Archiv für August 2012

Der Song für den Tag

Pressekonferenzen mit Kosta Runjaic

Ein wenig unwohl ist mir ja mit diesem Text. Noch sind keine Verträge unterschrieben, und dennoch kursieren die Nachrichten, der derzeitige Trainer vom SV Darmstadt 98, Kosta Runjaic, werde der neue Trainer des MSV Duisburg. Genau diese Nachrichten machen die Verhandlungsposition von Ivica Grlic schlechter. Womöglich scheitert alles trotz der so klaren Absicht, Kosta Runjaic zu verpflichten. Allerdings geht der Vize-Präsident vom SV Darmstadt 98, Rüdiger Fritsch, laut eines gestrigen Artikels im Darmstädter Echooffenbar nicht mehr davon aus“, dass der Verein den Trainer weiter halten könne. Hoffen wir also darauf, dass die Gespräche über die Details der Vertragsauflösung einen guten Ausgang für den MSV Duisburg nehmen.

Kosta Runjaic ist nach meinem Eindruck der Trainer, auf den in Duisburg alle warten, für die die Worte mittel- und langfristig, kontinuierliche Aufbauarbeit und Erfolg untrennbar miteinander verknüpft sind. Sprich: er ist auch für mich ein Trainer der ersten Wahl. Wenn eine Ablösesumme gezahlt werden muss, so soll sie gezahlt werden. Wir wissen zwar, der MSV Duisburg hat kein Geld, doch Einmalzahlungen sind wahrscheinlich allemal günstiger als die monatliche Überweisung höherer Honorare an Trainer mit bekannteren Namen. Alles Spekulation zugegeben. Aber nirgendwo steht geschrieben, dass spekulierende Gedanken nicht die Stimmung heben dürfen.

Um die Qualitäten von Kosta Runjaic einzuschätzen gibt es nicht nur die sportlichen Erfolge mit dem SV Darmstadt 98. Da gibt es eine über das Fußballspiel hinausgehende strategische Kompetenz, die er beim Kaderaufbau bewiesen hat. Er wirkte an sehr unterschiedlichen Positionen im Fußballbetrieb, vom Verbandstrainer über den Taktikanalysisten bis hin zum Co- und Cheftrainer. Darüber hinaus lassen sich mit den Bewegtbildern von den Pressekonferenzen weitere Eindrücke gewinnen. Er analysiert präzise und knapp, ist sehr konkret und vermeidet inhaltsleere Stellungnahmen nach einem Spiel. Gleichzeitig wirkt er sehr ernst und kontrolliert, womit er zugleich zeigt, wie sehr er sich der öffentlichen Wirkung seiner Worte bewusst ist. Humorvolle Momente der Pressekonferenzen habe ich bei der zufälligen Auswahl nicht gefunden.

Mit den folgenden drei Clips könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Die dritte Liga hatte schon im Juli begonnen, und so gibt es aus dieser Saison schon Bilder von ihm.

In der letzten Saison ist er nach dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt ab Minute 2.39 zu sehen. Das Spiel endete 1:1, und es folgte eine klare Analyse.

Nach dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen redet er ab Minute 2.34. Ihr werdet wissen, ich bin ein großer Freund von Erklärungen für Entscheidungen. Deshalb begeistert mich geradezu, wie souverän Kosta Runjaic die kritisch gemeinte Nachfrage zur Einwechslung eines Spielers erläutert und dabei die Deutungshoheit behält.

Im Moment glaube ich, sollte die Verpflichtung von Kosta Runjaic tatsächlich gelingen, wird das eine wunderbare Zeit für mich. Der ein und andere Sieg der Mannschaft müsste natürlich auch noch hinzukommen.

Filmtipp – auch für die Spieler vom MSV Duisburg

Eigentlich sollte dieser Kurzfilm Pflichtprogramm für den Kader des MSV Duisburg sein. Beim Mannschaftsabend per Beamer an die Wand geworfen, und wahrscheinlich würde mancher dann erst begreifen, warum da nun neben Ivo Grlic dieser legendäre Bernard Dietz mit auf dem Trainingsplatz steht. Sie werden ihn sicher schon mal flüchtig kennengelernt haben, diesen Bernard Dietz, doch was die Anwesenheit von Bernard Dietz für sie selbst bedeuten müsste, das, so vermute ich, haben die meisten wahrscheinlich noch nicht vollends in sich aufgenommen.

