbedingt Spielpraxis benötigt.

Watzke: Was sollen wir kooperieren? Der SC Paderborn spielt mit den B-Junioren in der Bundesliga, die A-Junioren kämpfen um den Aufstieg. Das bringt beiden Seiten nicht viel. Grundsätzlich gehen Ausleihgeschäfte immer. Das Problem ist nur, dass auch der Spieler mit ins Boot gehört. Unsere Jungs tendieren da eher zu vermeintlich großen Klubs wie Fortuna Düsseldorf oder MSV Duisburg. Der SC Paderborn muss sich sein Standing im Bundesligageschäft erst noch erarbeiten.

Der Trost für Fußballversager: Schilddrüsenunterfunktion

In unserer Gegenwart verschaffen Krankheiten manche Erleichterung. Wenn sich viele ganz alleine für das eigene Lebensglück verantwortlich fühlen, weil sie die letzten Jahre der vorherrschenden öffentlichen Meinung zu sehr glaubten, da entlastet es sehr, wenn Ärzte irgendwas entdecken, was einen am doch so möglichen Erfolg gehindert hat. Dann kann fürs erste die pharmazeutische Industrie helfen. Funny van Dannen weiß das. Nach einem sehr schönen Konzert im Kölner Gloria gestern Abend darf sich nun das Ruhrgebiet auf den Samstag in Bochum freuen. Dort heißt es für den Bahnhof Langendreer aber auch schon ausverkauft. Heute deshalb Funny van Dannen live mit seinem Trost für alle, die es nicht zum Fußballprofi geschafft haben:

Und als Zugabe eine Hymne für die Pott-Welt

Mein nachträglicher Dauer-Applaus für Funny van Dannen.

 

Der zwölfte Mann

Menschen sind dazu geboren, zu handeln. Immer wieder drohenden Gefahr ohnmächtig ausgesetzt zu sein, macht krank, selbst wenn der nächste Tag erst einmal ohne Sorgen beginnen sollte. So weckt der auf das Tor zurollende Ball, instinkthaftes Verhalten und wohl die meisten von uns auf den Rängen kennen das Zucken in den Beinen, weil wir etwas sehen, was wir verhindern wollen. Deshalb kann es einen Menschen schon mal packen, der bei einem Fußballspiel neben dem Tor seiner Mannschaft steht und mitfiebert. Deshalb gibt es diese Momente, in denen so jemand irgendwann nur noch dem Instinkt folgt, selbstvergessen, ohne Denken, einfach nur, wie es das Adrenalin befiehlt: Handele! Mach etwas!

Wir erinnern uns an Balljungen und Fotografen in den großen Stadien, an die Zuschauer auf den kleineneren Sportplätzen dieser Welt, und wir ahnen nur, welchen Versuchungen Ersatzspieler beim Warmmachen neben dem Tor unentwegt ausgesetzt sind. Da stehen sie dann als zwölfter Mann. Gestern war es in der Regionalliga West NRW-Liga Andreas Moog, Einwechselspieler von Viktoria Köln, der neben dem Tor sich warm machte, das Spiel dabei beobachtete und dann mal eben seinen Fuß neben den Pfosten hielt, um zu verhindern, dass der KFC Uerdingen mit einen vierten Tor den Sieg kurz vor Spielende endgültig besiegelte. Bei vollem Verstand besehen war das nicht nötig. Viktoria Köln wird trotz der Niederlage aufsteigen.

Das Spiel hatte wegen des Gefahrenpotentials vom Höhenberger Sportpark ins Rheinenergie-Stadion verlegt müssen. Vielleicht war es dieser Ausnahmemoment des anderen Stadions, der für Andreas Moog das Spiel so bedeutsam machte, dass er es nicht aushielt, nichts zu tun.  Wir wissen es nicht, und auch aus eigenen Reihen prasselte der Unmut auf ihn ein. Macht´s ihm nicht zu schwer. Andreas Moog tat es für seine Gesundheit.

Die Qualität der Aufnahme ist nicht die beste, für den Eindruck langt es aber allemal.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – I –

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog ab heute in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

                                                                                                                              Den Auftakt zu dieser Reihe mit den schönsten Fußballtorten der Welt kann am Tag nach dem ersten Halbfinale der Champions League nur eine Torte machen, zum Trost und zu Ehren der Mannschaft des F.C. Barcelona und aller seiner Anhänger. Nicht jeder wird den Gedanken mögen, dass mit dem Ausscheiden aus der Champions League der F.C. Barcelona dem Fußball einen größeren Dienst erwies als mit dem Erreichen des Finales. Diese Niederlage stärkt den Glauben daran, dass in einem Fußballspiel alles erreichbar ist, selbst für die schwächsten Mannschaften gegen übermächtige Gegner. Es muss immer wieder große Mannschaften geben, die ihn bestätigen. Und nun nehmt euch 1 Minute und 47 Sekunden Auszeit für eine F.C. Barcelona-Torte im Bewegtbild.

