Archiv für Mai 2012

„Von Mensch zu Mensch“ beim Benefizspiel von Tönnies & Friends

Wenn Flo Bauer auf Bühnen steht, heißt er Bo Flower und rappt. „Von Mensch zu Mensch“ heißt nicht nur ein Song von ihm, der eine Aufklärungskampagne zur Organspende begleitet. Darüber hinaus steht Flo Bauer als interessierter Interviewer im Zentrum einer gleichnamigen Reihe von Video-Clips, die über das Thema Organspende aufklären sollen. Für einen dieser Clips war Flo Bauer auch beim Benefiz-Spiel für den Bundesverband der Organtransplantierten, das Michael Tönnies initiiert hat. Flo Bauer ging es dabei weniger um das Spiel. Auch in Duisburg wollte er durch Interviews nicht zuletzt mit Michael Tönnies zeigen, wie notwendig Organspenden sind.

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Die Manfred-Manglitz-Medaille und Riegel-Rudi

Die letzte Bundesliga-Saison ist zwar schon einige Zeit beendet, doch gute Ideen gehören verbreitet, zumal mit dieser Idee auch die Historie vom MSV Duisburg verbunden wird. Stadioncheck.de hat sich von der Ehrung des besten Torhüters der Saison in der spanischen Primera Division inspieren lassen und vermisst in Deutschland eine entsprechende Wertschätzung der Torwart-Leistung. Selbst ist das Sportmedium, und so verlieh Stadioncheck.de zum ersten Mal die  Manfred-Manglitz-Medaille für die beste Torhüter-Leistung in der Saison 2011/2012. Diese noch virtuelle Medaille geht an Manuel Neuer – basierend auf dem besten „Gegentore-Schnitt aller Torhüter, die mindestens ein Drittel aller Saisonspiele absolviert haben“.

Manfred Manglitz ist der Namensgeber der Auszeichnung, weil er in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 beim MSV Duisburg eben jenen besagten besten Gegentore-Schnitt erreichte. Die Grundlage der Auszeichnung soll nicht in Frage gestellt werden, dennoch ist gerade Manfred Manglitz ein hervorragendes Beispiel dafür, wie dieser Quotient auch abhängig ist von der Arbeit der Torwart-Vorderleute, der Verteidigung. Denn gerade die Mannschaft des MSV Duisburg dieser ersten Bundesliga-Saison war über Jahrzehnte die erfolgreichste Arbeitsprobe des Rudi Gutendorf, der fortan kaum mehr ohne zweiten Vornamen genannt wurde. „Riegel-Rudi“ hatte für die Zebras eine Taktik entwickelt, die durch diesen Spitznamen jahrelang als großes Missverständnis weiter erzählt wurde.

Wer „Riegel-Rudi“ hörte, dachte schnell an starke Abwehrwälle und eine defensiv ausgerichtete Mannschaft, die ihr Heil im Mauern suchte. Wer aber die heutige Spielweise mit geschlossenen Bewegungen ganzer Mannschaftsteile vor Augen hat, kommt der Taktik von damals schon näher. Günter Preuß erwähnt in seiner Biografie „Der Kapitän der Zebras“, wie modern das  Spielsystem des MSV Duisburg unter Rudi Gutendorf  war. Raumdeckung erhielt Vorrang vor Manndeckung. Die Abwehrreihe bewegte sich als geschlossene Einheit. Entstehende Lücken in der Defensive mussten durch viel Laufarbeit geschlossen werden. Außenverteidiger stießen als zusätzliche Offensivkräfte in die Sturmreihe, während die Stürmer sich in die Mitte bewegten. 60 Tore erzielte der MSV Duisburg mit dieser Spielweise und war damit die sechsterfolgreichste Mannschaft der Saison 1963/64. In dieser Spielweise muss viel Dynamik gewesen sein und wenig Hinten-drin-Stehen. Wie gesagt, der Spitzname „Riegel-Rudi“ legt ein Missverständnis nahe. Und ein guter Torwart war Manfred Manglitz obendrein.