Mit dem sehr gelungenen kurzen Film von Tom Theunissen aus dem Jahr 2008 könnte das gelingen. Die Spieler könnten mit diesem Film noch einmal erfahren, wie sehr die Grundlage für jedes Spielen in Systemen die Einstellung des einzelnen ist. Eigentlich müssten sie dankbar sein, dass sie nun wahrscheinlich 14 Tage lang mit Bernard Dietz trainieren dürfen. Er selbst wird so etwas niemals hören wollen. Die Spieler könnten viele Sympathien zurück gewinnen. Sie bräuchten dazu nicht einmal beim TSV 1860 München gewinnen. Sie müssten nur im Spiel durchweg zum Ausdruck bringen, was Bernard Dietz den Kindern in seiner Fußballschule weitergeben will. „Was ich erreicht habe … Ich habe mir das erarbeitet, durch meine Einstellung. Und das wollte ich den Jungs vermitteln, dass sie heute die Möglichkeit haben, sich im Fußball eine Existenz aufbauen zu können.“ Das sagt er bei Minute 9.25.  Ob diese Pädagogik durch gelebtes Vorbild auch bei mehr oder weniger erwachsenen Spieler wirkt? Ich hoffe es sehr. Der Dank gilt ZebraMoviez fürs Hochladen

Die profane Gegenwart findet sich sowohl für etwas mehr als 2 Minuten auf der Seite des MSV in einem Clip von Studio47 als auch in einem Clip bei Goal.com. Der Tag nach der Entlassung von Oliver Reck auf dem Trainingsgelände mit O-Tönen von Goran Sukalo, Felix Wiedwald und Maurice Exslager.

Kees Jaratz zeigt Köln die Fußballorte des Ruhrgebiets

Mehr Duisburger als Kölner wissen durch ihr Mitlesen hier, sie alle leben für mich in benachbarten Stadtteilen einer imaginären Großstadt. So gehört das Literaturfest „Rheinlesen“ meiner Meinung nach in die Veranstaltungskalender von Köln bis Hamm, zumal die „111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ bei so einem Schaulaufen der lokalen Wortwerker natürlich nicht fehlen.

Leider ist Frank Baade am Samstag, dem 8. September, unabkömmlich, deshalb halte ich alleine um 14.30 Uhr für unser Buch im Hafenamt des Rheinauhafens die Fahnen hoch, lese daraus, werde womöglich mit dem Jürgen-Klopp-Arbeiterfußballlied ein Geheimnis seines Erfolges lüften und sehen, ob die technischen Gegebenheiten das Einspielen von legendären O-Tönen Joachim Hopps möglich machen. Sprich, wir haben rund um das Buch ein kleines Programm zusammengestellt, das etwas mehr verspricht als die reine Lesung. Zum Notieren nochmals übersichtlich und  gebündelt.

111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss

– Auschnitte aus dem Programm zum Buch –

Zeit: Samstag, der 8. September, 14.30 Uhr

Dauer: circa 45 Minuten

Ort: Köln – Rheinauhafen, Hafenamt

Für Adressen und  Orientierung findet sich
der Lageplan mit einem Klick weiter hier.

Halbherziger Boulevard zeigt den Dilettantismus bei der WAZ

Es ist schon schwierig mit den Strukturen. Immerzu gibt es da eine Vergangenheit, die sich in der Gegenwart bemerkbar macht. Bei der WAZ etwa heißt diese Vergangenheit Lokalzeitung für ein sehr gemischtes Lesepublikum, und die schleppt so eine WAZ der Gegenwart immer mit sich, wenn sie es in Krisenzeiten mal so richtig populistisch krachen lässt. Mein Gott, was muss dann da für eine dicke, fette Überschrift noch an Text alles drunter. Die Leser erwarten einfach längere Artikel als in der BILD. Dabei reichen sechs, sieben Sätze für so eine Überschrift: „Der Reck-Rauswurf zeigt den Dilettantismus beim MSV Duisburg“.  Damit wäre die empörte Volksseele auch wunderbar bedient. Daneben das Foto einer nackten Spielerfrau gesetzt, und schon steigen die Klickzahlen ins Unendliche.