Schön träumen darf man dienstags auch mal dürfen

Wissen es sogar die Schweden schon? Bei Tyskland Svenskafans.com wird die Kaderplanung des BVB für die kommende Saison begutachtet. Dabei wird auch über die Zukunft von Julian Koch spekuliert. Ich kann kein schwedisch, aber im folgenden Zitat klingt „och en utlåning“ doch sehr nach „auch eine Ausleihe“. Und wenn nicht, ist auch egal, der Name alleine weckt schöne Erinnerungen, völlig abgesehen davon, wie gut Julian Koch im Moment spielt und welche finanziellen Möglichkeiten Ivo Grlic für seine Personalplanung besitzt. Die Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison  samt Spekulationen hat jedenfalls schon längst Fahrt aufgenommen.

Även Julian Koch väntas bli utlånad nästa säsong. Koch gjorde succé förra säsongen när han var utlånad till MSV Duisburg innan han trasade sönder knäet i en match mot Rot-Weiß Oberhausen i slutet av februari förra säsongen. Drygt ett år senare har Koch fortfarande inte spelat än enda minut sedan skadan och en utlåning för att ge högerbacken nödvändig speltid bör därför vara på sin plats. 21-åringen förlängde i januari sitt kontrakt med ytterligare en säsong, över säsongen 2012/13.

Teilnahmsloses Grillen statt Paderborn-Support

Der Montag ist nach Freitagspielen des MSV Duisburg doch eigentlich der Tag für den resümierenden Spieltags-Artikel. Den vermisse ich heute bei DerWesten, stattdessen Lizenzvergabe und Nachbessern. Komme ich gleich noch zu. Eigentlich hatte Maurice Exslager nach dem dreckigen Unentschieden in Braunschweig nämlich eine Steilvorlage für so einen Die-Stimmung-nach-dem-Spieltag-Artikel gegeben. Ich suche die Stelle jetzt nicht mehr, aber ich glaube, er war es, der davon sprach, vielleicht träfen sich die jüngeren Spieler zum Grillen, um sich dabei das Spiel vom SC Paderborn gegen den Karlsruher SC anzusehen.

Hätte der SC Paderborn in Karlsruhe Unentschieden gespielt, hätten ja die Rechnereien mit den den zu vergebenden Punkten der letzten beiden Spieltage in Duisburg eingestellt werden können. Nun haben die Paderborner bei der vorzeitigen Sicherung des Klassenerhalts versagt. Die Mannschaft vom MSV Duisburg muss nächsten Sonntag gegen Aue also selbst ran, um die restlichen Punkte für Platz 3 einzufahren. Oder war es am letzten Spieltag gegen Düsseldorf? Der Ex- und Neu-Trainer vom 1. FC Köln Frank Schaefer wusste nicht umsonst, die letzten 3 Spieltage einer Saison sind besondere Spieltage, an denen alles möglich ist. Da verliert einer wie ich leicht den Überblick.

Sicher weiß ich aber, besser geht immer. Das weiß der Lokalsport bei DerWesten sonst auch. Die Modalitäten der Lizenzvergabe ließen nur keine Zeit für den sportnahen Montagsstimmung-Artikel. Deshalb habe ich mir die entsprechenden Schlagzeile dazu auch selbst gemacht. Man kann sich an schlechte Nachrichten gewöhnen und sie vermissen. Man darf doch mal vermuten, wahrscheinlich hätte die Paderborner Niederlage in Karlsruhe abgewendet werden können, wenn es ein wenig mehr Einsatz von Duisburger Seite gegeben hätte. Dem Paderborn-Support fehlte der Support aus Duisburg. Stattdessen Hard-Core-Grillen von teilnahmslos wirkenden Jung-Zebras, während die nicht spielenden Verantwortlichen des Vereins sich um nichts anders als ums Geld kümmerten. Da muss man doch schwarz sehen.

Aber nur ein bisschen aus Gewohnheit. Dann leuchtet das Licht am Ende des Tunnels um so heller. Als ich die Meldung Ende letzter Woche las, alle Vereine der Profi-Ligen hätten die DFL-Lizenz erhalten, einige müssten allerdings noch Auflagen erfüllen, war schon klar, der MSV Duisburg wird, wie das im Finanzfunktionärs-Deutsch heißt, nachbessern müssen. Nun läuft alles wie gehabt. Roland Kentsch gibt sich ruhig und zuversichtlich. Zahlen kursieren, ohne dass sie offiziell bestätigt werden.  Wir Zuschauer hoffen, alles wird gut ausgehen.

