Gewinnen ohne Ball im Spiel klappt selten, Herr Aussem

Wenn im Verein Spieler, Trainer und Verantwortliche den Blick schon wieder nach vorne richten, zum Spiel gegen Eintracht Braunschweig, dürfen wir Zuschauer uns noch immer freuen. Wir dürfen sogar diese Freude über den 2:0-Sieg gegen Alemannia Aachen schon mit Vorfreude auf den Klassenerhalt mischen. Wir dürfen uns Hoffnung machen, die Saison mit einem Mittefeldplatz abzuschließen, und wer sogar zum Ende der Saison noch zu den Sternen greifen will, darf von einem 9. Platz träumen. Wenn alles besonders gut läuft, ist diese Endplatzierung möglich. Mich beruhigt aber auch diese Stimmung im Verein, diese Konzentration auf das nächste Spiel und dieses Gegensteuern gegen überhitzte Gefühle, was dann heißt, ganz gesichert gegen den Abstieg ist der MSV Duisburg noch nicht. Diese Haltung macht Hoffnung auf die Zukunft, genauso wie die Leistung der Mannschaft, nun zum Ende der Saison hin. Denn so viel Wechsel wird es da nicht geben.

In der Nachberichterstattung zum Spiel erstaunt mich aber, wie uneingeschränkt Alemannia Aachen als gleichwertiger Gegner beschrieben wird. Was war denn das für eine Leistung dieser Mannschaft in der ersten Halbzeit? Anscheinend bestimmen Alemannias zwei Großchancen der zweiten Halbzeit jeglichen Eindruck vom Spiel. Diese zwei Chancen waren aber nicht erspielt, sondern sie waren Geschenke des MSV Duisburg. Wenn ich im Kicker lese, die Mannschaften seien sich auf Augenhöhe begegnet, kann ich nur sagen, da hätten die Spieler der Alemannia permanent ein Fußbänkchen mit sich herumtragen müssen. Da trifft bei DerWesten für die erste Halbzeit das Wort vom „Stillhalteabkommen“ schon eher. Obgleich die Bemühungen vom MSV Duisburg, ein Tor zu erzielen, deutlich zu erkennen waren. Mich beruhigte es eher, dass die Zebras nicht mit aller Macht nach vorne stürmten, sondern geduldig versuchten Lücken in dieser vollkommen zurückgezogen spielenden Aachener Mannschaft zu finden. Um erfolgreich zu sein, gab es aber zu wenig Bewegung in der Mannschaft, zu wenig Pressing nach Ballverlusten. Aber wahrscheinlich schafft gerade dieses Mehr an Bewegung aller Spieler die Fehler, auf die Aachens Mannschaft einfach nur gehofft hat. In der zweiten Halbzeit war das erkennbar. Da spielten die Zebras mit mehr Biss, versuchten das Spiel mehr nach vorne zu verlagern und schon wurde das Spiel in der Defensive fehleranfälliger.

Aachens Taktik in der ersten Halbzeit schloss die Spielzeitreduzierung mit ein. Nach dem Motto, wenn der Ball nicht im Spiel ist, kann kein Gegentor fallen, wälzten sich die Aachener Spieler auf dem Boden und schleppten sich nach minutenlanger Behandlung zur Seitenauslinie. Jede Bewegung von Aachener Spielern bei einer Spielunterbrechung war eine Bewegung in Zeitlupe. Sechs bis sieben Minuten weniger Spielzeit wurden auf diese Weise mindestens geschafft. Der Unmut im Duisburger Publikum nach dem nicht gegeben Abseitstor kurz vor der Pause war auch deshalb so groß, weil zuvor die Aachener Spieler jede Möglichkeit genutzt hatten, das Spiel länger zu unterbrechen. Das Selbsttor schien nicht nur mir die gerechte Strafe für dieses nervige Mittel im Abstiegskampf. Das Bestrafen wurde dann auf die zweite Halbzeit verschoben.

Felix Wiedwald muss man als ersten nennen, der diesen Sieg ermöglichte. Er hielt zweimal das Unentschieden, als David Odonkor alleine auf ihn zustürmte. Wie lange bleibt dieser Torwart stehen? Wie klein macht er das Tor für einen Stürmer, der nichts anderes kann, als geradeaus zu laufen. Großartig! Hinzu kommt eine immer sichere Strafraumbeherrschung, bei Ecken Mut ins Getümmel zu springen, und er strahlt jederzeit Präsenz aus. Alleine an den Abschlägen muss weiter gearbeitet werden, doch selbst die kommen immer genauer dorthin, wo sie landen sollen.

Natürlich gelang dieser Sieg nur als Mannschaftsleistung. Dennoch gibt es Schlaglichter, Branimir Bajic trifft eines. Als grätschender Retter im Strafraum vor einem einschussbereiten Aachener Spieler und als weiterhin torgefährlicher Strafraumspieler nach Ecken. Ein anderes erhellt die Einzelaktion von Maurice Exslager vor dem Führungstreffer. Es zeichnete sich ab, dass zur Überwindung der dichten Abwehrreihe der Aachener Einzelaktionen von Spielern unerlässlich waren. Maurice Exslager war bis dahin noch nicht sehr erfolgreich gewesen, und nun erhielt er den Ball auf dem rechten Flügel, versuchte es erneut und dieses Mal gelang es. Haken schlagend, fand er die Lücke zwischen drei Spielern, war vollkommen frei vor dem Tor, in ungünstiger Schussposition, hatte aber die Übersicht in den Rückraum zu spielen, wo Daniel Brosinski zu aller Duisburger Erleichterung den Ball ins Tor einschieben konnte. Das Tor gehört zu großen Teilen Maurice Exslager, der zu dem Zeitpunkt in Momenten ohne Ball schon müde wirkte, aufgerieben vom unentwegten Wühlen und Arbeiten bei Angriffsversuchen. Dieses Tor puschte ihn, und sobald der Ball in seiner Nähe war, wirkte er so, als hätte das Spiel gerade begonnen. Deshalb auch nahm er nur wenig später einen halblangen Pass in den Strafraum auf, schoss sofort, wurde abgeblockt und holte sich den Ball augenblicklich noch einmal, um Jürgen Gjasula in der zweiten Angriffswelle zuzupassen. Das 2:0 fiel. Der Sack war zu. Natürlich ging es den Aachener Spielern nun nicht schnell genug. Zeit ist schon ein komisches Ding in so einem Fußballspiel. Lässt sich nicht immer so bändigen, wie man es braucht.

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1 Response to “Gewinnen ohne Ball im Spiel klappt selten, Herr Aussem”



  1. 1 Schon lange legendär – Branimir Bajic | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 14. Mai 2018 um 06:59

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