Vom schönsten Tor der Saison und, ach ja, dem Ende des Rechnens

Recht schnell war das mit der Rechnerei vorbei beim Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue. Um uns herum hatte es sogar Kontakt zu Radiostationen gegeben, und Ergebnisse wurden per Knopf im Ohr mitgehört, aber auf dem Spielfeld ließ die Mannschaft vom MSV Duisburg keinerlei Zweifel daran, dass ein Sieg hersollte. Die Auer ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre Qualitäten eher im Verteidigungsspiel vermuteten als im konzentrierten Abschluss. Da brauchte es keine Ergebnisse aus anderen Stadien. Das Thema Klassenerhalt war für mich durch, nachdem die Auer es nicht geschafft hatten aus der einzigen Chance, die ihnen der MSV Duisburg schenkte, ein Tor zu erzielen.

Nebenbei: Verpflichten sich Spieler in Aue eigentlich mit ihrem Vertrag zu verstärktem Oberkörper-Muskelaufbau? Oder gibt es – umgekehrt – im Auer Scouting besondere Pluspunkte für stämmigen Körper und breite Schultern?  Das war mir schon in der letzten Spielzeit aufgefallen. Da gibt es doch einige Spieler beim FC Erzgebirge Aue, die man in Freizeitkleidung vom Ansehen her eher in Kraftsportarten vermuten würde. Dann ziehen sie sich aber Fußball-Klamotten an und los geht´s. In Duisburg zunächst nur nicht so erfolgreich.

Ich war entspannt und konnte deshalb das schönste Tor dieser Saison um so mehr genießen. Das 1:0 war ein wunderbares Teil-Ensemblestück, zunächst vorgetragen über den rechten Flügel durch Dzemal Berberovic, der  an den Rand des Sechszehnmeter-Raums flankt, wo Maurice Exslager mit dem Kopf hinter seinen Rücken in die Mitte zu Kevin Wolze verlängert. Der lässt den Ball von der Brust in den Rückraum abtropfen, wo Goran Sukalo wartet, um mit einem Volley-Schuss den Ball neben den rechten Pfosten ins Tor zu schießen. In der Gesamtheit von Vorbereitung und Abschluss das schönste Tor der Saison. Großartig!

Von Aue kam nicht mehr viel zu diesem Zeitpunkt. Nach vorne ging gar nichts. Dagegen waren vom MSV konstruktive Angriffe zu sehen, sowie zwei Freistöße, denen anzusehen war, dass da mit Verstand und Plan Varianten eingeübt waren, die den Gegner überraschen konnten. Einen dieser Freistöße brachte Kevin Wolze zum 2:0 im Tor unter.

Nach der Halbzeitpause war die Mannschaft vom MSV Duisburg allerdings dann überrascht, dass es sich die Auer doch anders überlegt hatten. Sie wollten sich gegen die Niederlage wehren. Das war so in der ersten Halbzeit nicht vereinbart gewesen. Deshalb schien es so, als begännen die Zebras zu schwimmen. Sie waren im Kopf auf diese starke Gegenwehr nicht mehr eingerichtet. Der Gegentreffer war nur eine Frage der Zeit. Erst von da an hielten sie einigermaßen dagegen, und das Spiel wurde ein zähes Ringen und sich Stemmen gegen den Ausgleich. Letztlich war diesem Ringen Erfolg beschieden, weil die Auer im Spiel nach vorne zu harmlos waren und Felix Wiedwald einen scharf geschossenen Freistoß, den ich schon im Tor sah, doch noch abwehren konnte. Daniel Brosinski hatte zwei-, dreimal die Gelegenheit dieses Ringen vorzeitig mit einem weiteren Tor zu beeenden. Doch dieses Mal zeigte er mit seinen Abschlüssen, was er neben dem Flanken in der Saisonvorbereitung  besonders üben sollte.

So war nach dieser zweiten Halbzeit die Stimmung auch nicht sonderlich ausgelassen, als der Klassenerhalt gefeiert werden konnte. Viele Zuschauer dachten schon an das Spiel gegen Düsseldorf. Vier von sechs zu verabschiedenden Spielern waren anwesend. Bruno Soares wurde dabei am meisten gefeiert. Anschließend ließ man Oliver Reck noch einmal hochleben, der zwar nicht auf den Zaun ging, aber noch ein paar Worte sprach. Erneut waren das hoffnungsfrohe Worte für die nächste Saison. Da könnte tatsächlich etwas wachsen. Ein wenig scheue ich mich von vorhandener Stabilität zu sprechen, auf die aufgebaut werden kann. Das sind die Zweifel, die uns als dem MSV Duisburg zugeneigte Menschen fast alle immer wieder überkommen, wenn wir von der Zukunft dieses Vereins reden sollen. Dennoch überwiegt bei mir die Vorfreude auf das, was kommt.

Für einen Verein wie dem MSV Duisburg ist es ungemein schwierig, sich im Mittelbau des professionellen Fußballbetriebs dauerhaft und ohne finanzielle Schwierigkeiten zu positionieren. Im Moment, so scheint es, kriegen wir gerade noch einmal die Kurve. Und um mit weiteren Gedankenspielen zur nächsten Saison zu enden. Wie im MSVPortal zu lesen ist, war Julian Koch am Sonntag im Stadion. Selbst wenn der MSV Duisburg sein Verein zur Ausleihe in der nächsten Saison dann doch nicht werden sollte. Es ist ein Zeichen für die gute Arbeit beim MSV Duisburg im Moment, dass bei der anstehenden Entscheidung für Julian Koch der Verein unserer Zuneigung als einer von zwei Vereinen mit im Rennen ist.

Nun bleibt noch, am nächsten Spieltag den zehnten Platz zu sichern, und  St. Pauli oder Paderborn die Chance auf das Relegationsspiel zu geben.  Womöglich gelänge dann sogar zum ersten Mal einem Zweitligist in der Relegation der Aufstieg. Weder der 1. FC Köln noch Hertha BSC machen ja im Moment den Eindruck, als könnten sie jemals wieder ein Spiel gewinnen.

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