Ein wenig unterscheidet sich die Situation dann allerdings doch von anderen, weil MSV-Präsident Andreas Rüttgers schon zuvor das Gespräch mit Zuschauern und Unterstützern des MSV suchte und um Verständnis für das Handeln im Verein warb, wie hier im MSVPortal. Durch die Auflösung des Marketing-Vertrags mit Hellmich-Marketing gibt es einen grundsätzlich neuen Ansatz, zur Finanzierung des MSV Duisburg. Der trägt allerdings laut Andreas Rüttgers erst ab der übernächsten Spielzeit Früchte. Bis dahin wird der Haushalt immer eng kalkuliert sein. Andererseits gab es bislang kein Versprechen von Andreas Rüttgers, das nicht gehalten werden konnte. Es spricht nichts dafür seiner Arbeit und der von Roland Kentsch zu misstrauen.

Es gibt auch so was von verdreckte Unentschieden

Am 2. März war es, im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth, an jenem Freitag zeigte die Mannschaft vom MSV Duisburg die für ein paar Wochen vermisste Spielstärke und den Willen wieder, auch in der kommenden Saison in der 2. Liga zu spielen. Die Mannschaft war dem Tabellenführer ein ebenbürtiger Gegner. Das Spiel ging dennoch verloren. Fürths Trainer Mike Büskens sprach damals von einem „dreckigen Sieg“ seiner Mannschaft. Seitdem überzeugte die Mannschaft vom MSV Duisburg in weiteren sieben Spielen. Da darf dann auch mal ein schlechtes Spiel an der Reihe sein. Wenn dieses schlechte Spiel nun nicht einmal verloren geht, sollte sich eigentlich niemand ärgern. Mit Mike Büskens im Sinn, ließe sich sagen: Das 0:0 gegen Eintracht Braunschweig war ein dreckiges Unentschieden. Es wurde mit Haken und Ösen erkämpft. Glück kam hinzu. Und schon wieder hatte der MSV Duisburg einen Punkt mehr, als ich in meinem Worst-Case-Tabellenrechner-Szenario angenommen hatte. Es ist alles eine Frage der Perspektive, wie zufrieden einen Ergebnisse stimmen.

Auch Oliver Reck scheint die richtige Perspektive beim Blick auf die Spielweise seiner Mannschaft einzunehmen. Wenn ich mich an seine zur kurzen Freude geballten Fäuste nach dem Abpfiff erinnere, erkenne ich eine von seinen Qualitäten. Da weiß einer Situationen richtig einzuschätzen und die entsprechende Zufriedenheit zu empfinden. Gleichzeitig zeigt seine Stellungnahme nach dem Spiel aber auch, diese Zufriedenheit geht sehr wohl einher mit realistischer Analyse. Auch er weiß, seine Mannschaft hat kein gutes Spiel gemacht. Aber Ärger? Ivica Grlic neben ihm machte mir nach dem Abpfiff auch nicht den Eindruck, als ob sich da einer ärgert. Für DerWesten nimmt Dirk Retzlaff aber diesen Ärger wahr. Irgendwie sieht dort die Welt für den MSV Duisburg immer ein bisscherer düsterer aus, als ich es erkenne. Komisch. „Da klang Ärger durch“ heißt es als wertender Zusatz zu Worten, denen kein Ärger inne wohnt, sondern nur realistischer Blick auf das Spiel. Roland Kentsch wird zitiert: „Ein schlechtes Spiel, wir haben Glück gehabt“. Und Ivica Grlic hat gesagt: „Wenn wir die Leistung der letzten Wochen abgerufen hätten, wären wir auch in Braunschweig als Sieger vom Platz gegangen. Dann wäre die Sache erledigt gewesen“. Da müsste mehr Beleg für Ärger kommen, damit mein Eindruck durch die TV-Bilder nach dem Spiel irritiert würde.

Ich kann mit dem Unentschieden also gut leben, und habe auch nicht einen Moment das Gefühl, die Mannschaft habe gestern irgendetwas verpasst. Laut DerWesten soll das die vorzeitige Sicherung des Klassenerhalts  gewesen sein. Alles zu seiner Zeit. Der Spieltag ist erstens noch nicht zu Ende, zweitens lässt sich so ein Klassenerhalt auch nächste Woche problemlos festzurren. Sprich: Schon morgen Abend könnte die Überschrift zum Spielbericht auch lauten: Dreckiges Unentschieden sichert Klassenerhalt! Dazu reicht schon, dass der KSC morgen nur Unentschieden gegen den SC Paderborn spielt. Nicht so unwahrscheinlich. Und wenn nicht, feiern wir am nächsten Sonntag nach dem Sieg gegen Aue im Stadion alle gemeinsam. Auch eine schöne Aussicht.