Die schönsten Fußballtorten der Welt III – MSV Duisburg

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Da „111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ diese Sammlung der schönsten Fußballtorten der Welt so nachhaltig unterstützt, gehört es sich, knapp eine Woche vor dem Abend zum Buch als Heimspiel im Duisburger Steinbruch Ausschau zu halten nach den Torten, die dem Verein, um den es hier so oft geht, gewidmet sind. Bewegtbilder habe ich nicht gefunden. Deshalb bleibt es jedem selbst überlassen, wie lange er sich beim Blick auf die Fotos in die kunstfertigen Details der Torten vertiefen möchte.

Ob es zu Sponsor Kärchers Zeiten schon Early Adopter der Digitalkamera gab? Gab es damals den Begriff für die Technik-Konsumenten überhaupt schon? Die Digitalkamera gab es zwar schon, aber sehr viel mehr als PCs konnte man Anfang der 90er doch gar nicht early adopten. Dachte  ich gerade beim Hochladen des Fotos, das samt Torte gerade mal knapp ein Jahr alt ist. Die Idee zur Geburtstagstorte für Ferry Schmidt hatte Nicki Be beim Benefiz-Spiel für die Opfer des Loveparade-Unglücks vom MSV Duisburg gegen den FC Schalke 04.


Als Vorlage für das Marzipan-Dekor diente das Lieblingsfoto von Ferry Schmidt, das sich auch als Profilbild auf seiner Facebook-Seite findet.

Eine weitere Geburtstagstorte, dieses Mal für einen MSV-Fan, findet sich von Lamiel geschaffen beim Torten-Talk.

Sogar eine Hochzeitstorte hat es schon gegeben. Auch hier war Nicki Be beteiligt beim Modellieren der Marzipan-Rosen. So wurde die Torte ein  Gemeinschaftswerk von ihr und Nina K.

Soulig und zu Duisburg stehen – Tacheles mit Duisburg bei Nacht

In der Anmutung klassischen Souls kommt hier ein Bekenntnis zu Duisburg, das so selten zu hören ist.

 

1. FC Köln nach Trennung von Erster Liga mit neuer Frisur

Wenn gefühlvolle Beziehungen zu einem Ende kommen, hilft es beim Abschiedsschmerz häufig, wenn wir aus uns einen anderen Menschen machen. Mancheiner überstand Trennungszeiten erheblicher besser, wenn er schon bald beim Friseur die Haare ließ. Da geht es dem 1. FC Köln nicht viel anders.  Der Abschied aus der Bundesliga ist nun fast drei Wochen her, und letzten Dienstag hat sich der Verein mit einer schicken neuen Frisur den Journalisten vorgestellt.

Die neue Frisur beim FC ist ein Bann, der über Worte verhängt wurde. Wer in den letzten Jahren so viel Ärger mit der großen Liebe Sportdirektor hatte, verliert einfach das Vertrauen. Welche Hoffnung hatte sich mit der Beziehung zu Volker Finke verknüpft. Doch der erwies sich mit den Jahren als mäkelnder Besserwisser. So einen mag keiner, selbst wenn er mal recht hat. Statt mit dem Sportdirektor möchte der FC nun mit dem „Leiter der Kaderplanung und des Transfermanagements“ versuchen, irgendwann die alte Beziehung zur Bundesliga wieder zu beleben. Der zuvor bei Hannover 96 als Chefscout engagierte Jörg Jakobs wurde dazu erwählt.

Doch unter der neuen Frisur soll sich auch das Denken völlig verändert haben. Jörg Jakobs wird anderes verantworten als seinerzeit Volker Finke. Dessen Aufgaben teilt sich Jörg Jakobs nämlich mit einem zweiten Mann dem „Leiter Sport“, namentlich Frank Schaefer, dem guten Gewissen des Vereins. Holger Stanislawski aber darf sich weiter Trainer nennen, macht aber dafür auch noch von der Arbeit Finkes was mit. Hieße sogar der Trainer nicht mehr Trainer,  hätte der FC gleich ein ganz anderes Leben beginnen können. Zumindest liegt die Vermutung nahe, ein wenig braucht ein Verein ebenso wie wir Menschen die Bindung an die eigene Vergangenheit. Sonst könnte der FC ganz haltlos werden und verwandelte sich gar tatsächlich etwa in den Karnevalsverein, als der er so oft geschmäht wurde. Selffulfilling Prophecy ist kein Gewäsch von Soziologie oder Sozialpsychologie.

Man weiß aber auch einfach einfach nicht, was letztlich richtig ist. Wieviele neue Frisuren führten wieder zu denselben Typen, die einen unglücklich machten. Sprich: es scheint da auch ungesunde Bindung an Vergangenheit zu geben, die durch neue Frisuren unbeeinflusst bleibt. FC-Präsident Werner Spinner erlebte das am Dienstag selbst. Da muss er noch einmal von der großen Liebe Sportdirektor erfüllt gewesen sein, und schon stand kurz von rosa Wolken umhüllt Jörg Schmadtke im Raum, während Jörg Jacobs sich neben Werner Spinner seine Gedanken machen durfte. So spitze ich mal einen Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger zu. Warten wir ab, ob die neue Frisur tatsächlich inneren Wandel nach sich zieht oder ob wir in einiger Zeit allesamt sehen, so richtig steht dem Verein die neue Frisur nicht. Kann vorkommen, ist normales Leben.

Warum es schwierig sein kann, die Leistung von Fußballern gerecht zu bewerten

Ich werde jetzt hier nicht zum Büchmann der geflügelten Fußballerworte, aber die letzten Interviews in der Süddeutschen Zeitung haben mir viel Freude bereitet. Und da sie momentan nicht online zu finden sind, will ich euch die besten Stellen nicht vorenthalten. Heute bekommt Sami Khedira die Chance einmal pro domo zu sprechen, also für all die defensiven Mittelfeldspieler, deren größte Qualität es ist, unauffällig einem Spiel den Stempel aufzudrücken. Er erzählt, die Zeit in Madrid habe ihm geholfen, „dieses Spiel noch besser zu verstehen“. Boris Herrmann, der das Interview geführt hat, nimmt das dankend auf und fragt nach diesem Wissen: „Erklären Sie es uns!“

Khedira: Das ist schwierig. Man muss begreifen, dass man einer Mannschaft enorm weiterhelfen kann, ohne direkten Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen. Es geht hier oft um Dinge, die nicht passieren. Es gibt Situationen, in denen ich früher den Weg in die Spitze gegangen wäre, in denen ich heute erkenne: Es ist cleverer, sich herauszunehmen, auf die Möglichkeit einer eigenen Torchance oder einer Vorlage zu verzichten. Aber dafür stehe ich dann richtig, wenn wir den Ball verlieren. Das sieht bei Weitem nicht so spektakulär aus. Das ist praktisch unsichtbar.

Praktisch Unsichtbares entzieht sich schneller Wertung. Wer die Gelegenheit hat, das ganze Interview zu lesen: macht es. Viel Inhalt auf einer Drittelseite.

Fundstücke III: Gianlucca Vialli über sein Verhältnis zu Ex-Vereinen

Vor dem Spiel des FC Bayern München gegen den FC Chelsea wurde einer der großen italienischen Fußballspieler der 90er Jahre von der Süddeutschen Zeitung interviewt. Der 1964 geborene Gianlucca Vialli spielte ab 1996 für den FC Chelsea und wurde 1998 Spielertrainer bis 2000. Seine Vereine zuvor waren Cremonese, Sampdoria Genua und Juventus Turin. Auf die Frage, ob er den „Blues“, dem FC Chelsea, noch nahe stehe, holte er weiter aus und fand ein schönes Bild für das Verhältnis von Fußballprofis zu ihren ehemaligen Vereinen.

Mit den ehemaligen Vereinen verhält es sich wie mit Ex-Frauen oder -Freundinnen. Manche hasst man, manche mag man, manche sind einem wichtig – und man will, dass es ihnen gut geht. Aber nicht zu gut, sie liegen ja jetzt mit einem anderen im Bett. Cremonese, Sampdoria, Juve, Chelsea – ich hatte nur Frauen in meinem Leben. Und ich mag sie alle.
Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2012


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