Dann fiele auch nicht weiter auf, dass der Dilettantismus mit nicht einem Satz im Text weiter begründet wird. So aber steht der WAZ-Journalist plötzlich nackt da, denn das jedem sichtbare Geschehen soll schon hinreichend für ein Urteil sein? Nachher ist immer alles leicht bewertbar. Was wäre denn, wenn Jürgen Gjasula gesund geblieben wäre? Ich behaupte, dann könnte man von einem mittelprächtigen Saisonanfang berichten und müsste eigentlich das gleiche Urteil fällen. Lauter Dilettanten beim MSV Duisburg! Können nicht mal verhindern, dass die Spieler erkranken und sich verletzen.

So könnten sich die Journalisten bei der WAZ eigentlich in derselben Situation wie die Verantwortlichen beim MSV Duisburg fühlen. Immerzu müssen sie sich mit alten Strukturen auseinander setzen. Sie sind zwar auf einem guten Weg zum Neuen, dem Boulevard, indem sie die letzten zwei Jahre in diesem Verein unterschiedlos zusammenrühren. Der Rest aber wirkt noch etwas dilettantisch. Doch dafür kann ja der einzelne Journalist nichts. Das sind die Strukturen. Das dauert bis eine Lokalzeitung so verändert ist, dass man nur noch Meinung und keine Analyse mehr erwartet.

An der Analyse versuche also ich mich einmal. Zugegeben auch nur per äußeren Ansehen, doch mit nachvollziehbaren Begründungen, so dass überhaupt irgendetwas argumentativ verhandelt werden kann. Die Strukturen, das ist das entscheidende Stichwort auch beim MSV Duisburg. Da gab es einen Verein, dessen Organisationsstruktur ganz auf die Persönlichkeit Walter Hellmichs abgestellt war. Als Erfolge ausblieben, war sogar Walter Hellmich selbst nicht mehr glücklich damit und meinte, es sei besser, zu gehen. Mitentscheiden über das, was kommt, wollte er aber auch.

Wenn Macht so konzentriert war, wie in seiner Vergangenheit, ist es nicht einfach, das entstehende Vakuum zu füllen, besser noch eine Struktur zu schaffen, die in Zukunft gar nicht erst so ein Vakuum entstehen lässt. Andreas Rüttgers erst versucht das, und er geht dabei mit Menschen um, die schon länger als er im Unternehmen MSV Duisburg, diesem dem Verein ausgelagerten Profi-Betrieb, Verantwortung tragen. Das sind schwierige Konstellation. Denn auch diese Menschen, sagen wir Roland Kentsch,  haben Verträge und Vorstellungen von erfolgreichem Arbeiten. Das ist normal und nicht verwerflich. Niemand kann also einfach daher gehen,  irgendetwas Neues in Gang setzen. Nicht einmal ein Wunderonkel mit viel Geld könnte das, um die Hellmich-Linie mit einem neuem Namen fortzusetzen. Auch er müsste mit vorhandenen Strukturen umgehen. Ihm ginge das leichter von der Hand, weil es auf den ein oder anderen Euro nicht ankäme.

Reden wir also vom Geld. Dieses Geld gibt den Rahmen vor. Bruno Hübner ging, weil er ein attraktiveres Jobangebot bekam. Die Modalitäten seines Wechsels sind fragwürdig, aber von den gegenwärtigen Personen im Verein nicht zu verantworten. Was macht also der Name Bruno Hübner in dem oben genannten Artikel? Er ist einfach ein bisschen Feuermaterial für die Stimmung. Weiter im Text. Der MSV Duisburg hat immer noch zu wenig Geld, auch nach dem Weggang von Bruno Hübner. Milan Sasic fehlt zudem der Konterpart, damit er nicht erneut in alte Fehler seiner Persönlichkeit verfällt. Hat damit irgendeiner der derzeit Verantwortlichen etwas zu tun?

Milan Sasic ist nicht erfolgreich. Als kostengünstigste Lösung tritt Oliver Reck die Nachfolge an. Unterstützt wird er von Uwe Schubert. Es ist ein ungewöhnliches Modell. Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Inzwischen ist auch Andreas Rüttgers Vereinspräsident geworden und besitzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dieter Steffen Vorstellungen darüber, welche Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung des MSV Duisburg geschaffen werden müssen.