Und vor dem Spiel noch etwas ganz anderes: Ruhrtriennale 2012

Die erste Spielzeit von Heiner Goebbels als künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale verspricht dem Publikum Erfahrungen, die uns Zuschauern des MSV Duisburg oft nicht fremd sind. Heiner Goebbels möchte mit dem zusammengestellten Programm Begegnungen bieten „mit etwas, das wir noch nicht kennen: ein ungesehenes Bild, ein ungehörter Klang, eine nicht für möglich gehaltene Bewegung.“ Im Stadion ist so etwas in dieser Saison für uns lange Zeit normal gewesen. Wir wussten nicht, was uns erwartet, welche Qualität die Mannschaft im Spiel zeigen konnte, und so standen wir oft genug verständnislos vor der Leistung der Mannschaft. Dieses Risiko der Verständnislosigkeit geht Heiner Goebbels mit dem Programm der Ruhrtriennale ein. Überfliegt man das Programm findet sich auf den ersten Blick kaum etwas, was einem Publikumsbedürfnis nach erzählerischen Formen von Kulturerfahrungen entspricht. Nachvollziehen von Handlung tritt in diesem Programm zurück hinter die reine Wahrnehmung von Geschehen. Heiner Goebbels interessiert „Theater als eigene Realität“. In den Räumen der Industriekultur soll auf kein Draußen verwiesen werden, und die Zuschauer sollen ihre eigenen Verbindungen zwischen ihrem Erleben im Theater und der Realität ziehen.

Wenn Heiner Goebbels im folgenden mit Holger Noltze über das Eröffnungswerk der Ruhrtriennale, Europeras 1&2 von John Cage, spricht, werden auch seine Vorstellungen von Kunst noch einmal deutlich.

Nun wissen wir Zuschauer des MSV Duisburg aus dieser Saison, nicht immer möchte man als Zuschauer ein Spiel voller Überraschungen und ungeahnten Spielmöglichkeiten, die nicht auf einen Zweck verweisen. Manchmal möchte man einfach auch nur einen ungefährdeten Anpfiff-Abpfiff-Sieg sehen. Man möchte manchmal auch nur ein schönes Spiel sehen mit dem ein oder anderen technischen Kabinettstückchen. Erst danach ist man auch wieder für die Wundertüte MSV Duisburg bereit. Deshalb bin ich ein wenig skeptisch, ob das Ruhrgebiet der richtige Ort für das künstlerische Konzept von Heiner Goebbels ist. Mir fehlen Programmteile, bei denen ich etwas genauer weiß, was mich erwartet. Es war ja in den vorherigen Spielzeiten keineswegs so, dass jeder Programmteil Boulevard für das Bildungsbürgertum des Ruhrgebiets bot. Auch zuvor gab es Kunst, deren Bezüge zur Realität, das Publikum selbst herstellen musste; Kunst, die sehr auf das Ereignis des Abends bezogen war, die nicht eingängig war und die manchmal ratlos zurückließ. Die Mischung war aber da, die ein Publikum dazu bereit machte, sich auf das ganz andere einzulassen. Ich bin gespannt, welche Folgen diese Programmgestaltung für die Zuschauerzahlen haben wird.

Für den schnellen Programmüberblick sei hier auch noch einmal die Pressemitteilung der Ruhrtriennale zitiert: „Zu den Höhepunkten des Festivals zählen die Opern Europeras 1&2 von John Cage in der Jahrhunderthalle, inszeniert von Heiner Goebbels und seinem Team, und Carl Orffs Prometheus in der Kraftzentrale – in der Regie des samoanischen Choreografen Lemi Ponifasio, sowie die Live Art-Ausstellung 12 Rooms im Essener Museum Folkwang. Die Jahrhunderthalle Bochum wird mit En Atendant und Cesena von Anne Teresa de Keersmaeker außerdem Schauplatz einer einzigartigen Doppelinszenierung bei Sonnen-untergang und Sonnenaufgang. Erstmalig Gäste der Ruhrtriennale sind die Theatermacher Robert Lepage, der im Salzlager auf Zollverein, Essen, seinen neuen Theaterzyklus Playing Cards eröffnet und Romeo Castellucci, der mit FOLK. im Duisburger Landschaftspark die Grenzen des Theaters in Bewegung bringt. Ein Open Air-Konzert der japanischen Gruppe Boredoms sorgt für Schlagzeug-Power in der Bergarena der Halde Haniel in Bottrop.“


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: