Ein verdammt gelungener Cliffhanger

Aus dramaturgischer Sicht bedeutet das Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf das perfekte Ende der Spielzeit 2011/12. Die Mannschaft bot eine überzeugende Vorstellung, in der das Herzblut aller Beteiligten spürbar war. Spielerisch und kämpferisch stellte diese Mannschaft noch einmal uns als ihr Stammpublikum völlig zufrieden. Die Mannschaft wollte dieses Spiel gewinnen. Die Spieler gaben uns als Zuschauern jederzeit das Gefühl, ihnen war die Bedeutung dieses Spiels bewusst und sie wollten dieser Bedeutung gerecht werden.  Gleichzeitig verweisen viele Handlungsfäden dieses Spiels auf zukünftige Begegnungen. Da sind Rechnungen offen geblieben, und da der Aufstieg der Fortuna unwahrscheinlich ist, wird es Gelegenheit geben, auf diese offenen Rechnungen zurück zu kommen.

Allem voran wurde einem unserer Helden übel mitgespielt. Nichts wirkt sympathischer in dieser Welt als die verfolgte Unschuld, auf niemanden fällt ein gerechterer Zorn als auf die arrogante Macht im Fehlurteil. Die Macht Knut Kircher bekam bei erregter Rudelbildung in der 23. Minute nicht allzu viel mit, meinte aber dennoch souverän entscheiden zu müssen und zog eine gelbe Karte auf Verdacht, um Unschuld Maurice Exslager innerhalb von „fünf  Sekunden“ ein zweites Mal zu verwarnen. Gelb-rot, also, und der MSV Duisburg sollte fortan mit nur noch zehn Spielern spielen. Knut Kircher scheint die Rolle des bad guy zu gefallen, schließlich wiesen sogar die Düsseldorfer Spieler ihn darauf hin, nicht Maurice Exslager habe da etwas gesagt sondern Jürgen Gjasula. Aber ein bad guy kann nicht aus seiner Haut. Vielleicht wirkt aber auch eine Unschuld, die als Holligan angefeuert wird, auf bad guys besonders provozierend. Dabei ist ja alles nur ein großes Missverständnis. Nach Selbstauskunft der betreffenden Anhänger wurde Maurice Exslager ja gar nicht „Hooligan“ gerufen, sondern die ihm besonders zugewandten Anhänger riefen „HooliganS„. Ein im Massenruf kaum hörbarer Buchstabe, und schon kann das Leben eines Menschen ungeahnte Wendungen nehmen. Neulich ging durch die Presse, dass alleine das Anziehen  eines Arztkittels medizinischen Laien zu größerer ärztlicher Kompetenz verhelfe. Ich vermute, mit Namen hat es eine ähnliche Bewandnis, und Maurice Exslager muss aufpassen, sonst wird solcher Begleitschutz, wie hier auf dem Foto bei DerWesten zu sehen, noch zur lieben Gewohnheit.

Wie es sich für die endlose Geschichte um den MSV Duisburg gehört, wurde eine der Hauptfrage der Folge zur Zufriedenheit des Publikums geklärt. Der zehnte Platz wurde mit dem 2:2-Unentschieden aus eigener Kraft gesichert. Trotz des so langen Spiels mit einem Mann weniger gab es keine Niederlage. Ein glorreicher Sieg als endgültiger Schlussstrich unter die Saison blieb der Mannschaft aber auch verwehrt, weil das Böse zugeschlagen hatte. So bleibt uns der Glaube an diese Mannschaft. Uns bleibt die Hoffnung auf die Zukunft, in der verdiente Siege des MSV Duisburg jede Ungerechtigkeit der Vergangenheit vergessen machen.  Einen besseren Cliffhanger hätte es nicht geben können. Ich muss gestehen, auf den ersten Spieltag der kommenden Saison zu warten, fällt mir nach diesem Spiel verdammt schwer.

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2 Antworten to “Ein verdammt gelungener Cliffhanger”


  1. 1 Sabine Ka 7. Mai 2012 um 18:51

    Lieber Cliffhanger als Plothole, oder?! 😉

    In der Tat, von mir aus könnte die Saison auch noch drei oder vier Spiele weiter gehen. Der – wunderbar treffende – Begriff „Cliffhanger“ ist mir in dem Zusammenhang aber (noch) nicht eingefallen, trifft aber zum Abschluss dieser Saison den Nagel sowas von auf den Kopf! 🙂
    Ein Bissken DFB Pokalfinale, ein Bissken Championsleaguefinale, ein Bissken Euro2012, ein Bissken Sommerpause, ein Bissken Olympiade und, fupp, ist schon die nächste Saison. Und hoffentlich können die Jungs bis da hin Einstellung und Leidenschaft konservieren. Die wirklichen Leistungsträger bleiben, nur eine Handvoll neue werden vielleicht hinzu kommen. Das hatten wir hier schon länger nicht mehr!
    Beim Gedanken an die Saison 2012/13 wird mir erwartungsfroh warm ums Herz. 🙂

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  2. 2 Kees Jaratz 7. Mai 2012 um 20:38

    Klingt nach guter Saisonvorbereitung und entsprechender Zuschauer-Frühform.

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