Doch bei Entscheidungen in diesem Verein stehen die Verantwortlichen immer vor der Frage, wohin fließt das Geld am besten. Geht das Geld in die Verpflichtung eines neuen Spielers oder bringt es uns stattdessen im Jugendbereich weiter? Verpflichten wir einen externen Sportdirektor, der die Gegebenheiten vor Ort erst kennenlernen muss, so also betriebswirtschafltlich gesehen, zusätzliche Kosten produziert oder nehmen wir jemanden, der sich im Verein auskennt, aber nicht ganz so erfahren ist. Die zweite Variante wurde gewählt. Mit Erfolg! Die Verpflichtungen von Ivica Grlic habe ich nach dem ersten Spieltag gelobt. Und ich bleibe bei meinem Urteil. Er hat mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, den Kader nicht schlechter gemacht, eher potentiell verstärkt. Die Ausfälle hat er nicht zu verantworten.

Beim Kaderumbau sind lang laufende Verträge zu berücksichtigen. Wieder stehen die Verantwortlichen vor der Frage, was tun? Versprochen war Kontinuität. Diese Kontinuität wurde zum ersten Mal seit längerem erfüllt. Dass das jetzt nicht funktioniert, wusste vorher niemand. Man muss Pläne erst einmal in die Wirklichkeit umsetzen.

Es bleibt alleine ein möglicher Kritikpunkt, und das ist die Verlängerung des Vertrages von Oliver Reck zu einem Zeitpunkt, in dem er erfolgreich war. Ich finde ihn sympathisch, und er hat mit dazu beigetragen, dass dem MSV Duisburg in der letzten Saison der Klassenerhalt gelang. Dafür gilt ihm unser aller Dank. Nun jedoch wird  Oliver Reck von vielen als ein Opfer angesehen. Aber bitte schön, der Mann ist erwachsen. Er kann frei entscheiden. Trage ich die Gegebenheiten mit. Oder denke ich, das kann eigentlich nicht gelingen. Der Kader ist zu dünn. Die Ausfälle werden uns zu Saisonbeginn chancenlos machen. Außerdem spüre ich das Misstrauen meiner erfahrensten Spieler Bajic und Sukalo – was so kolportiert wird. Das mache ich nicht mit. Da habe ich Gesprächsbedarf mit Ivica Grlic. Da geht es nicht um Loyalität. Da geht es um professionelles Arbeiten.

Also, das wäre eine Aufgabe eines ernst zu nehmenden Journalismus. An der Stelle müsste im Verein und bei Oliver Reck nachgefragt werden. Das müsste eingeordnet werden, denn jeder hat auch eigene Interessen in dieser Branche. Leichter ist es natürlich, in den Chor des tobenden Mobs mit einzustimmen. Wie gesagt, das ist schon mal keineswegs dilettantischer Boulevard. Schließlich eröffnen sich Möglichkeiten, wenn diese Stimmung befeuert wird. Platzsturm! Darüber kann man sich dann auch wieder heillos empören. Mit fetten Schlagzeilen. An der Textlänge und den Fotos der nackten Spielerfrauen muss allerdings noch gearbeitet werden.

Was ist die beste von all den schlechten Lösungen?

Die schreckliche eine Wahrheit: Die Entlassung von einem Trainer führt meist zu nichts. Die schreckliche andere Wahrheit: Es musste nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden etwas geschehen. Oliver Reck und Uwe Schubert alleine besaßen keine Mittel, um mit diesem katastrophalen Saisonanfang umzugehen. Diese Branche kennt in so einem Fall nur die Entlassung eines Trainers. Ich hoffe nur, dass bei dieser Entlassung den Verantwortlichen klar ist, welche Defizite von Oliver Reck zu der Situation führten. Offensichtlich ist eines: Oliver Reck glaubte, er befände sich in einer ähnlichen Lage wie bei der Niederlagenserie, kurz nachdem er das Traineramt übernommen hatte. Dieser grundsätzliche Irrtum machte sich besonders in den immergleichen Durchhalteparolen auf den Pressekonferenzen deutlich. Noch enger zusammenrücken als Mittel gegen ein vorübergehendes spielerisches Unvermögen ist vielleicht dann möglich, wenn eine Mannschaft ein Zentrum besitzt, das Orientierung für diese symbolische Bewegung bietet. Diese gegenwärtige Mannschaft besitzt dieses Zentrum nicht. Auf dem Platz stehen Spieler, die unterschiedliche Vorstellungen vom Spiel haben. Und das ist ohne Frage dem Trainer anzulasten.

Oliver Reck hat auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden nicht ein Wort zur ersten Halbzeit verloren. Wie soll jemand ihm vertrauen, wenn er die Mängel dieses Spiels nicht benennt. Muss man mehr zu dem Spiel schreiben als dieses Zitat des Dresdner Spielers David Solga: „Das war ein wichtiger Dreier für uns. Duisburg war sehr angeschlagen und das haben wir genutzt. Nach dem frühen Tor war uns bald klar, dass wir das hier schaffen würden, die ganze Körpersprache der Duisburger war entsprechend.“  Im Reviersport wird er zitiert. Das Führungstor fiel in der vierten Minute. 86 Minuten blieben, um das Ergebnis zu ändern. Doch erst einmal fügen sich die meisten Spieler in die Niederlage? Vom äußeren Anschein ohne Zweifel, von der inneren Haltung her womöglich auch nicht. Es gab Spieler, die schon in der ersten Halbzeit, das Ergebnis ändern wollten. Es gab aber keine Mannschaft, die das ausstrahlte. Es gab kein einheitliches Bild, wie auf das Tor reagiert werden sollte. Sobald etwa Goran Sukalo den Ball bekam, machte er das Spiel langsam. Er signalisierte, wir müssen kontrolliert angreifen, bedächtig sein. So etwas geht nur, wenn irgendeine Struktur für diese Ballkontrolle vorhanden ist. Die gab es in der ersten Halbzeit nicht. Deshalb wirkte Goran Sukalo so, als überschätze er seine Auswirkung auf das Spiel. Er schien sich als erfahrener Spieler zu begreifen, der die Mannschaft organisieren muss. Wenn es danach aber keinen Plan gibt, scheint die Selbstüberschätzung nahe.

Das Spiel des MSV Duisburg war derart schlecht, dass im Kicker geradezu  Lobeshymnen über die „reifere Spielweise“ der Dresdner zu lesen sind. So eine Wertung kann nur durch den direkten Vergelich entstehen. Denn  auch beim Gast passte  nicht viel zusammen. Wieviele Angriffe hat diese Mannschaft wirklich erfolgreich ausgespielt? Wann war sie gefährlich, wenn sie nicht gerade von den Spielern des MSV Duisburg zum Torschuss eingeladen wurden? Eine Kopfballabwehr zentral vors Tor, knapp außerhalb des 16-Meterraums? Wunderbar, sagen da die Dresdner, da schießen wir doch das zweite Tor.  Wie lange flog die Flanke vor dem Führungstor durch die Luft? Im Ärger zugespitzt war ich der Ansicht, zwei zukünftige Absteiger gesehen zu haben. So weit ist es noch nicht.

Dieser Saisonanfang sollte deutlich gemacht haben, wie sehr die Leistung der Rückrunde in der letzten Saison davon abhing, dass Jürgen Gjasula zu seinem Spiel gefunden hatte. Die  Ausfälle der anderen Spieler kamen hinzu. Es blieben Spieler mit Qualitäten, für die Oliver Reck und Uwe Schubert keine gemeinsame Spielstruktur fanden.  Vielleicht hatten sie eine Vorstellung vom jeweiligen Spiel. Zu erkennen war sie nicht. Dann hätte sie erzählt werden müssen. Das wäre die einzige Alternative zur Entlassung gewesen. Jemand hätte den beiden zur Seite gestellt werden müssen. Es wäre ein ungewöhnlicher Weg gewesen, der finanziellen Situation geschuldet. Denn daran denke ich auch bei dieser Entlassung und an das Vorhaben, in diesem Verein mal etwas auf längere Sicht aufzubauen. Nun stehen die Verantwortlichen wieder vor der Aufgabe aus der Not heraus Entscheidungen zu treffen. Wir sehen, in dieser Situation gibt es keine gute Lösung. Es gibt nur die beste von all den schlechten, bei der aber eines gewiss ist. Es musste gehandelt werden. Hoffen wir auf neue Hoffnung. Mehr als das gibt es im Moment nicht.

Motivationshilfe für den potentiellen Torschützen gegen Dynamo Dresden

Mit dem Blick in die Paderborner Vergangenheit von Sören Brandy will ich noch ein wenig Schmetterlingsflügelschlagen, damit sich meine Prognose von gestern gleich erfüllt. Sören Brandy schießt heute das zweite Tor gegen Dynamo Dresden. Das könnte dann ungefähr so aussehen wie im Spiel des SC Paderborn gegen Energie Cottbus im April dieses Jahres. Damals traf Brandy zum 2:o per Kopf nach Freistoß (ab Minute 2.03) und zum 3:0 (ab Minute 2.58), indem er einem weiten Schlag in die gegnerische Hälfte entschieden nachging. Beide Tore ließen sich auch mit der momentanen Spielweise des MSV Duisburg problemlos erzielen. Die Bildqualität ist leider etwas getrübt.

Dann will ich also nochmals Vorbild sein

Einen Sieg, notfalls durch Tor nach Standardsituation, hatte ich mir vor dem Pokalspiel gegen Halle ausgemalt. Wir wissen, es kam genauso. Nun will ich vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden nicht maßlos sein, aber ein paar mehr gelungene Spielaktionen über die gesamte Spielzeit könnten die Stimmung im und rund um den MSV Duisburg deutlich aufhellen. Noch einmal will ich also mit gutem Beispiel vorangehen, und vor dem Spiel etwas mehr zu lesen geben als einen knappen Text mit einer Art Standard des Blogger-Daseins.

Dabei stecke ich in der Zwickmühle, in der Gegenwart nicht allzu viel Material zu finden, dass mich für den morgigen Tag hoffnungsfroh stimmt. Anscheinend bin ich mir da mit Oliver Reck einig. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Halle schien er nämlich noch die schummrigsten Lichtblicke in helles LED-Leuchten verwandeln zu wollen, um keinesfalls den Keim einer positiven Stimmung zu gefährden. Glück als spielbestimmende Kategorie hatte da nicht viel Platz. Die Arbeit musste auf jeden Fall im Vordergrund sein, wie hier bei Minute 5.38  die etwas gereizte Reaktion auf die Nachfrage nach Zusatzbedingungen für den Sieg zeigt.

Wir Realisten wissen aber, die Mannschaft braucht gegen Dynamo Dresden eine große Portion Glück, um das Spiel zu gewinnen. Im Grunde beschleicht mich diese unangenehme Ahnung, schon mit einem Unentschieden könnte ich zufrieden sein. Ich sehe ein Ringen und Kämpfen vor meinem geistigen Auge, und ich muss mich wirklich anstrengen, mich hier in meinem Blog nicht die ganze Zeit hinten rein zu stellen und einen Videoclip nach dem anderen einzubinden, um aus der Sicherheit des Standards heraus, auf die Gunst eines zufälligen Geistesblitzes zu hoffen.

Doch etwas Variation in der Anlage von Beitrag und Spiel können wir alle gebrauchen. Fussballdaten.de etwa verrät uns, zehn Spiele gab es zwischen dem MSV Duisburg und Dynamo Dresden insgesamt. Zwischen 1991 und 1995 spielten die Vereine in der Bundesliga sechsmal gegeneinander, viermal kam es zu Begegnungen in der 2. Liga. Details mit dem Klick oben. Die Bilanz insgesamt, vier Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen. Ein Heimspiel des MSV Duisburg ging bislang noch nie verloren. Ich will dieses eine böse Wort aber nicht schreiben, weil Mannschaften des MSV Duisburg in der bislang gesehenen Verfassung dazu neigen, dem Gegner die lang vermissten Erfolgserlebnisse zu gewähren. Und dann kommt dieses böse Wort nie ohne seinen Begleiter „gerissene“ daher. Die Dresdner jedenfalls, so ist zu lesen, kommen nach Duisburg, um zu gewinnen. Man muss aber schnell zu den Dresdner Nachrichten klicken, weil nach kurzer Zeit der Online-Inhalt nur noch für zahlende Kunden zugänglich ist.

Angesichts der ersten zwei Punktespiele schrecke ich vor keinen zusätzlichen Hilfsmitteln zurück. Ich denke sogar, jeder sollte mit dem Blick in die Vergangenheit, die Nerven stärken. Dabei hilft der Abstand zu der Zeit gemeinsamen sportlichen Misserfolgs. Die Trauer beim Abstieg wird längst überlagert durch die angenehmen Erinnerungen an bessere Zeiten, die mit Namen wie Wohlert, Nijhuis oder Hopp verbunden sind. Im März 1995 hofften beide Vereine noch auf Siegesserien, die aus dem Tabellenkeller hätten wegführen sollen. Es sollte nicht sein, und das 1:1-Unentschieden war wahrscheinlich ein letzter Hinweis auf das drohende gemeinsame Schicksal des Abstiegs.

Beim Hinspiel im September hatte es für Dynamo beim 4:2-Heimsieg noch besser ausgesehen.

Bei den letzten Sätzen nun denke ich, der Beitrag könnte Vorbild für ein holpriges 2:0 werden, das in den letzten 15 Minuten nicht sonderlich attraktiv zu Ende gebracht wird. Ein Tor, erneut durch Bajic nach einer Ecke, ein weiteres, von sehr viel Glück begünstigt durch Brandy, dazu viele Standards, viel Kampf, aber auch erste einzelne gelunge Kombinationen. Ist schon mal was, die Hoffnung sich zurück erschrieben zu haben.

Halle, MSV und Rechtextreme – Argumente für Öffentlichkeit

Einen Sinn für PR und öffentlich wirksamen Effekt haben sie ja gehabt, die anscheinend ganz in weiß gekleideten, martialisch aussehenden Männer mit sehr eigenen Vorstellungen davon, was Fangesang bedeutet im Gästeblock des MSV Duisburg beim Pokalspiel in Halle. Während eines Auswärtsspiels im weiter entfernten Osten ist die Chance groß, mit wenig stimmlichen Aufwand  mit antisemitischem und rassistischem Schmähgesang wahrgenommen zu werden. So weit also geschehen am letzten Samstag, und nach langer Zeit stehen der Verein und viele seiner Fans vor der Frage, findet rechtsextremistisches Gedankengut zunehmend Anklang in der Duisburger Fankurve und wie darauf reagieren?

Diese Frage stellt sich unabhängig von den Möglichkeiten der Strafverfolgung, einer jener Männer verstieß ohne Zweifel gegen ein Gesetz. Das wird vom Staatsschutz verfolgt, so weit, so gut. Allem nicht verbotenen zu begegnen wird da schon schwieriger. Die dringlichste Forderung heißt da für mich, Öffentlichkeit herstellen. Das betone ich, weil sich mancher Anhänger des MSV Duisburg in den letzten Tagen um das Image seines Vereins sorgte. Sie wollten dieses Thema nicht so groß beredet haben, hielten es für eine Lappalie. Der Ruf der Zebras nehme deshalb schaden, weil so eine Lappalie zur rechtsextremistischen Gefahr dramatisiert werde.

Dabei ist es gerade umgekehrt. Es wirkt vorbildhaft, dass möglichst viele Anhänger des MSV Duisburg sich öffentlich dazu äußern. Es wirkt vorbildhaft, dass sich Fans gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus positionieren. Es geht nicht darum jemanden aus dieser Gruppe weiß gekleideter Männer zu überzeugen. Es geht darum, zu zeigen, in Duisburg werden Anzeichen für rechtextremistisches Gedankengut in der Kurve ernst genommen. Im MSVportal wird über Reaktionen diskutiert, der MSV Duisburg reagiert auf seiner Seite. Mir fehlt jetzt nur noch ein Statement  vor dem Spiel gegen Dynamo Dresden. All das ist inzwischen unabhängig davon nötig, wie groß der Vorfall in Halle tatsächlich gewesen ist, und zwar deshalb weil jede Gesellschaft mit ihrer besonderen Geschichte eigene Empfindlichkeiten und Tabus entwickelt. Wenn diese berührt werden, hilft es nicht, so zu tun, als sei nichts gewesen.

Ronny Blaschke hat für sein Buch „Angriff von Rechtsausßen“ den Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer interviewt, der sich während seiner gesamten Karriere mit Rechtsextremismus  – unter anderem im Fußball – beschäftigt hat. Eine seiner Antworten gibt mir und uns ein Argument für diese gesuchte Öffentlichkeit, für das Bereden des Geschehenen, aber auch ganz dringlich für Präventionsarbeit durch den Verein mit seinem Fanbeauftragten:

Wir haben in den Kurven zwar homogene Gruppen, aber wir haben auch eine Hierarchie. Diese Hierarchie wird formal nicht festgelegt, sondern sie entsteht schleichend. Wer entwickelt sich zum Meinungsführer? Wer zum Sympathieträger? Wer hat die schönste Freundin? Über solche Mechanismen laufen Hierarchisierungen ab. In diesem Raum können rechtsextreme Einstellungsmuster leicht reproduziert werden, gegenteilige Meinungen werden unterdrückt. … das Stadion ist das einzige Setting, wo die Abwertung schwacher Gruppen massiv und lautstark nach außen in die Öffentlichkeit getragen werden kann, etwa durch Fangesänge und Symbole.

Es entsteht ein Grundkonsens, der Abwertung im Stadion akzeptiert?

Richtig, jede Art von Normalisierung ist gefährlich, denn alles, was als normal gilt und worübr sich niemand mehr aufregt, kann man nicht problematisieren. Wenn ein Normalitätsstandard das Bewusstsein der Fans erreicht hat, dann befinden sie sich schnell in dem Glauben, sie seien mit diesen Einstellungsmustern Teil einer Mehrheit und nicht einer Minderheit.

Für Rechtsextremisten gibt es an dieser Stelle die entsprechenden Anknüpfungspunkte. Und es wird immer wieder irgendwo versucht, die Hoheit über die Kurve zu erlangen. Es geht dann für jüngere Fans schnell nicht mehr um rationales Handeln, es geht um Gruppenzugehörigkeit, dabei sein wollen, Anerkennung und irgendwann auch nochmal um den Fußball. Deshalb ist beides richtig, öffentlich zu sagen, was da in Halle geschehen ist, will ich beim MSV Duisburg nicht sehen. Gleichzeitig sind auch der Verein und die Sicherheitskräfte gefragt. Notwendig ist aber auch auf Seiten des Vereins das Reden mit jungen Fans, die nach Orientierung suchen. Da braucht es den Einsatz vom Verein! Da braucht es wahrscheinlich mehr als einen Fanbeauftragten.

Und noch eins: Weil im Detail der diskutierten Reaktionen die Meinungen auseinander gehen bei allem Konsens über die zu ächtende extremistische Haltung. Die Kleidungsfrage steht da häufig umstritten im Zentrum, und dabei erweist sich das Private durchaus schnell als politisch. Wir Individuen unterliegen Gruppenzuschreibungen beim Auftreten in der Öffentlichkeit, und wer die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar trägt, muss viel erklären, ehe man ihm glaubt, dass allein der modische Geschmack der Entscheidung zugrundeliegt. Und Ausschlusskriterien nach Kleidung gibt es doch längst. Nicht alles, was sich anziehen lässt, ist im Stadion gerne gesehen. In der Fan-Kurve ist manches sogar schon jetzt verboten. Ich kann noch so sehr beteuern, dass allein der Schnitt des Schalke-Trikots die Schönheit meines Körpers besonders betont. Glauben werden mir nur die wenigsten.

Die schönsten Fußballtorten der Welt IV – Borussia Mönchengladbach

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

                                                                                                                              Nachdem Borussia Mönchengladbach gestern das Hinspiel der Qualifikation zur Champions League gegen Dinamo Kiew mit 1:3 verloren hat, können Verein und Fans wahrscheinlich Trost gebrauchen. Nebenbei: Heißt die Qualifikation eigentlich jetzt offiziell Play-Off-Spiele? Mal wieder was verpasst? Oder klingt´s den Journalisten nur schöner im Ohr. Ich such da jetzt nicht hinterher. Ihr sagt´s mir, wenn ich was  wissen muss.  Trost bietet nach so einem Spiel, bei dem aus der Quantität, nämlich der Tore, nicht ganz auf die Qualität, nämlich der Spielanlage, rückgeschlossen werden kann, etwas  bei dem es genau umgekehrt ist. Der äußere Eindruck  zählt hier mehr als die Größe des Kuchens.

Zudem erweist sich der kurze Clip von jenem Borussia Mönchengladbach gewidmeten Backwerk als ein medienkritisches Stück der Laienvideokunst. Für den aufmerksamen Betrachter offenbart sich zu Beginn der Aufnahme, dass der gezeigte Kuchen vom Bildschirm eines Computers abgefilmt wurde. Wir verirren uns deshalb beim weiteren Betrachten in den Wirklichkeitssphären. Das Bild einer der unzweifelhaft schönsten Fußballtorten der Welt ist nur das Bild eines Bildes, wenn auch deshalb ein einzigartiges, weil es von dem „1. Frauen-Fussball-Fanclub Borussia Mönchengladbach“ ins Netz gestellt wurde. Und nun verwirrt euch 40 Sekunden lang mal mit dem Versuch im Kopf zu behalten, wieviel Bildebenen ihr gerade seht.


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